Erste Bilanz Umweltprämie nach Fahrzeugen

Kaufprämie für Elektroautos: UPDATE

— 15.07.2016

Verhaltener Ansturm auf Umweltbonus

Der Run auf den Umweltbonus für E-Autos ist bislang relativ verhalten. Vor allem BMW und Renault wurden damit finanziert. Alle Infos zur Elektroauto-Kaufprämie!

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'E-Autos: Was schafft den Kaufanreiz?'

(dpa/cj) Die Kaufprämie für Elektroautos stößt bislang vor allem bei Privatleuten auf Interesse. Das geht aus einer ersten Auswertung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hervor. Von den 936 bis Donnerstag (14. Juli 2016) vorliegenden Anträgen stammten gut zwei Drittel (639) von Privatpersonen. Der Rest entfällt vor allem auf Unternehmen. Aufgeschlüsselt nach Herstellern liegt BMW mit Anträgen für 320 verkaufte Elektroautos vorne. Es folgen Renault (253), Volkswagen/Audi (97) und Mitsubishi (64). Für den Bonus auf reine Batterie-Elektrofahrzeuge von 4000 Euro haben sich 625 Antragsteller entschieden. 311 wollten sich den Kauf eines Plug-in-Hybriden mit Verbrennungsmotor als Ergänzung mit 3000 Euro fördern lassen.

E-Autos und Plug-in-Hybride: Das bringt die Kaufprämie

Startschuss fiel am 2. Juli 2016

Die Kaufprämie für Elektroautos und Hybridfahrzeuge reicht für etwa 300.000 bis 400.000 Fahrzeuge. Sie kann seit 2. Juli 2016 offiziell beantragt werden, nachdem die entsprechende Förderrichtlinie im Bundesanzeiger veröffentlicht worden war. Zuvor hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages die Anreize gebilligt, mit denen Regierung und Autoindustrie den schleppenden Absatz von E-Fahrzeugen in Deutschland ankurbeln wollen. Eine Woche vor dem Haushaltsauschuss hatte die EU-Kommission in Brüssel dem sogenannten Umweltbonus grünes Licht erteilt.

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E-Auto-Kaufprämie beantragen: Hier geht's zum Online-Formular

Alles über Elektroautos

Autos, die teurer als 60.000 Euro netto sind, wie der Tesla Model S, werden nicht gefördert.

Nach den Plänen der Bundesregierung erhalten Autokäufer beim Erwerb eines Elektroautos eine Prämie von bis zu 4000 Euro und für Hybride 3000 Euro – wenn sie es nach dem 18. Mai 2016 gekauft oder bestellt haben. Die Anträge für die E-Auto-Prämie können beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestellt werden. Das nötige Formular finden Sie hinter diesem Link . Eine Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge gibt es hier, sie wird möglicherweise noch erweitert. Alle wichtigen Fragen zur Kaufprämie beantwortet AUTO BILD auch hier:

Was sind die wichtigsten Fakten?

Die 4000 Euro gibt es, wenn man sich für ein reines E-Auto entscheidet. Wer ein Hybridfahrzeug (Elektro- und Verbrennungsmotor) kauft, der erhält eine als "Umweltbonus" umschriebene Prämie von 3000 Euro. Die Kosten des Förderprogramms von 1,2 Milliarden Euro, das der E-Mobilität zum Durchbruch verhelfen soll, teilen sich Bund und Autohersteller je zur Hälfte.

Wo wird die Kaufprämie beantragt?

Wie schon die Abwrackprämie für Altautos 2009 verwaltet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) die Auszahlung der Prämie.

Wer darf einen Antrag stellen?

Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird. Die Zulassung muss nach dem 18. Mai 2016 erfolgt sein.

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Wird der Kauf aller Elektroautos gefördert?

Nicht nach den Plänen der Regierung. Danach sind Prämien nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro fürs Basismodell möglich. Wer sich einen Porsche Cayenne leisten kann, brauche keine Unterstützung aus Steuergeldern, so die Argumentation.

Wie kommt man als Autokäufer an die Prämie?

Anträge für die Prämien können seit dem 2. Juli 2016 online beim BAFA gestellt werden. "Schnell, voll elektronisch und sicher" soll die Abwicklung laut BAFA-Chef Arnold Wallraff gehen. Ein schriftliches Verfahren wie bei der Abwrackprämie gibt es nicht.
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Welche Unterlagen sind nötig? 

Video: Kommentar Kaufprämie für E-Autos (2016)

Mutloser Schritt zur Förderung

Wer die Prämie bekommen will, muss eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen. Dafür hat man einen Monat Zeit nach Eingang des Antrags beim BAFA. Achtung: Um die 2000 Euro Bonus vom Staat für einen reinen Stromer oder 1500 Euro für einen Hybrid-Wagen zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in selber Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat. Die Dokumente können beim Antrag als Kopie hochgeladen werden.

Wie lange wird die Bearbeitung eines Antrags dauern?

Nach Angaben Wallraffs soll die Bearbeitung schneller gehen als die "vier bis fünf Wochen", die damals bei der Abwrackprämie durchschnittlich vom Antrag bis zur Auszahlung vergingen. Dafür wurden 20 bis 30 neue Mitarbeiter befristet eingestellt. Die Personalkosten werden aber nicht vom Prämienvolumen von 600 Millionen Euro auf staatlicher Seite abgezogen.

Gebrauchtwagensuche: Hybridfahrzeuge

Wie lange läuft das Programm?

Die Förderung hat eine befristete Laufzeit bis maximal 30. Juni 2019. Es gilt: Wer zuerst kommt, kassiert zuerst. Sind die geplanten 1,2 Milliarden Euro abgerufen, ist Ende. Vermutlich reicht das Geld für 300.000 bis 400.000 E-Autos und Hybride.

Welche Hersteller beteiligen sich?

Die deutschen Autobauer wie Volkswagen, Daimler und BMW sind dabei, aber auch viele ausländische Hersteller ziehen mit. So beteiligen sich nach Angaben ihres Branchenverbandes VDIK Citroen, Hyundai, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Renault, Toyota und Volvo. Einzelne Anbieter wollen sogar auf die Prämien noch einen Zuschlag drauflegen, um E-Auto-Kunden anzulocken.

Woher kommt das Fördergeld?

Finanziert wird der Stromer-Anschub über den Energie- und Klimafonds. Das ist ein Sondertopf beim Bundesfinanzministerium, der im Zusammenhang mit der Energiewende eingerichtet worden war. 

Was ist neben der Prämie geplant?

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt plant einen massiven Ausbau des Ladestellennetzes.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will Käufer von reinen Elektroautos rückwirkend zum 1. Januar 2016 für zehn Jahre statt bisher für fünf Jahre von der Kfz-Steuer befreien. Außerdem finanziert der Staat mit 300 Millionen Euro den Aufbau von 15.000 neuen Strom-Ladestellen, davon mindestens 5000 besonders schnelle. Sie sollen auch an Supermärkten oder Sportplätzen entstehen. Außerdem soll das Laden am Arbeitsplatz nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen. Mit 100 Millionen Euro Investitionsvolumen will der Bund zudem erreichen, dass 20 Prozent der eigenen Flotte elektrisch fahren.

Für wen lohnt sich jetzt ein Elektroauto?

Wer die Förderung will, sollte sich sputen: Wenn der Topf leer ist, ist Schluss mit Zuschuss.

Grundsätzlich ist ein Stromer nach wie vor eine Alternative vor allem für Autofahrer, die relativ viel auf Kurzstrecken unterwegs sind und eine Lademöglichkeit in der Nähe haben – idealerweise eine eigene Garage mit Wallbox oder zumindest eine Ladestation um die Ecke. Und: Sie sollten Idealisten sein, denn auch mit Prämie sind Elektroautos in den meisten Fällen nach wie vor teurer als vergleichbare konventionell angetriebene Modelle. Und auch wenn eine Auswertung der Management-Consultants Horváth&Partner besagt, dass die Energiekosten je Kilometer bei einem Verbrenner trotz niedriger Ölpreise um den Faktor 2,4 höher sind als bei einem reinen E-Auto, muss man derzeit schon wirklich viel fahren, um das wieder reinzuholen: Selbst mit 4000 Euro Höchstprämie bleibe ein Großteil der E-Modelle bei den Kosten pro Kilometer deutlich teurer als Benziner oder Diesel, heißt es skeptisch beim ADAC. Sollten die Spritpreise dagegen deutlich anziehen, ist es denkbar, dass sich der höhere Anschaffungspreis im Laufe eines Autolebens amortisiert.

Übersicht: Deutschland, Deine E-Autos und Hybride

Autos mit Elektromotor 2015/2016: BMW i3 Autos mit Elektromotor 2015/2016: Hyundai ix35 Fuelcell Autos mit Elektromotor 2015/2016: Mitsubishi Outlander PHEV
Neben dem vermutlich steigenden Ölpreis gibt es aber noch einen weiteren Aspekt, der E-Autos in naher Zukunft finanziell attraktiver machen dürfte: Laut einer Studie von deutschen Ingenieuren der Beratungsfirma P3 Automotive aus 2015 wird der Preis für die Auto-Akkus in Zukunft drastisch zurückgehen und sich bis 2020 sogar mehr als halbieren. Demzufolge sollen rein batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge im Jahr 2018 ohne Rabatte oder sonstige Kaufanreize im Preis zwar noch über einem vergleichbaren Auto mit Benzinmotor liegen, die niedrigeren Kraftstoff- und Wartungskosten würden dies jedoch ausgleichen – mit Prämie wären die E-Autos ab 2018 sogar günstiger als Diesel und Benziner! Und dann, bei einer bis dahin verbesserten Lade-Infrastruktur, auch durchaus eine attraktive Alternative.

Warum will der Staat den Autokonzernen helfen?

Die Autoindustrie ist eine deutsche Schlüsselbranche mit 800.000 Arbeitsplätzen und 370 Milliarden Euro Jahresumsatz. Geraten die Autobauer unter Druck, weil sie den Anschluss an Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder autonomes Fahren verpassen, kann das der Kanzlerin nicht egal sein. Dazu kommt, dass die Regierung von ihrem eigenen Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen, weit entfernt ist. Im Vorjahr waren es nur 25.500, dazu kamen 130.000 Hybride – bei 45 Millionen Pkw insgesamt.

Elektromobilität: Förderung im Ausland

Gibt es auch Kritik an der Prämie?

Der Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest, hält die E-Auto-Prämie für einen "schweren Fehler".

Reichlich, und zwar vor allen Seiten: Ökonomen, Industrie-Vertreter, Politiker sowie Umwelt- und Verbraucherschützer bezweifeln den Sinn der Maßnahme. "Die Prämie für E-Autos halte ich für einen schweren Fehler", sagte beispielsweise der Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo), Clemens Fuest, der Nachrichtenagentur Reuters. "Die 600 Millionen Steuergelder wären besser in der Erforschung und Entwicklung neuer Umwelttechnologien angelegt." Der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt sieht das ähnlich. "Eigentlich ist die Automobilindustrie selbst in der Pflicht, den Kunden bessere Angebote zu machen." Der Staat trage nur Verantwortung für Forschungsförderung und Infrastruktur.

"Die Kaufprämie ist der völlig falsche Weg, um das Elektroauto auf die Straße zu bringen", sagte auch der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Thilo Brodtmann. "Sie wird daher nicht mehr als ein Strohfeuer sein, das mit Steuergeldern entfacht wird." Statt in Forschung und Entwicklung zu investieren, "verbrennt die Regierung wieder einmal enorme Summen um eines kurzfristigen politischen Erfolges willen".

Skeptisch ist auch der Autozulieferer Bosch. "Eine Prämie kurbelt kurzfristig den Absatz an, ist aber nicht nachhaltig", sagte Konzernchef Volkmar Denner. Nützlicher sei es, die Ladeinfrastruktur zu fördern und über die Anschaffung von Elektroautos im öffentlichen Dienst einen Markt für Gebrauchtwagen anzuschieben. Eine anhaltend höhere Nachfrage sei jedoch erst zu erwarten, wenn Stromautos durch deutlich niedrigere Batteriekosten billiger würden.

Kritik kommt auch von Umwelt- und Verbraucherschützern. Die Umweltschutzorganisation BUND monierte das "Milliardengeschenk" an die Branche. Besonders problematisch sei die Prämie für Plug-in-Hybride, die "meist nur auf dem Papier sparsam und sauber" seien. Der Verkehrsexperte der Linksfraktion, Thomas Lutze, bezweifelte einen "positiven Verkehrs- oder klimapolitischen Effekt". "Anstatt Steuergelder für sinnfreie Kaufprämien zu verschwenden", solle der öffentliche Personenverkehr gefördert werden. Auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte die Steuerfinanzierung im Sender N24 "problematisch". Sinnvoller wäre es, Käufer von "teuren Spritschluckern" zur Kasse zu bitten und damit die Förderung emissionsarmer Autos zu bezahlen.

Last but not least: Die Verbraucherzentralen sehen die Gefahr, dass Hersteller sonst übliche Rabatte streichen und als ihren Prämienanteil anmelden.

Hier eine Übersicht, wie viel E-Autos und Hybride abzüglich einer Kaufprämie kosten würden (Preise vom April 2016).

E-Autos und Plug-in-Hybride: Das bringt die Kaufprämie



online beim BAFA gestellt werden

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Die Bundesregierung wird eine staatliche Förderung von Elektroautos auf den Weg bringen. Endlich. Doch so löblich die Einigung auch ist, zeigt sie, wie orientierungs- und mutlos die Regierung agiert. Denn was wohl nicht besprochen wird, ist der gleichzeitig notwendige Abbau der Dieselsubventionen. Es ist unsinnig gleichzeitig beides zu fördern - das ist so, als wolle man gleichzeitig nach rechts und links abbiegen. Die Diskussion über die blaue Umweltplakette hat doch gezeigt: Der Diesel in seiner jetzigen Form hat seine besten Tage hinter sich. Um ihn nicht nur auf dem Prüfstand sauber zu bekommen, ist eine teure und aufwendige Abgasnachbehandlung notwendig. Für die meisten Dieselkäufer dürfte der Selbstzünder so zu teuer werden – und damit unattraktiv.
USA zeigen, wie es geht
Ein Blick in die USA könnte Minister Dobrindt zeigen, wie man so etwas richtig macht. Denn die Amerikaner fördern Elektroautos in starkem Umfang, in Kalifornien ist gefühlt jedes zweite Fahrzeug ein Tesla. Aber die Amis haben auch verstanden, das es richtig cool ist, zumindest lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. Ein Tesla ist längst ein Statussymbol, eine Marke, die einen Hype auslöst wie Apple zu seinen besten Zeiten.
Dieselsubvention schrittweise herunterfahren
Größter Bremser für die E-Auto-Kaufprämie war Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Aber warum? Eigentlich ist es doch ganz einfach: Die Dieselsubventionen werden schrittweise runtergefahren und im gleichen Maß Elektroautos und sparsame Plug-In-Hybride für die Langstreckenfahrer gefördert. Das dürfte für den Bundeshaushalt kostenneutral sein - und die Nation zum Kauf von Elektroautos bewegen.
Orientierungs- und visionslos
So wie die Förderung beschlossen wurd, ist sie nur ein erster Schritt. Doch die Regierung hat gezeigt, dass sie orientierungslos agiert – und keine Vision hat für die sich immer rasanter verändernde Mobilität von morgen. Es fehlt der große Wurf. Und so läuft die deutsche Autoindustrie Gefahr, den Anschluss an die Tesla, Apple und Google dieser Welt zu verlieren.

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