Fehlerdiagnose über die OBD-Schnittstelle des Autos – das ist längst nicht mehr ausschließlich in der Werkstatt möglich. Es gibt einfache Diagnosegeräte, mit denen auch der Laie den Fehlerspeicher auslesen kann. Und es gibt Apps fürs Tablet oder Smartphone, die in Verbindung mit einem Bluetooth-Adapter (im Computersprech auch als Dongle bezeichnet) arbeiten. Wir haben uns hier die Carly-App angesehen; das System hatten wir in einer älteren Version schon einmal in Gebrauch, um damit zu demonstrieren, wie man mit der App manipulierte Kilometerstände aufdecken kann. Um es gleich vorweg zu nehmen: Dies ist nur ein erster Erfahrungsbericht und kein Test – wir hatten noch nicht ausreichend Gelegenheit, die App an ausreichen vielen Fahrzeugmodellen auszuprobieren. 
Carly bietet neben der Vollversion der App auch eine kostenlose Lightversion an, allerdings mit deutlich eingeschränkten Funktionen. Wir empfehlen ganz klar die Vollversion! Die kostenlose Light-Version (oder Lite-Version, wie Carly sie nennt) hat aber einen Vorteil: Mit ihr kann man zunächst überprüfen, welche Funktionen für ein bestimmtes Auto überhaupt zur Verfügung stehen. 
OBD-Adapter
Carly-Adapter und Carly-App

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Carly-Logo
Der Adapter (kostet für alle Marken 59,90) kann innerhalb von 14 Tagen zurückgeschickt werden – Carly bietet dafür eine Geld-Zurück-Garantie. Damit das reibungslos funktioniert, unbedingt die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Carly-Internetseite beachten und das Musterformular für den Widerruf verwenden.

Welche Funktionen bietet die Carly-App?

Grundsätzlich bietet die Carly-App vier Funktionsbereiche:
Auto-Diagnose: Die App scannt die gespeicherten Fehlermeldungen der für sie auslesbaren Steuergeräte und zeigt diese an. Die Fehlercodes, die aus einer Kombination von Buchstaben und Zahlen bestehen, werden dabei von der App übersetzt, sodass der Nutzer überhaupt erst einmal etwas damit anfangen kann. Fehlermeldungen können auch gelöscht werden. Das ist sinnvoll, denn der Fehlerspeicher des Autos enthält auch veraltete Fehlermeldung. Das On-Bord-Diagnosesystem wird dann nach einem bestimmten Zeitraum noch einmal gescannt – nur die Fehlermeldungen, die dann noch angezeigt werden, sind aktuell. Auch Motor-Parameter (z. B. Temperatur und Druck-Werte) lassen sich auslesen. Sinn und Zweck einer regelmäßigen Fehlerdiagnose des Autos ist es, Fehler rechtzeitig zu erkennen, diese anschließend selbst zu beheben oder in der Werkstatt beheben zu lassen und so unter Umständen teure Folgeschäden zu verhindern. Blinken erst einmal Warnleuchten auf, ist es dafür oft zu spät.
Gebrauchtwagen-Check: Tachobetrug ist heute einfacher denn je. Manipulations-Gerät angeschlossen, Tachostand auf die gewünschte Kilometerzahl einstellen und fertig. Bis zu ein Drittel aller gehandelten Gebrauchtwagen sollen manipuliert sein, schätzt der ADAC. Die meisten Tachomanipulierer drehen jedoch nur am Tacho-Steuergerät. Der Kilometerstand eines Autos ist aber in vielen verschiedenen Steuergeräten hinterlegt, zum Beispiel im Klima-Steuergerät. Die Carly-App liest all diese Steuergeräte aus, vergleicht die Werte und schlägt Alarm, wenn sie Unstimmigkeiten erkennt. Darüber hinaus errechnet die App aus Tachostand und Betriebsstunden die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autos. Passen die Daten nicht zur Laufleistung, weist das ebenfalls auf eine Manipulation hin. Wie sicher die App Tachobetrug erkennt, hängt davon ab, wie professionell und aufwendig eine Manipulation durchgeführt wurde. Je umfangreicher in verschiedene Steuergeräte eingegriffen wurde, desto schwieriger ist es für die App, Manipulationen zu erkennen.
Codierung: In modernen Fahrzeugen gibt es viele Funktionen, die der Hersteller nicht freigeschaltet hat – über die normalen Bedienfunktionen des Autos sind sie nicht steuerbar. Mit einer Software wie der Carly-App ist das jedoch möglich. Solche Zugriffe auf nicht freigeschaltete Funktionen wird als Codierung bezeichnet. Damit lässt sich zum Beispiel die automatische Start-Stopp-Funktion deaktivieren, eine digitale Geschwindigkeitsanzeige am Tacho aktivieren oder die Einstellung der Tagfahrleuchten anpassen. Welche Codierungen grundsätzlich möglich sind, hängt natürlich vom jeweiligen Fahrzeug ab. Die Carly-App führt zu Beginn ein Back-up durch, sodass man später wieder auf die ursprünglichen Einstellungen zurückschalten kann.
Wartung: Mit der App lassen sich je nach Fahrzeugmodell auch verschiedenen Wartungsfunktionen durchführen. So kann man zum Beispiel das Service-Intervall zurücksetzen ("Service Reset"), hat man etwa den Ölwechsel oder den Bremsenwechsel selber durchgeführt. Oder nach einem Batteriewechsel die neue Batterie registrieren, wie es bei vielen modernen Fahrzeugen mit Batterie-Energiemanagement empfohlen oder sogar notwendig ist. Bei BMW-Modellen kann zum Beispiel auch der Zustand von Diesel-Partikel- oder NOx-Filtern kontrolliert werden.

Neue Funktion Smart Mechanic gibt Reparatur-Tipps

Für einige Modelle von BMW, Audi, Mini, Seat, Skoda und VW bietet die Carly-App seit Kurzem die neue Funktion Smart Mechanic. So funktioniert sie: Wer Smart Mechanic gegen Aufpreis für seine App freischalten lässt, der erhält zu den gefundenen Fehlercodes detaillierte Fehlerbeschreibungen von Mechanikern, Zugriff auf Originalpläne, wie sie auch in der Werkstatt verwendet werden sowie Tipps zum Aufspüren der Fehlerursache und zur Reparatur.

So werden Adapter und App installiert

Carly-Adapter im OBD-Port
Der Adapter wird in die OBD-Buchse des Autos gesteckt und verbindet sich über Bluetooth mit der App.
Der zur Carly-App gehörende Bluetooth-Adapter wird in die OBD-Buchse des Autos gesteckt. Die Buchse befindet sich bei fast allen Fahrzeugen im Lenkradraum und ist einfach zugänglich. Die Carly-App verbindet sich kabellos mit dem Adapter. Mit wenigen Klicks durch die übersichtliche Navigation lassen sich die verschiedenen Funktionen starten. Das Auslesen der Elektronik dauert etwa 20 bis 30 Sekunden, dann werden die Ergebnisse angezeigt.

Für diese Fahrzeuge ist die Carly-App erhältlich

Die Vollversion steht für Autos der Marken Audi, BMW, Dacia, Ford, Lexus, Mercedes, Mini, Porsche, Renault, Seat, Skoda, Toyota und VW zur Verfügung.

Kosten: Preise für Carly-App und Adapter

Die App kann kostenlos im Apple App Store beziehungsweise bei Google Play heruntergeladen werden. Um sie nutzen, braucht man den Bluetooth-Adapter. Der Adapter kostet für alle Marken 59,90 Euro. Für die Vollversion der App (Carly+) gibt es je nach Fahrzeugmarke unterschiedliche Preise, da sich auch der Umfang der zur Verfügung stehenden Funktionen von Marke zu Marke unterscheidet. Für BMW-Modelle etwa kostet eine Vollversion 118,89 Euro inklusive Adapter (59,90 für den Adapter plus 58,99 Euro für die Funktionen), für Mercedes-Modelle und für Fahrzeuge der Volkswagen-AG 88,89 Euro (59,90 für den Adapter plus 28,99 Euro für die Funktionen). 
Unabhängig davon, was man bestellt (Vollversion oder Lightversion) oder welche Marke man auswählt – der Adapter, den Carly ausliefert, ist immer der gleiche. Es wird – anders als bei früheren Carly-Versionen – nur noch ein Universal-Adapter ausgeliefert. Je nachdem, was man bestellt hat, werden die entsprechenden Funktionen dann bei der Registrierung über die App freigeschaltet. Das hat den Vorteil, dass man später auch noch die Funktionen für andere Marken nachbestellen kann, ohne einen neuen Adapter zu benötigen. Auch beim Wechsel von der Lightversion auf die Vollversion wird kein neuer Adapter benötigt. 
Das Upgrade wird einfach über die App vorgenommen. Für insgesamt 133,89 Euro inklusive Adapter (wieder 59,90 für den Adapter plus 73,99 Euro für die Funktionen) kann man sich die Vollversion auch für alle zur Verfügung stehenden Marken freischalten lassen. Wichtig zu wissen: Die Funktionen der Vollversion werden jeweils für ein Jahr berechnet. Danach müssen sie erneut bezahlt werden, wenn man sie weiternutzen möchte. Es handelt sich bei der Vollversion also um ein Abo, das sich jedes Jahr automatisch verlängert. Wer die Vollversion nicht mehr nutzen möchte, der muss aktiv kündigen.

Preise (in Euro): Das kostet die App für unterschiedliche Marken

Marke
Lightversion
Vollversion*
Abo-Preis*
Abzweigung
Abarth
Abzweigung
Abzweigung
Alfa Romeo
Abzweigung
Abzweigung
Audi
Abzweigung
Abzweigung
BMW
Abzweigung
Abzweigung
Citroën
Abzweigung
Abzweigung
Dacia
Abzweigung
Abzweigung
Fiat
Abzweigung
Abzweigung
Ford
Abzweigung
Abzweigung
Honda
Abzweigung
Abzweigung
Hyundai
Abzweigung
Abzweigung
Infiniti
Abzweigung
Abzweigung
Jaguar
Abzweigung
Abzweigung
Jeep
Abzweigung
Abzweigung
Kia
Abzweigung
Abzweigung
Lexus
Abzweigung
Abzweigung
Mazda
Abzweigung
Abzweigung
Mercedes
Abzweigung
Abzweigung
Mini
Abzweigung
Abzweigung
Nissan
Abzweigung
Abzweigung
Opel
Abzweigung
Abzweigung
Peugeot
Abzweigung
Abzweigung
Porsche
Abzweigung
Abzweigung
Renault
Abzweigung
Abzweigung
Seat
Abzweigung
Abzweigung
Skoda
Abzweigung
Abzweigung
Subaru
Abzweigung
Abzweigung
Suzuki
Abzweigung
Abzweigung
Toyota
Abzweigung
Abzweigung
VW
Abzweigung
Abzweigung
Volvo
Abzweigung
Abzweigung
Alle Marken
Abzweigung
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Unsere Erfahrungen mit der App

Die Fehlerdiagnose funktioniert mit der App sehr gut. Die App übersetzt die Fehlermeldungen, die ja im Fehlerspeicher des Autos nur in Form von Buchstaben- und Zahlencodes gespeichert sind. Zusätzlich liefert die App aber noch weitere Angaben zu den gefundenen Fehlern – etwa bei welchem Kilometerstand der Fehler zuletzt aufgetreten ist und ob der Fehler langfristig kritisch für die Fahrtüchtigkeit des Autos sein könnte.
Auch der Gebrauchtwagen-Check hat bei dreien unserer Testfahrzeuge (allesamt BMW) sehr gut funktioniert. Die App zeigt an, wie viele hinterlegte Kilometerstände sie aus verschiedenen Steuergeräten herausgelesen hat und vergleicht diese untereinander. Zwischen diesen Kilometerständen können sich geringe Differenzen ergeben, abhängig davon, wann der Kilometerstand zuletzt im jeweiligen Steuergerät abgespeichert wurde. Der Kilometerstand des Tachos sollte jedenfalls nicht niedriger sein als die Kilometerstände aus den anderen Steuergeräten – ansonsten könnte eine Manipulation am Tacho vorliegen. Leider steht dieser Gebrauchtwagen-Check nicht für jedes Modell der verschiedenen Marken, bei denen Carly grundsätzlich anwendbar ist, zur Verfügung. So zum Beispiel bei unserem vierten Testwagen, einem Skoda Fabia von 2009.