Bei der Kaufprämie zur Förderung von Elektromobilität in Deutschland ist ein Ende abzusehen. Bereits zum kommenden Jahreswechsel wird es massive Einschnitte geben: So sinkt 2023 der Umweltbonus für E-Autos, der Zuschuss für Plug-in-Hybride wird ganz gestrichen.
Das Kabinett beschloss am 27. Juli 2022 den Wirtschafts- und Finanzplan des Klima- und Transformationsfonds mit Ausgaben für den Klimaschutz. Darin enthalten sind Milliardenmittel für energieeffiziente Gebäude – und eben für die staatliche Elektro-Kaufprämie, die ab nächstem Jahr nur noch für rein batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge gezahlt wird.

Das sind die zurzeit besten E-Autos:

Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
BMW iX
UVP ab 77.300 EUR, Ersparnis: bis zu 13.386  EUR
Kia EV6
UVP ab 44.990 EUR, Ersparnis: bis zu 14.069 EUR / im Leasing schon ab 274  EUR
Mercedes EQS
UVP ab 97.807 EUR, Ersparnis: bis zu 6152  EUR
Hyundai Ioniq 5
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.280 EUR / im Leasing schon ab 234  EUR
Audi Q4 e-tron
UVP ab 41.900 EUR, Ersparnis: bis zu 12.420 EUR / Leasing-Bestpreis: 89  EUR
Skoda Enyaq iV
UVP ab 34.600 EUR, Ersparnis: bis zu 11.584 EUR / Leasing-Bestpreis 124  EUR
Mazda MX-30
UVP ab 34.490 EUR, Ersparnis: bis zu 13.035 EUR / im Leasing schon ab 90  EUR
Smart EQ fortwo
UVP ab 21.940 EUR, Ersparnis: bis zu 8240 EUR / im Leasing schon ab 77  EUR
Tesla Model 3
UVP ab 46.560 EUR; Ersparnis: bis zu 7975 EUR / Leasing-Bestpreis 289 ,00 EUR
Opel Corsa-e
UVP ab 30.400 EUR; Ersparnis: bis zu 11.920 ,00 EUR
Volvo XC40 Recharge
UVP ab 48.650 EUR; Ersparnis: bis zu 9570 ,00 EUR

Laut Finanzminister Christian Lindner (FDP) stehen für den Umweltbonus "letztmalig" neue Mittel in Höhe von 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Hinzu kämen 0,9 Milliarden Euro an nicht verausgabten Altmitteln, sodass der Fördertopf auf insgesamt 3,4 Milliarden Euro gedeckelt sei.
Wenn die Mittel erschöpft seien, werde es keine Kaufprämie mehr geben. Nach genaueren Angaben des Wirtschaftsministeriums sieht der Haushaltsplan 2,1 Milliarden Euro für 2023 und 1,3 Milliarden Euro für 2024 vor.

Wie hoch wird der Umweltbonus im Jahr 2023 sein?

Ab 2023 gelten folgende Subventionsregeln: Privat gekaufte E-Autos bis 40.000 Euro netto werden statt wie bisher mit 6000 nur noch mit 4500 Euro gefördert. Im Laufe des Jahres 2023 soll dieser Betrag noch auf 3000 Euro sinken.
Rein elektrisch betriebene E-Autos zwischen 40.000 und 65.000 Euro Netto-Neupreis bekommen nur noch bis zur Jahresmitte 3000 Euro Zuschuss, danach sinkt die Preisobergrenze auf 45.000 Euro netto (genaue Förderregeln siehe unten). Steuervorteile von Elektroautos bei der Dienstwagen-Regelung sollen beibehalten werden.

Stocken die Hersteller die Prämie weiter auf?

Es gilt als sicher, dass die Autohersteller die Prämie auch in Zukunft jeweils um die Hälfte aufstocken. Die Gesamtsumme sinkt damit aber analog zum staatlichen Anteil, also beispielsweise von 9000 (6000/3000) Euro auf 6750 (4500/2250) Euro.
Opel Astra Plug in Hybrid
Auch der Neuwagenkauf eines Opel Astra Plug-in-Hybrid wird ab 2023 nicht mehr mit dem Umweltbonus gefördert.

Lindner verteidigte den Kabinettsbeschluss so: "Angesichts der Milliardengewinne der Automobilkonzerne ist eine solche Subventionierung auch nicht mehr erforderlich. Hier setze ich darauf, dass über den Markt Impulse kommen, Elektrofahrzeuge günstiger zu machen über den Wettbewerb."
Christian Lindner
Finanzminister Christian Lindner (FDP) verteidigte die schrittweise Abschaffung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach von einem heftigen Dämpfer für den Anreiz zum E-Auto-Kauf. Unverständlich sei es zudem, dass die Prämie nur noch an private Käufer ausgezahlt werden solle und Handwerker oder Gewerbe künftig leer ausgingen. Diese Regelung ist ab September 2023 geplant. Genau wie der ADAC kritisierte der VDA die Kopplung der Zahlung an den Zulassungs- und nicht an den Kaufzeitpunkt.

Ampelregierung streitet um E-Auto-Förderung

Über die Förderung von Elektrofahrzeugen hatte es zuvor Streit in der Bundesregierung gegeben. Finanzminister Lindner wollte die Kaufprämien abschaffen. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte vorgeschlagen, die Bezuschussung von Plug-in-Hybridautos früher als geplant Ende 2022 zu streichen. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD, FDP und Grüne auf eine Reform der Förderung geeinigt.
Insgesamt ist das Interesse an der Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride durchaus stabil. Genau 47.553 Anträge auf den staatlichen Umweltbonus wurden im Monat Juni gestellt. Das ist lediglich ein leichter Rückgang sowohl im Vergleich zum Mai 2022 (48.245) als auch zum Vorjahrsmonat (51.847 im Juni 2021). Wurden im ersten Halbjahr 2021 rund 273.000 Förderanträge gestellt, waren es von Januar bis Juni 2022 zusammengerechnet 271.353 Ersuche – also nicht viel weniger.
Und das, obwohl seit Monaten Unsicherheit unter den Verbrauchern herrscht; verursacht durch lange Lieferzeiten und politische Diskussionen über den Fortbestand der Umweltprämie. Die Autohersteller hatten bereits Wochen zuvor verschnupft auf die Pläne reagiert: "Ein abrupter Wegfall der E-Auto-Prämie würde einen schweren Vertrauensbruch bedeuten", sagte Reinhard Zirpel vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK).

Das sind die aktuellen Regeln

Derzeit erleichtern Staat und Hersteller den Kauf eines neuen lokal emissionsfreien Autos – also E-Autos, Wasserstoffautos und in begrenztem Maße auch Plug-in-Hybride – noch mit einer Kaufprämie von bis zu 9000 Euro. Hier sind alle Infos zur aktuellen Förderung und den dazugehörigen Regeln!

Umweltbonus oder Innovationsprämie?

Die Gesamtsumme der Förderung wird Umweltbonus oder auch Elektro-Kaufprämie genannt. Sie beträgt bis zu 9000 Euro. Der darin enthaltene Betrag, mit dem der Staat seinen Anteil verdoppelt, heißt Innovationsprämie.

Welche Autos bekommen aktuell die Förderung?

Batterieelektrische Autos bis 40.000 Euro (Nettolistenpreis) werden von staatlicher Seite mit 6000 Euro gefördert, dazu kommt ein Herstelleranteil von 3000 Euro. Durch die Mehrwertsteuerersparnis können Autokäufer gar mit einem Zuschuss von 9570 Euro rechnen. Kostet das E-Auto zwischen 40.000 und 60.000 Euro (Nettolistenpreis), dann beträgt der Bundesanteil 5000 Euro plus 2500 vom Hersteller, also 7500 Euro. Die laut Förderrichtlinie geltende Prämie wurde von der Ampelregierung zuletzt bis Ende 2022 verlängert.

Wie hoch ist die Kaufprämie für Plug-in-Hybride?

Ebenfalls (noch) gefördert, wenn auch nicht ganz so stark, werden Plug-in-Hybride, weil sie dank des aufladbaren Akkus lokal emissionsfrei fahren können. Auch hier ist die Förderung nach Nettolistenpreis gestaffelt: Bei Fahrzeugen bis 40.000 Euro gibt es eine Bundesförderung von 4500 Euro plus 2250 vom Hersteller, macht 6750 Euro. Käufer von Plug-in-Hybriden zum Listenpreis zwischen 40.000 und 65.000 Euro kommen in den Genuss einer reduzierten staatlichen Förderung von 3750 Euro plus 1875 Euro von den Herstellern, unterm Strich also 5625 Euro. Auch hier kommt noch eine Mehrwertsteuerersparnis hinzu.

So hoch ist die Umweltprämie (Stand: Juli 2022)

Fahrzeugtyp
Netto-Listenpreis Basismodell
Bundesanteil (verdoppelt)
Herstelleranteil (netto)
Gesamt (netto)
Geplanter Bundesanteil 1. Halbjahr 2023
Geplanter Bundesanteil 2. Halbjahr 2023
Abzweigung
Elektroauto (BEV)
Abzweigung
Abzweigung
Elektroauto (BEV)
Abzweigung
Abzweigung
Plug-in-Hybrid
Abzweigung
Abzweigung
Plug-in-Hybrid
Abzweigung
bis 40.000 Euro
40.000 bis 65.000 Euro
bis 40.000 Euro
40.000 bis 65.000 Euro
6000 Euro
5000 Euro
4500 Euro
3750 Euro
3000 Euro
2500 Euro
2250 Euro
1875 Euro
9000 Euro
7500 Euro
6750 Euro
5625 Euro
4500 Euro
3000 Euro
gestrichen
gestrichen
3000 Euro
3000 Euro bei Netto-Listenpreis bis 45.000 Euro
gestrichen
gestrichen

Welche Autos gefördert werden

In die Förderung fallen Neuwagen, die nach dem 3. Juni 2020 zugelassen wurden, oder Gebrauchtfahrzeuge, die erstmals seit dem 4. November 2019 und zum zweiten Mal nach dem 3. Juni 2020 zugelassen wurden. Entscheidend ist eine Förderliste, die beim BAFA, dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, vorliegt.
VW ID.3
Der VW ID.3 ist eines der meistgeförderten Elektroautos in Deutschland. Bald gibt es auch für ihn weniger Zuschuss.

Beantragt wird die Prämie über ein Online-Antragsformular. Auch geleaste E-Autos können gefördert werden, erhalten allerdings erst ab 23. Monaten Leasingdauer die volle Förderung, darunter wird die Prämie gestaffelt. 
Auch für nicht geförderte junge gebrauchte Elektrofahrzeuge kann die Förderung beantragt werden. Allerdings gibt es eine prozentuale Preisgrenze, die der Gebrauchte nicht überschreiten darf. Beim Nachweis der erfüllten Voraussetzungen kann ein DAT-Gutachten helfen. Alle Einzelheiten sind in einem Merkblatt des BAFA nachzulesen.

Was gilt beim Fahrzeug-Leasing?

Den Umweltbonus gibt es fürs private wie auch fürs gewerbliche Leasing. Allerdings wird der Betrag nach der Laufzeit gestaffelt. Dabei muss der Kunde für den Anteil des Bundes erst mit einer Sonderzahlung in Vorleistung treten. Diese lässt er sich mit dem Prämienantrag beim BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) später erstatten.
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Beim Antrag benötigt werden folgende Dokumente: der Leasingvertrag, die verbindliche Bestellung, die Kalkulation der Leasingrate, die Zulassungsbescheinigung Teil II und das Nachweispaket bei Gebrauchtwagen. Gewerbetreibende können den Bundesanteil auch direkt an den Händler abtreten, das Formular gibt es hier.

Wie lang ist die Haltedauer?

Um in den Genuss der Kaufprämie zu kommen, muss man ein E-Auto mindestens sechs Monate halten. Beim vorzeitigen Verkauf ist das BAFA unverzüglich zu informieren.

Wer die Förderung bekommen kann

Antragsberechtigt sind Privatpersonen, Unternehmen, Stiftungen, Körperschaften und Vereine, auf die ein Neufahrzeug zugelassen wird.

Welches Datum ist entscheidend für die Förderbewilligung?

Für die Bewilligung der Förderung maßgeblich ist die Zulassung des Fahrzeugs. Der Antrag muss binnen eines Jahres nach Erstzulassung gestellt werden.

Wie viele Elektrofahrzeuge wurden bislang gefördert?

Bislang wurden mehr als 1,3 Millionen Anträge (Stand 1. Juli 2022) auf Förderung gestellt. Damit wurde die Anzahl der E-Autos auf deutschen Straßen massiv angekurbelt, der Wandel zur Elektromobilität beschleunigt.
Weiterhin zeigt die Bilanz, dass batterieelektrische Autos (BEV) insgesamt stärker nachgefragt wurden als Plug-in-Hybride. Zum Stichtag 1. Juli 2022 wurden 740.681 reine E-Fahrzeuge gefördert sowie 575.636 teilelektrifizierten Plug-in-Hybride, berichtet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Mit den 285 geförderten Wasserstoffautos (Brennstoffzellenfahrzeuge) ergibt das exakt 1.316.602 elektrifizierte Fahrzeuge, die seit Beginn der Förderung im Jahr 2016 bezuschusst wurden.

Renault Zoe fast 80.000 Mal gefördert

Das am meisten geförderte E-Auto in Deutschland seit 2016 ist mit 79.317 Anträgen der Renault Zoe, der zwischenzeitlich mit einer Null-Sterne-Wertung beim Euro NCAP Crashtest in die Schlagzeilen geriet (hier ein Kommentar dazu). Dahinter folgen der Tesla Model 3 (67.480) und der Kleinwagen VW E-Up (46.192). Im Alltime-Ranking der Hersteller führt Volkswagen (192.839) vor Mercedes-Benz (131.012), BMW (118.660), Renault (106.908) und Tesla (79.516).

Was soll die Elektro-Kaufprämie bewirken?

Um die Klimaziele 2030 zu schaffen, seien bis dahin sieben bis zehn Millionen E-Autos in Deutschland notwendig – so sieht es der "Masterplan Ladeinfrastruktur" der ehemaligen Bundesregierung vor.
Die Ampelregierung strebt nun zum Beginn der neuen Dekade 15 Millionen vollelektrische Pkw auf deutschen Straßen an. Die Autohersteller bringen derzeit immer mehr E-Autos auf den Markt, auch im Massenmarkt.

Bildergalerie

E-Auto bis 40.000 Euro
Skoda Enyaq iV 80
Peugeot e-2008
Kamera
E-Autos mit Förderung für 25.000 bis 40.000 Euro

Wie komme ich an die Elektro-Kaufprämie?

Die Prämie erhält, wer eine Rechnungskopie vom Autohändler sowie den Zulassungsnachweis auf den Antragsteller (Fahrzeugschein und Fahrzeugbrief) vorlegen kann. Das muss binnen eines Monats nach Eingang des Antrags beim BAFA geschehen.
Achtung: Um den Bonus vom Staat für ein E- oder Plug-in-Hybridauto zu bekommen, muss auf der Rechnung vom Autohändler stehen, dass der Hersteller eine Prämie in gleicher Höhe vom Netto-Kaufpreis bereits abgezogen hat.
Die Dokumente können beim Online-Antragsformular als Kopie hochgeladen werden. Eingeführt wurde der Umweltbonus 2016, seit der Erhöhung des Zuschusses durch die Innovationsprämie zogen die Zulassungszahlen elektrifizierter Fahrzeuge sehr stark an.
Mit Material von AFP, dpa und Reuters