Für viele ist ein Familientrip durch den Westen der USA der absolute Traumurlaub. Gilt das auch, wenn man als Mietwagen ein Elektroauto nimmt? Wir haben mit einem VW ID.4 die Probe aufs Exempel gemacht!
Bild: press-inform/Grundhoff
Stefan Grundhoff
Los Angeles, San Diego, Orange County, Palm Springs, Las Vegas, vielleicht noch einen Abstecher zum Lake Tahoe oder an die Bay Area mit dem unvergleichlichen San Francisco: Da kommen viele Urlauber ins Schwärmen.
Bei einer solchen Tour kommt man um einen Mietwagen nicht herum, und die sind in den USA zumeist deutlich günstiger als in Europa. Immer mehr Firmen bieten auch Elektroautos an. Und immer mehr Touristen überlegen, einen solchen Roadtrip mit einem E-Auto wie zum Beispiel dem VW ID.4 zu erleben (Wer's größer mag: Ratgeber Reisemobil).
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Bei carwow.de gibt es den VW ID.4 mit einer Ersparnis von bis zu 7180 Euro (Stand: 5. Mai 2023).
Kalifornien ist weltweit als US-Bundesstaat bekannt, der auf Öko und Elektromobilität setzt. Eine Urlaubsregion mit Meer und Bergen, Menschen und Metropolen, die man perfekt mit dem Auto erkunden kann. Mit einer Infrastruktur, bei der man sich bei einer Reise im E-Auto um ausreichend Lademöglichkeiten keine Sorgen machen muss.
Am besten sieht es im Großraum Los Angeles aus. Die Vier-Millionen-Metropole, die sich als Acht-Millionen-Agglomeration weit ins Landesinnere ausbreitet, bietet reichlich Ladesäulen verschiedenster Anbieter, gerade an großen Supermärkten, Outlets und Shopping Centern. Viele stammen von Electrify America, der Strom kostet an den Hyperchargern meist 0,48 US-Dollar pro Kilowattstunde.
In der Nähe von Cabazon der zweite Ladestopp (Betreiber EV go). Die Kilowattstunde kostet 0,31 US-Dollar.
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Vor der Abreise muss man sich keine Gedanken über eine Ladekarte machen und kann die Chipkarte des heimischen Elektroautos getrost zu Hause lassen. Auch das Herunterladen spezieller Apps ist für einen Aufenthalt überflüssig. Anders als in Europa lässt sich an allen Ladesäulen ganz einfach per Kreditkarte bezahlen (Das muss man über das Laden und Bezahlen an einer Ladesäule wissen).
Gut ausgeschilderte Ladesäulen am Shopping Center
Bei der ersten Probe aufs Exempel in Huntington Beach gelingt der Ladestopp problemlos. An einem kleinen Einkaufszentrum sind vier Ladesäulen, deutlich besser ausgeschildert als zumeist in Deutschland. Zwei bieten 150 kW Ladeleistung an, die anderen beiden sogar 350 kW – mehr als genug für den VW ID.4, der mit seinem 220 kW (299 PS) starken Allradantrieb gut motorisiert ist (Im Allrad-ID.4 durch Island).
Leider hapert es noch etwas mit der Ladegeschwindigkeit, denn während die europäischen ID-Versionen jüngst auf 170 Kilowatt Ladetempo aufgestockt haben, steht das bei den Chattanooga produzierten Modellen noch aus. Die Digitalanzeige auf dem Zentraldisplay zeigt ebenso 126 Kilowatt wie das Display an der Ladesäule.
Die maximale Ladegeschwindigkeit mit 26 Prozent Restakku liegt beim VW ID.4 bei 126 kW.
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Nach zwei Nächten in Huntington Beach und einem Abstecher Richtung Süden geht es mit dem einzigen derzeit in den USA gefertigten Elektromodell der Wolfsburger in die wärmere Wüste. Kurz vor Palm Springs gibt es direkt an der Interstate 10 auf dem Parkplatz des Desert Hills Outlet eine ganze Reihe von Lademöglichkeiten. Neben den Tesla Superchargern, die in den USA zumeist nicht für Fremdmarken geöffnet sind, gibt es weitere Ladestationen am benachbarten Morongo Casino und eben an dem Outlet.
Stecker raus, sonst Strafgebühr
Selbst am Freitagnachmittag ist die Ladesituation entspannt, der graue VW ID.4 füllt sich mit Energie, während man sich den Ladestopp mit einem kurzen Shopping-Abstecher verkürzen kann. Aber nach einer halben Stunde heißt es: Stecker raus, um keine Strafgebühren zu riskieren.
Besser als die Europäer haben die Amerikaner es verstanden, Ladepunkte auf den Parkplätzen der Einkaufszentren zu errichten. Weil der Akku noch zu mehr als 60 Prozent gefüllt ist, pumpt sich der ID.4 mit rund 100, 80 und später nur noch mit 55 Kilowatt voll.
Zwischenstopp im Wüstenparadies von Palm Springs. Im Hintergrund die zahlreichen Windräder.
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Das Nachladen für 0,42 US-Dollar pro Kilowattstunde hätte man sich getrost sparen können, denn das Hotel in Palm Springs bietet seinen Gästen einen angenehmen Service: Im Übernachtungspreis ist das Nachladen an einem der beiden 10-kW-Lader kostenlos. "Es kommen immer mehr Gäste mit einem Elektroauto, daher überlegen wir, ob wir zwei weitere Ladepunkte installieren", erzählt Hotelbetreiberin Rita.
Auf der alten Route 66 wird es dünn mit Ladepunkten
Am übernächsten Tag geht es nach Las Vegas – aber nicht über die Interstate-Route via San Bernadino und Barstow, sondern vorbei am Joshua Tree National Park, Twenty Nine Palms und über die alte Route 66. Hier wird es dünn mit den Ladepunkten, doch in Goffs und in der Nähe von Needles zeigt das Navigationsgerät ebensolche nebst Belegung an.
Morgens um fünf Uhr am Fuße des Joshua Tree National Parks. Im Park selbst gibt es keine Ladesäulen.
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Frühmorgens geht es los, und einmal mehr weiß man in der düsteren Finsternis die exzellenten LED-Scheinwerfer des ID.4 zu schätzen. Die komfortablen Sitze mit Massagefunktion sind auf den langen Touren eine Wohltat. Das gilt nur eingeschränkt für den Plastikcharme im Elektro-Crossover, hier herrscht trotz schicker Ziernähte und des zentralen 12-Zoll-Bildschirms ein Ambiente, dass man allenfalls von lieblosen US-Innenräumen kennt. Die Navigation nebst Bedienung ist exzellent, nur ein Head-up-Display fehlt.
Problem: Viele Ladesäulen sind defekt
Der Ladestopp an der Historic Route 66 in der Nähe von Goffs ist mehr ein Getränkestopp, denn anders als erwartet, setzen die Höhenzüge von Ostkalifornien und Nevada dem ID.4 mit seinem 82-kWh-Akkupaket trotz des flotten Fahrtempos kaum zu. Dabei zeigt die kurze Zwischenladung in der Wüste einen häufigen Kritikpunkt an Electrify America: Viele Ladesäulen sind defekt. Die beiden 350-kW-Lader wollen nicht, und so erstarkt das Elektromobil am benachbarten 150-kW-Stecker.
Roy's Tankstelle ist seit Jahrzehnten ein bekanntes Fotomotiv an der Route 66.
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Als am nächsten Tag in Las Vegas nachgeladen werden soll, zeigt sich ein weiteres Problem vieler US-Ladepunkte. In der Woche laden die meisten Amerikaner in der heimischen Garage, doch am Wochenende geht es mit dem Auto zu Einkauf, Abendessen und Entertainment. Folglich bilden sich an den großen Einkaufszentren lange Schlangen vor den Ladestationen – und zwar nicht nur an den Tesla Superchargern.
Freies Laden für mindestens 30 Minuten pro Session
Ganz ähnlich sieht es an den großen Hotels aus, die sich in der Spielermetropole kaum auf Elektroautos eingestellt haben. Am Wochenende sollte man sich daher tagsüber auf Wartezeiten einstellen. Auch, weil viele Elektroautos in Kaufpreis oder der monatlichen Leasingpauschale zwei bis drei Jahre freies Laden für mindestens 30 Minuten pro Session inkludiert haben.
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Auf dem Weg zurück Richtung Los Angeles und die Pazifikküste gibt es an der Interstate 15 mehrere Schnellladesäulen. Besonders schnell und günstig lässt es sich in Baker laden, gleich neben dem größten Thermometer der Welt. Bei EV-Go ist es in den Morgenstunden günstiger, bei Bedarf erstarkt das Akkupaket für gerade einmal 0,31 US-Dollar pro Kilowattstunde.
Eine gute Stunde später bietet der Walmart in der ehemaligen Eisenbahnermetropole Barstow einen weiteren Schnellladestopp. Hier haken wieder zwei der nur vier Ladesäulen. Einmal im San Bernadino Valley angekommen, muss man sich um die Ladesituation keinerlei Gedanken machen – die langsamen Säulen laufen mit 50 kW, die meisten mit 350 kW. Da kommen selbst Ladeturbos wie der Audi e-tron GT oder ein Porsche Taycan gleich nebenan in Malibu, Santa Monica oder dem Beverly Hills auf ihre Kosten.
Fazit
von
Stefan Grundhoff
Mit dem Elektroauto durch den Westen der USA – das geht problemlos und auch in abgelegenen Regionen besser als gedacht. Um die generelle Infrastruktur muss man sich nicht sorgen; auch wenn der Druck auf die Ladesäulen zu Spitzenzeiten größer wird. Das Ladehandling per Kreditkarte ist vorbildlich, der Ladestrom deutlich günstiger als in Europa. Und: Der ID.4 konnte als Reisemobil für diesen Roadtrip mehr als überzeugen – nur das automatisierte Fahren zeigte Schwächen.