TÜV analysiert gebrauchte Elektroauto-Akkus
Diese E-Auto-Hersteller haben laut TÜV die besten Akkus!

Sind alle Elektroauto-Akkus gleich gut? Nicht ganz, es gibt Qualitätsunterschiede. Erstmals hat der TÜV Nord eine Liste der Hersteller zur Haltbarkeit von E-Auto-Batterien aufgestellt. Wer schneidet gut ab, wer weniger gut?
Bild: TÜV Nord
Der TÜV Nord hat im großen Stil die Akkus gebrauchter Elektroautos analysiert. Mit den erhobenen Daten war es erstmals möglich, die Batterie-Qualität von einzelnen Herstellern zu ermitteln. Und da gibt es sichtbare Unterschiede!
Die gute Nachricht zuerst: Alle großen Hersteller von Elektroautos statten ihre Modelle mit sehr haltbaren Akkus aus. Davon sind einige noch ein bisschen besser als andere.
So hat der TÜV die Batterien analysiert
Für die Untersuchung hat der TÜV in Kooperation mit dem Kfz-Datenanalysten Carly rund 50.000 Fahrzeug-Datensätze der vergangenen Jahre ausgewertet. Die Statistik aus weltweiten Erhebungen reicht zurück bis 2015. Untersucht wurde der sogenannte "State of Health" (SoH), also der Gesundheitszustand des Akkus – eine Umschreibung der Restkapazität, die ein Akku nach einer bestimmten Zeit und Nutzung noch hat.
Wenn es um die Bewertung der Qualität von Akkus geht, ist die verbliebene Speicherkapazität ausschlaggebend. Jeder Akku nutzt sich mit der Zeit ab, verliert Speichervermögen. Dieser "Degradation" genannte Prozess ist messbar und gibt Aufschluss über die Restkapazität der Batterie. Hat ein Elektroauto einen Teil seiner Speicherkraft bereits eingebüßt, verliert es dramatisch an Reichweite – und an Wert.
Da neue Akkus teuer sind, bestimmt der Grad der Abnutzung den Restwert eines Elektroautos. Somit ist der SoH – so wie bei Verbrennern die Laufleistung – das wichtigste Kriterium beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos.
Diese Marken haben die besten Akkus

Die besten Akkus sind nach TÜV-Analyse aktuell in Produkten von Kia Motors (Kia, Hyundai), der Mercedes-Benz AG (Mercedes, Smart) und der BMW Group (BMW, Mini) verbaut.
Bild: TÜV Nord
Weiter reicht die TÜV-Untersuchung nicht zurück, weil die Anzahl der Datensätze für eine repräsentative Statistik nicht ausreichte. Das betrifft auch andere Marken. Je früher eine Marke auf dem Markt große Verbreitung fand, desto eher sind nennenswerte Stückzahlen beim TÜV – und erhielten Eingang in die Akku-Analyse. Daher sind zum Beispiel auch keine Fahrzeuge von der Kia-Submarke Genesis oder von Seat in der Auswertung: noch zu geringe Stückzahlen.
Diese Akkus werden relativ schnell alt
Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Aber tatsächlich stehen auch die übrigen untersuchten Elektroauto-Hersteller ziemlich gut da. Die stärkste Degradation stellte der TÜV Nord bei den Elektroauto-Pionieren VW und Renault fest: Hier wurde beim ältesten analysierten Baujahr 2015 eine Restkapazität von 72,5 Prozent (Renault) bzw. 74,6 Prozent festgestellt.

Weniger gut, aber immer noch weit über den Garantie-Bedingungen verlaufen die Degradationskurven bei Akkus aus dem Volkswagen-Konzern sowie von Stellantis, Tesla und Renault.
Bild: TÜV Nord
Bei den Renault-Modellen dieses frühen Baujahrs handelt es sich konkret um die Baureihe Zoe, denn ein anderes Elektroauto hatte der Hersteller 2015 nicht im Angebot.
Meilenstein 2018 bei VW
Das heißt aber auch, dass diese ziemlich alten Gebrauchtwagen noch weit oberhalb der Garantiebestimmungen der meisten Hersteller liegen – die besagen, dass der Akku bei 70 Prozent getauscht oder repariert wird. Die Garantie erlischt zumeist nach sieben Jahren bzw. 160.000 km Laufleistung, aber nicht bei allen Herstellern.
Bemerkenswert ist dieser Umstand, da er die große Haltbarkeit der Akkus unterstreicht. Und erneut untermauert, dass die Akkus von gebrauchten Elektroautos weitaus länger halten, als bisher allgemein angenommen wurde.
So entwickelt sich der SoH bei einzelnen Marken
Auch eine Aufschlüsselung nach Baujahren liefern Carly und TÜV Nord. Hier zeigt sich bei den meisten Marken ein stabiler Abbau der Speicherkapazität von rund ein Prozent pro Jahr.
SoH von Elektroauto-Akkus nach Marke und Baujahr
Marke | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Hyundai | - | - | 93,3 % | 94,3 % | 95,9 % | 97,0 % | 97,8 % | 98,4 % | 98,9 % | 99,3 % | 100 % |
Kia | 86,9 % | 88,1 % | 92,9 % | 94,4 % | 95,8 % | 96,5 % | 97,4 % | 97,9 % | 98,5 % | 99,0 % | 100 % |
Mercedes | - | - | - | - | 94,2 % | 95,4 % | 96,4 % | 97,4 % | 98,2 % | 98,9 % | 99,9 % |
Smart | - | 86,5 % | 88,9 % | 90,9 % | 93,5 % | 94,6 % | 95,7 % | 96,4 % | 97,4 % | 98,5 % | 99,9 % |
Mini | - | - | - | - | - | 94,2 % | 95,2 % | 96,1 % | 97,1 % | 98,3 % | 99,2 % |
BMW | 80,5 % | 83,4 % | 87,5 % | 90,5 % | 93,0 % | 94,2 % | 95,6 % | 96,4 % | 97,3 % | 98,4 % | 99,2 % |
VW | 74,6 % | 78,2 % | 81,6 % | 87,8 % | 90,0 % | 92,5 % | 93,9 % | 95,2 % | 96,9 % | 98,5 % | 99,6 % |
Skoda | - | - | - | - | - | 92,4 % | 93,0 % | 95,1 % | 96,7 % | 98,5 % | 99,5 % |
Citroën | 75,8 % | 79,5 % | 83,5 % | 88,7 % | 90,4 % | 91,8 % | 94,0 % | 95,4 % | 97,1 % | 98,1 % | 98,9 % |
Peugeot | 76,2 % | 79,4 % | 83,8 % | 88,2 % | 90,5 % | 91,7 % | 93,1 % | 94,8 % | 96,3 % | 97,9 % | 98,8 % |
Tesla | 77,6 % | 80,5 % | 83,1 % | 86,2 % | 90,1 % | 91,5 % | 93,2 % | 94,6 % | 96,0 % | 97,6 % | 98,6 % |
Renault | 72,5 % | 76,9 % | 80,1 % | 86,3 % | 89,1 % | 91,3 % | 93,0 % | 94,5 % | 96,3 % | 97,5 % | 98,4 % |
Und zwar heftig: Zum Beispiel eine durchschnittliche Kapazität von nur 98,4 Prozent des Speichervermögens, das eigentlich in jedem neuen Tesla stecken müsste, lässt auf Fertigungs-Schwankungen von bis zu drei Prozent schließen.
Neues TÜV-Analysetool für Endkunden
Die Studie begleitet die offizielle Markteinführung des Analyse-Tools "OBCD", das zukünftig an jeder Station von TÜV Nord für Endkunden zur Verfügung steht. Preis: 89 Euro.

Per Diagnose-App innerhalb weniger Minuten kann der TÜV den Zustand des Elektroauto-Akkus prüfen. Auch der TÜV Rheinland bietet das Tool an, dort heißt es "Batterie INSPECTR".
Bild: TÜV Rheinland
Auch der TÜV Rheinland bietet diese neue Dienstleistung an unter dem Markennamen "Batterie INSPECTR".
Fazit
Tolle Arbeit von TÜV und Carly: Inzwischen sind genügend Elektroautos auf dem Markt, dass die Untersuchung ihrer Akkus Rückschlüsse auf die Fertigungsqualität der jeweiligen Batteriehersteller erlaubt. Und die Erkenntnisse werden sich auf die Gebrauchtwagen-Preise durchschlagen: Da sich der Restwert von Akkus schnell und bequem feststellen lässt, können auch alte Fahrzeuge sicher eingepreist werden. Für Kunden ist das eine große Hilfe – und es baut Unsicherheit ab.
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