Ergebnisse des Winterreifen-Tests 2020

Winterreifen-Test 2020

Winterreifen-Test: Welche Reifen sind wirklich empfehlenswert?

Die AUTO BILD-Winterreifen-Tests in verschiedenen Reifengrößen: Welche Winterreifen sind gut, und welche haben keine ausreichenden Sicherheitsreserven? Hier kommen die Ergebnisse.
Risiko Winterreifen-Kauf: Immer mehr Marken überschwemmen den Markt. Bei vielen finden sich erhebliche Sicherheitsmängel. Unsere Winterreifen-Tests zeigen, welche Reifen wirklich empfehlenswert sind! Für den großen AUTO BILD-Winterreifen-Test 2020 haben wir 51 Winterreifen anonym im Internet und Reifenhandel gekauft. Als Reifendimension haben wir diesmal das Format 245/45 R 18 gewählt – die Reifengröße für dicke Schlitten der Oberklasse, wie unseren 5er-BMW-Testwagen. Für diese Fahrzeugklasse empfehlen wir die klassische Variante des Winterreifens – die immer beliebter werdenden Ganzjahresreifen sind dagegen für leichtere Fahrzeuge, vom Kleinwagen bis zur Mittelklasse, eine zuverlässige und sichere Alternative.

Der Winterreifen-Test endet für viele Reifen vorzeitig

Über 50 Winterreifen hat AUTO BILD getestet. Gut ein Drittel davon wurden schon nach dem Sicherheits-Check aussortiert.

©Anuscha Sonntag / AUTO BILD

Alle 51 Winterreifen durchlaufen zunächst den Sicherheits-Check: Beim Bremsen auf nasser Piste (aus 80 km/h) müssen sie zeigen, was in ihnen steckt. Wer patzt, fliegt raus! Die Verbliebenen erreichen die nächste Stufe des Qualifyings, den Bremstest auf Schnee (aus 50 km/h). Für das Finale qualifizieren sich am Ende die 20 Reifen mit den in Summe kürzesten Bremswegen. Unser Sicherheits-Check zeigt: Gut ein Drittel der getesteten Winterreifen sind ihren Preis nicht wert. Sie gehören aufgrund zu langer Bremswege bereits im Neuzustand auf den Schrott.
Wie wichtig Winterreifen bei Schnee sind, zeigt übrigens ein Vergleichtest mit Sommerreifen: Mit ihnen braucht der Testwagen auf Schnee fast den doppelten Bremsweg, um zum Stand zu kommen.

Bremswege auf Schnee (aus 50 km/h)
Bester Winterreifen 24,3 m
Schlechtester Winterreifen 27,0 m
Sommerreifen 51,2 m

So haben wir in der Finalrunde getestet

Aquaplaning-Test: Gemessen wird, bei welcher Geschwindigkeit die Reifen den Kontakt zur Fahrbahn verlieren.

©Anuscha Sonntag / AUTO BILD

In der Finalrunde durchlaufen die Winterreifen elf weitere Testdisziplinen – zwei davon auf dem Prüfstand (Rollwiderstand, Laufleistung). Doch zunächst geht es für die zwanzig Reifen, die sich für die Finalrunde qualifiziert haben, wieder auf die Teststrecke. Hier werden zum Beispiel die Bremswege auf trockener Fahrbahn (diesmal aus 100 km/h) gemessen oder das Handling bei Trockenheit, Nässe und Schnee sowie die Aquaplaning-Sicherheit. Erst für die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit geht es zum Abschluss auf den Rollenprüfstand. Ein Rollwiderstandtest gibt Aufschluss darüber, mit welchen Reifen sich kraftstoffsparend fahren lässt (Faustformel: fünf Prozent Rollwiderstand spart einen Prozent Kraftstoff). Mit einem Abriebtest wird außerdem die Laufleistung der Reifen bis zum Erreichen der Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimeter errechnet. Wird die Laufleistung ins Verhältnis zum Kaufpreis gesetzt, lässt sich berechnen, mit welchem Reifen man unterm Strich wirklich am günstigsten fährt.

Preis pro 1000 km Laufleistung*
Laufenn 10,41
Giti 11,12
General 11,18
Fulda 11,60
Cooper 11,69
Barum 11,77
Kleber 12,08
Semperit 12,08
Apollo 12,83
BF Goodrich 12,99
Hankook 13,33
Goodyear 13,55
Nokian 13,80
Vredestein 14,56
Bridgestone 14,68
Uniroyal 14,72
Continental 14,73
Dunlop 14,77
Michelin 15,22
Pirelli 16,22
*in Euro

Michelin Pilot Alpin 5 wird Testsieger

Das insgesamt beste Ergebnis erzielt am Ende der Michelin Pilot Alpin 5. Er punktet mit überzeugender Schneetauglichkeit, dynamischen Nass- und Trockeneigenschaften und kurzen Bremswegen. Einziger Schwachpunkt ist der im Vergleich hohe Preis (über 700 Euro pro Satz), der sich allerdings durch eine sehr guter Laufleistung und gute Wirtschaftlichkeit des Reifens relativiert.
Die Ergebnisse aller 20 Winterreifen, die es in die Finalrunde geschafft haben, finden Sie unten in der Tabelle. In der Bildergalerie haben wir zudem die Stärken und Schwächen dieser Reifen zusammengefasst.
# Getesteter Reifen* Bewertung**  
1.

Michelin
Pilot Alpin 5

100 V
Noten: 2+/2+/1-/1-
Urteil: vorbildlich
 
2.

Bridgestone
Blizzak LM 005

100 V
Noten: 1-/2+/2+/2
Urteil: vorbildlich
 
3.

Goodyear
UltraGrip Performance +

100 V
Noten: 1-/2/2+/2
Urteil: vorbildlich
 
4.

BF Goodrich
g-Force Winter 2

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: vorbildlich
 
4.

Kleber
Krisalp HP3

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: vorbildlich
 
6.

Hankook
Winter i*cept evo3

100 V
Noten: 2/2+/2/2
Urteil: vorbildlich
 
7.

Continental
Winter Contact TS 850P

100 V
Noten: 2/1-/2/2+
Urteil: gut
 
8.

Dunlop
WinterSport 5

100 V
Noten: 2+/2/2/2+
Urteil: gut
 
9.

Apollo
Aspire XP Winter

100 V
Note: 2/2/2+/2
Urteil: gut
 
9.

Semperit
Speed-Grip 3

100 V
Noten: 2-/2+/2/2+
Urteil: gut
 
11.

Fulda
Kristall Control HP2

100 V
Noten: 2+/2-/2-/2+
Urteil: gut
 
12.

Vredestein
Wintrac Pro

100 V
Noten: 2/2/2/2-
Urteil: gut
 
13.

Giti
GitiWinter W1

100 V
Noten: 2/2-/2-/2+
Urteil: gut
 
14.

Uniroyal
MS plus 77

100 V
Noten: 2+/2-/2/3+
Urteil: gut
 
15.

Barum
Polaris 5

100 V
Noten: 2/2-/2/2-
Urteil: gut
 
16.

Laufenn
I Fit +

100 V
Noten: 2/3+/2-/2+
Urteil: befriedigend
 
16.

Nokian
WR A4

100 V
Noten: 2-/2-/2/2
Urteil: befriedigend
 
18.

General
Altimax Winter 3

100 V
Noten: 2+/3/2-/2
Urteil: befriedigend
 
19.

Pirelli
Sottozero 3

100 V
Noten: 2-/3+/2/2
Urteil: befriedigend
 
20.

Cooper
Weather-Master SA2+

100 V
Noten: 3+/2/3+/3
Urteil: bedingt empfehlenswert
 
*Bei gleicher Bewertung in alphabetischer Reihenfolge; **Die angegebenen Noten sind die Kapitelnoten in den Testkapiteln "Schnee", "Nass", "Trocken", "Kosten". Kapitelnoten ab 2- erlauben kein "vorbildlich" mehr; Einzelnoten (nicht abgebildet) ab 3+ in sicherheitsrelevanten Disziplinen und Einzelnoten ab 4+ führen zur Abwertung.

Ergebnisse des Winterreifen-Tests 2020

Winterreifen im Test - ReifentestWinterreifen-Test 2020Winterreifen-Test 2020

Im Überblick: Alle Bremswerte aus der Vorrunde

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Bremswege, die in der ersten Testrunde gemessen wurden – für die Hauptrunde des Tests wurden nur die 20 Winterreifen mit den kürzesten Bremswegen in Summe berücksichtigt.

Vorrunde: Messergebnisse Bremswege (in Metern)
Reifen* nass (80 km/h) Schnee (50 km/h) gesamt
Bridgestone Blizzak LM 005 30,3 24,5 54,8
MichelinPilot Alpin 5 31,9 24,3 56,2
Semperit Speed-Grip 3 30,8 26 56,8
Continental WinterContact TS 850P 31,8 25,2 57
Hankook Winter i*cept evo3 32,3 25 57,3
Vredestein Wintrac Pro 33,2 24,9 58,1
BF Goodrich g-Force Winter 2 34,1 24,6 58,7
Kleber Krisalp HP 3 34,4 24,6 59
Goodyear UltraGrip Performance + 34,4 24,8 59,2
Uniroyal MS Plus 77 34,2 25 59,2
Barum Polaris 5 35,2 24,9 60,1
Nokian WR A4 34,6 25,5 60,1
Dunlop Winter Sport 5 35,2 25 60,2
Apollo Aspire XP Winter 35,1 25,3 60,4
Giti GitiWinter W1 35,2 25,4 60,6
Cooper Weather-Master SA2 + 34,6 26,1 60,7
General Altimax Winter 3 36 24,7 60,7
Fulda Kristall Control HP2 36,3 24,5 60,8
Laufenn I Fit Plus 36,2 24,8 61
Pirelli Winter Sottozero 3 35,2 25,8 61
Sava Eskimo HP2 36,3 25,1 61,4
Yokohama BluEarth-Winter (V905) 35,4 26,1 61,5
Fortune FSR901 36,3 25,3 61,6
Nexen Winguard Sport2 36,5 25,1 61,6
Goodride Z507 34,7 27 61,7
Platin RP-60 Winter 37 25,2 62,2
Westlake SW608 34,2 28 62,2
Gislaved Euro*Frost 6 36,9 25,8 62,7
Kumho WinterCraft WP71 35,7 28 63,7
Toyo Snowprox S954 37 26,9 63,9
Falken Eurowinter HS01 37 27 64
Riken Snow 37,1 - -
Firestone Winterhawk 3 37,9 - -
GT Radial Winterpro HP 38,3 - -
Fortuna Winter 38,4 - -
Zeetex WH 1000 38,7 - -
Infinity Ecozen 38,9 - -
Aeolus Snowace 2 HP 39 - -
Tomket Snowroad Pro 3 39,3 - -
Atlas Polarbear 2 39,6 - -
Radar Dimax Alpine 40,5 - -
Haida HD617 40,6 - -
Mazzini Snowleopard 40,6 - -
Duraturn Mozzo Winter 40,7 - -
Nordexx Wintersafe 41 - -
Tracmax S210 41,1 - -
Imperial Snow Dragon 3 (S210) 41,4 - -
Wanli S 1083 Snow Grip 41,4 - -
Momo W2 North Pole 41,7 - -
Starmaxx W850 42,3 - -
Petlas W651 43,1 - -
*sortiert nach Länge der Bremswege in Summe; alle Reifen haben den Last-/Speed-Index 100 V.

Die wichtigsten Infos zur Winterreifenpflicht

Links das Alpine-Symbol, rechts die M+S-Kennzeichnung, die auf neuen Reifen nicht mehr maßgeblich ist.

©A. Sonntag

In Deutschland herrscht eine situative Winterreifenpflicht: Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen Winterreifen aufgezogen sein. Man erkennt sie am Alpine-Symbol, einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke (siehe Bild). Auch Ganzjahresreifen, die dieses Symbol tragen, erfüllen die Anforderungen des Gesetzgebers. Bis zum 30. September 2024 gelten auch Reifen mit M+S-Kennzeichnung als wintertauglich (bei Herstellung bis 31. Dezember 2017). Wann ein Reifen produziert wurde, ist anhand der sogenannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke zu erkennen (DOT steht für Department of Transportation, das US-Verkehrsministerium). Die etwas abgesetzten letzten vier Ziffern der Nummer geben den Produktionszeitraum des Reifens an: Die ersten beiden Ziffern stehen für die Woche, das zweite Ziffernpaar für das Herstellungsjahr. Stehen am Ende der DOT-Nummer zum Beispiel die Ziffern 0517, wurde der Reifen in der fünften Woche des Jahres 2017 hergestellt.

Häufige Fragen zu Winterreifen

Welche Winterreifen sind gut?

AUTO BILD hat weit über 100 Ganzjahres- und Winterreifen der aktuellen Wintersaison 2020/2021 in unterschiedlichen Reifengrößen getestet. Alle Reifen, die das Testurteil "vorbildlich" oder "gut" erhalten haben, finden Sie hier zusammengefasst.

Welche Winterreifen sind die Besten?

Top-Hersteller 2020 in den AUTO BILD-Winterreifen-Tests ist Michelin, deren Winterreifen in Sachen Fahrdynamik eine Klasse für sich sind. Bridgestone und Goodyear landen gemeinsam auf Platz 2. Bei den Ganzjahresreifen-Tests ist Goodyear in 2020 der Top-Hersteller. Die Marken Continental und Michelin liegen punktgleich auf dem zweiten Rang. Zu den Testergebnissen.

Welche Winterreifen sind gut und günstig?

Neben Premium-Marken wie Goodyear, Michelin, Dunlop und Continental gibt es viele günstigere Marken, die in Tests immer wieder gute Ergebnisse erzielen. Dazu gehören etwa Kleber (gehört zu Michelin), Apollo (indischer Reifenkonzern), Fulda (gehört zur Reifengruppe Goodyear Dunlop), Semperit (österreichisches Reifenunternehmen) und Barum (Continental-Tochter). Auch Reifen des südkoreanischen Herstellers Hankook liegen preislich eher im Mittelfeld und schneiden in Tests häufig gut bis sehr gut ab. Grundsätzlich gilt ein Testergebnis aber immer nur für das jeweilige Modell in der getesteten Größe und darf nicht als pauschales Urteil für sämtliche Reifen einer Marke betrachtet werden. Eine Übersicht über "gut" und "vorbildlich" getestete Reifen finden Sie hier (Ganzjahres- und Winterreifen) und hier (Sommerreifen).

Wann auf Winterreifen wechseln?

Die Faustformel lautet von O bis O (von Oktober bis Ostern). Besser ist es eigentlich, sich nach der Temperatur zu richten. Auch auf trockener Fahrbahn verlieren Sommerreifen ab Temperaturen unter 7 Grad Celsius zunehmend ihre Vorteile gegenüber Winterreifen. Bei Glätte und Schnee sind Winterreifen ohnehin überlegen. Fallen die Temperaturen dauerhaft unter 7 Grad, sollte man auf Winterreifen wechseln.

Wann ist Winterreifenpflicht in Deutschland?

Es gibt keinen bestimmten Zeitraum, für den Winterreifen allgemein vorgeschrieben sind. Gesetzlich vorgeschrieben sind Winterreifen in Deutschland nur bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Schneematsch, Schnee sowie Reif- und Eisglätte.

Welche Mindestprofiltiefe bei Winterreifen?

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter. Tests zeigen jedoch, dass sich die Bremswege auf Nässe bereits bei einem Restprofil von drei Millimetern deutlich verlängern. Auch die Gefahr von Aquaplaning ist dann erhöht. Deswegen sollten Reifen bereits ab einem Restprofil von drei Millimetern ausgetauscht werden.

Wann ist ein Winterreifen zu alt?

Ein Reifen sollte ausgewechselt werden, wenn das Profil abgelaufen ist oder sich in der Seitenwand Risse zeigen. Doch auch unabhängig vom Zustand sollte ein Reifen spätestens ausgewechselt werden, wenn er zehn Jahre alt ist, weil das Material mit der Zeit spröder und damit anfälliger für Schäden wird.

Woran erkenne ich das Alter eines Reifens?

Das Alter eines Reifens erkennt man an der DOT-Nummer an der Reifenflanke (DOT steht für Department Of Transportation, das US-Verkehrsministerium). Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer stehen für die Woche und das Jahr, in dem der Reifen produziert wurde. Beispiel: Ein Reifen mit den Ziffern "1019" wurde in der zehnten Kalenderwoche des Jahres 2019 produziert.

Woran erkenne ich Winterreifen?

Einen Winterreifen erkennt man (neben seinem besonderen Profil) an der Kennzeichnung auf der Reifenflanke. Trägt der Reifen dort das sogenannte Alpine-Symbol – eine Schneeflocke im stilisierten Berg – so gilt der Reifen im Sinne des Gesetzgebers als wintertauglich. Das gilt übrigens auch für Ganzjahresreifen. Das früher noch maßgebliche „M+S“-Kennzeichen („Matsch + Schnee“) reicht als einzige Kennzeichnung nicht mehr aus – zumindest nicht bei Reifen, die ab 1. Januar 2018 produziert worden sind. Für Reifen mit älterem Produktionsdatum gilt noch eine Übergangsfrist bis 30. September 2024.
Unser Test wurde unterstützt von Bridgestone, Continental, Hankook und Laufenn. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie hier.

Fotos: Anuscha Sonntag / AUTO BILD

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