Ab sofort erlaubt SAP nur noch elektrische Dienstwagen
Dieser DAX-Konzern schafft den Verbrenner ab

Während das Verbrenner-Verbot der EU-Debatten-Streitpunkt bleibt, setzt es SAP schon seit Jahresanfang 2026 um: Deutschlands wertvollstes DAX-Unternehmen schafft nur noch Elektroautos als Firmenwagen an. Was ist der Grund?
Bild: Thomas Leonhardi / SAP
Die Diskussion über die Aufweichung des Verbrenner-Verbots in der EU kocht noch – da setzt der wertvollste DAX-Konzern sein eigenes Verbrenner-Verbot um. Und zwar neun Jahre früher: Seit dem 1. Januar 2026 erlaubt das globale Softwareunternehmen SAP nur noch das Anschaffen von Elektroautos als Dienstwagen. Keine Diesel, keine Benziner und auch keine Plug-in-Hybride.
Wichtig dabei: SAP hat einen der größten Firmenwagen-Fuhrparks Deutschlands, wie Firmensprecher Björn Emde gegenüber AUTO BILD bestätigt. "Unser Bestand in Deutschland umfasst um die 19.000 Fahrzeuge."
Bis 2030 will SAP klimaneutral sein
Bis 2030 will der Spezialist für Unternehmens- und Cloud-Software klimaneutral sein. Daher wird schon zum Jahreswechsel die Firmenwagen-Regelung umgestellt, denn die meisten Dienstwagen im SAP-Fuhrpark laufen drei Jahre, bis sie an die Leasinggeber des Unternehmens zurückgehen.
Ist das eine mutige Entscheidung? "Diese Vokabel würde ich anderen überlassen, es ist eher rational", sagt Steffen Krautwasser, globaler Fuhrparkchef von SAP. Er hebt hervor: Es gehe hier nicht um ein "Bauchgefühl" oder eine "Laune" – für den Konzern mit über 100.000 Mitarbeitern spielen nicht zuletzt die Kosten eine Rolle. "Inzwischen sind Elektroautos günstiger als Verbrenner", so Krautwasser.
Und ihr Nutzwert stehe dem von Diesel- und Benzinfahrzeugen in nichts nach. Zumindest, was die Anforderungsprofile von SAP-Mitarbeitern angeht. "Man hat freie Wahl der Verkehrsmittel, aber bei Dienstreisen ist bevorzugt die Bahn zu nutzen", zitiert Krautwasser die betreffende Unternehmens-Richtlinie.
Geschäftsreisen im E-Auto bis 500 km
In der Regel würden Dienstwagen für die Fahrten ins Büro genutzt, das seien bei SAP "etwa 50 km pro Tag, zuzüglich 30 km Privatfahrt". So weit die Statistik. Für Geschäftsreisen rechnet Krautwasser mit 350 bis 500 km Distanz. "Das ist inzwischen überhaupt kein Problem für Elektroautos, die Reichweiten von 400 bis 450 km bieten."
Und sollte wirklich einmal eine längere Tour notwendig sein, sind Ladestopps ausdrücklich erwünscht: "Nach drei bis vier Stunden empfiehlt sich ohnehin eine Pause, die man während des Ladens am Rasthof für Erfrischung, Kaffee, E-Mails checken nutzen kann." Nutzungsprofile von typischen Firmenvertretern, die 1000 km pro Tag abspulen, gebe es bei SAP nicht.

Steffen Krautwasser ist globaler Fuhrparkchef von SAP.
Bild: SAP
Der Software-Konzern hat – wie könnte es anders sein – die Umstellung strategisch geplant: Bereits 2021 wurden die Weichen gestellt. Doch die Arbeit an der epochalen Wende begann schon vor zehn Jahren. "Damals haben wir uns erstmals mit E-Mobilität beschäftigt", berichtet der Fuhrparkmanager. Erstmals wurden Elektro-Modelle in den Dienstwagen-Katalog aufgenommen
Die ersten Nutzer seien wirklich Pioniere gewesen: "Ladeinfrastruktur war noch nicht wirklich vorhanden, auch unsere Geschäftsstellen hatten noch keine Ladestationen." Doch die Rückmeldungen seien überwiegend positiv gewesen. Inzwischen ist E-Mobilität machbar, gibt sich Krautwasser überzeugt. Reichweiten, Ladenetz und technische Zuverlässigkeit seien mehr als ausreichend.
Mitarbeiter erhalten eine Wallbox dazu
Mehr noch: "Ich spare Zeit mit einem Elektroauto, weil ich nicht mehr tanken muss." Die Dienstwagen parken entweder an der SAP-Ladestation im Parkhaus oder Hinterhof – oder beim Mitarbeiter zu Hause, für den SAP die Wallbox sponsert. Krautwasser: "Damit decke ich bereits 80 bis 90 Prozent des Ladebedarfs ab."
Ein typischer SAP-Dienstwagen verbraucht weniger als 20 kW auf 100 km. Die Akkugröße können die Mitarbeiter selbst auswählen. "Die spielt nach unserer Einschätzung keine große Rolle mehr – wichtiger sind Ladeleistung und Ladekurve", so der Fuhrparkmanager.
Ein typischer SAP-Dienstwagen verbraucht weniger als 20 kW auf 100 km. Die Akkugröße können die Mitarbeiter selbst auswählen. "Die spielt nach unserer Einschätzung keine große Rolle mehr – wichtiger sind Ladeleistung und Ladekurve", so der Fuhrparkmanager.
E-Autos werden einmal im Jahr präsentiert
Einmal im Jahr gibt es bei SAP den "E-Mobilitäts-Tag". Dann fahren Hersteller ihre neuesten Elektromodelle vor die Geschäftsstellen, und Mitarbeiter können testen. Krautwasser: "Es ist wichtig, dass man den Menschen zeigen kann: Das sind einfach Autos, und so fahren sie sich auch."

Modelle von Tesla hat SAP bis auf Weiteres aus seinem Dienstwagen-Katalog gestrichen, vor allem wegen zu niedriger Restwerte.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Bereits heute sind 6500 Elektroautos in der weltweiten SAP-Flotte. Inklusive Bestellungen kommt der E-Anteil bereits auf 60 Prozent. Natürlich sind nicht alle Menschen glücklich mit der neuen Strategie. "Es gibt Bedenken, die können auch geäußert werden." 2021 hätten sich negative und positive Kommentare in etwa die Waage gehalten – inzwischen überwiege das Lob.
Der Wandel passt in unsere Unternehmenskultur
Steffen Krautwasser
Globaler Fuhrparkschef bei SAP
Abwarten bei chinesischen Marken
Bei jungen Marken, also zum Beispiel vielen chinesischen Herstellern, wartet das Unternehmen noch ab, ob sie sich langfristig auf dem deutschen Markt etablieren können. Auch hält das Management die geforderten Leasingraten vieler Newcomer noch für zu hoch. Was sich schon sagen lasse: "Die Qualität dieser Fahrzeuge nimmt stetig zu und ist bereits auf dem Niveau europäischer Hersteller."

Von chinesischen Herstellern – hier der Xiaomi YU7 – lässt SAP vorläufig die Finger, solange sich die Hersteller auf dem deutschen Markt noch nicht etabliert haben.
Bild: Xiaomi
Entscheidend für die Aufnahme ins Programm von SAP seien Verbrauch, Werkstattnetz und -kosten, Ersatzteilversorgung sowie die erwähnten Leasingraten. Die Akkus hält Krautwasser nicht für ein Problem. "Die halten inzwischen deutlich länger als früher, und das nahezu ohne Leistungsverlust."
Fazit
Stell Dir vor, SAP erlaubt seinen hochbezahlten Software-Ingenieuren nur noch Elektroautos als Dienstwagen – und keiner kündigt! Klarer Fall, das E-Auto ist in dieser Klientel bereits voll akzeptiert. Die veränderte Firmenwagen-Policy des DAX-Konzerns setzt für mich einen weiteren Mosaikstein in der Mobilitätswende: Wenn Rechenfüchse beschließen, dass E-Autos wirtschaftlich sind, kann es sich wohl kaum um ein Versehen handeln.
Service-Links











