SUV-Diskussion
Brauchen wir diese Autos wirklich?

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Sportlich und schick? Oder protzig und peinlich? Bei SUV gehen die Meinungen auseinander. AUTO BILD hat Argumente gesammelt.
Sechs Gründe, SUV zu fahren
Mit Allradantrieb zur Designer-Boutique, per Luxus-SUV zum Fast-Food-Laden, im Fünf-Meter-Monster auf Parkplatzsuche. Es sind Szenen wie diese, die eine ganze Fahrzeuggattung in Misskredit bringen. Sind SUV Accessoires einer lässig-sportlichen Lebenseinstellung? Oder überflüssige Platz-Fresser und Umwelt-Verschmutzer? Wie immer hat die Medaille zwei Seiten. AUTO BILD hat für beide Lager Argumente gesammelt. Und gibt in der Bildergalerie einen Überblick über die meistverkauften SUV und Geländewagen in Deutschland. Damit Sie auch wissen, worüber die beiden Autoren hier debattieren. Anders als viele Zeitgenossen (siehe Video-Clip).
1. SUV sind die idealen Zugwagen
Mitsubishi Pajero, Range Rover und VW Touareg dürfen bis zu 3500 Kilogramm an den Haken nehmen. Bei den SUV kommen hohes Eigengewicht und durchzugsstarke Motoren, gepaart mit überragender Traktion, zusammen. Für viele Gespannfahrer (Boot, Pferdeanhänger, Oldtimer) gibt es gar keine Alternative zu den großen Allradlern.
2. SUV sind cooler als Limousinen oder Kombis
Okay, wirklich messen lässt sich das nicht. Klar ist aber, dass viele Trendsetter wie Musiker, Filmstars, Sportler und Geldadelige schon früh auf diese Art der Fortbewegung gesetzt haben. Und die geben nun mal die Moderichtung vor. In den USA, wo Mercedes den ML und BMW den X5 produziert, waren Allradler schon hip, als bei uns noch niemand wusste, was SUV ("Sports Utility Vehicle" – auf Deutsch: Sport- und Freizeitauto) bedeutet. Nun greift das Phänomen SUV auf alle Fahrzeugklassen über.
3. Im SUV sitzt man schön hoch und bequem
Die hohe Sitzposition im SUV erleichtert nicht nur das Einsteigen, sie sorgt für eine bessere Übersicht nach vorn. Während die Insassen im Opel Astra 53 Zentimeter über der Straße hocken, thronen sie im Antara schon 71 Zentimeter über dem Asphalt, im Range Rover sind es gar 88 Zentimeter. Manchen Zeitgenossen macht die erhabene Sitzposition gelassener – auch gegen Aggressionsattacken von außen.
4. Mit einem SUV kann man zur Not auch mal ins Gelände
Richtig geländegängig sind die wenigsten SUV, und in Wahrheit wagen sich die Fahrer nur selten ins furchige Terrain abseits der Straße. Doch sie wissen: Ich könnte ja, wenn ich nur wollte. Es ist wohl dieses Gefühl von Freiheit, das den Erfolg der Allradler ausmacht. Und wer sich schon mal mit seinem Heck- oder Fronttriebler auf dem Campingplatz im losen Sand festgewühlt hat, erspart sich mit einem SUV manch peinliche Szene.
5. In SUV lässt sich richtig was einpacken
Dank Hochdach und Kombiheck stecken SUV ordentlich was weg. Beispiel Kofferraumvolumen: Der mit 4,37 Meter Länge recht kompakte Toyota RAV4 fasst maximal 1752 Liter – der 4,70 Meter lange Avensis Kombi dagegen nur 1500 Liter. Manche Exemplare wie der Volvo XC90 haben verschiebbare Bänke und im Boden versenkbare dritte Sitzreihen. Damit sind sie variabel wie ein Van – und dank Allradantriebs noch vielseitiger.
6. Der Allradantrieb macht SUV allwettertauglich
Eis und Schnee verlieren im SUV oder Geländewagen ihren Schrecken, das subjektive Sicherheitsgefühl steigt. Auf nasser Straße sind durchdrehende Räder – bei starken Diesel-Fronttrieblern heutzutage fast üblich – endgültig passé. Dass die Allradtechnik auf trockener Strecke nicht auf Kosten des Fahrvergnügens gehen muss, zeigt das Beispiel BMW X3
... und sechs Gründe gegen SUV
1. SUV sind Waffen im Verkehr
Nicht blinken, einfach rüberziehen – die anderen passen schon auf. Die Gewissheit, einen schwereren Wagen zu fahren, verleitet manchen Lenker, Machtgelüste im Straßenverkehr auszuleben. Umso schlimmer: Bei Unfällen mit Fußgängern droht Gefahr wegen der hohen Fahrzeugfront.
2. SUV-Fahrer wollen nur angeben
Vielen SUV-Besitzern sind die Qualitäten ihres Autos ziemlich schnuppe. Ihnen geht es nur ums Prestige. Die Umwelt soll beeindruckt werden, vor allem der Nachbar. So kommt es, dass Großstadt-Muttis ihren Nachwuchs im 350-PS-Zweieinhalbtonner zum Kindergarten chauffieren. Die besseren Wohnviertel der Metropolen sind voller fetter SUV. Dort braucht diese Autos niemand. Außer fürs Ego.
3. Im Ausland werden SUV schon geächtet
Wie heikel das Thema SUV auch im Ausland ist, zeigt das Beispiel London. Der grüne Bürgermeister Ken Livingstone hat angekündigt, Autos mit hohem CO2-Ausstoß mit einer Sondermaut von 25 Pfund (circa 37 Euro) am Tag zu belegen. Dies würde vor allem schwere SUV wie Mercedes ML und Range Rover treffen. In den USA hat sich eine Anti-SUV-Bewegung formiert. Und in China soll der inzwischen eingestellte Porsche Cayenne Turbo S (521 PS) wegen seines hohen Verbrauchs (Werksangabe: 15,7 l/100 km) sogar verboten worden sein.
4. SUV sind wahre CO2-Schleudern
Ein Kompakt-SUV mit Zweiliter-Dieselmotor kann relativ sparsam sein und entsprechend wenig Kohlendioxid (CO2) emittieren. Im Vergleich mit klassischen Karosserieformen schneiden SUV aber grundsätzlich schlechter ab. Honda steuert dem Image des Öko-Buhmanns deshalb entgegen – und wirbt mit dem niedrigen CO2-Ausstoß des CR-V.
5. SUV verstopfen unsere Städte

6. SUV sind schwer und saufen
Üppiges Blechkleid und Allradantrieb – das geht aufs Gewicht. Zusammen mit der großen Stirnfläche ergibt sich zwangsläufig ein hoher Verbrauch. Ein Porsche Cayenne kam im Vollgastest auf 66 l/100 km, ein Range wog 2770 Kilo. Beides arg unsportliche Werte.
Zwei Redakteure, zwei Meinungen
Wie stehen Sie zu SUV? Sechs gute Gründe für die Sports Utility Vehicles haben wir bereits gehört, sechs gute Gründe dagegen auch. Kommen wir jetzt zu dem etwas anderen Pro & Contra: Mann gegen Frau, beide Großstädter, beide Redakteure von AUTO BILD.
Alex Cohrs: "Ich habe kein schlechtes Gewissen!"

Margret Hucko: "SUV, ab nach Schwarze Pfütze!"
Meine Toleranz hat Grenzen. Bei Geländewagen ist die Linie ganz klar definiert: Sie verläuft deckungsgleich mit den Stadtgrenzen von Berlin, Hamburg, Köln, München – von eigentlich allen Großstädten. Denn je größer die Stadt, desto kleiner der Platz. Der Parkplatz. Mein Parkplatz! Und da haben diese Monsterautos nichts zu suchen. Außerhalb der Stadtmauern ist meine Toleranz dagegen sehr groß. Und mein Verständnis wächst, je kleiner die Orte werden. In Provinznestern wie Schwarze Pfütze (gibt es wirklich, liegt in Bayern) finde ich diese rollenden Blechgebirge ganz okay, ja geradezu nützlich, manchmal sogar überlebenswichtig. Die Kolosse ziehen Pferdewagen, transportieren tote Keiler, klettern dank Allradantriebs über Baumstämme, pflügen Schnee. Und retten bei der Bergwacht Menschen. Und sie parken – anders als in der Stadt – an Plätzen, wo sie mich nicht stören: hinter schweren Scheunentoren. Kürzlich fuhr ich zu meinen Eltern aufs Dorf. Meinen Parkplatz habe ich auf dem Hof, schon immer. Aber da machte sich ihr Neuer breit: ein Suzuki Grand Vitara. Ein SUV! Auf meinem Parkplatz! Papa, was soll das?
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