Formel 1 2013

— 20.01.2013

Leiser, effizienter, cleverer: Die Turbozukunft der Formel 1

Warum Piloten ihren Motorsport-Grips einschalten und Ingenieure mehr rechnen müssen: Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die neuen Motoren





Die Formel 1 steuert 2014 auf eine technische Revolution zu: Die Königsklasse kehrt zu Turbomotoren zurück und reduziert die Zylinderzahl von acht auf sechs. Dazu macht der Motorsport weiteren Schritt hin zu "grüner" Technologie, indem die Möglichkeiten zum Einsatz von Hybridsystemen deutlich erweitert werden. Die Novelle wird Auswirkungen auf das Geschehen auf der Rennstrecke. Welche das sein werden, was sich hinter neuen Abkürzungen verbirgt und warum Sprit sparen Trumpf ist, klärt das FAQ.

Was ist von den Motoren 2014 zu erwarten?
Die Regeln sehen vor, dass maximal 100 Kilogramm Sprit ins Rennen mitgenommen werden dürfen. Derzeit sind 150 Kilo gängig, eine festgeschriebene Obergrenze gibt es aber nicht. Demzufolge muss die gleiche Renndistanz mit etwa einem Drittel weniger Benzin absolviert werden, die Teams werden jedoch nicht langsamer fahren wollen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die die Antriebsstränge 2014 um 30 Prozent effizienter sein müssen.

Der Artikel 1.22 des Technischen Reglements lässt Spielräume. Zum Antriebsstrang zählt nicht nur der Motor, künftig Internal Combustion Engine (ICE) genannt, sondern alles, was zum Vortrieb beiträgt. Darunter auch Systeme zur Energierückgewinnung (ERS). An die aktuellen V8-Motoren war KERS nach deren Entwicklung "angeschnallt" worden, während die Turbo-Aggregate von Anfang an unter der Maßgabe entwickelt werden, sie mit solcher Technik auszustatten - quasi eine integrierte Lösung.

Was leisten die neuen Motoren?
Der Motor hat 1,6 Liter Hubraum, genießt Turbo-Unterstützung und baut als Direkteinspritzer bis zu 100 Bar Druck auf. Während die aktuellen V8-Herzen maximal 18.000 Umdrehungen pro Minute auf den Drehzahlmesser zaubern, werden es künftig nur noch 15.000 sein - so will es das Reglement. Die Energierückgewinnung wird erweitert. Sie darf nicht mehr nur an der Hinterachse, sondern auch am Turbolader werkeln.

Das gesamte Bauteil nennt sich im Fachjargon Motor Generator Unit Kinetic (MGUK), das am Turbo ist die Motor Generator Unit Heat (MGUH). Insgesamt sollen sie doppelt so viel leisten wie das aktuelle KERS, nämlich 161 Pferdestärken statt bisher 80,5. Was die Energie angeht, verzehnfacht sich der Wert von 400 Kilojoule auf vier Megajoule. In der Praxis bedeutet das einen größeren Energieschub, der auf einer Runde für eine längere Zeit abrufbar ist.

Was bringt die neue Hybridtechnik in Sachen Effizienz?
Nicht die gesamte Reduktion des Verbrauchs hat mit dem ERS zu tun. Auch der Motor selbst trägt dazu bei, weil er bei niedrigeren Geschwindigkeiten weniger Aufwand betreibt als ein V8 und vom Turbolader profitiert. Die Hybridtechnik von heute sieht lediglich eine Möglichkeit vor, die Power aus dem Verbrennungsmotor wieder neu einzusetzen, anstatt sie durch Auspuff und Bremsen ungenutzt entweichen zu lassen. 2014 werden es sieben sein.

Wird das Ganze die Formel 1 attraktiver machen?
Das glauben die Motorenbauer. Fest steht, dass die neuen Motoren nicht so laut sein werden wie die aktuellen V8-Aggregate. Das hat zwei Gründe. Erstens die niedrigere Drehzahl und zweitens die Tatsache, dass der Turbolader im Auspuffsystem sitzt und dort Energierückgewinnung betreibt. Diese würde nicht nur als Hitze "verpuffen", sondern auch in Form von Schall. Wegen der mechanischen Balance eines V6 versprechen sich die Ingenieure zwar einen leiseren, aber auch einen "harmonischeren" Sound.

Welche Auswirkungen gibt es auf die Rennaction?
Die neue Motoren produzieren viel mehr Drehmoment. Das bedeutet, dass die Wagen weniger Traktion am Kurvenausgang haben. Einfach ausgedrückt: Die Fahrer müssen mehr am Lenkrad arbeiten und vorsichtiger mit dem Gaspedal umgehen. Hinzu kommt, dass mehr "Rennintelligenz" nötig sein wird, weil das pure Abbrennen von Rundenzeiten um jeden Preis immer weniger der Schlüssel zum Sieg sein wird.

Könnte es passieren, dass die Autos ohne Sprit ausrollen?
Unwahrscheinlich. Schon jetzt haushalten die Teams mit dem Benzin und daran wird sich 2014 nicht viel ändern. Seit dem Jahr 2006 ist es gelungen, den Durst der V8-Motoren um 11,6 Prozent zu verringern. Die Prognosen bezüglich des Verbrauchs sind sehr exakt und beziehen sich auf jede einzelne von über fünf Millionen Einspritzungen in einem Rennen - für jeden einzelnen Zylinder berechnet.

Fotoquelle: Daimler



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