Neuer Fünfjahresplan für die Batterie-Industrie
China plant "bahnbrechende Entwicklungen" beim Feststoffakku

Die chinesische Wirtschaft plant langfristig: In den kommenden Jahren fokussiert die chinesische Batterie-Industrie den langersehnten Feststoffakku – und plant ihn fest ein. Alle Infos!
Bild: Grafik mit KI erstellt
- Raphael Schuderer
Der Fortschritt der chinesischen Industrie ist von langer Hand geplant: Aktuell hat das Reich der Mitte "bahnbrechende Entwicklungen" im Bereich der Feststoffbatterien angekündigt, so meldet es die Automobilwoche.
Die Markteinführung von Akkus der nächsten Generation soll demnach bis 2030 beschleunigt vorangetrieben werden. Die Ziele wurden auch im maßgeblichen Fünfjahresplan der Batteriebranche in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) sowie sechs weiteren Behörden festgelegt.
Ein Fünfjahresplan ist in China das wichtigste staatliche Planungsinstrument. Darin legt die chinesische Führung ihre wirtschaftlichen und technologischen, aber auch sozialen und ökologischen Ziele für die kommenden fünf Jahre fest. Anders als in marktwirtschaftlichen Staaten werden für Unternehmen, Regionen und Behörden klare Ziele formuliert, die diese dann umzusetzen haben.
Der Einfluss auf die industrielle Entwicklung ist daher wesentlich höher, als wenn sich die Bundesregierung bis zum Jahr 2030 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen wünscht – ein, wie sich gezeigt hat, kaum erreichbares Ziel.
Feststoffakku hat Priorität
Für Beobachter ist interessant, wie China planwirtschaftlich in die Zukunft blickt. Für industrielle Branchen lassen sich an der China-Planung ausschlaggebende Weichenstellungen für die kommenden Jahre ablesen. So auch in der Batterieproduktion.
Der Feststoffakku gilt als das nächste große Ding unter den Stromspeichern: Er ist sicherer sowie kälteresistenter als herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus und speichert auf kleinerem Raum mehr Energie. Bislang wurden Feststoffakkus erst im Labor oder in Einzeltests erprobt, ein Großserienauto ist damit noch nicht ausgestattet. Erste Autos mit Semi-Feststoffakku, etwa der MG4 Urban, sind angekündigt. Das Rennen läuft!
Laut dem Magazin "Automobilwoche" strebt China bis 2030 eine großflächige Nutzung von Festkörperbatterien an. Dazu werden im Fünfjahresplan auch einzelne Entwicklungsziele bei der Technologie und der Produktion festgelegt: Der Fokus des MIIT liege beim Feststoffakku auf Ionenleitfähigkeit, Zyklenstabilität und Kosten.
Erschwerend komme beim Feststoffakku hinzu, "dass sich einige der Materialien beim Be- und Entladen stark ausdehnen und zusammenziehen", was bisher die Lebensdauer negativ beeinflusse. Der Fünfjahresplan sehe vor, die Problematik mit "druckbeaufschlagten Zellkonzepten" zu lösen. Auch die nötigen Rohstoffe für Feststoffakkus, hier ist von "leistungsfähigen Festelektrolyten" die Rede, sollen verstärkt produziert werden.
Verbesserung von Lithium- und Natrium-Ionen-Akkus geplant
Neben dem Feststoffakku stelle die Lithium-Ionen-Technologie laut Plan weiterhin den Kern der Batterieversorgung. In diesem Bereich soll vor allem die Langlebigkeit verbessert werden. Daneben sei auch die Weiterentwicklung von Natrium-Ionen-Batterien, Redox-Flow-Konzepten (elektrochemische Energiespeicher), Batterie-Rohstoffförderung und Batterie-Recycling geplant.
Die Zukunft wird zeigen, ob die Fokussierung auf Feststoffakkus deren Entwicklung beschleunigt. Wie gut industrielle Planung funktionieren kann, zeigt der letzte Fünfjahresplan für die Autoindustrie: Dort wurde vehement der Absatz von "New Energy Vehicles" (NEV; unter anderem BEV, PHEV und Range-Extender-Fahrzeuge) gefordert.
Mittlerweile liegt der Anteil von NEV-Neuzulassungen in China bei 61 Prozent. Für die nächsten fünf Jahre liegt der Fokus der chinesischen Autoindustrie laut Automobilwoche vor allem auf autonomem Fahren – vielleicht dann auch mit Feststoffakku.
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