Erste Mitfahrt im Mercedes-AMG GT SUV
Dieser Elektro-AMG soll selbst V8-Fans überzeugen

Der GT-Viertürer war erst der Anfang. Viel wichtiger für AMG ist das SUV, das schon als Prototyp einen starken Eindruck hinterlässt. Erste Mitfahrt!
Bild: Mercedes
Es ist mächtig was los auf dem 17-Mile Drive, und in der Luft liegt das Brummen hochgezüchteter Turbos und großvolumiger Vielzylinder. Denn es ist Car Week in Pebble Beach, und auf der Küstenstraße trifft sich die Crème de la Crème der Supersportwagen zum Schaulaufen. (The Quail 2026: Paradies der Petrolheads.)
Nur einer ist verdächtig still und rollt fast verschämt mit einem elektrischen Surren am Bird Rock vorbei und an der Lone Cypress. Dass sich trotzdem jeder nach dem für amerikanische Verhältnisse handlichen SUV umdreht, hat einen anderen Grund: Es trägt die Robe eines Erlkönigs und ist mit Tarnfolie kaschiert.
Erste Mitfahrt drei Monate vor der Weltpremiere
Denn kurz nach der Weltpremiere des elektrischen GT-Viertürers und der, nun ja, eher zwiespältigen Reaktion darauf, ist Mercedes schon mit dem SUV-Coupé unterwegs und bittet dabei das geneigte Publikum und ausgewählte Journalisten bereits drei Monate vor der Weltpremiere im Oktober und ein gutes halbes Jahr vor dem Marktstart zur Mitfahrt.
Erstens wollen die Schwaben so die Wogen glätten, und zweitens ist dieses Auto für das Volumen der AMG-exklusiven Elektroarchitektur viel wichtiger, selbst wenn es mit ein bisschen Glück sogar billiger wird als das viertürige Coupé und im besten Fall nicht weit jenseits von 100.000 Euro startet. Während der Sportwagen eher fürs Image ist, muss das SUV den Umsatz machen und die Investitionen wieder reinspielen.

Noch fährt das neue AMG-SUV unter Tarnfolie vor. Doch schon jetzt zeigt der Elektro-Riese beeindruckende Präsenz.
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Allerdings tut sich dieses Auto auch leichter: Weil die Proportionen schon unter der Tarnfolie besser aussehen als beim Flachmann und alle, die das Auto bereits live gesehen haben, es ebenfalls für die schönere Variante halten. Zudem sind SUV einfach angesagter und alltagstauglicher als Sportwagen. Und man hat es dabei nicht mit so vielen Petrolheads zu tun, denen man mit Akkus gar nicht kommen muss, und die nur nach einem Achtzylinder schreien.
Ungewöhnlich tiefe Sitzposition für ein SUV
Also öffnet AMG-Entwickler René Szczepek die Tür und nimmt uns mit auf eine Runde. Die meiste Zeit rollt der Prototyp tatsächlich geräuschlos dahin. Und dass er von AMG kommt, verraten nur das ungewohnte Cockpit mit den digitalen Spielereien des neuen Race-Engineers, die strammen Sessel, die für ein SUV ungewöhnlich tiefe Sitzposition und das vergleichsweise straffe Fahrwerk, das selbst im Komfortmodus nichts an Verbindlichkeit vermissen lässt.
Dabei fährt das SUV sogar mit Luftfederung, die für die entgegenkommende Abstimmung sorgt. Wobei Szczepek verrät, dass es für die Serie mehrere Varianten geben wird und es schon auch einen Knochenschüttler geben soll. Was er sich sonst noch entlocken lässt: Die Hinterachslenkung, die wir bereits vom GT kennen, soll auch im SUV für handliches Rangieren, kleine Radien auf der Passstraße und Stabilität auf der Autobahn sorgen.
Boost statt V8
Bevor wir allerdings allzu sehr ins gemütliche Abdriften geraten und Affalterbach ins Abseits gerät, aktiviert Szczepek erst den Sportmodus und drückt danach den Boost-Button. Und plötzlich sind alle Zweifel wie weggeblasen: Der Sozius knallt fast schmerzhaft in den Sitz, so rabiat beschleunigt der GT auf Stelzen. Dazu gaukeln dir Lautsprecher und Vibratoren im Sitz sowie ein künstlicher Drehzahlmesser samt simuliertem Schaltgetriebe fast glaubhaft einen Verbrenner vor.
Natürlich weißt du, dass hier der Achtzylinder ausgedient hat. Und du weißt auch, dass hier nur deine Sinne getäuscht werden sollen. Und trotzdem funktioniert es, und du hast schon auf dem Beifahrersitz ein Grinsen im Gesicht.

Vorne reist es sich komfortabel, im Fond wird es für große Passagiere etwas enger.
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Während sich der GT damit in der ersten Reihe erfreulich nach Sportwagen anfühlt, sehen die Hinterbänkler das etwas anders. Sie genießen unter einem großen Panoramadach zwar reichlich Kopffreiheit, und die Füße verschwinden bequem in tiefen Ausschnitten der Akkus. Doch für die Knie bleibt nicht so richtig viel Platz. Aber auch wenn es nicht ganz zum Lümmeln reicht, ist das SUV dem Viertürer-Flachmann haushoch überlegen. Das gilt natürlich auch für den Kofferraum, und selbst der Frunk dürfte unter dem angehobenen Bug etwas größer ausfallen.
Bis zu 1169 PS erwartet
Keine großen Unterschiede sind dagegen bei der Antriebstechnik zu erwarten, selbst wenn Entwickler Szczepek sich dazu noch nichts entlocken lässt. Denn als wäre eine neue Elektroarchitektur samt neuen Akkus und neuen E-Motoren nicht schon teuer genug, wird Mercedes ganz sicher nicht noch ein halbes Dutzend neuer Konfigurationen zusammenstellen.
Deshalb rechnen wir mal genau wie beim Flachmann mit einem 55er und einem 63er, für die Mercedes zwei oder drei seiner neuen Axial-Fluss-Motoren verbaut. Das gibt dann 816 PS für den Einstieg und 1169 PS fürs Top-Modell, das mit 2000 Nm an den Rädern reißt und das SUV in deutlich weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 katapultiert. Und selbst wenn die 300 km/h des Sportwagens schwer werden könnten, dürfte er zu den schnellsten elektrischen SUV im Land aufsteigen und der E-Version des Porsche Cayenne Turbo die Lufthoheit streitig machen.

Bis zu 1169 PS könnten das Elektro-SUV in weniger als drei Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen.
Bild: Mercedes
Dazu gibt's einen neuen 800-Volt-Akku mit so um die 106 kWh. Die Zellen haben eine neue Chemie, sind flüssigkeitsgekühlt und laden deshalb besonders schnell mit bis zu 600 kW. Zehn Minuten am Stecker reichen deshalb für gut und gerne 400 Kilometer, und die 700 Kilometer Normreichweite des GT-Viertürers sind eine vernünftige Richtgröße.
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