Renault auf dem Autosalon Paris 2026
Renault zeigt China in Paris die Zähne

Der Pariser Autosalon wird wieder wichtiger, auch dank der chinesischen Hersteller. Doch gerade auf dem Heimatmarkt halten die Franzosen besonders selbstbewusst dagegen. Renault, Dacia und Alpine zeigen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Und Renault-Chef Fabrice Cambolive erklärt, warum er sich vor der Konkurrenz nicht verstecken will.
Bild: Renault / Leila Bouali
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Wer über den Pariser Autosalon schlendert, merkt schnell: Hier geht es längst nicht mehr nur um neue Autos. Hier geht es auch um Macht. Nach dem Aus des Genfer Autosalons gewinnt die Messe in der französischen Hauptstadt wieder an Bedeutung und vor allem chinesische Hersteller nutzen die Bühne, um sich mit riesigen Ständen und spektakulären Neuheiten in Szene zu setzen.
Doch Europa hält dagegen. Bemerkenswerterweise sind es aber nicht VW, BMW oder Mercedes, die hier die größten Zeichen setzen, sondern die Konzerne Renault und Stellantis.
Besonders eindrucksvoll demonstriert das die Renault-Gruppe: Rund 5000 Quadratmeter, 50 Fahrzeuge und Konzeptstudien, gleich mehrere Weltpremieren. Mit ihren Marken Renault, Dacia und Alpine haben die Franzosen fast eine ganze Messehalle in Beschlag genommen. Die Botschaft wird nirgendwo explizit ausgesprochen, aber sie ist unmissverständlich: Das hier ist unser Heimatmarkt und den lassen wir uns nicht wegnehmen!
Das vielleicht spannendste Auto auf dem Renault-Stand ist ausgerechnet eines, das vermutlich so schnell nicht beim Händler stehen wird: das E-Space Concept. 1984 revolutionierte der erste Renault Espace mit seinem variablen Innenraum das Familienauto. Jetzt wollen die Franzosen diese Idee ins Elektrozeitalter retten. Und zwar ganz bewusst als Gegenentwurf zum allgegenwärtigen SUV.

Das E-Space Concept wird so nicht in Serie gehen.
Bild: Renault / Leila Bouali
Doch so vielversprechend das Konzept ist, so ernüchternd fällt die Antwort von Renault-Markenchef Fabrice Cambolive auf die Frage nach einer möglichen Serienversion aus: Eine Entscheidung über eine Produktion gebe es bislang nicht. Der Markt für klassische Vans sei in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft und Renault müsse zunächst prüfen, ob sich die hohen Investitionen rechnen.
Ganz umsonst ist die Studie allerdings nicht. Viele ihrer Ideen sollen in künftige Modelle einfließen. Das breite Panoramadisplay etwa ist bereits für die nächsten Generationen von Scenic und Rafale vorgesehen.
Überhaupt ist der Blick in die eigene Vergangenheit für Renault inzwischen ein ziemlich erfolgreiches Geschäftsmodell. Mit R5, R4 und Twingo haben die Franzosen bewiesen, dass automobile Erinnerungen durchaus Zukunft haben können. Die Elektroautos greifen das Design ihrer berühmten Vorgänger auf, interpretieren es modern und bringen damit etwas zurück, das vielen neuen Autos fehlt: Persönlichkeit.

Der legendäre "Hexer" kehrt mit der Studie zurück.
Bild: Renault / Leila Bouali
In Paris führt Renault diesen Ansatz weiter. Mit dem R8 Gordini Concept steht ein 270 PS starkes Elektro-Coupé auf dem Messestand, das an die legendäre Sportlimousine aus den 1960er-Jahren erinnert. Daneben sorgt der extreme Renault 5 Turbo 3E für Aufmerksamkeit.
Cambolive erklärt die Strategie mit einer einfachen Formel: Ein Teil der Modellpalette soll bekannte Ikonen neu interpretieren, ein weiterer bestehende Baureihen erneuern und ein dritter völlig neue Ideen auf die Straße bringen. Entscheidend sei aber nicht nur, regelmäßig neue Modelle vorzustellen, sondern auch die vorhandenen Autos kontinuierlich besser zu machen. Neue Batterietechnik, zusätzliche Softwarefunktionen, mehr Reichweite – Renault wolle seine Fahrzeuge künftig über Jahre weiterentwickeln, statt sie nach wenigen Jahren durch komplett neue Modelle alt aussehen zu lassen.
Das nächste große Projekt ist dabei ausgerechnet kein schicker Kleinwagen, sondern ein Transporter. Den vollelektrischen Trafic E-Tech bezeichnet Cambolive als eine Art "Renault 5 der Nutzfahrzeuge". Mit moderner Softwarearchitektur und regelmäßigen Updates soll er zeigen, dass Innovation nicht beim Personenwagen aufhört.
Während Renault mit Emotionen und Technik punkten will, setzt Konzernschwester Dacia auf eine andere Stärke: bezahlbare Autos. Das wichtigste Beispiel ist der neue Dacia Spring. Er wird künftig in Europa produziert und soll trotzdem weniger als 18.000 Euro kosten. Damit könnten die Rumänen ausgerechnet den chinesischen Herstellern in einem Segment Konkurrenz machen, in dem diese bislang besonders stark sind.

Der neue Spring teilt sich die Plattform mit dem Twingo.
Bild: Renault / Leila Bouali
Auch der neue Dacia Striker verfolgt diese Strategie. Der Crossover erweitert die Modellpalette oberhalb der klassischen Kleinwagen und soll für weniger als 25.000 Euro starten. Neben Hybridantrieben wird es auch Varianten mit Flüssiggas geben. Gleichzeitig treibt Dacia die Elektrifizierung seiner bestehenden Modelle voran. Vom Sandero bis zum Bigster sollen Hybridantriebe dafür sorgen, dass die Marke auch in Zukunft günstig bleibt, ohne technologisch den Anschluss zu verlieren.

Der Striker soll gezielt Kombi- und SUV-Kunden ansprechen.
Bild: Renault / Leila Bouali
Cambolive macht im Gespräch deutlich, wie wichtig dieser Schritt ist: Die Elektrifizierung habe für Dacia zunächst Vorrang vor der weiteren Expansion in neue Märkte. Für die Kunden dürfte das eine gute Nachricht sein, denn während viele Hersteller Elektroautos vor allem über immer größere Batterien und immer höhere Preise definieren, versucht Dacia genau das Gegenteil.
Und dann wäre da noch Alpine. Die sportliche Konzernschwester darf in Paris zeigen, dass Autofahren auch in Zukunft mehr sein kann als vernünftige Fortbewegung. Mit der A310 Vision lassen die Franzosen eine Sportwagenikone der 1970er-Jahre wiederaufleben. Extrem flach, breit und futuristisch interpretiert die Studie die Linien des Originals. Nur 1,18 Meter hoch ist das spektakuläre Coupé.

Das Konzept ist eine Hommage zu einem halben Jahrhundert Alpine A310.
Bild: Renault / Leila Bouali
Die A310 Vision soll zwar nicht in Serie gehen, zeigt aber, welche gestalterischen Möglichkeiten Alpine mit seiner neuen Performance-Plattform verfolgt. Eine Botschaft, die gut zum Auftritt der gesamten Renault-Gruppe passt: Elektromobilität muss nicht zwangsläufig langweilig sein.
Dass die französische Offensive ausgerechnet auf dem Pariser Autosalon so selbstbewusst ausfällt, ist kein Zufall. Die chinesischen Hersteller drängen mit hohem Tempo und attraktiven Preisen nach Europa. Doch Cambolive macht im Gespräch deutlich, dass Renault nicht vorhat, seine Zukunft einfach von chinesischen Partnern abhängig zu machen.
„In Europa wollen wir technologisch unabhängig bleiben“, sagt der Renault-Chef sinngemäß. Kooperationen seien durchaus denkbar, allerdings bevorzugt auf Basis der eigenen Plattformen. Nur außerhalb Europas ist der Konzern pragmatischer. In Brasilien beispielsweise arbeitet Renault mit dem chinesischen Hersteller Geely zusammen, um schneller auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.
Auch bei den Antrieben hält Cambolive an einem eigenständigen Weg fest. Renault setzt weiterhin auf separate Plattformen für Elektroautos und Hybride, statt alle Antriebsarten in ein und dasselbe Fahrzeug zu packen. Bei größeren Elektroautos sollen künftig ggf. Range Extender hinzukommen, um Kunden mit besonders hohen Reichweitenansprüchen anzusprechen.
Natürlich wird sich erst zeigen müssen, ob die vielen Studien und großen Versprechen auch tatsächlich in erfolgreiche Serienmodelle münden. Ein elektrischer Espace, von dem Familien heute schon träumen können, hilft schließlich wenig, wenn er nie gebaut wird. Doch der Auftritt in Paris macht eines deutlich: Renault hat eine Vorstellung davon, wie die eigene Zukunft aussehen soll. Und die besteht eben nicht darin, den chinesischen Herstellern einfach hinterherzulaufen.
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