Formel 1: Umfrage

Nico Hülkenberg Kimi Räikkönen Michael Schumacher

Formel 1: Umfrage

— 29.06.2012

Wer ist der beste Fahrer?

Welche Formel 1-Pilot hat 2012 das größte Potenzial? AUTO BILD MOTORSPORT und SPORT BILD befragten Experten beim GP in Valencia. Die sehen Sebastian Vettel und Fernando Alonso vorn.

Die beiden Doppelweltmeister Sebastian Vettel (24) und Fernando Alonso (30) sind die besten Fahrer der aktuellen Formel 1-Saison. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die AUTO BILD MOTORSPORT (ABMS) zusammen mit unserem Schwestermagazin SPORT BILD im Fahrerlager von Valencia durchgeführt haben. Während SPORT BILD dabei stärker auf die Expertenkommentare von Sportjournalisten baut, konzentrieren wir uns auf die Urteile von aktuellen und ehemaligen Fahrern und Teamchefs. Das Ergebnis ist trotzdem fast dasselbe. Bei SPORT BILD gewinnt Alonso mit einem Punkt vor Vettel. Bei uns haben sowohl der Ferrari-Star als auch der Red-Bull-Pilot mit 45 Punkten gleich viele Stimmen erhalten. "Fernando ist einfach der vollkommene Fahrer", urteilt Ex-Pilot Adrian Sutil gegenüber ABMS. "Egal, ob das Auto mal schlecht ist: Er holt immer das Maximale raus und dreht selbst dann nicht durch, wenn es mal nicht so läuft." Er sei erfahrener und habe trotzdem noch den gleichen Biss wie Vettel.

Adrian Sutil: "Besonders beeindruckend finde ich seine kontinuierlich starke Motivation, die ihn nun schon seit Jahren an der Spitze der Formel 1 mitfahren lässt." Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost hebt Vettel leicht über den Spanier. "Alonso ist im Gesamtpaket sicher einer der besten Fahrer", sagt er. "Aber Vettel ist für mich eine Nuance vor ihm, weil er in jüngeren Jahren schon auf dem gleichen Niveau ist wie der erfahrene Alonso." BBC-Experte Eddie Jordan glaubt: "Beide sind für mich echte Champions, können den Job mit dem gleichen Resultat erledigen. Die meisten würden wahrscheinlich sagen, Alonso ist die Nummer eins, weil er aus dem schlechten Ferrari vom Saisonbeginn so viel mehr rausgeholt hat als Massa. Als Teamchef würde ich allerdings Vettel einstellen. Weil er seinen Job im Team mit der größten Harmonie und Leichtigkeit erledigt."

Die einzelnen Bewertungen im Überblick

Franz Tost, Teamchef Toro Rosso: "Vettel ist der Beste. Aufgrund seiner beiden Titel, seiner Jugend, seiner Cleverness, seiner Übersicht, seiner Zielstrebigkeit und seiner Professionalität. Alonso ist im Gesamtpaket sicher einer der besten Fahrer, aber Vettel ist für mich eine Nuance vor ihm, weil er in jüngeren Jahren schon auf dem gleichen Niveau ist wie der erfahrene Alonso. Hamilton dagegen hat nicht dieselbe Disziplin wie Vettel und Alonso. Von den fahrerischen Fähigkeiten ist er aber auf derselben Stufe."

Christian Danner (RTL-Experte) hält Fernando Alonso für den derzeit besten Fahrer.

Christian Danner, Ex-Fahrer, RTL-Experte: "Meine Nummer eins ist Alonso. Weil Fernando aus einem technisch katastrophalen Saisonbeginn zwei Siege und viele Punkte mit nach Hause genommen und nie die Geduld verloren hat. Er ist immer am Ball ist und immer superschnell. Der jammert nie rum, kneift die Arschbacken zusammen und erledigt seinen Job. Höchstprofessionell. Vettel hat sich zu Saisonbeginn schwer getan, sich dann aber gefangen. Jetzt hat er Webber und sein Auto wieder im Griff. Trotzdem ist Webber meine Nummer drei. Der Grund: Red Bull hat kein Überauto mehr und anfangs hat sich Webber damit leichter getan als Vettel. Hinter den dreien sehe ich Romain Grosjean. Er ist de facto ein Neuling. Und wenn ein Neuling sich mit so einer Abgebrühtheit gegen einen Kimi Räikkönen durchsetzt, ist das schon eine Offenbarung."

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Eddie Jordan, ehemaliger Teamchef, BBC-Experte: "Vettel, Alonso und Hamilton sind für mich alle drei echte Champions, können den Job mit dem gleichen Ergebnis erledigen. Die meisten würden wahrscheinlich sagen, Alonso ist die Nummer eins. Allein deshalb weil er aus dem schlechten Ferrari vom Saisonbeginn so viel mehr rausgeholt hat als Massa. Wenn ich immer noch Teamchef wäre, würde ich allerdings Vettel einstellen. In Perez und Grosjean sehe ich die beiden Nachwuchsfahrer, die das größte Entwicklungspotential haben." Marc Surer, Ex-Rennfahrer, Sky-Experte: "Alonso ist vorn, weil er es schafft immer das Maximum aus dem Auto rauszuholen. Vettel auf Platz zwei ist extrem gereift, hat aber immer noch Einbrüche, die größer sind, als es nötig wäre. Grundsätzlich ist er aber nahe dran, Nummer eins zu werden. Meine Nummer drei, Lewis Hamilton, ist der schnellste Mann der Formel 1, der sich nach der Krise im letzten Jahr wieder gefestigt hat und erstaunlich überlegt fährt. Sein Teamkollege Jenson Button ist zwar ein Sensibelchen ist, was die Reifen angeht. Umgekehrt ist genau das seine Stärke, mit der er schon einige Rennen gewonnen hat. Nico Rosberg sehe ich auf Platz fünf. Der ist konstant immer schnell und steht in der Öffentlichkeit völlig unbegründet immer noch im Schatten von Michael Schumacher. Bei den Teams wird er viel höher eingeschätzt als in der Öffentlichkeit. Nach seinem Sieg ist er endgültig vorne angekommen. Er weiß, wenn das Auto passt, kann auch er siegen.

Interview: Vettel und Alonso in einem Team?

Bernie Ecclestone, Formel 1-Vermarkter: "Vettel ist der Beste. Er hat den absoluten Siegeswillen und einfach mehr Talent als alle anderen. Alonso hat zusammen mit Ferrari das Auto wieder siegfähig gemacht. Auch das ist die Aufgabe eines Weltklassepiloten. Hamilton und Räikkönen haben den absoluten Speed. Aber auch Nico Hülkenberg. Er hat mich schon damals beeindruckt, als er unter schwierigen Bedingungen in Brasilien 2010 die Pole Position herausgefahren hat. Jetzt finde ich klasse, wie er nach einem Jahr Pause das Ausnahmetalent Paul di Resta herausfordert."

Kamui Kobayashi (Sauber) sieht Alonso, Hamilton und Vettel gleichauf.

Kamui Kobayashi, Formel 1-Fahrer bei Sauber: "Fernando, Lewis, Sebastian sind für mich alle die Nummer eins. Da kann und will ich keine Unterschiede machen. Alle drei können mit dem richtigen Auto siegen und Weltmeister werden. Mit etwas Abstand dahinter sehe ich Nico Rosberg. Danach Michael Schumacher. Der hatte in dieser Saison einfach viel Pech, ist aber immer noch schnell."

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Alexander Wurz, Ex-Formel-1-Fahrer und ORF-Experte: "Meine Nummer eins ist Alonso: Über alle Jahre hinweg – egal bei welchen Reifenhersteller, in welchem Auto, auf welcher Strecke – er ist immer tonangebend, Teamleader und macht wenig Fehler. Unterm Strich ist er  der effizienteste Fahrer seit Jahren. Nummer zwei: Vettel. Von der unmenschlichen Überform des Vorjahres hat er dieses Jahr etwas verloren. Nur deshalb ist er nicht meine Nummer eins. Die Erwartungshaltung, die er in mir durch die sensationelle Harmonie zwischen ihm und dem Auto im letzten Jahr geschaffen hat, konnte er nicht ganz erfüllen. Man hat gesehen, dass er auch nur ein Mensch ist und mentale Schwächen hat. Aber man hat auch gesehen, dass er sich davon erholen kann. Deshalb ist er meine absolute Nummer zwei, nah dran an Alonso. Nummer drei: Lewis Hamilton. Der hat eine enorme Fahrzeugbeherrschung, fährt immer total instinktiv. Aber er hat immer dazu geneigt, das Auto zu überfahren. Das ist lange gut gegangen, hat aber mit Pirelli in den letzten beiden Jahren nicht mehr funktioniert. Aber: Über den Winter hat er seinen Fahrstil angepasst und an sich gearbeitet. Früher fuhr er sehr brutal und intuitiv, heute mehr mit Köpfchen. Das kommt gut rüber. Man merkt sofort, dass im Team sein Standing wieder wächst. Nummer 4: Rosberg. Nico ist supergut im Qualifying. Er holt in jedem Auto immer fast das Maximum – und das relativ konstant. Aber: Im Rennen fehlt ihm etwas. Es wirkt so, als hätte er Angst Fehler zu machen und geht deshalb vorsichtiger zu Werke. Nummer 5: Schumacher: Michael hat’s nicht verlernt und weiß genau, wie man diese Autos bewegt. Der haut sie teilweise quer in die Kurven, was sensationell ist. Da sieht man, warum er früher so dominant war. Aber: Früher hat er seinen Fahrstil an sein Auto angepasst. Im Moment will er dem Auto seinen Stil aufzwingen. In seiner ersten Karriere hätte er Fahrstilumstellungen eher akzeptiert. Da ist noch seine Schwachstelle."

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Jacques Laffite, Ex-Formel-1-Pilot, französischer TV-Experte: "Meine Nummer eins ist Vettel: Er hat viel Charisma und ist schnell. Heute Weltmeister zu sein ist schwieriger als früher, weil das Feld so viel enger ist. Dahinter kommt gleich Rosberg. Der ist intelligent, schnell und schneller als sein starker Teamkollege. Alonso ist Dritter. Er hat ein sch... Auto und kämpft trotzdem um die WM. Danach setze ich schon auf Romain Grosjean. Er ist sauschnell und langsam erkennt das Team auch, dass sie in ihm einen Siegfahrer haben. Meine Nummer fünf ist Hamilton. Er hat einfach nur dicke Eier und ist in jedem Auto schnell." Adrian Sutil, Ex-Formel-1-Pilot, Sky-Experte: "Alonso ist für mich der vollkommene Fahrer, allen überlegen. Egal, ob das Auto mal schlecht ist: Er holt immer das Maximale raus und dreht nie durch. Er ist auf eine Runde extrem schnell, extrem konstant, hat im Rennen die absolute Übersicht und kann ein Team führen. Beeindruckend ist für mich auch die kontinuierliche Motivation, die er nun schon seit so vielen Jahren zeigt. Vettel ist fast genauso stark und auch er kriegt es hin, wenn das Auto mal nicht so passt. Er ist nah dran an Alonso, der aber ist erfahrener und hat genau den gleichen Biss."
Alonso Vettel Hamilton Rosberg Button Grosjean Webber Perez Schumacher Räikkönen Hülkenberg
Franz Tost, Teamchef Torro Rosso 4 5 3 2 1
Christian Danner, RTL-Experte 5 4 1 2 3
Eddie Jordan, BBC-Experte 4 5 4 2 2
Marc Surer, Sky-Experte 5 4 3 1 2
Bernie Ecclestone, F1-Promoter 4 5 3 2 1
Bianca Garloff, ABMS-Redakteurin 5 4 3 2 1
Kamui Kobayashi, Fahrer bei Sauber 5 5 5 2 1
Alex Wurz, Williams-Berater 5 4 3 2 1
Jacques Laffite, Ex-Pilot 3 5 1 4 2
Adrian Sutil, Ex-Pilot 5 4 3 1 2
GESAMT 45 45 29 14 6 6 3 2 2 2 1
*Der Beste kriegt 5 Punkte, der 5. noch einen. Sah ein Experte zwei Fahrer gleich stark, bekamen beide die Punktzahl für ihren Platz. Dahinter wurde abgestuft. Elf Fahrer wurden genannt.

Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff

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