Ergebnisse des Winterreifen-Tests 2020

Winterreifen-Test 2020

Winterreifen-Test: Welche Reifen sind wirklich empfehlenswert?

Die AUTO BILD-Winterreifen-Tests in verschiedenen Reifengrößen: Welche Winterreifen sind gut, und welche haben keine ausreichenden Sicherheitsreserven? Hier kommen die Ergebnisse.
Risiko Winterreifen-Kauf: Immer mehr Marken überschwemmen den Markt. Bei vielen finden sich erhebliche Sicherheitsmängel. Unsere Winterreifen-Tests zeigen, welche Reifen wirklich empfehlenswert sind!

Überblick: Diese Reifengrößen hat AUTO BILD getestet:

Update vom 15. Oktober: Inzwischen ist auch unser Ganzjahresreifen-Test mit über 30 Reifen im Format 205/55 R 16 erschienen. Die Ergebnisse finden Sie hier!

Großer Winterreifen-Test mit über 51 Reifen im Format 245/45 R 18

Für den großen AUTO BILD-Winterreifen-Test 2020 haben wir 51 Winterreifen anonym im Internet und Reifenhandel gekauft. Als Reifendimension haben wir diesmal das Format 245/45 R 18 gewählt – die Reifengröße für dicke Schlitten der Oberklasse, wie unseren 5er-BMW-Testwagen. Für diese Fahrzeugklasse empfehlen wir die klassische Variante des Winterreifens – die immer beliebter werdenden Ganzjahresreifen sind dagegen für leichtere Fahrzeuge, vom Kleinwagen bis zur Mittelklasse, eine zuverlässige und sichere Alternative.

Der erste Brems-Test ist das Aus für viele Reifen!

Über 50 Winterreifen hat AUTO BILD getestet. Gut ein Drittel davon wurden schon nach dem Sicherheits-Check aussortiert.

©Anuscha Sonntag / AUTO BILD

Alle 51 Winterreifen durchlaufen zunächst den Sicherheits-Check: Beim Bremsen auf nasser Piste (aus 80 km/h) müssen sie zeigen, was in ihnen steckt. Wer patzt, fliegt raus! Die Verbliebenen erreichen die nächste Stufe des Qualifyings, den Bremstest auf Schnee (aus 50 km/h). Für das Finale qualifizieren sich am Ende die 20 Reifen mit den in Summe kürzesten Bremswegen. Unser Sicherheits-Check zeigt: Gut ein Drittel der getesteten Winterreifen sind ihren Preis nicht wert. Sie gehören aufgrund zu langer Bremswege bereits im Neuzustand auf den Schrott.
Wie wichtig Winterreifen bei Schnee sind, zeigt übrigens ein Vergleichtest mit Sommerreifen: Mit ihnen braucht der Testwagen auf Schnee fast den doppelten Bremsweg, um zum Stand zu kommen.

Bremswege auf Schnee (aus 50 km/h)
Bester Winterreifen 24,3 m
Schlechtester Winterreifen 27,0 m
Sommerreifen 51,2 m

So haben wir in der Finalrunde getestet

Aquaplaning-Test: Gemessen wird, bei welcher Geschwindigkeit die Reifen den Kontakt zur Fahrbahn verlieren.

©Anuscha Sonntag / AUTO BILD

In der Finalrunde durchlaufen die Winterreifen elf weitere Testdisziplinen – zwei davon auf dem Prüfstand (Rollwiderstand, Laufleistung). Doch zunächst geht es für die zwanzig Reifen, die sich für die Finalrunde qualifiziert haben, wieder auf die Teststrecke. Hier werden zum Beispiel die Bremswege auf trockener Fahrbahn (diesmal aus 100 km/h) gemessen oder das Handling bei Trockenheit, Nässe und Schnee sowie die Aquaplaning-Sicherheit. Erst für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit geht es zum Abschluss auf den Rollenprüfstand. Ein Rollwiderstandtest gibt Aufschluss darüber, mit welchen Reifen sich kraftstoffsparend fahren lässt (Faustformel: fünf Prozent Rollwiderstand spart einen Prozent Kraftstoff). Mit einem Abriebtest wird außerdem die Laufleistung der Reifen bis zum Erreichen der Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter errechnet. Wird die Laufleistung ins Verhältnis zum Kaufpreis gesetzt, lässt sich berechnen, mit welchem Reifen man unterm Strich wirklich am günstigsten fährt.

Michelin Pilot Alpin 5 wird Testsieger

Das insgesamt beste Ergebnis erzielt am Ende der Michelin Pilot Alpin 5. Er punktet mit überzeugender Schneetauglichkeit, dynamischen Nass- und Trockeneigenschaften und kurzen Bremswegen. Einziger Schwachpunkt ist der im Vergleich hohe Preis (über 700 Euro pro Satz), der sich allerdings durch eine sehr guter Laufleistung und gute Wirtschaftlichkeit des Reifens relativiert.
Die Ergebnisse aller 20 Winterreifen, die es in die Finalrunde geschafft haben, finden Sie unten in der Tabelle. In der Bildergalerie haben wir zudem die Stärken und Schwächen dieser Reifen zusammengefasst.
# Getesteter Reifen* Bewertung**  
1.

Michelin
Pilot Alpin 5

100 V
Noten: 2+/2+/1-/1-
Urteil: vorbildlich
 
2.

Bridgestone
Blizzak LM 005

100 V
Noten: 1-/2+/2+/2
Urteil: vorbildlich
 
3.

Goodyear
UltraGrip Performance +

100 V
Noten: 1-/2/2+/2
Urteil: vorbildlich
 
4.

BF Goodrich
g-Force Winter 2

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: vorbildlich
 
4.

Kleber
Krisalp HP3

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: vorbildlich
 
6.

Hankook
Winter i*cept evo3

100 V
Noten: 2/2+/2/2
Urteil: vorbildlich
 
7.

Continental
Winter Contact TS 850P

100 V
Noten: 2/1-/2/2+
Urteil: gut
 
8.

Dunlop
WinterSport 5

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: gut
 
9.

Apollo
Aspire XP Winter

100 V
Note: 2/2/2+/2
Urteil: gut
 
9.

Semperit
Speed-Grip 3

100 V
Noten: 2-/2+/2/2+
Urteil: gut
 
11.

Fulda
Kristall Control HP2

100 V
Noten: 2+/2-/2-/2+
Urteil: gut
 
12.

Vredestein
Wintrac Pro

100 V
Noten: 2/2/2/2-
Urteil: gut
 
13.

Giti
GitiWinter W1

100 V
Noten: 2/2-/2-/2+
Urteil: gut
 
14.

Uniroyal
MS plus 77

100 V
Noten: 2+/2-/2/3+
Urteil: gut
 
15.

Barum
Polaris 5

100 V
Noten: 2/2-/2/2-
Urteil: gut
 
16.

Laufenn
I Fit +

100 V
Noten: 2/3+/2-/2+
Urteil: befriedigend
 
16.

Nokian
WR A4

100 V
Noten: 2-/2-/2/2
Urteil: befriedigend
 
18.

General
Altimax Winter 3

100 V
Noten: 2+/3/2-/2
Urteil: befriedigend
 
19.

Pirelli
Sottozero 3

100 V
Noten: 2-/3+/2/2
Urteil: befriedigend
 
20.

Cooper
Weather-Master SA2+

100 V
Noten: 3+/2/3+/3
Urteil: bedingt empfehlenswert
 
*Bei gleicher Bewertung in alphabetischer Reihenfolge; **Die angegebenen Noten sind die Kapitelnoten in den Testkapiteln "Schnee", "Nass", "Trocken", "Kosten". Kapitelnoten ab 2- erlauben kein "vorbildlich" mehr; Einzelnoten (nicht abgebildet) ab 3+ in sicherheitsrelevanten Disziplinen und Einzelnoten ab 4+ führen zur Abwertung.

Ergebnisse des Winterreifen-Tests 2020

Winterreifen-Test 2020Winterreifen-Test 2020

Im Überblick: Alle Bremswerte aus der Vorrunde

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bremswege, die in der ersten Testrunde gemessen wurden – für die Hauptrunde des Tests wurden nur die 20 Winterreifen mit den kürzesten Bremswegen in Summe berücksichtigt.

Vorrunde: Messergebnisse Bremswege (in Metern)
Reifen* nass (80 km/h) Schnee (50 km/h) gesamt
Bridgestone Blizzak LM 005 30,3 24,5 54,8
MichelinPilot Alpin 5 31,9 24,3 56,2
Semperit Speed-Grip 3 30,8 26 56,8
Continental WinterContact TS 850P 31,8 25,2 57
Hankook Winter i*cept evo3 32,3 25 57,3
Vredestein Wintrac Pro 33,2 24,9 58,1
BF Goodrich g-Force Winter 2 34,1 24,6 58,7
Kleber Krisalp HP 3 34,4 24,6 59
Goodyear UltraGrip Performance + 34,4 24,8 59,2
Uniroyal MS Plus 77 34,2 25 59,2
Barum Polaris 5 35,2 24,9 60,1
Nokian WR A4 34,6 25,5 60,1
Dunlop Winter Sport 5 35,2 25 60,2
Apollo Aspire XP Winter 35,1 25,3 60,4
Giti GitiWinter W1 35,2 25,4 60,6
Cooper Weather-Master SA2 + 34,6 26,1 60,7
General Altimax Winter 3 36 24,7 60,7
Fulda Kristall Control HP2 36,3 24,5 60,8
Laufenn I Fit Plus 36,2 24,8 61
Pirelli Winter Sottozero 3 35,2 25,8 61
Sava Eskimo HP2 36,3 25,1 61,4
Yokohama BluEarth-Winter (V905) 35,4 26,1 61,5
Fortune FSR901 36,3 25,3 61,6
Nexen Winguard Sport2 36,5 25,1 61,6
Goodride Z507 34,7 27 61,7
Platin RP-60 Winter 37 25,2 62,2
Westlake SW608 34,2 28 62,2
Gislaved Euro*Frost 6 36,9 25,8 62,7
Kumho WinterCraft WP71 35,7 28 63,7
Toyo Snowprox S954 37 26,9 63,9
Falken Eurowinter HS01 37 27 64
Riken Snow 37,1 - -
Firestone Winterhawk 3 37,9 - -
GT Radial Winterpro HP 38,3 - -
Fortuna Winter 38,4 - -
Zeetex WH 1000 38,7 - -
Infinity Ecozen 38,9 - -
Aeolus Snowace 2 HP 39 - -
Tomket Snowroad Pro 3 39,3 - -
Atlas Polarbear 2 39,6 - -
Radar Dimax Alpine 40,5 - -
Haida HD617 40,6 - -
Mazzini Snowleopard 40,6 - -
Duraturn Mozzo Winter 40,7 - -
Nordexx Wintersafe 41 - -
Tracmax S210 41,1 - -
Imperial Snow Dragon 3 (S210) 41,4 - -
Wanli S 1083 Snow Grip 41,4 - -
Momo W2 North Pole 41,7 - -
Starmaxx W850 42,3 - -
Petlas W651 43,1 - -
*sortiert nach Länge der Bremswege in Summe; alle Reifen haben den Last-/Speed-Index 100 V.

Die wichtigsten Infos zur Winterreifenpflicht

Links das Alpine-Symbol, rechts die M+S-Kennzeichnung, die auf neuen Reifen nicht mehr maßgeblich ist.

©A. Sonntag

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht: Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen Winterreifen aufgezogen sein. Man erkennt sie am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (siehe Bild). Auch Ganzjahresreifen, die dieses Symbol tragen, erfüllen die Anforderungen des Gesetzgebers. Bis zum 30. September 2024 gelten auch Reifen mit M+S-Kennzeichnung als wintertauglich (bei Herstellung bis 31. Dezember 2017). Wann ein Reifen produziert wurde, ist anhand der sogenannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke zu erkennen (DOT steht für Department of Transportation, das US-Verkehrsministerium). Die etwas abgesetzten letzten vier Ziffern der Nummer geben den Produktionszeitraum des Reifens an: Die ersten beiden Ziffern stehen für die Woche, das zweite Ziffernpaar für das Herstellungsjahr. Stehen am Ende der DOT-Nummer zum Beispiel die Ziffern 0517, wurde der Reifen in der fünften Woche des Jahres 2017 hergestellt.
Unser Test wurde unterstützt von Bridgestone, Continental, Hankook und Laufenn. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie hier.

Fotos: Anuscha Sonntag / AUTO BILD

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