Ionity nimmt erste 1000-kW-Ladestationen in Betrieb
Ionity hebt das Ladetempo aufs Megawatt-Niveau

Das europäische Netzwerk Ionity steigert die Elektroauto-Ladeleistung beim Schnellladen gewaltig. Nun gehen die ersten 1000-kW-Ladesäulen in Betrieb: Sie pumpen in weniger als acht Minuten Energie für 300 km in den Akku!
Bild: Ionity GmbH
Wann wird das Laden eines Elektroautos so schnell gehen wie das Tanken eines Verbrenners? Der Abstand schrumpft zusehends. Mit den neuen Megawatt-Ladesäulen HYC-1000 von Alpitronic kommt das Laden dem Tanken jetzt einen großen Schritt näher.
Das europäische Ladenetzwerk Ionity, hinter dem ein Konsortium namhafter Automarken steckt, hat jetzt die ersten dieser blitzschnellen Stationen in Betrieb genommen. In Frankreich an der A7, als "Autoroute du Soleil" durch das Rhonetal eine hochfrequentierte Verkehrsader zwischen Mittel- und Südeuropa, stehen seit Kurzem die ersten sechs Megawatt-Stationen.
In Kürze wird auch in Deutschland die erste HYC-1000 aufgestellt – bei Werne in Nordrhein-Westfalen.
Warum aktuell bis zu 600 kW möglich sind
Die Entwicklung des Herstellers Alpitronic verfügt – das zeigt schon der Name – über eine Gesamtleistung von einem Megawatt, also 1000 Kilowatt. In der Ionity-Konfiguration kommen maximal 600 kW beim ladenden Elektroauto an. Das entspricht einer Erhöhung der Ladeleistung von bis zu 41 bzw. 33 Prozent gegenüber den bisher genutzten Anlagen mit 350 bzw. 400 kW. Die Zielgröße von 1000 Kilowatt erreicht Alpitronic tatsächlich. Allerdings nicht an einem einzelnen CCS-Stecker, sondern in Summe.
Ladestation mit geringem Platzbedarf
Bei HYC-1000 handelt es sich nämlich um ein "dezentrales Ladesystem". Das heißt, in den Säulen steckt nur ein Teil der Technik. Die Leistungselektronik befindet sich nicht dort, sondern nebenan in einem sogenannten "Power Cabinet", sinngemäß übersetzt also eine "Leistungskabine". Sie kann bis zu 1000 kW generieren, die an mehrere benachbarte Ladesäulen verteilt wird.

Die Ladestation HYC-1000 von Alpitronic hat mehrere Komponenten: Die Ladesäulen sind eher schlank, die Energie kommt aus einem zentralen "Power Cabinet" (Mitte), das einem Transformatorhäuschen gleicht.
Bild: Alpitronic
Das soll es ermöglichen, in weniger als acht Minuten Energie für rund 300 Kilometer Reichweite in den Akku zu jagen. Vorausgesetzt, die Leistungselektronik aufseiten des Autos ist vorhanden. Der Tesla Model Y nach Modellpflege erreicht eine nominelle Ladeleistung von 250 kW, das Basismodell des VW ID.3 "Pure" verkraftet sogar nur bis zu 145 kW. Selbst der brandneue Mercedes CLA erreicht maximal 350 kW.
Das deutet darauf hin, dass Ionity mit den Ladesäulen auf die Zukunft zielt. Das Konzept eignet sich insbesondere für Standorte mit Platzmangel, weil dabei die eigentlichen Ladesäulen sehr schlank und damit raumsparend ausgeführt werden können.
Neuer Ladestandard für Elektro-Lkw
Die neue Ladestation nimmt zudem den Frachtverkehr der Zukunft in den Blick: Während nach dem aktuellen Ladestandard CCS nur bis zu 600 kW möglich sind, sieht das neue Megawatt Charging System (MCS) eine Ladeleistung von bis zu 1000 kW vor.

Mit dem neuen Megawatt Charging System (MCS) füllen zukünftig Elektro-Lastwagen ihre Akkus – mit Ladeleistungen von bis zu 3250 Kilowatt.
Bild: Friso Gentsch
MCS wird seit 2018 als Standard für Elektro-Lastwagen entwickelt und könnte bis auf 3,75 Megawatt Ladeleistung gesteigert werden. Hierfür ist eine eigene Stecker-Norm vorgesehen. Allerdings hat diese Zielgruppe beim Provider Ionity vorläufig nicht Priorität: "Wir richten uns primär an Pkw", so eine Sprecherin gegenüber AUTO BILD.
Megawattladen-Pilotprojekt an der A2
An der Autobahn A2 wird im Projekt HoLa (für "Hochleistungs-Ladepark") die Power-Ladung von Lkw seit einigen Jahren getestet. Neben Industriepartnern ist auch das Bundesverkehrsministerium beteiligt.
Die Herausforderung dabei: Die Ladezeit der riesigen Lkw-Akkus auf 45 Minuten zu beschränken, damit sie im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Pausenzeiten der Fahrer erledigt werden kann. Darauf ist HYC-1000 optimiert, teilt Alpitronic gegenüber AUTO BILD mit.
Zeitverlust beim Laden wird geringer
Und wie nah ist Laden dem Tanken? Eine moderne Zapfsäule für Pkw schafft aktuell bis zu 40 Liter pro Minute. Damit ist die konventionelle Energieversorgung für Autos noch etwa zehnmal so schnell wie die Ionity-Ladestation. Aber nur, was den Netto-Zeitbedarf angeht.
Denn bei Ionity und vielen anderen Ladenetzbetreibern funktioniert die Abrechnung bereits über Plug & Charge – nach dem Abziehen des Steckers kann man einfach davonfahren.
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