Haval H7 im Test: Angriff auf Defender und G-Klasse
Günstiger Defender-Zwilling aus China geht im November an den Start
Haval holt den nächsten China-Kracher ins Land. Nachdem sie mit dem Jolion Pro dem Dacia Duster ans Leder wollen, schicken sie jetzt gegen den Defender ihren H7 ins Rennen. Erste Fahrt!
Bild: T. Geiger
Great Wall Motors haut den nächsten Preishammer raus und lockt Abenteurer mit schmalem Budget. Der 4,80 Meter lange Haval H7 sieht vom kantigen Gesicht über die seitlich angeklappte Leiter für den Dachträger bis hin zum außen festgemachten Ersatzrad verdächtig nach Defender aus, kostet aber mit Preisen ab 35.990 Euro kaum mehr als ein großer Dacia – und hat trotzdem einiges zu bieten.
Der Haval H7 bietet viel Platz
Das beginnt in der geräumigen Kabine, die bei 2,74 Metern Radstand auch in der zweiten Reihe erstklassige Platzverhältnisse bietet. Denn während sich der H7 außen mit reichlich Plastik an den Flanken rustikal gibt, geht es drinnen zu wie beim Glamping. Ja, auch hier sind die Griffe etwas gröber und die Schalter etwas klotziger, weil man hier halt richtig zupacken soll, und zumindest die China-Version nutzt jetzt auch nicht die vornehmsten Materialien.
Doch es gibt reichlich Lack und Leder, pfiffige Details wie Flaschenhalter mit Gummizügen in den Türen und für Deutschland auch das Versprechen von Softlack und unterschäumten Kunststoffen.
Dazu noch jede Menge elektrischer Helfer für Klima und Komfort und – wie es sich für einen chinesischen Hersteller gehört – eine digitale Vollausstattung. Schon hinter dem Lenkrad prangt ein riesiges Tablet, und über der Mittelkonsole schwebt ein Bildschirm, der anderen auch als Fernseher taugen würde. Darauf laufen Hunderte von Apps und Grafiken – schärfer als auf dem iPhone.

Der neue Preishammer aus China setzt auf Offroad-Optik zum Sparpreis.
Bild: T. Geiger
Mit einem Fingerzeig taucht man im Röntgenblick durchs Auto, wechselt die Farben, dreht das SUV in alle Himmelsrichtungen oder schaut sich selbst aus der Vogelperspektive beim Rangieren zu.
Antrieb: viel Auswahl, viel Leistung
Auch unter der Haube gehen die Chinesen in die Vollen. Nein, nicht was Leistung oder den Hubraum angeht – da fehlen zur etablierten Konkurrenz wie dem Defender, dem Toyota Land Cruiser und erst recht der Mercedes G-Klasse gleich zwei oder besser vier Zylinder. Aber dafür sind sie in Baoding erfreulich technologieoffen. Denn der H7 kommt mit drei Antriebsvarianten nach Deutschland: als Benziner, Hybrid und Plug-in-Hybrid. Den Einstieg markiert ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit 231 PS, darüber rangiert ein Vollhybrid mit 243 PS Systemleistung.
Topmodell ist der Plug-in-Hybrid, der je nach Ausführung mit Front- oder Allradantrieb angeboten wird. So kommt der Kurzzeitstromer auf eine Systemleistung von bis zu 435 PS und eine elektrische Reichweite von rund 150 Kilometern. Damit deckt der H7 vom klassischen Verbrenner über den Hybrid bis zum leistungsstarken Teilzeitstromer praktisch alle Kundenwünsche ab und tritt deutlich vielseitiger auf, als es der rustikale Offroad-Look zunächst vermuten lässt.

Im Innenraum überrascht der Haval H7 mit viel Platz und einer fast wohnlichen Atmosphäre.
Bild: T. Geiger
Fahrverhalten und Marktchancen
Macht aber nichts. Denn viel mehr Dampf will man womöglich mit dem aktuellen Set-up gar nicht ablassen. Für den europäischen Geschmack und für unsere Straßen mag der H7 viel zu weich und vage abgestimmt sein. Aber hier in China passt er perfekt, schwimmt entspannt im Verkehr mit und bügelt schon mit seinem ganz konventionellen Stahlfeder-Fahrwerk stoisch alles glatt, was ihm das Schicksal und der Straßenbau an Hindernissen entgegenwerfen.

Leiter am Heck, Ersatzrad außen, Auftritt wie ein Abenteurer.
Bild: T. Geiger
Klar, expeditionstauglich ist der Haval natürlich nicht. Im harten Gelände wird er dem Defender kaum das Wasser reichen können. Doch so ganz ohne Abenteuer-Ambitionen lassen die Chinesen den kantigen Koloss trotzdem nicht aus dem Land – alle Varianten gibt es auch mit Allrad, und alle haben dann ein Differenzial an der Hinterachse. Von unterschiedlichen Fahrprogrammen für verschiedene Untergründe ganz zu schweigen.
Das mag ihn durch die Wüste Gobi bringen oder hoch in den Himalaya. Doch auf seinem schwersten Weg wird ihm der Allradantrieb auch nichts helfen. Denn damit er in unsere Herzen findet oder zumindest in erklecklicher Anzahl auf unsere Straßen, braucht er ganz andere Qualitäten. Nach wie vor haben viele chinesische Marken noch Defizite im Vertrieb, und es mangelt ihnen am Vertrauen.
Einen Punkt hat Haval mit dem H7 allerdings schon mal auf seiner Seite: den Preis. Los geht es offiziell bei 35.990 Euro. Dafür gibt es Autos wie den Defender, den Land Cruiser und erst recht die G-Klasse nicht einmal gebraucht.
Service-Links


















