Schnellladepunkt-Betreiber: Wer siegt im Vergleich der HPC-Anbieter?
Betreiber von Schnelllade-Punkten: Das sind die Champions

Bild: AUTO BILD Montage / DPA
Inhaltsverzeichnis
- Was wurde getestet?
- Diese drei Trends prägen die Entwicklung:
- Testsieger und größtes Ladenetz: EnBW mobility+
- EWE Go erzielt Testsieg als günstigster Anbieter
- Spitzenreiter bei der Ladeleistung wird Ionity
- Starker Nutzerkomfort bei Fastned
- Günstigstes Ad-hoc-Laden bei Tesla
- Diese vier Anbieter sind Sieger der Newcomer
- Platz 4 jeweils für ARAL Pulse und Shell Recharge
- Sieger beim zuverlässigsten Schnellladen: Pfalzwerke
- Geringste Wartezeitrisiko beim Anbieter Citywatt
- Fazit
Ein Blick auf das Schnellladen in Deutschland lohnt sich, denn das Ladenetz ist in Bewegung. Mittlerweile treten immer mehr Mobilitätsdienstleister auch als Betreiber von Schnelladepunkten auf. Und immer mehr Anbieter buhlen um Autofahrer mit leerem Akku, die laden wollen. Binnen eines Jahres ist die Zahl der Ladepunkte zum Schnellladen um 33 Prozent gestiegen – auf mittlerweile 40.777.
Wo die Unterschiede der Anbieter liegen, zeigt dieser Check, den die Lademarkt-Spezialisten von Charging Radar, der Technologieberatung P3 und AUTO BILD präsentieren. Berücksichtigt wurden Anbieter ab 100 HPC-Ladepunkten und die Ladekosten zum Stichtag 15. Juli 2025. Die Daten wurden in drei Kategorien erhoben, jede fließt zu einem Drittel in die Gesamtwertung ein.
Vergleich der HPC-Stationsbetreiber
1In diesem Check ist das Tesla-Angebot nur bedingt vergleichbar, da die Konditionen nur für Tesla-Fahrer und Fahrerinnen gelten und fürs Laden ein Vertrag vorliegt
Die Angebote unterscheiden sich in der Netzwerkgröße, beim Nutzerkomfort und auch bei den Kosten. Also: 1. Wie groß ist das verfügbare Schnellladenetz des Betreibers, also die Größe des Ladenetzwerks? Von den aktuellen HPC-Ladestellen betreiben die im Report gecheckten Anbieter 26.500 Ladepunkte, also fast zwei Drittel des Netzes. Das ergibt einen relevanten Marktüberblick. 2. Wie hoch ist der Ladepreis? In die Wertung fließt das Laden ohne monatliche Grundgebühr wie auch beim kartenlosen Ad-hoc-Laden ein. 3. Als dritte Kategorie wurde der Ladekomfort bewertet. Denn vermehrt orientieren sich die E-Autofahrer bei der Auswahl der Ladepunkte am Nutzerkomfort.
Dieser Check ergänzt den im Frühsommer veröffentlichten Marktüberblick: Im ersten Teil dieser Serie haben wir Ladedienste und -Apps getestet sowie die entsprechenden Ladekosten geprüft. Denn nach wie vor gilt: Im Vergleich ermöglichen Lade-Apps günstigeres Laden.
1. Das Schnellladen erobert die Fläche
Nicht nur an Autobahnen und anderen Fernstraßen, sondern zunehmend an Supermärkten, vor Einkaufszentren und Schnellrestaurants entstehen Schnellladepunkte – also dort, wo man ohnehin parkt.
Nicht nur an Autobahnen und anderen Fernstraßen, sondern zunehmend an Supermärkten, vor Einkaufszentren und Schnellrestaurants entstehen Schnellladepunkte – also dort, wo man ohnehin parkt.
2. Neue Player betreten den Markt
Immer mehr Anbieter drängen nach Deutschland: So will etwa das in Frankreich gegründete Unternehmen Electra massiv Ladepunkte errichten. Aus Norwegen kommt Eviny. Auch der Tankstellenbetreiber Jet bietet inzwischen Ladestrom an. Kurz: Der Markt wird vielfältiger.
3. Der Nutzerkomfort gewinnt an Bedeutung
Welche Angebote gibt es rund um die Ladestation? Beispielsweise Toiletten, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie? Der Komfort beim Laden rückt immer stärker in den Fokus.
Hier die Ergebnisse des Betreiber-Checks
Das Feld der Betreiber ist vielfältig, die angebotenen Dienste zeigen sich durch unterschiedliche Stärken und Schwerpunkte aus. Hier sind die sieben Preisträger in elf prämierten Kategorien beim HPC-Betreibercheck 2025.

Die Balkengrafik zeigt die Größe der HPC-Ladenetze – und den Abstand zwischen mobility+ auf Platz 1 und Tesla auf Platz 2 sowie den weiteren Anbietern.
Bild: P3
Das EnBW-Hypernetz schneidet 2025 am besten ab, wird Testsieger im Vergleich. Mit 6500 Ladepunkten an rund 1290 Standorten bietet EnBW mobility+ die umfassendste Abdeckung an, betreibt das größte Schnellladenetz in Deutschland. Das ergibt den Testsieg beim größten Ladenetz.
In der Einzelwertung erzielte mobility+ mit 91 Punkten bei Netzwerkgröße und - Verteilung als einziger Anbieter im Vergleich ein sehr gutes Ergebnis. Im Gesamtergebnis dominiert EnBW den Vergleich mit 78 Punkten, was die beste Punktzahl im Vergleich bedeutet und damit die Gesamtnote gut erzielt.

Testsieger: Der Energieriese EnBW bietet mit seinem mobility+-Angebot im Hypernetz das größte frei zugängliche Netz an HPC-Ladestationen in Deutschland.
Bild: EnBW
Platz zwei im Gesamtranking erringt EWE Go mit 71 Punkten: Mit einem Ladepreis von günstigen 0,52 Euro/kWh wird der Anbieter Testsieger beim Ladepreis. Auch in einer zweiten Kategorie siegt EWE: Das Netzwerk weist in Ladepunktnähe die besten Zusatzangebote für Autofahrer auf. Damit sind beispielsweise Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie oder WCs gemeint. EWE Go wird auch hierfür mit dem Testsieg prämiert.
Ionity teilt sich mit EWE den Rang zwei in der Gesamtwertung, erzielt die gleiche Punktzahl von 71 Zählern. Der Betreiber bietet Ultraschnellladen mit bis zu 400 kW Ladeleistung an, auch bei mehrfacher Belegung. Damit wird Ionity Testsieger dieser Kategorie – und testet bereits Ladesäulen mit 600 kW. Ionity überzeugt aber auch beim Nutzerkomfort. Zudem finden sich auch in der Nähe von Ionity-Ladepunkten viele relevante Angebote für Autofahrer – das bedeutet den dritten Testsieg für den Betreiber – einen Zusammenschluss von BMW und Mini, Ford, Hyundai, Mercedes, VW mit Audi und Porsche sowie dem Finanzinvestor BlackRock.
In der Kategorie Nutzerkomfort erringt auch das niederländische Netzwerk Fastned einen Testsieg: Der Charge-Point-Operator hebt sich durch eine große Verfügbarkeit der Ladepunkte hervor, sie wird als sehr gut bewertet.
Der Autohersteller Tesla betreibt mit seinen rund 3490 Superchargern das zweitgrößte Schnellladenetz in Deutschland. Dort können Tesla-Fahrer für durchschnittlich 0,50 Euro/kWh ad-hoc laden, das ist der Testsieg. Aber auch Fahrer anderer Marken laden günstig – im Schnitt für 0,60 Euro/kWh.
Aber Tesla hat das Supercharger-Netz auf für Fahrer von Fremdmarken geöffnet:
Vier Anbieter verdienen durch besondere Innovationen einen speziellen Testsieg: Mit Jet und Eviny betreten zwei neue Dienste den Markt. Beide preschen mit einem Ad-hoc-Ladepreis von 0,49 Euro/kWh vor, zahlbar per Karte. Beide werden prämiert als günstigste Newcomer. Mercedes-Kunden können im herstellereigenen Netzwerk über eine Reservier-Funktion einen gewünschten Ladepunkt für 15 Minuten freihalten. Für diese Neuerung wird das Mercedes-Benz Charging Network als innovativer Newcomer prämiert. Ausgezeichnet wird auch Electra: Der Anbieter errichtet Ladepunkte gezielt in Ballungsräumen und an Verkehrsknotenpunkten. Das verdient das Prädikat urbaner Newcomer.
Die beiden Anbieter landen mit je 69 Punkten in der Gesamtwertung beide auf Rang 4. Die beiden Stromableger der Tankstellenketten verpassen eine gute Bewertung um gerade einmal einen Punkt.
Die zentralen Kriterien im Wettbewerb der Anbieter: Ladeerlebnis, Preis-Leistungs-Verhältnis und Standortqualität
Arne Bachmann
Manager bei P3
Wichtige Begriffe beim Schnellladen
HPC
High Power Charging = Laden mit einer Leistung ab 150 kW und mit aktuell bis zu 400 kW. In der Industrie sind die ersten Ladesäulen mit bis zu 1000 kW Ladeleistung verfügbar.
Was ist die maximale Ladegeschwindigkeit?
Die maximale Ladeleistung wird im technischen Zusammenspiel von Ladestation und Fahrzeug bestimmt. Wichtig ist die maximale Leistung der Ladesäule, aber auch die Frage, ob ein oder gleich zwei Autos am Ladepunkt hängen (Ausnahme: Ionity). Entscheidend ist immer das schwächste Glied in der Kette: Ein mit 320 kW befüllbarer Performance Plus-Akku im Porsche Taycan lädt einer 150 kW-Ladesäule maximal mit dieser Leistung.
Auf der Autoseite sind der Füllstand des Akkus (SoC, der State of Charge): Ein fast leerer Akku lässt sich deutlich schneller laden, als ein bereits zu über 80 Prozent gefüllter. Die höchste Ladeleistung ist bei einem Füllstand zwischen 10 und 40 Prozent möglich. Auch die Temperatur ist wichtig: Das Ladetempo kann durch Konditionieren der Batterie beschleunigt werden, entweder durch internes Vorheizen oder durch hohe Leistungsabgabe, sprich schnelle Fahrt. Auch können größere Batterien Strom in höherer Leistung aufnehmen, die Verteilung erfolgt auf mehr Akkuzellen. Auf Autoseite ist auch die Stromplattform maßgeblich für das Ladetempo. Autos mit 800-Volt-Bordnetz laden schneller als diejenigen mit 400-Volt-Plattform.
- HPC-Säulen bieten derzeit 150, 300 oder 400 kW. Ein Auto kann aber nur so viel ziehen, wie die Säule liefern kann. Steht ein Taycan (270 kW fähig) an einer 150 kW-Säule, lädt er mit maximal 150 kW.
- Strombegrenzung durch Lastmanagement
Viele Ladesäulen teilen ihre Leistung dynamisch zwischen mehreren Ladepunkten. Wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig laden, kann die individuell verfügbare Leistung geringer sein. - Kabel und Stecker
Besonders bei CCS-Steckern mit sehr hohen Strömen (bis 500 A) muss das Kabel flüssigkeitsgekühlt sein. Sonst wird die Ladeleistung reduziert.
- Software & Protokolle
- Kommunikation Auto ↔ Ladesäule
Über das CCS-Protokoll handeln Fahrzeug und Ladesäule die maximale Ladeleistung in Echtzeit aus. Hierbei fließen alle oben genannten Faktoren ein (z. B. "Auto kann max. 200 kW, Säule gibt max. 150 kW" Ergebnis: 150 kW). - Herstellerseitige Limitierungen
Manche Hersteller begrenzen die Ladeleistung bewusst, um die Batterie zu schonen oder die Lebensdauer zu verlängern. Updates (Over-the-Air) können die Ladeleistung später verbessern.
- Externe Bedingungen
- Umgebungstemperatur
Extreme Kälte oder Hitze reduzieren die Ladeleistung. Bei Frost ohne Vorkonditionierung kann ein E-Auto an der 300 kW-Säule nur mit 30–50 kW laden. - Netzversorgung
In seltenen Fällen begrenzen Netzanschlüsse oder Transformatoren die Maximalleistung, besonders bei sehr vielen HPC-Säulen an einem Standort.
✅ Fazit:
Die maximale HPC-Ladeleistung hängt vor allem vom Auto selbst ab (Batteriespannung, Batteriemanagement, SoC, Temperatur). Die Ladesäule setzt die zweite Grenze (kW-Niveau, Kühlung, Lastmanagement).
Im Alltag heißt das: Selbst wenn eine "350 kW-Säule" da steht, lädt dein Auto nur so schnell, wie Akkuchemie + Thermomanagement + Bordelektronik es erlauben.
Die maximale HPC-Ladeleistung hängt vor allem vom Auto selbst ab (Batteriespannung, Batteriemanagement, SoC, Temperatur). Die Ladesäule setzt die zweite Grenze (kW-Niveau, Kühlung, Lastmanagement).
Im Alltag heißt das: Selbst wenn eine "350 kW-Säule" da steht, lädt dein Auto nur so schnell, wie Akkuchemie + Thermomanagement + Bordelektronik es erlauben.
Roaming
Alle Ladenetzwerke (Ausnahme Tesla mit eigenem Netz) sind roamingfähig. Heißt: Ein Ladedienst (EMP) ermöglicht den Zugang zur Ladeinfrastruktur unterschiedlicher Anbieter.
Steckerstandard
Der CCS-Stecker ist Standard beim Schnellladen. Für den Nissan Leaf, der dafür auf CHAdeMO-Stecker setzt, gibt es mittlerweile Adapter im freien Handel.
Sehr selten, aber doch messbar, brechen Ladevorgänge in den ersten vier Minuten nach Einstecken des CCS-Steckers ins Auto ab. Die Quote fällt am geringsten bei den Pfalzwerken aus, weshalb der Anbieter als Testsieger beim zuverlässigen Schnellladen prämiert wird. Nur 2,8 Prozent aller Ladungen wurden in diesen vier Minuten beendet, das ist der Bestwert im Test, er wird mit 100 Punkten als sehr gut bewertet.
Nicht zuletzt verdient Citywatt den Testsieg für eine besondere Kategorie: das geringste Wartezeitrisiko. An den großen Ladeparks des Netzes mit insgesamt 480 Steckern kann man sicher mit einem freien Ladeplatz rechnen. Citywatt ist einer von nur vier Anbietern im Check, die mit der Gesamtnote gut abschneiden.
Fazit
Alle getesteten Anbieter überzeugen und schneiden mindestens befriedigend ab, das beweist die Qualität der aktuellen Ladepunktbetreiber. Eine ganze Reihe von Anbietern werden als gut bewertet. Vor allem aber mischen neue Player den Markt auf, sie locken mit günstigem, schnellem Strom – wer ihre Stationen gezielt ansteuert, spart beim Laden. Solche Preisbrecher haben das Potenzial, den gesamten Markt zu bewegen.
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