Fehlerdiagnose über die OBD-Schnittstelle des Autos ist längst nicht mehr ausschließlich in der Werkstatt möglich. Es gibt einfache Diagnosegeräte, mit denen auch Laien den Fehlerspeicher auslesen können. Daneben gibt es Apps für Smartphone oder Tablet, die in Verbindung mit einem Bluetooth-Adapter, auch Dongle genannt, auf die Fahrzeugelektronik zugreifen.
AUTO BILD hat sich die Carly-App angesehen. Das System hatten wir bereits in einer älteren Version im Einsatz, unter anderem, um zu zeigen, wie sich Hinweise auf manipulierte Kilometerstände finden lassen. Vorweg: Dies ist ein Erfahrungsbericht und kein umfassender Test. Dafür konnten wir die App bislang nicht an ausreichend vielen Fahrzeugmodellen ausprobieren.
Neben den kostenpflichtigen Funktionen bietet Carly auch eine kostenlose Version mit eingeschränktem Funktionsumfang an. Sie ist durchaus praktisch: Damit lässt sich zunächst überprüfen, welche Funktionen für das eigene Fahrzeug unterstützt werden. Nach Angaben des Anbieters unterscheiden sich die verfügbaren Funktionen je nach Marke und Modell.

OBD-Adapter

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Der Adapter kostet in der Basisversion 64,80 Euro, Carly bietet für die Basisversion eine 14-tägige Geld-Zurück-Garantie an. Damit das reibungslos funktioniert, unbedingt die Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf der Carly-Internetseite beachten und das Musterformular für den Widerruf verwenden.

Welche Funktionen bietet die Carly-App?

Grundsätzlich deckt die App mehrere Bereiche ab:
• Auto-Diagnose: Die App scannt die gespeicherten Fehlermeldungen der für sie auslesbaren Steuergeräte und zeigt diese an. Die Fehlercodes, die aus einer Kombination von Buchstaben und Zahlen bestehen, werden dabei von der App übersetzt, sodass der Nutzer überhaupt erst einmal etwas damit anfangen kann. Fehlermeldungen können auch gelöscht werden. Das ist sinnvoll, denn der Fehlerspeicher des Autos enthält auch veraltete Fehlermeldung. Das On-Bord-Diagnosesystem wird dann nach einem bestimmten Zeitraum noch einmal gescannt – nur die Fehlermeldungen, die dann noch angezeigt werden, sind aktuell. Auch Motor-Parameter (z. B. Temperatur und Druck-Werte) lassen sich auslesen.
Sinn und Zweck einer regelmäßigen Fehlerdiagnose des Autos ist es, Fehler rechtzeitig zu erkennen, diese anschließend selbst zu beheben oder in der Werkstatt beheben zu lassen und so unter Umständen teure Folgeschäden zu verhindern. Blinken erst einmal Warnleuchten auf, ist es dafür oft zu spät.
• Gebrauchtwagen-Check: Tachobetrug ist heute einfacher denn je. Manipulations-Gerät angeschlossen, Tachostand auf die gewünschte Kilometerzahl einstellen und fertig. Bis zu ein Drittel aller gehandelten Gebrauchtwagen sollen manipuliert sein, schätzt der ADAC. Die meisten Tachomanipulierer drehen jedoch nur am Tacho-Steuergerät. Der Kilometerstand eines Autos ist aber in vielen verschiedenen Steuergeräten hinterlegt, zum Beispiel im Klima-Steuergerät. Die Carly-App liest all diese Steuergeräte aus, vergleicht die Werte und schlägt Alarm, wenn sie Unstimmigkeiten erkennt. Darüber hinaus errechnet die App aus Tachostand und Betriebsstunden die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autos. Passen die Daten nicht zur Laufleistung, weist das ebenfalls auf eine Manipulation hin.
Wie sicher die App Tachobetrug erkennt, hängt davon ab, wie professionell und aufwendig eine Manipulation durchgeführt wurde. Je umfangreicher in verschiedene Steuergeräte eingegriffen wurde, desto schwieriger ist es für die App, Manipulationen zu erkennen.
• Codierung: In modernen Fahrzeugen gibt es viele Funktionen, die der Hersteller nicht freigeschaltet hat – über die normalen Bedienfunktionen des Autos sind sie nicht steuerbar. Mit einer Software wie der Carly-App ist das jedoch möglich. Solche Zugriffe auf nicht freigeschaltete Funktionen wird als Codierung bezeichnet. Damit lässt sich zum Beispiel die automatische Start-Stopp-Funktion deaktivieren, eine digitale Geschwindigkeitsanzeige am Tacho aktivieren oder die Einstellung der Tagfahrleuchten anpassen.
Welche Codierungen grundsätzlich möglich sind, hängt natürlich vom jeweiligen Fahrzeug ab. Die Carly-App führt zu Beginn ein Back-up durch, sodass man später wieder auf die ursprünglichen Einstellungen zurückschalten kann.
• Wartung: Mit der App lassen sich je nach Fahrzeugmodell auch verschiedenen Wartungsfunktionen durchführen. So kann man zum Beispiel das Service-Intervall zurücksetzen ("Service Reset"), hat man etwa den Ölwechsel oder den Bremsenwechsel selber durchgeführt. Oder nach einem Batteriewechsel die neue Batterie registrieren, wie es bei vielen modernen Fahrzeugen mit Batterie-Energiemanagement empfohlen oder sogar notwendig ist. Bei BMW-Modellen kann zum Beispiel auch der Zustand von Diesel-Partikel- oder NOx-Filtern kontrolliert werden.

Smart Mechanic gibt Reparatur-Tipps

Für viele Fahrzeugmodelle bietet die Carly-App die Funktion Smart Mechanic. So funktioniert sie: Wer Smart Mechanic gegen Aufpreis für seine App freischalten lässt, der erhält zu den gefundenen Fehlercodes detaillierte Fehlerbeschreibungen sowie Tipps von Mechanikern zum Aufspüren der Fehlerursache und zur Reparatur.

So werden Adapter und App installiert

Carly-Adapter im OBD-Port
Der Adapter wird in die OBD-Buchse des Autos gesteckt und verbindet sich über Bluetooth mit der App.
Bild: AUTO BILD
Der Carly-Adapter wird in die OBD-II-Buchse des Autos gesteckt. Laut Carly befindet sie sich meist im Fußraum des Fahrzeugs. Anschließend verbindet sich das Smartphone per Bluetooth mit dem Adapter. Der aktuelle Adapter arbeitet laut Hersteller mit Bluetooth 5.0 und unterstützt iOS und Android.

Für diese Fahrzeuge ist die Carly-App erhältlich

Die Vollversion steht für zahlreiche Automarken zur Verfügung. Welche App-Funktionen beim jeweiligen Fahrzeug tatsächlich unterstützt werden, lässt sich mithilfe der kostenlosen App überprüfen. Praktisch: Es wird ein und derselbe Adapter für die verschiedenen Automarken verwendet.
Carly Fahrzeughersteller
Für die in der Tabelle aufgeführten Fahrzeughersteller bietet Carly derzeit eine Vollversion der App an. Welche Funktionen die App unterstützt, hängt vom jeweiligen Fahrzeugmodell ab.
Bild: Autobild

Kosten: Preise für Carly-App und Adapter

Die App kann kostenlos im Apple App Store beziehungsweise bei Google Play heruntergeladen werden. Um sie nutzen, braucht man den Bluetooth-Adapter. Der Adapter kostet für alle Marken 64,80 Euro, inklusive Versand. Für die Vollversion der App (Carly+) gibt es je nach Fahrzeugmarke unterschiedliche Preise, da sich auch der Umfang der zur Verfügung stehenden Funktionen von Marke zu Marke unterscheidet. Für BMW-Modelle etwa kostet eine Vollversion zurzeit 103,89 Euro inklusive Adapter, für Mercedes-Modelle und für Fahrzeuge der Volkswagen-AG 74,89 Euro (Stand: Oktober 2026).
Unabhängig davon, was man bestellt (Vollversion oder Lightversion) oder welche Marke man auswählt – der Adapter, den Carly ausliefert, ist immer der gleiche. Es wird – anders als bei früheren Carly-Versionen – nur noch ein Universal-Adapter ausgeliefert. Je nachdem, was man bestellt hat, werden die entsprechenden Funktionen dann bei der Registrierung über die App freigeschaltet. Das hat den Vorteil, dass man später auch noch die Funktionen für andere Marken nachbestellen kann, ohne einen neuen Adapter zu benötigen. Auch beim Wechsel von der Lightversion auf die Vollversion wird kein neuer Adapter benötigt.
Das Upgrade wird einfach über die App vorgenommen. Für insgesamt 113,89 Euro inklusive Adapter kann man sich die Vollversion auch für alle zur Verfügung stehenden Marken freischalten lassen. Wichtig zu wissen: Die Funktionen der Vollversion werden jeweils für ein Jahr berechnet. Danach müssen sie erneut bezahlt werden, wenn man sie weiternutzen möchte. Es handelt sich bei der Vollversion also um ein Abo, das sich jedes Jahr automatisch verlängert. Wer die Vollversion nicht mehr nutzen möchte, der muss aktiv kündigen.

Unsere Erfahrungen mit der App

Die Fehlerdiagnose funktioniert mit der App sehr gut. Die App übersetzt die Fehlermeldungen, die ja im Fehlerspeicher des Autos nur in Form von Buchstaben- und Zahlencodes gespeichert sind. Zusätzlich liefert die App aber noch weitere Angaben zu den gefundenen Fehlern – etwa bei welchem Kilometerstand der Fehler zuletzt aufgetreten ist und ob der Fehler langfristig kritisch für die Fahrtüchtigkeit des Autos sein könnte.
Auch der Gebrauchtwagen-Check hat bei dreien unserer Testfahrzeuge (allesamt BMW) sehr gut funktioniert. Die App zeigt an, wie viele hinterlegte Kilometerstände sie aus verschiedenen Steuergeräten herausgelesen hat und vergleicht diese untereinander. Zwischen diesen Kilometerständen können sich geringe Differenzen ergeben, abhängig davon, wann der Kilometerstand zuletzt im jeweiligen Steuergerät abgespeichert wurde. Der Kilometerstand des Tachos sollte jedenfalls nicht niedriger sein als die Kilometerstände aus den anderen Steuergeräten – ansonsten könnte eine Manipulation am Tacho vorliegen. Leider steht dieser Gebrauchtwagen-Check nicht für jedes Modell der verschiedenen Marken, bei denen Carly grundsätzlich anwendbar ist, zur Verfügung. So zum Beispiel bei unserem vierten Testwagen, einem Skoda Fabia von 2009.