Mini-Verbrauch von Reiselimousine Kia EV4 auf WLTP-Challenge
Wie man im Kia EV4 den Normverbrauch um ein Viertel tunnelt
Auf der WLTP-Challenge hat der neue Kia EV4 bewiesen, wie sparsam man ihn fahren kann. Der Fastback konsumierte auf der Verbrauchsrallye exakt ein Viertel weniger Strom, als die Prüfnorm ergeben hatte.
Die Werte der Verbrauchs- und Reichweitenprüfnorm WLTP gelten allgemein als optimistische Vergleichswerte, die man im Alltag auf der Straße kaum erreicht. Was aber, wenn man sich in den Kopf setzt, diese Prüfnorm in einem schon als sparsam vermessenen Kia EV4 noch deutlich zu unterbieten?
Dann ist man richtig auf einer Verbrauchsrallye wie der WLTP-Challenge, veranstaltet vom E-Mobilitätsmagazin "Electric Drive". Zugegeben, da fährt man anders als im Alltag, aber was tut man nicht alles für einen niedrigen Verbrauchswert, der gerade beim Elektroauto interessant ist. Da lässt man sich auch schon mal von einem Fahrschulauto anhupen.
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Bleibt die Frage: Warum tut man das? Der Grund ist klar: So eine Verbrauchsfahrt beantwortet die brennende Frage, wie weit man in einem Auto wirklich kommt, wenn man's drauf anlegt. Und drauf angelegt hat es das Team im Kia EV4 Fastback, der designstarken neuen E-Limousine. Gefahren wurde die Verbrauchsfahrt auf einem Rundkurs rund um Neustrelitz.
Teilnehmerfeld aus E-Autos, Hybriden und Verbrennern
Mit von der Partie waren vier weitere E-Autos: BYD Dolphin, Mazda6e, Opel Frontera und Peugeot E-408 GT sowie einige Hybride und Verbrenner. Auf die Idee kamen die Veranstalter, sagten sie, auf der Reichweitenrallye ED1000 über 1000 km. Dort gelang es einigen Teams, den Vergleichswert teils drastisch zu tunneln – geboren war die Idee für die nächste Rallye.
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Willkommen also an Bord des Kia EV4 Fastback auf der Tour durch die Mecklenburgische Seenplatte. Ein Auto, das zum Zeitpunkt der Tour erst in einzelnen Exemplaren auf deutschen Straßen fuhr und wegen seines extravaganten Designs gleich erstaunte Blicke auf sich zog.
Wir wollten unter Beweis stellen, dass man die Labor-Werte durch eine angepasste und sparsame Fahrweise in der Realität unterbieten kann. Dies ist allen teilnehmenden Teams in ihren Fahrzeugen geglückt.
Jens Stratmann, Mitveranstalter der WLTP-Challenge
Den offiziellen WLTP-Prüfwert von 14,4 kWh/100 km zu unterbieten, das war das Ziel von Kia-Pressesprecher Sebastian Koch und mir. Doch wir wollten den Wert nicht nur knacken, wir wollten ihn pulverisieren. Auf den ersten Blick waren die Chancen dafür übersichtlich, schließlich ist das Auto moderat vermessen, und als Daumenregel gelten für E-Autos Verbräuche um 18 kWh im Alltag als realistisch. Andererseits schlüpft das lang gestreckte Elektromobil mit einem günstigen cw-Wert von nur 0,23 unter dem Fahrtwind durch – und an Bord nahm ein ehrgeiziges Team Platz.
Elegante Reiselimousine mit extravagantem Design: der Kia EV4 Fastback.
Bild: Jasper Pape
Am Morgen der Rallye aber gleich der Kälteschock: Ein gut durchgefrorenes Auto wartete auf uns, wir mussten kratzen. Ungünstiger Nebeneffekt: Die Kälte wirkte sich sicher verbrauchserhöhend aus. Zur Verbrauchsminderung war daher klar: Strom gab's für den Antrieb und die Bordelektronik. Sonst für nix. Keine Sitzheizung, keine Lenkradheizung. Bordheizung? Gott behüte. Stattdessen Jacken und in meinem Fall auch noch Handschuhe.
Zum Messen des offiziellen Verbrauchs: Vor der Fahrt wurde die Ladeklappe des Kia EV4 versiegelt.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Auf szenischer Doppelschleife durch Mecklenburg-Vorpommern
Die Veranstalter erdachten eine szenische Route, die durch die schönsten Ecken der Seeregion führte – und die alle zehn teilnehmenden Teams zu fahren hatten. Ob Stadtkirche in Fürstenberg, der Obelisk in Rheinsberg, Schloss Vietgest oder die als Mittagsrast gedachte Aalbude in Dargun an der Peene.
Die WLTP-Challenge ist als unabhängiges Format gedacht. Sie ist antriebsoffen, also für BEVs, Hybride aller Couleur und reine Verbrenner.
Frank Kreif, Herausgeber Electric Drive
Spätestens dort zeigte sich, dass man nicht so richtig mit uns gerechnet hatte. Denn anstatt die auf eine Stunde angesetzte Rast gemütlich zu nutzen, war Sebastian Koch und mir klar: Die Mittagszeit ist besser in Fahrtzeit investiert, denn nachdem ein Team auf der vorherigen ED1000 die Streckenzeit maximal ausgereizt hatte, setzten sie allen Teilnehmern ein Zeitlimit für die rund 345 km lange Strecke. Also ging es nach minimaler Snackpause wieder auf die Straße.
Das Team Kia EV4 Fastback (v. l.): Kia-Pressesprecher Sebastian Koch und Matthias Brügge von AUTO BILD.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Fotostopp – und go!
Entsprechend nutzten wir die schönen Haltepunkte wie das DDR-Museum in Tutow für ein schnelles Beweisfoto, dann ging's schon weiter. Von der Strecke posteten alle Teams Fotos, teils als Beweis für die richtige Streckenführung, teils als Gaudi für die Mitfahrenden gedacht. Alles andere als das waren aber die Fahrdaten, die unsere stromsparende Fahrweise zum Schluss erbrachte: Insgesamt haben wir in 7 Stunden und 19 Minuten eine Gesamtstrecke von 329,1 Kilometern absolviert. Und damit ging es zur Abrechnung.
So erzielt man beim aktiven Sparfahren einen Minimalverbrauch
Tipp 1: Das Strompedal streicheln. Immer!
Die drehmomentstarke Leistung der Elektromotoren im E-Auto stellt eine üble Herausforderung dar: Blitzschnell ist man auf Tempo 50, Tempo 100. Doch beim Sparfahren ist die Regel Nummer eins: So sanft beschleunigen, wie es nur geht! Niemals, NIEMALS die volle Leistung abrufen. Nur wer sanft und gleichmäßig fährt, spart Strom.
Tipp 2: Segeln, wann immer es abwärts geht
Man nutzt jedes noch so kleine Gefälle, um das Auto in der Getriebeposition "N" neutral rollen zu lassen. Das schubst den Verbrauch in den Keller. Rekupieren ist an und für sich eine feine Sache, aber am besten zum Bremsen geeignet, wenn man also verlangsamen muss. Wer Strom sparen möchte, lässt das Auto laufen.
Tipp 3: Topspeed nicht über Tempo 85
Zugegeben: Das selbst verordnete Tempolimit einzuhalten, ist mit am schwierigsten. Denn wer Strom spart, läuft Gefahr, die übrigen Verkehrsteilnehmer zu nerven. Die können nicht verstehen, warum das spurtstarke Elektromobil voraus kaum mehr als Tempo 85 fährt. Doch auf der Suche nach dem "Sweet Spot", der Geschwindigkeit mit dem geringsten Stromverbrauch, hat sich gezeigt: Jenseits der 85 km/h fängt die Zone des stromfressenden Verbrauchs an. Diese Zone ist zu vermeiden.
Tipp 4: Stets konzentriert fahren
Mit am anstrengendsten ist der vierte Tipp: Beim Sparfahren ist man permanent bei der Sache, wie ein Trüffelschwein prüft man ständig, ob man wirklich optimal fährt und ob es nicht noch besser geht. Einfach so draufdrücken und das Tempo halten, das ist nicht drin. Der Sparfahrer lässt nie nach, sucht permanent den günstigsten Kurs – das beste Verhältnis aus sanfter Fahrt und ruhigem Rollen.
Verbrauch laut Bordcomputer: 10,8 kWh/100 km
So erzielten wir unterm Strich einen abgelesenen Verbrauch von 10,8 Kilowattstunden auf 100 Kilometer – gegenüber dem WLTP-Wert ein Minus von exakt 25 Prozent. Jubel an Bord! Und es war der mit Abstand geringste Stromverbrauch aller Teilnehmer im Feld. Doch gleich den Taschenrechner gezückt: Bei einem öffentlichen Ladepreis von beispielsweise 50 Cent/kWh in Hamburg liegen die Kosten auf 100 Kilometer im Schnitt bei 5,40 Euro.
Nach der Verbrauchsfahrt wurde der nachgeladene Strom gemessen, um den Verbrauch inklusive Ladeverlust zu messen.
Bild: AUTO BILD
Der Bordcomputer errechnete bei der Ankunft eine Restreichweite von 403 Kilometern, womit der Aktionsradius auf ordentliche 732 km wuchs. Der Kia prognostizierte während der gesamten Fahrt neben der aktuell möglichen Restreichweite auch die maximal mögliche. Nach zwei Dritteln der Strecke waren aktuelle und maximale Reichweite identisch. Soll heißen: Das Auto hat errechnet, dass wir nicht sparsamer hätten fahren können.
Fotobeweis: Nach 329 gefahrenen Kilometern zeigte der Bordcomputer im Kia EV4 einen Verbrauch von 10,8 kWh/100 km an. Exakt 25 Prozent unter dem WLTP-Wert von 14,4 kWh/100 km.
Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Ladeverlust zum Verbrauch addiert
Mit dem Verbrauch laut Bordcomputer gaben sich die Veranstalter nicht zufrieden, sie errechneten nach der Fahrt noch die nachgeladene Strommenge (38,8 kWh), bis der Akku wieder zu 100 Prozent voll war. Der errechnete Verbrauch inklusive Ladeverlust: 11,79 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Gegenüber dem WLTP Wert heißt das: Abzüglich Ladeverlust unterboten wir den Wert um 18,13 Prozent.
Die technischen Daten des Kia EV4 Fastback
Die technischen Daten des Kia EV4 Fastback
Leistung
204 PS (150 kW)
Verbrauch/100 km (WLTP)
14,4 kWh
elektrische Reichweite (WLTP)
633 km
Batteriekapazität
81,4 kWh
max. Drehmoment
283 Nm
Höchstgeschwindigkeit
170 km/h
0–100 km/h
7,7 s
max. Ladeleistung
150 kW
Antrieb
Front
Ein schönes Ergebnis. Nach der Stromfahrt freute sich Kia-Mann Sebastian Koch: "Bei der ersten WLTP-Challenge direkt so gut abzuliefern, macht mich richtig stolz. Fahrer und Fahrzeug sind eine symbiotische Einheit geworden und haben trotz Beifahrer-Mehrgewicht einen neuen Maßstab gesetzt. Mein Dank geht deshalb an unseren Piloten Matthias. Voll konzentriert und entspannt wusste er noch das letzte Bisschen Kilowatt einzusparen, ohne dass der Spaß dabei auf der Strecke blieb."
Diese Reise wurde unterstützt von Kia. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie unter go2.as/unabhaengigkeit.
Wenn man sparsame Fahrzeuge sanft fährt, kommen super Verbräuche heraus – wichtige Erkenntnis für jeden, der über den Kauf eines E-Autos und die anfallenden Kosten nachdenkt. Der angenehme Nebeneffekt: Wer beim Fahren die Ruhe behält, hat auch am Stromsparen Spaß.