HSR Type 859 – klingt kryptisch, lässt sich aber einfach herleiten. HSR steht für "Homologation Specials Reimagined", und 859 ist der interne Baucode einer automobilen Legende: Die Rede ist vom Audi Sport quattro – und der HSR Type 859 soll dessen moderne Reinkarnation sein. Nur 84 Exemplare sind geplant. Stückpreis: 500.000 Euro netto.
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Mehr als 500 PS, weniger als 1200 Kilo, dazu Handschaltung, permanenter Allrad und ein mechanisches Sperrdifferenzial – die Eckdaten klingen vielversprechend. Aber wer steckt hinter dem Projekt? Falls Sie noch nie von der HSR Manufaktur gehört haben, sind sie nicht allein. Die junge Firma mit Sitz in München wurde von Iván Garcia gegründet. Die Vision: legendäre Rennfahrzeuge modern interpretieren – mit Straßenzulassung.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Restomods gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Längst konzentrieren sich die Kleinserienhersteller dabei nicht mehr nur auf Porsche. Egal ob Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II, BMW M3 E30, Land Rover Defender, Toyota Landcruiser oder Lancia 037 – kaum ein Klassiker, der nicht schon neu aufgelegt wurde, teils sogar mehrfach.

Die Idee ist nicht neu

Das gilt auch für den legendären Audi Sport quattro. So bieten die Spezialisten von LCE Performance bereits seit Jahren originalgetreue Repliken an. Und erst kürzlich kündigte das britische Start-up Audacious Automotive an, einen Urquattro im S1-Look mit V8 aus dem RS 4 B7 (auf Wunsch inklusive Kompressor) zu bauen. Der erste Prototyp ist in Arbeit.
Dennoch sieht Iván Garcia Potenzial für einen weiteren Restomod – gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt. Auf Basis eines Audi Coupé B2 soll ein moderner Sport quattro entstehen, der durch ein analoges Fahrerlebnis überzeugt. Dafür wird das Spenderfahrzeug (vom Kunden gestellt oder über HSR bezogen) bis auf die Rohkarosse zerlegt, 3D-gescannt und anschließend um satte 32 Zentimeter gekürzt – nur so lassen sich die ikonischen Proportionen erreichen.
Der Type 859 besitzt einen Vierrohr-Auspuff bei dem zwei Endrohre im Diffusor versteckt sind.
Bild: HSR Manufaktur
Aufgrund des deutlichen Leistungszuwachses (dazu gleich mehr) muss das Basisauto verstärkt werden. Ein Überrollkäfig soll direkt in das Chassis integriert werden, um den vorderen und den hinteren Hilfsrahmen miteinander zu verbinden. Je nach Wunsch kann die Käfig-Verstrebung teilweise sichtbar bleiben. Für ambitionierte Trackday-Fahrer soll zudem ein FIA-zertifizierter Vollkäfig erhältlich sein.

Zielgewicht unter 1200 Kilo

Um das Zielgewicht von weniger als 1200 Kilo zu erreichen, sollen sämtliche Karosserieteile aus Carbon hergestellt werden. Optisch ist der Type 859 zwar als Sport quattro zu erkennen, fällt aber deutlich breiter aus als das nur rund 220 Mal gebaute Original. Pro Seite soll die Karosserie um satte 6,5 Zentimeter in die Breite wachsen. Gleichzeitig soll der Radstand verlängert werden, um für mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten zu sorgen.

Nur echt mit Fünfzylinder-Turbo

Keine Überraschung: HSR setzt auf den 2,5-Liter-Fünfzylinder. Zum Einsatz kommt der DAZA-Motor (EA855 evo), bekannt aus RS 3 und TT RS – unter anderem, weil er ohne OPF auskommt. Serienmäßig leistet er 400 PS, doch das genügt HSR nicht.
Welche Farbe darf's sein? Wie es sich für ein Kleinserienprojekt gehört, lässt sich der Type 859 vollständig individualisieren.
Bild: HSR Manufaktur
Durch umfangreiche Modifikationen – darunter neuer Turbolader, Schmiedekolben, angepasste Ansaugung und weitere Maßnahmen – soll der Fünfzylinder je nach Fahrmodus zwischen 500 und 600 PS leisten. Außerdem wird der Motor auf Trockensumpfschmierung umgebaut – sicher ist sicher.

Handschaltung mit offener Schaltkulisse

Statt Doppelkupplungsgetriebe kommt eine klassische Handschaltung zum Einsatz. Das Getriebe steuert ein Audi S4 B8 bei, im Type 859 soll es über eine offene Schaltkulisse verfügen. Der permanente Allradantrieb mit Torsen-Differenzial soll eine 40-/60-Verteilung besitzen. Zudem ist ein mechanisches Sperrdifferenzial geplant.

Basispreis von 500.000 Euro netto

Hinzu kommen ein neues Fahrwerk, Carbon-Keramikbremsen, ein modernisierter Innenraum (wahlweise als Zwei- oder Viersitzer) und umfangreiche Individualisierungsmöglichkeiten. Aktuell steht das Projekt jedoch noch am Anfang. Geplant ist eine Kleinserie von 84 Fahrzeugen – als Hommage an den Rallye-Titel im Jahr 1984. Den Stückpreis gibt HSR mit 500.000 Euro netto an – Spenderfahrzeug inklusive.
Auch im Innenraum hat der Kunden die Qual der Wahl: Zwei- oder Viersitzer, Klappschalen- oder Vollschalensitze und vieles mehr stehen zur Auswahl.
Bild: HSR Manufaktur
Derzeit existiert der Type 859 allerdings nur digital. Der Bau des ersten Prototyps soll bald beginnen. Laut Hersteller ist das Interesse am Erstlingswerk groß – und HSR plant bereits weitere Modelle. Ideen gibt es genug: Auf der Website beispielsweise finden sich unter anderem Studien zu Peugeot 205 Turbo 16, Alfa 155 V6 TI, Ford Escort Cosworth und Lotus Elise GT1. Doch eins nach dem anderen.

Fazit

Mittlerweile bin ich bei Ankündigungen von neuen Restomods eher skeptisch. In der Vergangenheit gab es einige spannende Projekte, die jedoch nicht realisiert wurden. Ich hoffe, dass es bei HSR anders läuft – die Eckdaten klingen jedenfalls vielversprechend.