Chery Tiggo 4, 7, 8 und 9: Fahrbericht
Cheri, Chery, wer? China-SUV zum Kampfpreis

Ein Tippfehler macht aus Cheery das vieldeutige Chery. Heute ist die Automarke Chinas Exportkönig und kommt 2027 mit vier SUV nach Deutschland. AUTO BILD ist sie schon gefahren.
Bild: Chery / Harald Dawo
Dass orthografische Fehler zu Welterfolgen werden können, haben im Jahr 1985 bereits Modern Talking mit "Cheri, Cheri Lady" bewiesen und das ganze als künstlerische Freiheit verkauft. Popmusik halt.
Ähnlich verhält es sich bei der chinesischen Marke Qirui, die den globalen Markt als Cheery (fröhlich) erobern wollte. Ein Tippfehler bei der offiziellen Marktanmeldung im Jahr 1999 machte daraus Chery.
Doch wer glaubt, dass dieser Fauxpas Rückschlüsse auf Qualität und Wirtschaftlichkeit zulässt, der irrt. Gegründet 1997 im chinesischen Wuhu, setzt Chery seinen Fokus anders als andere Hersteller aus dem Reich der Mitte nicht auf E-Antriebe, sondern auf Verbrenner und Hybride.

Bild: Chery
Mit weltweit mehr als 20 Millionen verkauften Fahrzeugen positioniert sich Chery in den vergangenen 29 Jahren nicht nur als renditestarker Volumenhersteller Chinas, sondern auch in den vergangenen 23 Jahren als unangefochtener Exportkönig.
Den Aufschlag in Europa wagte Chery im Jahr 2025 in Polen. In Deutschland sollen die ersten vier Modelle der Tiggo-Reihe im ersten Halbjahr 2027 bei 30 Händlern angeboten werden.
Damit Sie wissen, was hier auf Sie zurollt, hat sich AUTO BILD die Fahrzeuge für eine erste Ausfahrt geschnappt – und war überrascht. Weniger darüber, dass es sich beim Tiggo 4, Tiggo 7, Tiggo 8 und Tiggo 9 um waschechte SUV handelt, sondern vielmehr darüber, dass die Marke vom C- bis zum E-Segment alles abdeckt. Und das zu erstaunlich günstigen Preisen. Doch der Reihe nach.
Tiggo 4 HEV CSH

Der Tiggo 4 mit 4,32 Meter Länge ein erstaunlich komfortables SUV im C-Segment.
Bild: Chery / Stephan Braubach
Der Kleinste im Bunde ist mit 4,32 Meter Länge ein Vollhybrid mit Frontantrieb in Form des Tiggo 4 HEV CSH. Doch während wir den 95 PS starken 1,5-Liter-Benziner gefahren sind, der von einem 203 PS starken E-Motor und einer 1,83 kWh großen Nickel-Kobalt-Mangan-Batterie (NCM) unterstützt wird, ist für den deutschen Marktstart die Kombination mit einem 120 PS starken 1,5-Liter-Turbobenziner vorgesehen. Dieser soll nochmals mehr "Wumms" liefern, wie Deutschland-Chef Patrick Reimers betonte.
Wobei der Tiggo 4 den Wumms unten raus gar nicht braucht. Im Zusammenspiel der Motoren, die ausschließlich die Vorderräder antreiben, beschleunigt das Kompakt-SUV in 8,9 Sekunden auf Tempo 100. Überschaubar ist bei der Systemleistung von 163 PS dann aber die Endgeschwindigkeit von lediglich 150 km/h.

Die Lenkung hat uns im Chery Tiggo 4 nicht wirklich gefallen.
Bild: Chery / Stephan Braubach
Dafür verspricht Chery einen WLTP-Verbrauch von 5,3 Litern und eine CO₂-Emission von nur 120 g/km. Rein rechnerisch ergäbe sich so aus dem 51-Liter-Tank eine Reichweite von 950 Kilometern. Bis zu fünf Reisende können diese Strecke in einem gepflegten Ambiente zurücklegen. Der Kofferraum fasst – je nach Stellung der Rückbanklehne – zwischen 430 und 1190 Liter.
Auffällig bei der ersten Fahrt: Die Lenkung aus der Mittellage wirkt sehr offen, wenig direkt und rückmeldungsarm. Hinzu kommt eine arg straffe Fahrwerksabstimmung, die gerade bei kurzen Stößen die Zähne ordentlich klappern lässt.

Bild: Chery / Stephan Braubach
Positiv: Es gibt es bis zu sieben Airbags und 24 Assistenten, die ihre Arbeit mehr oder weniger hintergründig verrichten. Unterm Strich bekommt man mit dem Tiggo 4 HEV CSH, der hier für 22.000 bis 25.000 Euro angeboten werden soll, verdammt viel Auto für sein Geld.
Tiggo 7 HEV CSH

Bild: Chery / Stephan Braubach
Für 29.000 bis 32.000 Euro kann man bereits in die nächst höhere Stufe einsteigen, in den 4,55 Meter messenden Tiggo 7 HEV CSH. Der fährt übrigens bereits mit dem für den Tiggo 4 angedachten 1,5-Liter-Turbobenziner mit 143 PS. Ansonsten ist die Antriebskombination identisch. E-Motor mit 204 PS, gespeist aus einer 1,83 kWh großen NCM-Batterie.
Mit 224 PS Systemleistung geht es spürbar energischer zur Sache. In 8,7 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht, bereits bei 175 km/h ist Schluss.

Die Lenkung im Chery Tiggo 7 ist deutlich direkter als beim Tiggo 4, wobei auch hier das Fahrwerk das Ungemach der Straße etwas grob und ungefiltert in den Innenraum überträgt.
Bild: Chery / Stephan Braubach
Spürbarer als beim Tiggo 4 sind bei der Nummer 7 aber die Übergänge der Antriebseinheiten, die beim spontanen Leistungsabruf sogar etwas ruppig wirken. Dafür zeigt sich die Lenkung deutlich direkter, wobei auch hier das Fahrwerk das Ungemach der Straße etwas grob und ungefiltert in den Innenraum überträgt.

Beim Tiggo 7 setzt Chery auf Familien als Käufer. Der Kofferraum bietet zwischen 500 und 1305 Liter Stauraum.
Bild: Chery / Stephan Braubach
Der Verbrauch soll mit 5,7 Liter (WLTP) angenehm verhalten bleiben und somit 880 Kilometer zurückgelegt werden können. Der entscheidende Vorteil zum Tiggo 4 ist natürlich der Längenzuwachs um 20 Zentimeter. Mehr Platz für die Insassen und das Gepäck, das hier auf 500 bis 1305 Litern verstaut werden kann.
Tiggo 8 PHEV CSH

Der Chery Tiggo 8 soll ab 38.000 Euro zu haben sein, misst 4,72 Meter in der Länge. Der Plug-in-Hybrid schafft laut Hersteller 90 Kilometer rein elektrisch.
Bild: Chery / Stephan Braubach
Wer noch mehr Platz braucht und es noch eine Spur edler haben möchte, der kann mit einer Investition zwischen 38.000 bis 40.000 Euro einen Tiggo 8 PHEV CSH sein Eigen nennen. Wie das Kürzel PHEV schon verrät, handelt es sich bei dem 4,72 Meter langen SUV um einen Plug-in-Hybrid, der Dank einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit einer Kapazität von 18,4 kWh bis zu 90 Kilometer rein elektrisch zurücklegen soll.
Neben einem E-Motor mit 204 PS kommt auch hier der 1,5-Liter-Turbo zum Einsatz. Mit einer Systemleistung von 279 PS und 365 Newtonmeter maximalen Drehmoment geht es dann aber gar nicht so flott von der Stelle: Neun Sekunden dauert es, bis die knapp zwei Tonnen Leergewicht auf Tempo 100 beschleunigen, um dann mit vehementem Nachdruck bis zu 180 km/h schnell zu werden.

Bild: Chery / Stephan Braubach
Auch hier gehen Leistung und Spurtstärke nicht wirklich Hand in Hand. Wem die schnöde Geschwindigkeit aber egal ist, wer mehr auf Größe und Innenausstattung achtet, der ist hier gut aufgehoben.
Doch während der Tiggo 8 PHEV deutlich gediegener im Fahr- und Lenkverhalten wirkt, macht er von der Bedienung nicht den besten Eindruck. Während man beim 4er und 7er neben dem Touchscreen als zentralem Bedienelement auch auf mechanische Knöpfe setzt, ist man in der Nummer 8 mit dem Zentraldisplay allein gelassen.
Das ist schade und konterkariert den insgesamt sehr hochwertigen Eindruck, den der Siebensitzer auf der ersten Fahrt hinterlassen hat. Obgleich auch hier die Gesamtabstimmung etwas zu straff wirkt und nicht so ganz mit dem Charakter des Wagens in Einklang zu bringen ist.
Tiggo 9 PHEV CSH

Bild: Chery / Stephan Braubach
Das Topmodell ist der Tiggo 9 PHEV CSH. Seine Systemleistung von 428 PS setzt sich aus einem 1,5-Liter-Turbobenziner und drei E-Motoren zusammen. Einer davon leistet 238 PS, treibt die Hinterräder an und macht den Chinesen zum Allradler. Entsprechend groß ist die Auswahl an Fahrprogrammen: Neben Eco, Normal und Sport stehen auch Snow, Sand und Offroad zur Wahl.
Der NMC-Akku mit 32,39 kWh Nettokapazität versorgt die E-Motoren mit Energie. Damit soll der 4,81 Meter lange und 2,3 Tonnen schwere Siebensitzer bis zu 100 Kilometer rein elektrisch schaffen. Zusammen mit dem 70-Liter-Tank sind laut WLTP sogar bis zu 1050 Kilometer Reichweite drin. Da wird ordentlich Strecke gemacht!

Bild: Chery / Stephan Braubach
Die Kilometer spult der Tiggo 9 in besonders gediegener Atmosphäre ab. Dazu tragen das neueste Integrated-Power-Brake-System (IPB) von Bosch, 19 Sensoren und 24 Assistenzsysteme bei, die bereits serienmäßig an Bord sind.

Bild: Chery / Stephan Braubach
Tatsächlich ist die Spreizung der hier vorgestellten Fahrzeuge so gestaltet, dass der Tiggo 9 PHEV CSH auf das Oberklasse-SUV-Segment zielt. Und das bereits ab 49.000 Euro. Ob für diesen – gemessen an der Konkurrenz – geringen Preis tatsächlich ein SUV zu bekommen ist, das mithalten kann, wird AUTO BILD Ende September in einem separaten Test klären. Der erste Eindruck jedenfalls war vielversprechend.
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