Wenn bei BMW der Name "Neue Klasse" fällt, gehen selbst hartgesottene Manager innerlich in eine Habacht-Stellung. Schließlich haben Fahrzeuge wie der BMW 1500 oder der BMW 2000 dazu beigetragen, den Münchner Automobilhersteller aus der wirtschaftlichen Misere zu führen. Man kann getrost sagen, dass diese Neue Klasse den bayerischen Autobauer, so wie man ihn heute kennt, begründet hat.
Wenn also 2025 wieder eine Neue Klasse erscheint, muss das schon mehr sein als eine Modellreihe. Das wissen auch die BMW-Strategen. Der traditionsbehaftete Name verpflichtet fast schon zwangsläufig zu einer massiven Zäsur der Unternehmenshistorie.

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Wenn man sich die Neue Klasse so anschaut, ist das nicht zu hoch gegriffen. Es wird sich einiges ändern. Bei dieser Neuen Klasse handelt es sich um eine rein elektrische Architektur, auf der Autos aller Segmente basieren können. "Von Mini bis zu einem Rolls-Royce ist alles möglich", erklärt Efficient-Dynamics-Chef Thomas Albrecht.

Akku als zentraler Teil des Rohbaus

Ein zentraler Teil dieses neuen Rohbaus sind die Akkupakete. "Pack to Open Body" nennt BMW dieses Konzept. Wenn unbedingt nötig, kann man kann diese Batteriemodule auch austauschen beziehungsweise ersetzen. Allerdings nicht in 15 Minuten. Also fallen Akkutausch-Konzepte, wie sie beispielsweise Nio vorantreibt, schon mal flach.
Wenn es nach den BMW-Technikern geht, wird ein Tausch ohnehin nicht nötig sein. "Unsere internen Vorgaben sind anspruchsvoller als die gesetzlichen", erklärt Thomas Albrecht. Zum Beispiel schreibt die USA vor, dass die Stromspeicher der Elektroautos nach zehn Jahren immer noch 80 Prozent der ursprünglichen Leistungsfähigkeit aufweisen. Das soll die Neue Klasse übertreffen.

Keine kobaltfreien Batterien von BMW

Die BMW-Experten räumen aber auch mit dem Traum von kobaltfreien Batterien auf. Es sei schlicht zu teuer und zu langwierig, das chemische Element komplett aus den Zellen zu verbannen. "Der Slogan 'kobaltfrei' zieht halt gut", erklärt Marie-Therese von Srbik, Chefin der Batterie-Entwicklung Gen6. Dass der Kobaltanteil massiv zurückgehen wird, bleibt davon unbenommen.

Zylindrische Batteriezellen lösen prismatische ab

Bei den Energiespeichern selbst (so funktioniert ein Akku) tritt in drei Jahren ein Paradigmenwechsel ein. Statt wie bisher prismatische Zellen kommen bei der sechsten Generation zylindrische mit einem Durchmesser von 46 Millimetern und zwei verschiedene Höhen zum Einsatz. Die Speicher haben eine um 20 Prozent höhere Energiedichte, lassen sich um bis zu 30 Prozent schneller laden, garantieren bis zu 30 Prozent mehr Reichweite und drücken unterm Strich die Kosten für ein Elektromobil um bis zu 50 Prozent.
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"Wir wollen die Elektroautos konkurrenzfähig zu den Modellen mit Verbrennungsmotor machen", so Marie-Therese von Srbik. Auch das Gewicht geht runter. Insgesamt sollen die Hochvoltkomponenten zehn bis 20 Prozent weniger auf die Waage bringen als bisher.

Batterie-Fertigung in sechs Ländern

Die Batteriezellen kommen aus sechs Fabriken mit einer Kapazität von bis zu 20 Gigawattstunden pro Jahr – zwei in China, zwei in Nordamerika und zwei in Europa. Bei diesen Fertigungsstätten geht BMW eine Kooperation mit CATL und EVE Energy ein. Für die beiden Standorte in der nordamerikanischen Freihandelszone USMCA sind die Münchner noch auf der Suche nach geeigneten Partnern. Ein Selbstläufer ist das nicht.

Nachhaltigkeit: neue Zeiten bei BMW

Denn die Partner müssen sich nicht nur bei der Batterietechnologie auf die BMW-Linie einlassen, sondern auch bei der Nachhaltigkeit. Auch da brechen mit der Neuen Klasse neue Zeiten an. Die Produktion der neuen Batteriezellen soll bis zu 60 Prozent weniger CO2 ausstoßen als bisher. In China ist der Autobauer dabei, einen geschlossenen Kreislauf zur Wiederverwendung der Rohstoffe Nickel, Lithium und Kobalt aus Hochvoltbatterien zu installieren.

Recycling wird in Zukunft großgeschrieben

Doch die Nachhaltigkeit hört nicht bei den Akkus auf. Mit der Neuen Klasse werden verstärkt auch andere Bauteile aus recycelten Materialien in den Fahrzeugen Einzug halten. Ein Beispiel sind Verkleidungsteile aus Kunststoff, die zu rund 30 Prozent aus wiederverwerteten Fischernetzen und Seilen besteht.
Recycling von Fischernetzen
BMW wird in Zukunft Materialien benutzen, die zu 30 Prozent aus recycelten Fischernetzen bestehen.

So grandios das Recycling-Konzept bei Automobilen auch klingt, sind diese Stoffe nicht unbegrenzt erhältlich. Deswegen wird auch da das Sichern der Lieferketten in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Von

Wolfgang Gomoll