CO2-Reduzierung mit E-Autos

Elektroautos: Vergleich CO2-Bilanz

CO2-Bilanz: Elektroauto gegen Diesel

So sauber sind E-Autos wirklich

Sind Elektroautos CO2-Saubermänner? Nein, bilanziert eine Ifo-Studie. Doch es gibt Kritik an der Erhebung. Die Bilanz ist top, wenn man anders rechnet.
Hat sich die deutsche Autoindustrie verrechnet, als sie auf das Elektroauto für die saubere Mobilität von morgen gesetzt hat? Das legte eine Studie des früheren Ifo-Institut-Präsidenten Hans-Werner Sinn nahe, die am 17. April 2019 veröffentlicht wurde. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Elektroautos mehr CO2 produzieren als Dieselfahrzeuge. Doch jetzt mehren sich Zweifel an der Studie selbst. Die Kritik: Sinn habe das Elektroauto künstlich schlecht-, Diesel hingegen bessergerechnet.

Autos nicht miteinander vergleichbar?

Unter den Kritikern sind neben dem Bundesver­kehrsministerium auch das Umwelt­bundesamt – sie verweisen auf eine aktuelle Studie des Heidelberger Ifeu-Instituts. Diese kommt zu einem posi­tiven Ergebnis für die Klimabilanz von Elektroautos. Hauptkritikpunkt an der Sinn-Studie: Sie vergleiche Autos, die wegen ihrer Leistung nicht miteinander zu vergleichen seien. Zudem geht Sinn davon aus, dass das E-Auto in Deutschland mit einem 35-Prozent-Anteil an Kohlestrom geladen wird. Auch VW meldet sich zu Wort: Bei gleichen Fahrzeugmodellen sei die CO2-Bilanz von Elektroautos schon heute besser als die der Verbrenner-Variante. Das habe eine Lebenszyklus-Analyse des aktuellen Golf über 200.000 Kilometer mit allen verfügbaren Antriebsarten ergeben. Und der Vorteil der E-Autos soll weiter wachsen: Der ID.3 wird den Kunden ab Frühjahr 2020 CO2-neutral produziert übergeben.

So urteilte die Ifo-Studie

Laut der Ifo-Studie schneiden E-Autos im Vergleich zum Diesel schlechter ab, sobald man den CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Batterien und den deutschen Strommix berücksichtigt. Und das nicht unerheblich, sondern um elf bis 28 Prozent schlechter gegenüber dem Selbstzünder. Denn: Lithium, Kobalt und Mangan als Basiselemente der Akkus würden mit hohem Energieeinsatz gewonnen und verarbeitet, heißt es in der Untersuchung.

C-Klasse und Model 3 im Vergleich

Die Diesel-C-Klasse von Mercedes schneidet im Ifo-Test insgesamt besser ab, hat aber deutlich weniger PS.

Die Studienautoren – neben Sinn noch der langjährige Ifo-Energieexperte Hans-Dieter Karl und der Kölner Physikprofessor Christoph Buchal – hatten einen Mercedes C 220 d (194 PS) und einen Tesla Model 3 (mindestens 351 PS) miteinander verglichen. Eine Batterie für das Model 3 belaste die CO2-Bilanz mit elf bis 15 Tonnen des Treibhausgases, erklärten die Forscher. Bei einer Haltbarkeit des Akkus von zehn Jahren und einer Fahrleistung von 15.000 Kilometern im Jahr bedeute allein das schon 73 bis 98 Gramm CO2 je Kilometer. Dazu komme noch der deutsche Strommix, in dem 2018 laut Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen noch immer gut 50 Prozent fossile Brennstoffe enthalten waren. In Wirklichkeit stoße der Tesla also zwischen 156 und 181 Gramm CO2 pro Kilometer aus, bilanziert die die Studie – und das sei deutlich mehr als beim Diesel-Daimler.

Forscher empfehlen: Erdgas, dann Wasserstoff-Methan

Das Model 3 ist als "Massenstromer" der große Trumpf von Tesla.

Die Autoren kritisieren in ihrer Studie, dass der EU-Gesetzgeber die CO2-Emissionen von Elektroautos mit dem Wert Null in die Berechnungen der Flottenemissionen einfließen lässt. Doch auch moderne Verbrennermotoren seien keine Lösung: Der ab 2030 vorgeschriebene CO2-Grenzwert von 59 Gramm pro Kilometer entspreche einem Verbrauch von 2,2 Liter Diesel oder 2,6 Liter Benzin je 100 Kilometer und sei "ingenieurtechnisch unrealistisch". Die Wissenschaftler empfehlen daher Erdgas als ideale Übergangstechnologie zu langfristig mit Wasserstoff oder "grünem Methan" betriebenen Autos. Bei Erdgasmotoren lägen die Gesamtemissionen schon heute um ein knappes Drittel niedriger als beim Dieselmotor. Zudem habe die Wasserstoff-Methan-Technologie einen weiteren Vorteil: Sie ermögliche die Speicherung von Wind- und Sonnenstrom bei Stromspitzen, die bei einem steigenden Anteil dieser regenerativen Energieform stark zunehmen würden.

ADAC-Studie: Diesel bei den Dicken am besten

Die Ergebnisse decken sich in weiten Teilen mit Ergebnissen des ADAC aus dem Jahr 2018. Der Automobilklub hatte Autos aus drei Segmenten miteinander verglichen. Die große Frage: Fahren E-Autos klimafreundlicher? Ergebnis: Elektrofahrzeuge in Deutschland seien bereits in vielen Fällen eine gute, weil umweltfreundliche Wahl, doch könnten sie eine noch deutlich bessere CO2-Bilanz aufweisen, würden sie ausschließlich mit regenerativem Strom fahren.

Reichweite von E-Autos

Bei einem elektrischen Kleinwagen wie dem BMW i3 ist für die CO2-Bilanz die Laufleistung besonders wichtig.

Im Fokus des ADAC waren Diesel-, Benzin-, Erdgas- und Autogas-Pkw sowie Hybridfahrzeuge, Plug-in-Hybride und E-Autos der Segmente "Kleinwagen" (Mazda2, Mitsubishi Space Star, Toyota Yaris, BMW i3), "Kompaktklasse" (Mazda3, VW Golf, Mercedes B 200, Dacia Logan MCV, Toyota Prius, Toyota Prius Plug-in Hybrid, Hyundai Ioniq Electric) und "obere Mittelklasse" (Mercedes E 220 d, Mercedes E 400 Coupé, Volvo XC90 Twin Engine, Tesla Model X). Diese Modelle hatten im vergangenen ADAC-Ecotest jeweils am besten abgeschnitten. Zugrunde gelegt wurde eine Gesamtlaufleistung von 150.000 Kilometern und der deutsche Strommix des Jahres 2013 mit 23 Prozent Anteil regenerativer Energie – nach Aussage des ADAC gab es damals noch keine gesicherten aktuelleren Zahlen. Inzwischen bestätigte das Umweltbundesamt einen Wert des deutschen Brutto-Strommixes 2017, der den Anteil regenerativer Energien mit gut 33 Prozent beziffert. Dementsprechend würde sich nun ein Vorteil für Elektroautos und Hybride ergeben. Neue Testwerte gibt es aber ebenso wenig wie offizielle Zahlen vom Bundesamt fürs Jahr 2018.

Elektroautos: Irrtum und Wahrheit

Erstaunlich: Nur in der Kompaktklasse hatte das E-Auto mit 22,5 Tonnen CO2 die beste Ökobilanz (mit ausschließlich grünem Strom wären es sogar nur zehn Tonnen). Am meisten Kohlendioxid kam vom Benziner mit 30 Tonnen. Gegenüber dem Benziner amortisiert sich das mit dem Strommix geladene E-Auto aus Umweltsicht schon nach etwa 45.000 Kilometern. Bei den Kleinwagen hat das Elektroauto zwar auch die Nase vorn, allerdings nur mit dem optimistischen Wert von 150.000 Kilometern Laufleistung. In der Realität werden kleine E-Pkw oft als Zweit- oder Stadtwagen benutzt. Und bei 50.000 Kilometern Fahrstrecke kann das E-Auto die hohen CO2-Emissionen aus Pkw-Herstellung, Recycling und Strombereitstellung nicht ausgleichen.

Gebrauchtwagensuche: Elektroautos

Überraschende Erkenntnis in der oberen Mittelklasse: Hier liefert der Diesel mit 33 Tonnen CO2 auf 150.000 Kilometer das beste Ergebnis! Da das E-Auto (mit Strommix 41 Tonnen CO2) bei der Batterieherstellung und beim Recycling sehr viel Kohlendioxid verursacht, würde es sich im Vergleich zum Diesel erst nach 580.000 Kilometern rentieren. (mit Material von dpa)

Elektroautos: Vergleich CO2-Bilanz

Autoren: , Stefan Voswinkel

Stichworte:

CO2-Emission

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