Ob es das erste eigene Auto ist oder das fünfte: Gebrauchtwagenkauf bleibt eine Wissenschaft. Die wichtigste Empfehlung lautet: zum Gebrauchtwagenkauf nie allein gehen. Denn vier Augen und Ohren sehen und hören mehr als zwei. Doch auch mit fachkundiger Begleitung lauern einige Fallen, in die ein Käufer hineintappen kann. AUTO BILD nennt die häufigsten Fehler.

Fehler Nr. 1: Keine Probefahrt machen

Die Probefahrt ist beim Gebrauchtwagenkauf unverzichtbar. Wichtig: Der Motor sollte kalt sein! Kaltstartverhalten und etwaige Mängel wie etwa eine gelängte Steuerkette sind nur dann identifizierbar. Bei der Probefahrt lässt sich nicht nur feststellen, ob das Auto so fährt wie man sich das vorgestellt hat, sondern man findet möglicherweise bereite technische Mängel: Schaltet die Automatik sauber und ruckfrei? Ist der Geradeauslauf sauber? Kühlt die Klimaanlage? Gibt es Windgeräusche? Funktioniert das ABS? Sind alle Kontrolllampen aus? Es gibt viele weitere Punkte. Unbedingt eine Begleitung mitnehmen, denn auch bei der Probefahrt gilt: Zwei Insassen fällt mehr auf als einem.

Fehler Nr. 2: Fehlerspeicher nicht auslesen und Kilometerstand nicht überprüfen

OBD2-Adapter von Carly: Mit einem solchen Adapter und der entsprechenden App lässt sich bei der Auto-Besichtigung der Fehlerspeicher auslesen.

Alle Benziner ab 2001 und alle Diesel ab 2004 haben eine On-Board-Diagnose und einen Fehlerspeicher. Vor dem Kauf unbedingt den Fehlerspeicher auslesen! Das geht in einer Werkstatt oder mit einem Diagnosegerät oder einer Diagnose-App in Verbindung mit einem OBD2-Adapter. Nicht nur, um elektronische Störungen wie z. B. eine defekte Lambdasonde zu ermitteln, sondern auch, um einem manipulierten Kilometerstand auf die Schliche zu kommen. Denn bei zahlreichen angebotenen Gebrauchtwagen wurde dieser zurückgedreht. Oft ist jedoch nur die Anzeige im Kombiinstrument manipuliert, aber in zahlreichen Steuergeräten noch die echte Laufleistung hinterlegt. Spezielle Diagnosegeräte können diese anzeigen. Auch mit der Diagnose-App Carly lassen sich für viele Modelle die abgespeicherten Kilometerstände aus verschiedenen Steuergeräten auslesen und auf Unstimmigkeiten überprüfen. Gerade bei hochwertigen, jüngeren Gebrauchten macht das Auslesen Sinn, denn hier wird am häufigsten manipuliert. Ebenfalls auf Spuren achten, die nicht zu niedrigen Laufleistungen passen, wie abgewetzte Pedalgummis, Hebel und Schalter.
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Fehler Nr. 3: Nicht auf Unfallschäden überprüfen

Auch wenn das Auto glitzernd in der Sonne steht: nicht blenden lassen und die Karosserie genau auf Unfallschäden und Reparaturen prüfen. Ideal wäre ein Lackschichtdicken-Messgerät. Nachträglich lackierte Stellen können damit aufgespürt werden. Außerdem prüfen: Passen alle Spaltmaße? Sind Schraubenköpfe wie zum Beispiel an den Kotflügelkanten verkratzt? Finden sich Farbnebel in Radhäusern oder am Unterboden? Sind Anbauteile wie Scheinwerfer, Fensterscheiben oder Zierleisten vom Verschleißzustand allesamt identisch? Oder wurde etwas getauscht? Passen die Angaben des Verkäufers zum Auto?

Fehler Nr. 4: Keinen Check auf der Hebebühne

Viele wichtige Punkte lassen sich nur auf der Bühne vernünftig überprüfen. Prüforganisationen wie DEKRA und TÜV bieten einen Gebrauchtwagen-Check an.
Fast genauso wichtig wie die Probefahrt: der Check auf einer Hebebühne. Darauf sollte man nicht verzichten – auch wenn sich ein Gebrauchtwagen-Check bei einer Prüforganisation (z. B. TÜV, DEKRA) nicht umsetzen lässt. Kleinere Werkstätten sind für einen ordentlichen Kaffeekassen-Beitrag manchmal bereit, das Auto anzuheben. Auf der Bühne spricht das Fahrzeug Bände: Sind tragende Teile rostfrei? Sind alle Fahrwerkgelenke spielfrei und deren Gummis intakt? Haben die Bremsscheiben eine Kante? Sind die Bremsschläuche porös? Sind alle Aggregate dicht? Oder verliert der Motor sogar Öl und Wasser? All diese Dinge und noch viele mehr lassen sich auf der Bühne mühelos entdecken.

Fehler Nr. 5: Bei Regen oder Dunkelheit kaufen

Sollte sich das Wetter beim geplanten Besichtigungstermin ungünstig ändern: verschieben! Einzige Ausnahme: Beim Cabrio lässt sich bei Regen prüfen, ob das Dach dicht ist. Ansonsten gilt: Lackschäden sind unter Regentropfen nur schwer auszumachen, der Technik-Check fällt bei Schmuddelwetter zudem meist zu kurz aus. Steht das Auto überraschend in einer dunklen Tiefgarage und der Verkäufer will damit nicht ans Tageslicht: verabschieden.

Fehler Nr. 6: Nicht ausreichend informieren

Ein Gebrauchtwagenverkäufer erkennt ahnungslose Kunden sofort – und weiß, dass er ihnen leichter etwas andrehen kann. Einfach mal beim Händler vorbeizuschauen ist daher nicht immer eine gute Idee. Überlegen Sie sich vorab, welche Ansprüche das Auto erfüllen sollte, damit es zu Ihrem Bedarf passt (Größe, Motorisierung, Komfort, Antrieb, Verbrauch etc.). Wählen Sie Ihre Favoriten aus, informieren Sie sich in Fachmagazinen über mögliche Schwachstellen, und vergleichen Sie auf Gebrauchtwagenportalen die Preise.

Fehler Nr. 7: Mangelnde mentale Vorbereitung

Beim Gebrauchtwagenkauf sollte man seine Euphorie im Zaum halten und möglichst rational an die Entscheidung herangehen. Nicht um jeden Preis kaufen! Außerdem ist es wichtig, genügend Zeit einzuplanen. Im Idealfall schläft man noch einmal eine Nacht über ein Angebot. Wenn möglich, sollte man auch den Kaufvertrag vor Unterzeichnung mit nach Hause nehmen und ihn sich dort in aller Ruhe durchlesen.

Fehler Nr. 8: Mündliche Absprachen treffen

Alles, was nicht schriftlich festgehalten wird, führt hinterher schnell zum Streit. Häufig betrifft das Zusatzabsprachen, zum Beispiel über einen Satz Winterreifen, der günstig mitverkauft wird. So etwas sollte unbedingt im Kaufvertrag beziehungsweise auf dem Bestellformular des Fahrzeugs vermerkt werden, und zwar möglichst konkret. "Ein Satz Winterreifen 225/45 R18 auf Alufelge" ist besser als "Winterräder". Das Gleiche gilt für die Lieferung. "Drittes Quartal 2021" kann später für Verdruss sorgen. Lieber einen Monat oder eine Kalenderwoche festlegen, auch wenn es nur ein unverbindlicher Liefertermin ist.

Fehler Nr. 9: Sich nicht trauen, zu verhandeln

Es kann noch so oft "Festpreis!!!" im Inserat stehen: Interessenten, in die man als Verkäufer bereits Zeit investiert hat, lässt man ungern wieder gehen. Meist ist also noch ein wenig Rabatt drin, selbst wenn es an Sachargumenten für die Verhandlung mangelt. Wer das Thema Preis gar nicht anspricht, vergibt diese Chance. Bleibt es beim Nein, hat man als Käufer auch nichts verloren.

Fehler Nr. 10: Keine sichere Übergabe

Vorsicht mit Bargeld, wenn Ihnen der Verkäufer irgendwie unseriös erscheint oder die Übergabe an einem Ort stattfinden soll, der Ihnen merkwürdig vorkommt. Unter solchen Umständen sind schon viele Gebrauchtwagenkäufer ausgeraubt worden. Beim Kauf von privat sollte die Übergabe im Zweifel an einem sicheren, neutralen Ort erfolgen (z.B. vor Ihrer Bank, in der Sie das Geld abholen). Gehen Sie auch nicht allein zur Übergabe.

Von

Jonas Uhlig