Die größten NOx-Sünder

Studien: Euro-6-Diesel verpesten die Luft

— 27.05.2015

Die schmutzige Diesel-Wahrheit

Diesel der Euro-6-Norm seien wunderbar sauber, behaupten die Autohersteller. Aktuelle Tests unter realen Testbedingungen beweisen etwas ganz anderes. Skandalöse Ergebnisse!

Diesel sind Umweltverpester. Diese These galt mittlerweile eigentlich als überholt, zumindest was die neuen Motoren mit Euro-6-Norm angeht. Im Gegensatz zu den älteren Generationen, die wegen ihrer Ruß- und Stickstoffemissionen in Frankreich sogar ganz verboten werden sollen, galten sie nämlich nicht nur als sparsam, sondern quasi fast als Frischluft-Pusten. Von wegen! Zwei aktuelle Studien zeigen: Viele der angeblich sauberen Euro-6-Diesel sind absolute Dreckschleudern, blasen ein Vielfaches des erlaubten Grenzwerts an Stickstoffoxiden (NOx) in die Luft. Denn die Autohersteller messen den Stickstoffausstoß auf dem Prüfstand im Labor – mit den Emissionen, die tatsächlich während des Fahrens rausgeblasen werden, ist das überhaupt nicht zu vergleichen.

Die "toxische Wahrheit" der "Sunday Times"

Dreckschleuder: Im Test der "Sunday Times" blies der BMW X3 xDrive 20d das 9,9-fache des Grenzwerts raus.

Die britische "Sunday Times" wollte es jetzt einmal ganz genau wissen und hat 29 neue Diesel mit Euro-6-Norm beim alltäglichen Fahren in der Stadt und über Land getestet. Skandalöses Ergebnis: Der Ausstoß von Stickstoffoxiden übersteigt bei allen bis auf fünf Autos den für die Euro-6-Norm zulässigen Grenzwert, zum Teil sogar massiv. Beim BMW X3 und dem Opel Zafira lag der Wert sogar fast um das Zehnfache über dem erlaubten!
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Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW), die an drei Fahrzeugen (ein Volkswagen Passat CC mit SCR-Katalysator, ein BMW 320d mit NOx-Speicherkatalysator sowie ein Mazda6 mit rein innermotorischen Maßnahmen zur NOx-Minimierung) gemessen hat, wieviel Abgase diese Autos beim Fahren tatsächlich ausstoßen. Auch hier: Die NOx-Emissionen überschritten den zulässigen Grenzwert im Innerortsbereich fast um das Neunfache, im Außerortsbereich fast um das Achtfache.

Die größten NOx-Sünder

EU-Parlament will Realmessungen statt Laborwerten

Da muss sich etwas ändern! Schließlich sind die giftigen Stickstoffoxide gesundheitsgefährdend und der zulässige NOx-Wert wird europaweit in vielen Städten nach wie vor häufig überschritten. Dieser Meinung sind auch die EU-Politiker: Der zuständige Fachausschuss hat Mitte Mai 2015 beschlossen, dass Autobauer die Stickstoffemissionen künftig nicht mehr auf dem Prüfstand, sondern unter realen Bedingungen beim Fahren auf der Straße messen sollen.

Umweltministerin Barbara Hendricks begrüßte den Vorstoß der EU-Parlamentarier: "Ein wichtiger erster Schritt."

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks dazu: "Das ist ein wichtiger erster Schritt, die Stickstoffoxid-Emissionen bei Pkws wirklich zu senken, insbesondere Diesel-Pkw halten die Werte heute nicht ein." Damit die Emissionsgrenzwerte eingehalten werden, müsse es nun darum gehen, europaweit anspruchsvolle Emissionsanforderungen festzulegen. "Nur wenn das gelingt, werden Diesel-Pkw mit Blick auf die Schadstoffemissionen weiter zukunftsfähig sein und sich Fahrverbote in Innenstädten abwenden lassen." Wann und wie eine solche Regelung aber tatsächlich in Kraft treten könnte und was dies für neue Dieselfahrzeuge bedeuten könnte, ist noch unklar. Sicher ist allerdings, dass eine eventuelle Neuregelung viele Menschen betreffen würde: Knapp die Hälfte aller neuzugelassenen Autos in Deutschland sind Diesel (47,8 Prozent, Stand April 2015).

Stichworte:

Abgasskandal

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