Vision BMW Alpina in Villa d'Este enthüllt
So luxuriös wird Alpina unter BMW

Der Vision BMW Alpina ist nicht nur um eine spektakulär schöne Studie. Es geht um viel mehr: eine neue Marke, die viele bereits bestens kennen!
Bild: BMW Group
- Stefan Grundhoff
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München statt Buchloe, Metropole statt Provinz – doch so einfach ist es dann doch nicht. Alpina wagt unterm BMW-Konzerndach den Neustart – sportlicher, luxuriöser und elitärer denn je. Im Garten der einzigartigen Villa d’Este in Cernobbio enthüllen die Münchner ihre neueste Submarke. Edler als die M GmbH und exklusiver als BMW Individual will Alpina die Lücke zu Rolls-Royce schließen.
Leicht wird der Marken-Neustart jedoch nicht, auch wenn die erste Studie eine der spektakulärsten Kreationen der vergangenen Jahre ist. Vision BMW Alpina heißt das Showcar, ein 5,20 Meter langes Luxuscoupé.
"Mit dem Vision BMW Alpina verdichten wir die Essenz der Marke und interpretieren sie auf eine höchst moderne und zugleich anspruchsvolle Weise neu", erläutert Maximilian Missoni, verantwortlich für das BMW-Design der großen Baureihen. "Jedes Detail verkörpert Substanz – in der Ingenieurskunst, in den Materialien und in der Geschichte, die es erzählt."

Das Showcar ist ein klassisches Coupé mit zwei Türen.
Bild: BMW Group
Fließende Formen, kraftvolle Flächen und Details wie die Speichenfelge oder das mit Klarlack überdeckte Alpina-Logo lassen die geladenen Besucher träumen.
Das sah vor einem Jahr bei BMW ganz anders aus, denn der Schock beim Concorso d'Eleganza 2025 saß tief. Kurz vor der Eröffnung des Klassik-Events an der Villa d'Este hatten die BMW-Verantwortlichen davon Wind bekommen, dass ein paar Kilometer weiter südlich am Comer See der Bovensiepen Zagato enthüllt werden sollte.
Ein ambitioniert motorisierter Gran Turismo auf Basis des aktuellen BMW 4er Cabrio. Bovensiepen Automotive ist, technisch ausgedrückt, der Firmennachfolger des ehemaligen BMW-Edeltuners Alpina, dessen Namensrechte BMW im Jahre 2022 gekauft hatte.

Ein Dreiliter-Reihensechszylinder sorgt beim Bovensiepen Zagato für 611 PS.
Bild: Bovensiepen Automobile GmbH
Der Erstaufschlag des Bovensiepen Zagato mit dem Slogan "Fine Driving" – noch bevor von den neuen Alpina-Modellen irgendetwas zu sehen war. Das tat weh.
Alpina hat seit Jahrzehnten nicht allein unter BMW-Anhängern einen Ruf wie Donnerhall – für viele kamen die besten BMW nicht aus München, Spartanburg oder Dingolfing, sondern aus Buchloe am Eingangstor zum Allgäu.
Zugegeben, die BMW-Modelle wurden – rund 70 Kilometer westlich der bayrischen Landeshauptstadt – nur modifiziert. Doch in Sachen Dynamik, Exklusivität und Langstreckeneigenschaften waren Modelle wie Alpina B3/D3, B4/D4, XD3 oder gar B7/B12 kaum zu toppen und gehörten zu den schnellsten Modellen auf der linken Autobahnspur.

Die Marke Alpina stand vor allem für Dynamik, Exklusivität und Langstreckeneigenschaften.
Bild: Stefan Grundhoff
Über Jahrzehnte war der Kauf von Edeltuner Alpina durch BMW nach Vorbild von Mercedes-AMG immer wieder ein Thema gewesen – nichts passierte. 2022 dann die Verkündigung, dass BMW die Firma zwar nicht kaufe, aber ab 2026 die Namensrechte übernehme. Das Klassikgeschäft mit den bisherigen Alpina-Modellen verblieb in Buchloe bei der Familie Bovensiepen.
Bisher waren Alpina-Modelle eigene Fahrzeuge mit einer eigenen Herstellerangabe und einer KBA-Nummer. Eine Ausnahme gab es jedoch auf dem Hauptmarkt USA, denn hier wurden die Hochleistungsmodelle schon immer direkt über BMW vertrieben und waren offizielle Topversionen im entsprechenden BMW-Portfolio.
Das ist ab 2027 weltweit gültig, denn Alpina ist nunmehr eine offizielle Submarke unter dem Dach der BMW Group AG wie Mini, Rolls-Royce, BMW Motorrad oder die M GmbH.
Zum Ausdruck des Neustarts wurden dem bekannten Alpina-Logo die Farben genommen und es modernisiert. Die Arbeiten an den ersten beiden Modellen – geplant für 2027 – laufen auf Hochtouren.
So will BMW jene Lücke schließen, die Mercedes mit seiner Submarke Maybach gefüllt hat. Die Maybach-Versionen von S-Klasse, SL und EQS sind die jeweils nobelste Ausstattungsvariante und speziell in China sehr erfolgreich. Ganz ähnlich soll sich Alpina oberhalb der Kernmarke positionieren, die bisher jedoch kaum als Chauffeurmodell genutzt wird. Das dürfte sich durch die Neuausrichtung nach China ändern.
Das letzte Modell der alten Alpina-Ära wurde im März 2026 beim Klassikevent von Amelia Island enthüllt. Eine allein für die USA gedachte finale Sonderserie des Alpina XB7 Manufaktur – über 180.000 US-Dollar teuer. So scheint offen, wie sich das neue Alpina-Portfolio mittelfristig einsortieren soll.

Der letzte Spross der alten Alpina-Ära: Das SUV XB7 Manufaktur war nur für die USA gedacht.
Bild: Stefan Grundhoff
Bisher gab es mit 3er/4er und X3/X4 auch betont kleine Modelle – hochmotorisiert und mehr als 100.000 Euro teuer. Im Markenkern standen jedoch eher Baureihen wie B5, B7, B8 und XB7. Jedoch haben die Bayern ihr Luxuscoupé der 8er-Reihe – als Coupé, viertüriges Gran Coupé und Cabrio zu bekommen – jüngst eingestellt.
Erst Ende des Jahrzehnts soll ein Nachfolger kommen, dann wohl auch nur als Viertürer. Gerade so ein Modell würde aber zum Alpina-Label passen. Auch für den Spaßroadster BMW Z4 ist Ende.
Anzunehmen ist aufgrund der jüngsten Stimmung zudem, dass reine Elektromodelle erst einmal außen vor bleiben, denn auch der Vision BMW Alpina wird von einem Achtzylinder-Turbo befeuert.

Der Innenraum der ersten Alpina-Studie von BMW wirkt sehr aufgeräumt.
Bild: BMW Group
Was wird aus einem besonders begehrten Alpina B5, der zwar nicht die Rennstreckengene des aktuellen BMW M5 besaß, jedoch bisher ähnliche Kunden ansprach? Solche, die eben etwas mehr Komfort auf der Langstrecke suchten? Gerade in Garching bei München sieht man den Neustart der Marke Alpina mit gemischten Gefühlen.
Die dortige M GmbH steht trotz des gefloppten XM als Imagegegner der Mercedes G-Klasse besser denn je da. Doch so sehr sich auch M-Modelle versuchen, über die Rennstrecke zu charakterisieren – die Realität sieht gerade bei einem M5 oder einem M3 ganz anders aus, denn diese sind – ebenso wie die zukünftigen Alpina-Modelle – Kilometerfresser wie Aushängeschilder jeder Baureihe.
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