Wer den Wechsel zur E-Mobilität wagen und ein Elektroauto kaufen möchte, kann sich freuen: Die Kaufprämie von bis zu 9000 Euro nähert den Preis von Neuwagen mit E-Antrieb immer mehr dem von vergleichbaren Verbrennerfahrzeugen an. Das niedrige Preisniveau bei neu zugelassenen Stromern hat jedoch auch Auswirkungen woanders: Denn elektrische Gebrauchtwagen werden immer günstiger – oder verlieren immer mehr an Restwert, je nach Sichtweise von Kaufenden und Verkaufenden.
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Laut dem DAT-Barometer vom Oktober 2021 ist der Gebrauchtwagenmarkt bei Elektroautos – anders als bei Benzinern oder Dieseln – preislich unter Druck wie nie. So heißt es in der Analyse der Deutschen Automobil Treuhand unter anderem: "Derzeit verkaufen Händler ihre Benzin-Gebrauchtwagen für 58,0 Prozent des ehemaligen Listenneupreises, Diesel für 55,2 Prozent. Eine Herausforderung ist allerdings die Vermarktung von batterieelektrischen Gebrauchtwagen. Vor allem die Prämien für neue E-Autos üben einen großen Preisdruck aus, so dass die Werte von dreijährigen Fahrzeugen aktuell mit 47,4 Prozent zwischenzeitlich weit unter den klassischen Verbrennern liegen."

Elektro-Bestseller zum Niedrigpreis bei AUTO BILD

Wegen der anhaltenden Engpässe durch den Chipmangel sind nicht nur Neuwagen, sondern auch viele gebrauchte Modelle selten, begehrt und damit teuer. Nicht aber die mit Elektromotor. Drei Beispiele: Im Gebrauchtwagenmarkt von AUTO BILD gibt es den Europa-Bestseller Renault Zoe (Baujahr 2016) schon für unter 6500 Euro, den BMW i3 (Baujahr 2015) ab ca. 16.000 Euro – und den Elektro-Pionier Nissan Leaf im Alter von drei Jahren für weniger als 19.000 Euro.

E-Prämie macht neuen Smart fast um die Hälfte billiger

Dass es der Markt für gebrauchte BEVs (rein batteriebetriebene E-Autos) schwer hat, liegt vor allem an der starken Förderung der Neuwagen: "Die Preisdifferenz zwischen einem neuen und einem gebrauchten Elektroauto ist oftmals zu gering, als dass es für den Käufer attraktiv wäre, sich den Gebrauchtwagen zu kaufen", erklärt Martin Weiss, Leiter DAT-Fahrzeugbewertung. Ein Beispiel dafür, dass es vor allem bei den kleineren Segmenten Probleme gibt, liefert Smart: Ein Smart EQ fortwo startet als Neuwagen bei 21.940 Euro, abzüglich 9570 Euro Umweltbonus (inklusive gesparter Mwst.) kostet der Mini-Stromer nur noch 12.370 Euro – das sind 56,4 Prozent des eigentlichen Listenpreises.
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Überhaupt ist viel Bewegung im E-Auto-Markt: "Fast alle bestehenden Modelle der Automobilhersteller werden regelmäßig überarbeitet, und während des Lebenszyklus kann es vorkommen, dass Hersteller die Listenneupreise von E-Fahrzeugen stark senken. Teilweise werden auch vollkommen neue Plattformen, Submarken oder neue Modellfamilien geschaffen", so die DAT gegenüber AUTO BILD. Zudem seien Technologiesprünge momentan noch rasant, so Weiss. Sie hätten deutliche Auswirkungen beispielsweise auf die Reichweite oder das Ladeverhalten. Jedem Gebrauchtwagenverkäufer gehen da schnell die Argumente aus, warum der Kunde einen drei- oder vierjährigen Pkw kaufen soll.

Wertmindernde Folgen bei E-Autos für viele Jahre

Und eine Wende ist nicht abzusehen. Die bis Ende 2025 verlängerte Subventionierung durch Staat und Hersteller wird den Verkauf eines gebrauchten E-Autos dauerhaft erschweren, sagt die DAT voraus. "Wäre die aktuelle Prämie 2021 ausgelaufen, hätte es einige Jahre gedauert, bis sich das Preisniveau der gebrauchten elektrifizierten Fahrzeuge wieder erholt hätte. Durch die Verlängerung der Prämie bis 2025 wird daraus quasi ein Dauerzustand", prognostiziert Martin Weiss. Ein Kaufinteressent wisse nun, dass er in den nächsten fünf Jahren ein fabrikneues E-Auto – und auch Plug-in-Hybride – immer zu einem stark rabattierten Preis erwerben könne. Das ziehe das gesamte Wertniveau gebrauchter E-Autos nach unten – vor allem bei ohnehin relativ günstigen Fahrzeugen, deren Neupreis durch den Umweltbonus teilweise um ein Drittel reduziert oder sogar halbiert werde. Für den Handel spitze sich damit die Lage zu.

Nachspiel auch beim Weiterverkauf von Plug-in-Hybriden

Mitsubishi Outlander PHEV
Plug-in-Hybridmodelle werden durch den Umweltbonus beim Neukauf mit bis zu 6750 Euro subventioniert.
Das Gleiche gilt auch für Plug-in-Hybridmodelle (PHEV) – also Autos mit Verbrennungsmotor und E-Antrieb, die extern aufladbar sind. Sie bekommen bis zu 6750 Euro Zuschuss, dazu Vorteile bei der Dienstwagenbesteuerung. Auch sie erlebten in den vergangenen Monaten einen wahren Boom. Die hohe Prämie könnte auch den Wiederverkaufspreis von Plug-in-Hybriden senken, fürchten Experten: "Wir haben große Bedenken, was die zukünftige Wertentwicklung anbelangt", sagte Andreas Geilenbrügge vom Restwert-Analysten Schwacke gegenüber dem Fachportal "Kfz-Betrieb". Die Nachfrage nach Gebrauchtwagen werde vermutlich nicht so stark wachsen wie das Angebot am Markt. DAT-Fahrzeugbewerter Weiss sieht die Restwertentwicklung der Teilstromer ebenfalls skeptisch. Ob sich der etwas höhere Neupreis im Vergleich zu reinen Benzinern oder Dieseln bei der Weitervermarktung halten lasse, sei fraglich (hier gibt's die Wertmeister 2020).

Restwerte von Plug-in-Hybriden entspannen sich erst in fünf Jahren

Ein weiterer Aspekt sei der Verbrauch, so Geilenbrügge. Dieser (und damit auch der CO2-Ausstoß) ist bei Plug-in-Hybriden in der Realität oft deutlich höher als angegeben. Abschreckend für Privatkunden sind nach Angaben der Experten auch die oft fehlende Lademöglichkeit zu Hause, das höhere Gewicht und der teils kleinere Kofferraum. "Damit fallen sämtliche Vorteile für die Verbraucher weg, und die Fahrzeuge werden unattraktiver", erklärt Weiss. Bei Schwacke rechnet man damit, dass die Restwerte von Plug-in-Hybriden bis 2025 unter Druck bleiben.