Formel 1: Alle deutschen Fahrer in der F1

Formel 1: 1000. WM-Lauf (10)

Warum Großbritannien die Nummer eins ist

Großbritannien mischte den Rennsport erst nach einigen Jahren auf. Doch inzwischen kommen fast alle Teams und fast alle Rekorde von der Insel – warum eigentlich?
Im vergangenen Teil unserer Serie zum 1000. Grand Prix, der am 14. April in China ausgetragen wird, haben wir die deutschen Formel-1-Teams und ihre Geschichten aufgeführt. Doch im Vergleich zu den britischen Rennställen ist das kaum der Rede wert: 62 Formel-1-Teams kamen aus Großbritannien, 29 aus Italien, nur 14 aus Deutschland, 13 aus Frankreich. Großbritannien stellte auch die meisten Weltmeister, die meisten Fahrer und hält bis heute die meisten Rekorde. Daran konnte auch Michael Schumacher nichts ändern. Heute sind sieben von zehn Teams auf der Insel beheimatet.
Aber wieso ist Großbritannien heute die Rennsportnation Nummer eins? Schließlich war das anfangs gar nicht klar. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Rennsport von Franzosen erfunden und sogar in den ersten Jahren der Formel 1 spielten britische Teams keine Rolle. Da dominierten Alfa Romeo, Ferrari, Mercedes und Maserati – also große Automobilmarken aus Italien und Deutschland. Erst danach übernahmen die britischen Garagisten-Teams das Zepter.

Mike Hawthorn war 1958 der erste britische Formel-1-Weltmeister

Genau diese Unabhängigkeit von Automobilherstellern war ihr Trumpf. Privatteams hat es schon immer gegeben. Das begann mit ersten Privatfahrern – meist Adeligen – die sich Autos kauften und selbst bei Rennen einsetzten. Dann schlossen sich manche Fahrer zusammen und bündelten ihre Stärken. In den 20er und 30er Jahren gab es dann auch schon große Privatteams – das bekannteste ist die Scuderia Ferrari. Aber sie alle bauten keine eigenen Rennwagen, sondern kauften sich von Herstellern ihre Autos, die sie manchmal höchstens etwas weiterentwickelten.
Die Briten, die in den 60er Jahren in die Formel 1 strömten – etwa Colin Chapman (Lotus), Ken Tyrrell (Tyrrell) oder Frank Williams (Williams) – konstruierten ihre Fahrzeuge selbst. Das machte sie unabhängig von Herstellern, die selten über einen langen Zeitraum in der Formel 1 waren. Mercedes zum Beispiel zog sich 1955 nach nur zwei Jahren schon wieder aus dem GP-Sport zurück. Und: Die britischen Teams spezialisierten sich vor allem auf die Chassis. Die wurden immer leichter und filigraner, die Hersteller waren vor allem beim Motorenbau im Vorteil.
Chassisbau war ihr Trumpf
Doch die Chassis, die die Motorkraft auf die Strecke brachten, wurden immer wichtiger. Weil die Rennstrecken immer enger und kurviger wurden. Das lag daran, dass die Rennen lange Zeit auf öffentlichen Straßen ausgetragen wurden – wie etwa in Spa-Francorchamps, auf der Avus in Deutschland oder in Reims. Erst nach und nach wurden eigene Rennstreckenanlagen errichtet, die waren anfangs wie Brooklands, Monza oder Indianapolis noch richtig schnell, wurden mit der Zeit aber langsamer und kurvenreicher. Nicht mehr die reine Motorkraft war daher entscheidend, sondern vor allem die Fahrzeugbalance in den Kurven – und hier trumpften die kleinen britischen Teams wie Cooper oder Lotus auf.
Dazu kommt: Großbritannien avancierte in den 60er Jahren zur politischen Großmacht. Egal ob in der Medizin, in der Wissenschaft oder im Sport – überall war Großbritannien eine der führenden Nationen. Neben Amerika, wo sich allerdings eine eigenständige Motorsportkultur entwickelte, die sich noch heute stark von der europäischen unterscheidet. Die Motorsportbegeisterung entfachte auch in Ländern, die damals Teil des britischen Königreichs waren – etwa Neuseeland.
Die diversen Rennen in Großbritannien wurden zudem von großen Zeitungen gesponsert. Entsprechend umfangreich war die Berichterstattung. Und entsprechend viele Menschen interessierten sich in Großbritannien plötzlich für den Motorsport. Mika Hawthorn wurde im Ferrari 1958 erster britischer Weltmeister. Es war die Zeit, in der mit Stirling Moss, Tony Brooks und später auch Jim Clark die erste Welle der britischen Ausnahmekönner die Formel 1 eroberten.
Die ersten britischen Teams wie Vanwall und BRM scheiterten noch, weil sie die Formel 1 zu sehr wie einAutomobilhersteller betrieben – also Chassis und Motor selbst bauten. Erst Cooper löste sich davon und wurde 1959 mit Climax-Motoren und Jack Brabham am Steuer Weltmeister.
Heute bringen es die britischen Fahrer zusammen auf 3892 WM-Rennen (Italien auf 2921, Frankreich auf 2687), auf 18 WM-Titel (Deutschland 12, Brasilien 8) und 277 Siege (Deutschland 178, Brasilien 101).

Alle bisherigen Teile der Serie zum 1000. WM-Rennen:
1) Der erste GP: So fing alles an: Hier klicken
2) Die Weltmeister – Wer war der Beste? Hier klicken
3) Die schlechtesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken
4) Diese Hersteller waren schon in der Formel 1: Hier klicken
5) Die ältesten Formel-1-Fahrer aller Zeiten: Hier klicken
6) Todesfälle und Sicherheitsentwicklung in der Formel 1: Hier klicken
7) Als ein Dieselmotor auf Pole fuhr: Hier klicken
8) Die 47 deutschen Formel-1-Fahrer: Hier klicken
9) Die 14 deutschen Formel-1-Teams: Hier klicken

Fotos: Picture-alliance

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