Meine Güte, ist der ein Lulatsch geworden: Mit 4,79 Meter Länge rutscht die Tiguan-Langversion in die Größenklasse von Peugeot 5008 (ebenfalls 4,79 m), Hyundai Santa Fe (4,83 m) oder Kia Sorento (4,82 m) – mit Letzterem vergleichen wir hier den Wolfsburger, denn nur diese beiden sind mit Diesel zu haben.

Zwei große Diesel-SUV im Vergleich

#Getestete ProduktePreisTestnote
1.
Testsieger
VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
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UVP 53.840,00 EUR
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Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
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Bei Eignern mit hoher Jahresfahrleistung ist der Selbstzünder nach wie vor beliebt, aus guten Gründen: Die Allrad-Raumriesen verbrauchen unter acht Liter – ohne Schleicherei.

Tayron mit eigenständiger Karosserie

Tayron – nie gehört? Zur Einordnung: Dieses SUV ist wie der Vorgänger Allspace ein verlängerter Tiguan aus dem Quermotor-Baukasten von VW. Im Gegensatz zum in Mexiko gebauten Vorgänger rollt der Tayron in Wolfsburg vom Band. Die Karosserie des Tayron hat sich viel weiter vom Tiguan entfernt als der Allspace; beispielsweise ist die Motorhaube höher angesetzt. Kein einziges Blechteil stimmt mit dem Tiguan überein, was den eigenen Namen rechtfertigt.
VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
Großer Wagen: Der 4,79 Meter lange Tayron ist der Nachfolger des Tiguan Allspace und steht auf der Quermotor-Plattform.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Während der Kia Sorento schon optisch das schwere SUV gibt, kommt der VW schlanker daher und misst knapp fünf Zentimeter weniger in der Breite. Was im Interieur den Eindruck von Großzügigkeit nicht schmälert. Schon beim Einsteigen kommt uns der Tayron vertraut vor: Alle Komponenten wie den ergoActive-Sitz für den Fahrer (Serie bei der "Elegance"-Ausstattung) oder den – stabil laufenden – 15-Zoll-Zentralschirm (2640 Euro, im Paket mit Head-up-Display und Sprachsteuerung) haben wir in irgendeinem anderen VW-Konzern-Produkt schon mal gesehen.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Vierzylinder, Turbo 
Vierzylinder, Turbo 
Einbaulage 
vorn quer 
vorn quer 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Zahnriemen 
Hubraum 
2151 cm³ 
1968 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
142 (194)/3800 
142 (193)/3500 
Nm bei 1/min
440/1750 
400/1750 
Vmax
201 km/h 
221 km/h 
Getriebe 
Achtgang-Doppelkupplung 
Siebengang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
255/45 R 20 V 
235/50 R 19 V 
Reifentyp 
Continental PremiumContact 4 
Michelin Primacy 4 
Radgröße 
8,5 x 20" 
7,5 x 19" 
Abgas CO2* 
173 g/km 
166 g/km 
Verbrauch* 
6,6 l/100 km 
6,3 l/100 km 
Tankinhalt 
67 l 
58 l 
Kraftstoffsorte 
Diesel 
Diesel 
SCR-Kat/AdBlue-Tankinhalt 
Serie/14 l 
Serie/k. A. 
Vorbeifahrgeräusch 
69 dB(A) 
68 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
2500/750 kg 
2500/750 kg 
Stützlast 
100 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
813–1996 l 
850–1905 l 
Länge/Breite/Höhe 
4815/1900–2170**/1700 mm 
4792/1853–2151**/1665 mm 
Radstand 
2815 mm 
2789 mm 
Grundpreis
55.190 Euro
53.840 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
65.180 Euro
63.725 Euro
Die Vordersitze, auf denen man bis zu 31 Zentimeter über dem Wagenboden sitzt, fallen klar größer aus als im Kia, lassen sich auch weiter zurückfahren. Aber: Während das Kia-Cockpit obenauf mit geschäumtem Softmaterial aufwartet, ist der VW hier hartplastiklastig. VW bleibt auch bei der Materialwahl hinter der B-Säule sparsam: überall Hartkunststoff, wo Kia Softmaterialien nimmt.
VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
Bekanntes Bild: Das Layout des Tayron-Arbeitsplatzes kennen wir aus anderen VW-Modellen. Leider gibt es hier viel Hartplastik.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Über einen umschaltbaren Drehregler in der Mittelkonsole – den einzigen im gesamten Auto – lassen sich im VW Audio-Lautstärke, Fahrprogramm und Am-bientelichtfarbe einstellen. Schade nur, dass man nicht wie beim eng verwandten Skoda Kodiaq über solch einen Drehregler (heißt bei Skoda Smart Dial) auch den Kartenmaßstab ändern kann. Schön wiederum: die vierfache Neigungsverstellung der Fondlehne; die aber bietet der Kia ebenso.

Der Tayron wirkt sorgfältig zusammengebaut

Auf Rumpelstrecken und Kopfsteinpflaster bleibt das große VW-SUV ausgesprochen leise. Bemerkenswert auch die fast völlige Abwesenheit von Windgeräuschen auf der Autobahn bis hin zum Höchsttempo. Es erscheint uns deutlich sorgfältiger zusammengebaut als die letzten Tiguan-Exemplare, die wir im Test hatten – kann man auch verlangen bei einem Testwagen im Wert von 64.000 Euro. Luft nach oben bleibt noch immer: Bei unserem Testexemplar ist der Tankdeckel schief eingepasst.
VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
Bemerkenswert leise: Selbst bei hohem Autobahntempo bleibt man im Tayron von Windgeräuschen fast vollständig unbehelligt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mit dem Adaptiv-Fahrwerk (Serie beim "Elegance", sonst 1195 Euro extra) bleibt das hoch bauende SUV auf unebenen Landsträßchen ausgesprochen ruhig, rollt auf den Reifen in 235/50 R 19 (500 Euro, Serie 18 Zoll) geschmeidig ab.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
3,1 s 
2,8 s 
0–100 km/h 
9,4 s 
8,4 s 
0–130 km/h 
16,1 s 
14,0 s 
0–160 km/h 
27,8 s 
22,4 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,3 s 
4,7 s 
80–120 km/h 
7,2 s 
6,1 s 
Leergewicht/Zuladung 
1961/611 kg 
1897/653 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
57/43 % 
55/45 % 
Wendekreis links/rechts 
12,0/12,0 m 
11,8/11,8 m 
Sitzhöhe 
710 mm 
660 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
34,4 m 
34,4 m 
aus 100 km/h warm 
34,1 m 
33,8 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
58 dB(A) 
58 dB(A) 
bei 100 km/h 
65 dB(A) 
65 dB(A) 
bei 130 km/h
69 dB(A)
69 dB(A)
bei 160 km/h
73 dB(A)
73 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch 
6,4 l D/100 km 
5,5 l D/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
7,6 l D/100 km
(+15 %)
7,0 l D/100 km
(+11 %)
Sportverbrauch 
10,5 l D/100 km 
9,5 l D/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
201 g/km 
186 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
881 km 
828 km 
Dass wir es beim Tayron mit einem Auto jüngsten Datums zu tun haben, merkt man beim Fahren mit Tempomat und eingeschalteter Verkehrszeichenübernahme (im IQ.Drive-Paket zu 1030 Euro). Die bremst, etwa in einer Baustelle mit Tempo 80, rechtzeitig auf dieses Tempo herunter und beschleunigt den Wagen danach wieder auf das zuvor eingestellte Tempo. Sie beachtet auch Navi-Daten wie Streckenverläufe, Ausfahrten und Kreisverkehre – das schont Nerven wie Punktekonto.

Sorento-Innenraum ist glamouröser

Zwei Details, die ebenfalls für den VW sprechen: Gepäck lässt sich mit soliden Metallverzurrösen im Laderaum festzurren, die am Blech befestigt sind. Hier gibt’s beim Kia nur labile Plastikösen, befestigt lediglich am Kunststoff der Seitenverkleidung. Einen schweren Benzinmäher würden wir damit lieber nicht durch die Eifel karriolen. Der VW hat auch ein Notrad an Bord (125 Euro), wo der Kia nur Tirefit zu bieten hat.
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
Oberklassigerer Auftritt als beim betont sachlichen VW: Vor allem in der "Platinum"-Ausstattung hat der Kia einen größeren Wow-Effekt.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Eines muss man dem Kia auf jeden Fall zugestehen: Mit dem "Platinum"-Ausstattungspaket (9000 Euro extra) ist er das glamourösere Auto mit dem größeren Wow-Effekt beim Einsteigen. Neben 20-Zoll-Rädern, Head-up-Display, 360-Grad-Kameras und einer beeindruckenden Zahl von Vordersitz-Einstelltasten sind auch Nappaleder und Alu-Sportpedale drin – der optische Eindruck ist schier oberklassig.
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* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Unser Exemplar hat noch das Premium-Paket zu 1490 Euro an Bord, das mit Fernsehsessel-ähnlichen Vordersitzen samt Wadenstütze, Massage und einstellbaren Sitzwangen aufwartet, die man eher in einem Sport-Hochkaräter erwartet. Originell ist die Massagefunktion, die die Sitzfläche abwechselnd links und rechts anhebt, zur Beckenmobilisierung.
Auch in der dritten Sitzreihe, obwohl ähnlich beschwerlich zu entern wie im VW, hat der Kia mehr zu bieten. Die Luftzufuhr lässt sich mit eigenen Luftausströmern und metallenen Ventilationsstärke-Drehknöpfen regeln.

Im Kia-Fahrwerk steckt weniger Komfort

Der Wow-Effekt leidet etwas beim Fahren, denn die mächtigen Reifen in 255/45 R 20 rollen gar nicht geschmeidig ab über Kanten. Im Vergleich federt der Kia, der ohne Verstelldämpfer auskommen muss, störrischer an. Er wankt und schwankt mehr, produziert mehr Karosseriebewegungen als der ruhiger, eleganter schwingende VW.
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
Die großen Räder des Kia rollen etwas ungeschmeidig ab. Zudem federt der Sorento strörrischer an und bewegt sich mehr.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Gegensatz zum stets munter beschleunigenden VW legt der Kia oberhalb von 130 km/h nur zäh an Tempo zu. Er wirkt auch ein wenig schläfrig aus Stopp-Start-Situationen heraus. Es dauert etwas, bis sich die Technik sortiert hat. Unseren Messgeräten zufolge sind beide SUV gleich leise. Subjektiv sind die Windgeräusche im VW nochmals niedriger, vor allem bei hohem Autobahntempo.
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
Pfiffiges Detail: Monitor der Seitenkamera im Cockpit des Sorento. Radwege etwa lassen sich so beim Abbiegen gut einsehen.
Bild: AUTO BILD
Nicht neu, aber unverändert gut: Beim Abbiegen funktioniert der Kia die Rundinstrumente des Cockpits zu Monitoren seiner Seitenkameras um – Radwege lassen sich so besser einsehen.
Der Altersunterschied wird spätestens deutlich anhand der Verkehrszeichenübernahmen: Über eine solche verfügt der Kia auch, verlangt aber nach bestätigendem Druck auf eine Taste in der Lenkradspeiche und bezieht Streckenverläufe nicht mit ein. Hier ist der Fahrer selbst gefragt. Beim Verlassen einer Ortschaft nervt die Technik die folgenden Verkehrsteilnehmer zudem, weil die Verkehrszeichenübernahme erst nach dem Passieren des Ortsendeschilds mit Hochbeschleunigen reagiert.

Fast alles im VW kostet Aufpreis

Man kann dem VW vorwerfen, dass mit Ausnahme des faltbaren rechten Vordersitzes so ziemlich alles, was ihn glänzen lässt, in irgendeiner Form Aufpreis kostet: die ausgewogene Progressivlenkung (225 Euro), das sensible Adaptivfahrwerk (1195 Euro, im Paket), die Tempolimitübernahme. Billig ist aber auch der Kia nicht.

Platzierung

Platzierung
Punkte*
557
530
Platz
1
2
Testnote
2,1
2,4
Fazit
Zu viel Hartplastik für den Preis, aber sonst keine echten Schwächen. Das modernere, agilere, subjektiv auch leisere Auto.
Seine Stärken sind der Qualitätseindruck und die lange Garantie. Subjektiv phlegmatischer, gibt ganz das schwere SUV.
Gut: Bremswege um die 34 Meter bei Zwei-Tonnen-Schiffen mit jeweils tadelloser Fahrsicherheit – diesen Gesellen kann man seine Familie wahrlich anvertrauen. Auch und gerade auf Reisen, wo die Diesel mit Reichweiten jenseits der 800 Kilometer brillieren. Zudem dürfen beide mehr als 600 kg zuladen und sind dank Allrad winter- und alpenfest. Autos, die so viel können, kosten halt.

Bildergalerie

Kia Sorento 2.2 CRDi AWD VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
VW Tayron 2.0 TDI 4Motion
Kia Sorento 2.2 CRDi AWD
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Zwei große Diesel-SUV im Test

Fazit

Zweimal Platz, Zuladung und Reichweite satt. Es ist aber spürbar, dass Sorento und Tayron fünf Jahre Entwicklung trennen. Der Wolfsburger spurtet lebendiger, federt geschmeidiger, verbraucht weniger, bietet die modernere Konnektivität und sammelt so Punkte, knausert aber VW-üblich bei der Garantie.