Das Hohelied der SUV hat einen neuen Klang. Nicht mehr dicke Brocken wie VW Touareg, Range Rover und Land Cruiser geben den Ton vor, sondern sportliche Crossover mit Allradtechnik, starken Motoren und trendigen Karosserien machen die Musik. Bühne frei für vier Solisten aus der Designerecke. Jeder steht für eine eigene Interpretation der noch jungen Stilrichtung. Alle versuchen aber, das gleiche Publikum zu begeistern: modebewusste Menschen, die bei Kreditkarten-Anträgen eine sechsstellige Zahl in das Pflichtfeld fürs Bruttojahreseinkommen schreiben. Hochgefühle erzeugen die erhabenen Gefährte vor allem bei Frauen. Wegen der Sicherheit und des guten Überblicks, den sie bieten.

Sportlicher Auftritt, günstiger Preis: Der CX-7 kommt mit Paukenschlag

Besonders angesagt in der PS-starken Liga ist der BMW X3. Mangels deutscher Premium-Konkurrenz spielt er (noch) die erste Geige in seiner Klasse. Eher ins rustikale Jagdhorn stößt der Land . Verschwunden ist die weichliche Verspieltheit der ersten Modellgeneration. Der Freelander 2 will sich klarer ausdrücken – und kantiger wirken. Den Kontrast dazu bilden die beiden Japaner. Speziell der Nissan Murano wirkt im Gegensatz zum erdigen Charakter des Engländers glitzernd wie eine Sony Playstation. "Fast Fashion" heißt so was in der Modebranche: heute cool, morgen out.
Mazda CX-7 2.3 MZR
Japaner im Trainingsanzug: Mazdas CX-7 stürmt mit Turbo- Vierzylinder und günstigem Preis auf den Platz.
Bild: Holger Schaper
Für den 2004 eingeführten Murano hat der Ausverkauf schon begonnen. Ganze 570 Stück wurden 2007 zugelassen. So gesehen ist er deutlich exklusiver als der BMW X3, der es auf 22.197 Neuzulassungen brachte. Mazda verkaufte seinen Neuling in einem halben Jahr immerhin 1156-mal. Dafür, dass dem CX-7 das Schicksal des Übersehenwerdens erspart bleibt, spricht sein Preis. Mit 31.800 Euro ist er von vornherein als Sonderangebot ausgezeichnet – und kostet fast 15.000 Euro (!) weniger als der Murano. Außerdem sorgt seine sportliche Erscheinung für einen Extra-Paukenschlag. Ein Boulevard-Gleiter ist der CX-7 jedenfalls nicht, sondern ein richtiges, ernst zu nehmendes Sport-SUV. Anders als seine Konkurrenten holt er seine Kraft nicht aus einem Sechszylinder: Unter seiner Haube brummt ein aufgeladener Vierzylinder, wie er auch den scharfen MPS-Versionen von Mazda3 und 6 Dampf macht. Der kraftvolle 260-PS-Motor passt gut zum Charakter des CX-7, der mehr wie ein hochgelegter Kombi und nicht wie ein vierschrötiger Offroader daherkommt.

Mit Druck nach vorn

Dank Ausgleichswellen arbeitet der 2,3-Liter laufruhig. Nur im oberen Drehzahlbereich wird er rau und laut. Sobald die Turbine genügend Druck aufgebaut hat, schießt der Mazda vehement nach vorn. Sein Durchzug ist so entschlossen, dass er mit dem schnellen BMW mithalten kann. Selbst in der Spitze liegen X3 und CX-7 gleichauf – und zehn km/h über Land Rover und Nissan Murano. Beim Anfahren dauert es jedoch immer einen Moment, bis der Turbomotor auf Touren kommt. Gut, damit lässt sich leben. Aber eine Automatik bietet Mazda gar nicht an. Leider – denn sie wäre eine wichtige Option für dieses Modell, das auch noch einige Zeit ohne Diesel auskommen muss. Lob verdient hingegen die Lenkung – sie hält den CX-7 sauber auf Kurs und sorgt für ein handliches Gefühl beim Einlenken. Im Cockpit blickt der Fahrer auf viel uncharmanten Hartkunststoff, dafür sind Schalter und Tasten ordentlich erreichbar. Die Sitze sind bequem und bieten ausreichend Seitenhalt. Gut so – denn in der Fahrdynamik-Wertung liegt der CX-7 näher am deutschen X3 als am heimischen Konkurrenten von Nissan.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan

Jörg Maltzan
Warum SUV? "Hohe Sitze und Beschützergefühl", erfährt Redakteur Maltzan vom Fotomodell.
Bild: Holger Schaper
Es geht um Mode, Stil und Geschmack. Crossover wollen schicke Autos für alle Lebenslagen sein. Gelände? Na klar! Aber meistens nur beim Stammtisch-Schnack. Viel öfter als in der Kiesgrube sieht man X3 & Co in den Parkhäusern der Großstädte. Diese Autos sind wie teure Markenhandtaschen. Sie sprechen bevorzugt Frauen an. Man kann sie herzeigen. Und da passt ordentlich was rein. Der noch neue Mazda CX-7 ist eine Bereicherung für das Segment. Optisch und inhaltlich kann er gut mit den weit teureren Konkurrenten mithalten. Er ist eine interessante Alternative zum Trendartikel X3. Der "Muss-man-haben-BMW" kommt in die Jahre. Stimmig und souverän mischt auch der Freelander mit. Ein Geheimtipp: Übersichtlichkeit, hoher Alltagsnutzen und sein anglophiles Image passen besser zu dieser Wagengattung als das Streben nach Sportlichkeit. Der Nissan ist ein unentschlossener Grenzgänger und hat seine beste Zeit hinter sich. Wenn er je eine hatte.  
Wie BMW X3, Land Rover Freelander und Nissan Murano abgeschnitten haben, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den gesamten Text mit ausführlichen Tabellen können Sie sich hier bequem als PDF herunterladen.