Technisch gesehen ist der neue Skoda Kodiaq nichts anderes als ein verlängerter VW Tiguan. AUTO BILD ALLRAD testet, wo er gegen den Technikbruder punktet.
Martin Braun
Video: Fahrbericht Skoda Kodiaq (2016)
Erste Fahrt im Kodiaq
Sprechen wir gleich zu Beginn über das, was Skoda-Besitzer am liebsten tun: sich über den Preis freuen. VW-Technik zum Discountpreis – das zieht bei den Skoda-Gläubigen. So kostet der Kodiaq mit dem getesteten 190-PS-TDI 37.040 Euro, ein gleich motorisierter, aber 21 Zentimeter kürzerer VW Tiguan 38.375 Euro. Allerdings ist der in Deutschland gebaute VW in der 190-PS-TDI-Version besser ausgestattet, sodass sich der Preis des in Tschechien produzierten Skoda auf dem praktisch gleichen Niveau einpendelt.
Skoda hat dem Kodiaq ein stimmiges Blechkleid verpasst
Video: Interview Harman (Genf 2017)
Das Multimediasystem der Zukunft
Der Unterschied liegt also nicht im Preis, sondern im Produktionsort – und eben in der Außenlänge. Die 21 Mehr-Zentimeter realisiert der Skoda über 11 cm mehr Radstand und den 10 cm längeren Hecküberhang. Diese paritätische Verteilung schafft ein harmonisches Aussehen. Als billig gestreckte Langversion wirkt der Kodiaq mit seiner unaufgeregten Linienführung und zum Glück nicht zu klein geratenen Fensterflächen aus keiner Perspektive. Der Kodiaq beeindruckt, nicht durch exaltiertes Aussehen, sondern durch schiere Größe. Allerdings: So riesig, wie mancherorts zu lesen ist, ist er nun auch wieder nicht. Denn mit seinen 4,70 Meter Außenlänge liegt er kaum über dem eher zierlich wirkenden Skoda Octavia Combi, der technisch ein Golf Variant ist. Die optische Wucht erzielt der Kodiaq vor allem über seine Breite und die Höhe. Und das beschert dem neuen SUV auch ein wirklich beeindruckendes Raumangebot. Vorn sitzen Fahrer und Beifahrer angenehm auf schön hoch angeordneten Sitzen, die jedoch kaum üppiger ausfallen als in anderen kompakten SUV.
In Reihe zwei reist man im großen Tschechen sehr bequem
Raumriese: Im Fond sitzen auch große Erwachsene ganz ausgezeichnet – mit viel Platz vor den Knien.
Bild: Erwin Fleischmann
Aber hinten! Die um 18 Zentimeter längs verschiebbare Rücksitzbank hat fast schon Chauffeurslimousinen-Qualität. Selbst wenn man sie ganz nach vorn gleiten lässt, bleibt Erwachsenen ausreichend Knieraum. Hinter der Bank tut sich ein ungewöhnlich langer, zudem breiter und ausreichend hoher Gepäckraum auf, der sich variabel erweitern lässt. Eben mittels jener verschiebbaren Bank, die sich selbstverständlich auch geteilt umklappen lässt, was den Laderaum auf bis zu 1,92 Meter Länge erweitert. Noch längeres Gut lässt sich unterbringen, wenn man zusätzlich die nach vorn umklappbare Beifahrersitzlehne als Extra bestellt hat. Auf Wunsch wird der Kodiaq sogar zum Siebensitzer. Das setzt die Bestellung der 750 Euro kostenden dritten Sitzreihe voraus, die bei Bedarf aus einem 90-Liter-Unterflurfach des Laderaums hervorgeklappt wird. Größer als etwa 1,75 Meter sollten Mitreisende auf diesen beiden Plätzen jedoch nicht sein, sonst wird's eng. Immerhin bleibt hinter der dritten Reihe noch ein Laderäumchen von 270 Liter Volumen übrig. Insgesamt erreicht der Skoda damit ein Raumangebot, dass dem eines 10 Zentimeter längeren VW Touareg deutlich überlegen ist.Wie funktioniert das? Durch den kompakten Antriebsstrang. Die quer eingebaute Motor-Getriebe-Einheit des modularen Querbaukastens (MQB) von Volkswagen spart gegenüber einem Auto mit klassisch längs hintereinander aufgefädeltem Motor-/Getriebeblock wie etwa bei BMW X3/X5, Audi Q5/Q7 oder Mercedes GLC/GLE so viel Baulänge, dass trotz vergleichsweise kompakter Außenabmessungen ein sehr großer Innenraum zur Verfügung steht. Einen zentralen Nachteil dieser Bauweise erkennt man am Modellprogramm: Die Motorenauswahl ist eingeschränkt, denn in die Quermotorautos werden nur simple Vierzylindermotoren eingebaut.
Bei den Motoren bleibt die Auswahl beschränkt
Motorenprogramm: VW sieht für den Kodiaq nicht die freie Auswahl aus allen Maschinen des MQB vor.
Bild: Erwin Fleischmann
Und der nach dem Willen des Konzerns vernunftbetonte Kodiaq bekommt nicht einmal die Spitzenversionen der Vierzylinder-Palette. So gibt es den 220 PS starken 2.0-TSI-Benziner und den 240 PS leistenden 2.0 TDI zwar im VW Tiguan, nicht aber im größeren Skoda Kodiaq. Stärkster Motor ist hier der auch im Testwagen eingebaute 2.0 TDI mit 190 PS, der stets mit dem Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt wird. Obwohl der Kodiaq nur wenige Dutzend Kilogramm schwerer ist als ein gleich motorisierter VW Tiguan, wirkt er trotz seiner 190 PS nicht umwerfend temperamentvoll. Auch würde man sich von den 400 Nm Drehmoment mehr Druck erwarten. Dennoch wirkt der Motor stets ausreichend kultiviert und auch kräftig. Selbst im Bergland oder bei flotter Autobahnfahrt fühlt man sich stets mehr als ausreichend motorisiert. Der kontinuierliche Schub des Zweiliter-Turbodiesels lässt erst oberhalb von 180 km/h spürbar nach. Dann merkt man, dass der Motor ein hohes und breites Auto durch den Wind schieben muss; der cW-Wert liegt bei 0,33. Oberhalb von 200 km/h ist weiterer Tempozuwachs vor allem von Windverhältnissen und Fahrbahnsteigung abhängig.
Die Kombination aus TDI und Doppelkuppler überzeugt
Antriebs-Duo: Der Zweiliter-TDI harmoniert im Kodiaq gut mit dem Doppelkupplungs-Getriebe
Bild: Christian Bittmann
Insgesamt harmoniert der Motor auch recht gut mit dem automatisierten Getriebe. Der VW-Konzern hat mittlerweile 13 Jahre Erfahrung mit dieser Art von Automatikgetrieben. Aber die Unart des verzögerten Spurts beim schnellen Ampelstart oder die an Steigungen zuweilen nicht gerade einfache Dosierbarkeit beim Anfahren hat man offenbar noch immer nicht ganz im Griff. Eine konventionelle, gut gemachte Wandlerautomatik agiert beim Rangieren oder an Steigungen deutlich vorhersehbarer und souveräner. Doch es hilft nichts, denn einen andere Getriebeoption gibt es sowohl für den 190-PS-TDI als auch für den 180-PS-Benziner nicht. Immerhin erspart die Automatik das ewige Kuppeln im Stau, zudem findet sie auch fast immer den richtigen Gang. Zusätzlicher Vorteil dieses Automatikgetriebes ist eine eingetragene Anhängelast von 2,5 Tonnen. Die Schaltversionen des Kodiaq (1.4 TSI und 2.0 TDI mit jeweils 150 PS) dürfen dagegen nur zwei Tonnen ziehen, der 2.0 TSI Benziner mit Doppelkupplungsautomat 2,2 Tonnen.
Weitere Details zum Skoda Kodiaq finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fazit
von
Martin Braun
Wer richtig viel Platz braucht oder will, ohne die Preise eines Mercedes GLE, BMW X5 oder Audi Q7 zahlen zu wollen, liegt beim Skoda Kodiaq richtig. Ausstattungsbereinigt kostet der Tscheche nicht mehr als ein VW Tiguan, bietet aber deutlich mehr Platz als der Deutsche. Dem Skoda fehlen einfach nur ein paar Ausstattungsoptionen in der Preisliste.
Skoda Kodiaq im Supertest
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Rein technisch betrachtet ist der neue Skoda Kodiaq nichts anderes als ein verlängerter VW Tiguan. AUTO BILD ALLRAD testet, wo das tschechische SUV gegen seinen Technikbruder punkten kann.
Bild: Christian Bittmann
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Sprechen wir gleich zu Beginn über das, was Skoda-Besitzer am liebsten tun: sich über den Preis freuen. VW-Technik zum Discountpreis – das zieht bei den Skoda-Gläubigen. So kostet der Kodiaq mit dem getesteten 190-PS-TDI 37.040 Euro, ...
Bild: Werk
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... ein gleich motorisierter, aber 21 Zentimeter kürzerer VW Tiguan 38.375 Euro. Allerdings ist der in Deutschland gebaute VW in der 190-PS-TDI-Version besser ausgestattet, sodass sich der Preis des in Tschechien produzierten Skoda auf dem praktisch gleichen Niveau einpendelt.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
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Die 21 Mehr-Zentimeter realisiert der Skoda über 11 cm mehr Radstand und den 10 cm längeren Hecküberhang. Diese paritätische Verteilung schafft ein harmonisches Aussehen. Allerdings: So riesig, wie mancherorts zu lesen ist, ist er nun auch wieder nicht, ...
Bild: Christian Bittmann
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... denn mit seinen 4,70 Meter Außenlänge liegt er kaum über dem eher zierlich wirkenden Skoda Octavia Combi, der technisch ein Golf Variant ist. Die optische Wucht erzielt der Kodiaq vor allem über seine Breite und die Höhe, ...
Bild: Christian Bittmann
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... und das beschert dem neuen SUV auch ein wirklich beeindruckendes Raumangebot. Vorn sitzen Fahrer und Beifahrer angenehm auf schön hoch angeordneten Sitzen, die jedoch kaum üppiger ausfallen als in anderen kompakten SUVs.
Bild: Christian Bittmann
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Aber hinten! Die um 18 Zentimeter längs verschiebbare Rücksitzbank hat fast schon Chauffeurslimousinen-Qualität. Selbst wenn man sie ganz nach vorn gleiten lässt, bleibt Erwachsenen ausreichend Knieraum.
Bild: Erwin Fleischmann
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Hinter der Bank tut sich ein ungewöhnlich langer, zudem breiter und ausreichend hoher Gepäckraum auf, der sich variabel erweitern lässt. Eben mittels jener verschiebbaren Bank, die sich selbstverständlich auch geteilt umklappen lässt, was den Laderaum auf bis zu 1,92 Meter Länge erweitert.
Bild: Toni Bader
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Auf Wunsch wird der Kodiaq sogar zum Siebensitzer. Das setzt die Bestellung der 750 Euro kostenden dritten Sitzreihe voraus, die bei Bedarf aus einem 90-Liter-Unterflurfach des Laderaums hervorgeklappt wird. Größer als etwa 1,75 Meter sollten Mitreisende auf diesen beiden Plätzen jedoch nicht sein, sonst wird's eng.
Bild: Werk
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Insgesamt erreicht der Skoda ein Raumangebot, dass dem eines 10 Zentimeter längeren VW Touareg deutlich überlegen ist. Wie funktioniert das? Durch den kompakten Antriebsstrang. Die quer eingebaute Motor-Getriebe-Einheit des modularen Querbaukastens (MQB) spart ordentlich Baulänge, ...
Bild: Werk
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... hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: Die Motorenauswahl ist eingeschränkt, denn in die Quermotorautos werden nur simple Vierzylindermotoren eingebaut.
Bild: Christian Bittmann
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Stärkster Motor ist der auch im Testwagen eingebaute 2.0 TDI mit 190 PS, der stets mit dem automatisierten Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt wird. Obwohl der Kodiaq nur wenige Dutzend Kilogramm schwerer ist als ein gleich motorisierter VW Tiguan, ...
Bild: Erwin Fleischmann
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... wirkt er nicht umwerfend temperamentvoll. Auch würde man sich von den 400 Nm Drehmoment mehr Druck erwarten. Dennoch wirkt der Motor stets ausreichend kultiviert und auch kräftig. Selbst im Bergland oder bei flotter Autobahnfahrt fühlt man sich stets mehr als ausreichend motorisiert.
Bild: Christian Bittmann
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Der kontinuierliche Schub des Zweiliter-Turbodiesels lässt erst oberhalb von 180 km/h spürbar nach. Dann merkt man, dass der Motor ein hohes und breites Auto durch den Wind schieben muss; der cW-Wert liegt bei 0,33. Oberhalb von 200 km/h ist weiterer Tempozuwachs vor allem von Windverhältnissen und Fahrbahnsteigung abhängig.
Bild: Christian Bittmann
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Insgesamt harmoniert der Motor auch recht gut mit dem automatisierten Getriebe. Aber die Unart des verzögerten Spurts beim schnellen Ampelstart oder die an Steigungen zuweilen nicht gerade einfache Dosierbarkeit beim Anfahren hat man offenbar noch immer nicht ganz im Griff, ...
Bild: Christian Bittmann
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... und auch Wunderdinge in puncto Verbrauch sind von Doppelkuppler nicht zu erwarten: Im Testdurchschnitt erreichte der Kodiaq einen Verbrauchswert von 7,4 Liter/100 km – nicht schlecht, aber auch nicht sensationell wenig. Wer sich auf maximal Tempo 100 beschränkt und Kurzstrecken vermeiden kann, kommt mit 5,8 Liter/100 km aus.
Bild: Erwin Fleischmann
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Die Reichweite von rund 800 Kilometern hält man mit dem Kodiaq problemlos durch. Denn sein Reisekomfort fällt wirklich beachtlich aus. Dazu trägt auch die angenehme Federung bei.
Bild: Toni Bader
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Der Testwagen profitierte dabei auch von seinem aufpreispflichtigen Fahrwerk mit dreistufig einstellbaren Stoßdämpfern (940 Euro). Comfort bedeutet hier auch wirklich Komfort, denn der Skoda federt dann sehr angenehm, schwingt aber trotzdem auf langen Bodenwellen nicht nach.
Bild: Angelika Emmerling / AUTO BILD
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Die direkte, aber nicht nervös wirkende Lenkung mit elektrischer Servounterstützung und das leicht untersteuernde Fahrverhalten mit verlässlichem Geradeauslauf geben keine Probleme auf. Behäbig wirkt der Kodiaq trotz seiner Karosseriedimensionen nicht, in der Fahrwerksstellung Sport macht er sogar einen agilen Eindruck.
Bild: Werk
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Dass ein Skoda innerhalb der Volkswagen-Markenhierarchie vorsätzlich auf Abstand zu VW und erst Recht Audi gehalten wird, merkt man dem Kodiaq in einigen Details an. So wirken einige Bauteile im Innenraum nicht besonders hochwertig. Und die Individualisierungsmöglichkeiten sind begrenzt.
Bild: Toni Bader
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Alles andere als überflüssig ist der Allradantrieb. Denn erst durch ihn wird der Kodiaq zum verlässlichen Allzweckauto, das nicht gleich auf einer feuchten Wiese oder an einer rutschigen Steigung scheitert.
Bild: Angelika Emmerling / AUTO BILD
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Skoda verwendet dabei den gleichen Haldex-5-Allrad wie VW. Der stets aktive Frontantrieb wird also fallweise vom variablen Hinterradantrieb unterstützt, der von einer hydraulisch betätigten und elektronisch gesteuerten Mehrscheibenkupplung (Hersteller Haldex) im Ölbad aktiviert wird.
Bild: Erwin Fleischmann
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Der zusätzliche Heckantrieb setzt zwar mit minimaler Verzögerung ein, dann aber kräftig und konsequent.
Bild: Erwin Fleischmann
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Auf verschneiten Straßen zeigt sich die sehr gut abgestimmte Schlupfregelung von ihrer besten Seite und unterstützt den Fahrer bei Richtungsänderungen. Wird der Schnee tiefer, hilft das Schneeprogramm.
Bild: Thomas Mueller
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Der Kodiaq lässt sich vom Fahrer per Schalter auf den jeweiligen Untergrund abstimmen. Im Schneeprogramm buddelt sich der Wagen recht gut voran, ...
Bild: Christian Bittmann
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... wobei ihm die für diese Klasse ordentliche Bodenfreiheit von 190 mm zugute kommt. Hat man sich festgefahren, hilft das Abschalten des ESP, um die Fuhre in den meisten Fällen wieder flott zu kriegen.
Bild: Thomas Mueller
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Hinderlich sind dabei aber die weit herab reichenden Überhänge. Anders als beim VW Tiguan kann man beim Skoda keine Frontpartie mit verbessertem Böschungswinkel bestellen. Sonst wäre der Tscheche wohl zu gut geworden.
Bild: Erwin Fleischmann
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Das Fazit von Martin Braun: "Wer richtig viel Platz braucht oder will, ohne die Preise eines Mercedes GLE, BMW X5 oder Audi Q7 zahlen zu wollen, liegt beim Skoda Kodiaq richtig.
Bild: Erwin Fleischmann
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Ausstattungsbereinigt kostet der Tscheche nicht mehr als ein VW Tiguan, bietet aber deutlich mehr Platz als der Deutsche. Dem Skoda fehlen einfach nur ein paar Ausstattungsoptionen in der Preisliste." AUTO BILD ALLRAD-Testwertung: viereinhalb Sterne.