BMW i3: Fahrbericht

BMW i3 BMW i3 BMW i3

BMW i3: Fahrbericht

— 10.10.2013

So fährt der neue BMW i3

Mit dem i3 macht BMW sich fit 
für die Zukunft. AUTO BILD ist den Kompaktvan mit Elektroantrieb und radikalem Design gefahren.

Natürlich wird dieses Auto nicht im Alleingang die Welt retten. Aber der BMW i3 ist eine Herzenssache in München, die neben viel Ingenieurskunst auch drei Milliarden Euro Entwicklungskosten geschluckt hat. Und auch wenn das Auto mit seiner Carbon-Karosserie auf einem Alurahmen völlig neue Wege für die Großserie geht, wird es den Automobilbau nicht grundlegend verändern. Doch zumindest für BMW selbst ist dieses Auto eine Revolution. Denn alles ist anders bei diesem coolen Kubus, und die Bayern machen gar nicht erst den Versuch, das zu kaschieren.

Alle News und Tests zum BMW i3

Video: Erste Fahrt im BMW i3

Die Elektro-Revolution?

Das beginnt bereits beim Design: Viel zu schlank für die sonst so protzige Modellpalette, ungewöhnlich kurz und dafür ziemlich hoch ragt der Wagen auf, als hätten sie jetzt aus dem Mini doch noch einen Van gemacht. Und das gipfelt beim Innenraum: Denn nicht nur außen hat der i3 so gar nichts mehr von den aktuellen Modellen aus München, auch innen müssen sich BMW-Fahrer komplett neu orientieren und sich in ein neues Wertesystem fügen. Lack und Leder machen Platz für Sichtcarbon und Öko-Material aus nachwachsenden Rohstoffen, und das Cockpit ist völlig neu. Hinter dem Lenkrad prangt nur noch ein kleiner Bildschirm, und wo früher mal der Zündschlüssel war, wächst jetzt ein kleiner Knubbel aus der Lenksäule, an dem man die Fahrtrichtung einstellt. Den alten Schalthebel sucht man genauso vergebens wie analoge Instrumente und freut sich stattdessen am Blick auf einen riesigen Monitor über der Mittelkonsole.

Die dünnen Sitze sind bequemer, als sie aussehen

Schöne neue Welt: Der Innenraum setzt auf digitale Instrumente.

Das ungewöhnlichste ist aber die Sitzposition: Man steigt ganz lässig ein durch Portaltüren, die in gegenläufiger Richtung öffnen und fällt förmlich auf dünne Sesselchen, die viel bequemer sind, als sie aussehen. Dann genießt man die hohe Sitzposition wie in einem Geländewagen und die wegen der tief nach unten gezogenen Seitenfenster ungewöhnlich gute Aussicht – und fühlt sich dabei irgendwie abgehoben und der Welt entrückt. Denn während einen das Mobiliar selbst in einem X3 oder X5 förmlich gefangen nimmt und in die Kommandoposition zwingt, sitzt man hier auf und nicht im Sessel und nimmt eine lässigere Haltung ein. Krampfende Hände am Lenkrad und zusammengebissene Zähne wie im Dreier mit Vollgas auf der linken Spur wird man im i3 nie erleben.

Flüsterleise und gespenstisch unterwegs

Aber schließlich ist ja auch das Fahrgefühl nicht mehr von dieser Welt. Flüsterleise und gespenstisch kommt der i3 auf Touren. Das geschieht wie immer bei Elektroautos extrem flott. Doch wo anderen Stromern spätestens am Ortsausgang die Puste ausgeht, zieht der i3 munter weiter. Nicht die Straßenbahn, sondern wenn dann der ICE war das Vorbild für den 170 PS und 250 Nm starken E-Motor, der unter dem Kofferraumboden montiert ist und die Hinterachse antreibt.

In nur 7,2 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h

Kleiner Sprinter: In nur 7,2 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h. (Vmax: 150 km/h).

Er schafft es in 7,2 Sekunden von 0 auf 100 (Höchstgeschwindigkeit 150 km/h) und lässt wie ein echter BMW die meisten anderen Kleinwagen hinter sich. Und weil die schweren Akkus ganz unten im Wagenboden versteckt sind und der Radstand mit 2,57 Metern für ein Vier-Meter-Auto sehr üppig ist, liegt er dabei entsprechend satt auf der Straße. Da können die Kurven ruhig kommen. Egal wie wie vorausschauend man dabei fährt und wie oft man den rechten Fuß lupft – irgendwann ist der Akku leer. Im Normzyklus sollen seine 22 kWh für 190 Kilometer reichen, mit der Spaßbremse im Eco-Pro-Modus kommt man bis zu 200 Kilometer weit. Und für den Alltag verspricht BMW 130 bis 160 Kilometer. Danach muss der i3 an die Steckdose. An einer Schnellladestation soll man 80 Prozent schon in 30 Minuten zapfen können. Doch mit dem normalen Haushaltsstrom dauert der Spaß bis zu acht Stunden. Wem das zu lang oder die Reichweite zu gering ist, dem bietet BMW auch einen Range Extender an. Anders als im Opel Ampera hat dieser 34 PS starke Zweizylinder aus der Motorradsparte keine Verbindung zu den Rädern und treibt nur einen Generator an. So produziert er den Strom für weitere 100 Kilometer.

Die Preise sind deftig

Also alles prima auf dem Weg in die Zukunft? Zumindest so lange, bis man in die Preisliste schaut. Zwar waren die 34.950 Euro für das Basismodell eine echte Kampfansage, vor allem bei VW und Audi nicht ohne Wirkung geblieben ist. Doch vor allem die elektrischen Extras gehen richtig ins Geld: Der Range Extender für 4500 Euro wird zum wahrscheinlich teuersten Reservekanister der Welt, für die Wallbox daheim in der Garage zahlt man schon ohne Montage knapp 1000 Euro und wer die Schnellladung nutzen möchte, der ist noch einmal mit rund 1500 Euro dabei. Das wird die Kunden aber kaum abschrecken, glaubt BMW und spricht von einer unglaublichen Resonanz auf den Revoluzzer. Mit konkreten Zahlen zu Vorbestellungen oder Verkaufserwartungen halten sich die Bayern zwar zurück. Doch immerhin haben sie schon 100.000 Testfahr-Anfragen in den Büchern und offenbar auch die ersten Verkäufe. "Wer erst jetzt ein Auto bestellt, der hat dieses Jahr keine Chance mehr", sagt Produktmanager Oliver Walter. "Und nächstes Jahr muss er sich auch schon ein bisschen gedulden." Sensation im ersten Vergleich: Neuer BMW i3 besiegt VW Golf GTD – ab Freitag (11. Oktober) in der neuen AUTO BILD 41/2013!
 

Autor: Thomas Geiger

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.