Rolls-Royce Phantom (2018): Fahrbericht

Rolls-Royce Phantom (2018): Fahrbericht

Rolls-Royce Phantom (2017): Vorstellung

— 06.10.2017

Luxus ist ein Phantom

Mit dem neuen Phantom will Rolls-Royce "das beste Auto der Welt" bauen. Die Zutaten: V12-Biturbo, Schlafsitze, Kunstwerke und mehr. AUTO BILD hat alle Infos. Plus: Fahrbericht!

Vorstellung: Der Phantom soll "das beste Auto der Welt" sein
Interieur hinten: Platz nehmen wie ein König
Interieur vorne: Edle Brücke für ein 5,99-Meter-Schiff
Fahren: 571 PS machen 2,6 Tonnen zum Spielball (Update!)
Mitfahren: Im Phantom leise dem Alltag entrücken (Update!)
Ausstattung: Die Luxuslimousine soll noch komfortabler sein
Connectivity: Hightech dezent verpackt
Motor: V12-Biturbo mit 900 Nm im Phantom

Vorstellung: Der Phantom soll "das beste Auto der Welt" sein

Rolls-Royce will das nach eigenen Angaben "beste Auto der Welt" bauen! Die achte Generation der Luxuslimousine Phantom soll den klassischen Rolls-Royce-Look mit modernem Design und fortschrittlicher Technik kombinieren. Optisch ist der neue Phantom für Laien allerdings erst auf den zweiten Blick erkennbar. An der Front sind die Unterschiede im direkten Vergleich am markantesten: Der Kühlergrill ist höher als bisher und erstmals in die Fahrzeugfront eingelassen. Die Scheinwerfer haben eine neue Leuchtgrafik und sind vom Tagfahrlicht umrahmt. Vom Kühlergrill verlaufen zwei Chromleisten entlang der Motorhaube bis zum Scheibenrahmen. In der Seitenansicht sind die Änderungen weniger auffällig: Rolls-Royce-typisch ist ein kurzer Überhang an der Front und ein langer Überhang am Heck. Interessantes Detail: Der Rahmen der Seitenfenster ist laut Rolls-Royce das größte Teil aus handpoliertem Edelstahl, das aktuell in irgendeinem Auto verbaut wird. Den Phantom gibt es auch weiterhin in zwei Varianten. Die extralange EWB-Version (Extended Wheelbase) ist an einer Edelstahlleiste über dem Seitenschweller und am längeren Radstand erkennbar. Die gegenläufig öffnenden Türen sind ein echtes Markenzeichen der britischen Luxuslimousine und bleiben auch der achten Generation erhalten.

Die neue Plattform ist für alle Modelle einsetzbar

Den Phantom EWB mit langem Radstand erkennt man auch an der Edelstahlleiste oberhalb des Schwellers.

Der neue Phantom ist das erste Modell auf der neuen Basis. Die sogenannte "Architecture of Luxury" ist ein Alu-Spaceframe und soll die Basis für alle zukünftigen Rolls-Royce-Modelle sein. Dazu kann die Plattform an unterschiedliche Motor- und Antriebskonzepte angepasst werden, Stichwort Cullinan. Im Vergleich zum direkten Vorgänger verspricht Rolls-Royce ein geringeres Gewicht und eine 30 Prozent verwindungssteifere Karosserie gegenüber dem Vorgänger. Wie viel Gewicht eingespart wurde, verraten die Briten noch nicht. Das selbst ernannte "beste Auto der Welt" soll natürlich auch das leiseste Auto der Welt sein. Dazu hat Rolls-Royce alleine 130 Kilo Schalldämmung verbaut. Übrigens ist der mit Unterbrechungen seit 1925 genutzte Name Phantom die am längsten genutzte Modellbezeichnung in der Automobil-Industrie. Zum Preis oder Marktstart macht Rolls-Royce noch keine Angaben. Anfang 2018 könnte die Luxuslimousine bei den Händlern stehen. Der Preis wird bei über 400.000 Euro liegen.

Interieur hinten: Platz nehmen wie ein König

Reisen wie Elizabeth: Der Phantom ist vor allem eins: bequem! Beinfreiheit bekommt hier eine völlig neue Bedeutung.

Allein der Einstieg in den Phantom ist aufregend. Die "Coach-Doors" öffnen sich weit, der Einstieg gelingt dadurch mühelos. Erst mal Platz genommen, möchte man nicht mehr aufstehen. Die Türen schließen per Knopfdruck elektrisch. Die Sitze sind sehr bequem und lassen sich in eine sehr horizontale Lage bringen. Wohlgemerkt: In unserem Testwagen waren noch nicht mal die optionalen Schlafsitze eingebaut. Die bei den "Individual-Sitzen" fest verbaute Mittelkonsole beinhaltet einen Kühlschrank mit zwei Champagner-Gläsern und ein Fach für Spirituosen nach Wahl – zwei Tumbler-Gläser inklusive. Die Getränkehalter sind doppelt ausgeführt: erste Ebene Champagnerglas-Halter, zweite Ebene normaler Getränkehalter. Über dem Kopf funkelt auf Wunsch ein dimmbarer Sternenhimmel mit 1344 Leuchteinheiten. Für Privatsphäre sorgen die elektrischen Vorhänge in den Türen und in der Heckscheibe. In den Vordersitzen sind Displays eingebaut, die sich per Knopfdruck zeigen. Dabei wird die Verkleidung zum Ausklapp-Tischchen. Gesteuert wird das Ganze bequem über den "Spirit of Ecstasy Rotary Controller" in der Mittelkonsole. Die Verarbeitung ist erstklassig. Wo das Auge hinfällt, finden sich feines Leder und edle Hölzer. Im Innenraum stecken bis zu 13 Lederhäute. Sind die Türen geschlossen, ist von der Umgebung kaum was zu hören, denn 130 Kilo zusätzliches Dämmmaterial schotten die Insassen hörbar von der Außenwelt ab. Regnet es beim Verlassen des Phantom, kommt ein Rolls-Royce-typisches Accessoire zum Einsatz: Der in der Tür versenkte Regenschirm schießt per Knopfdruck aus der Tür. Einmal verloren, kostet der Ersatz rund 900 Euro.

Interieur vorne: Edle Brücke für ein 5,99-Meter-Schiff

Der Lenkrad liegt trotz seiner Größe gut in der Hand. Nebenbei kann der Fahrer auf ein im Armaturenbrett eingelassenes Kunstwerk blicken.

Der Phantom soll nicht nur dem Passagier, sondern auch dem Chauffeur Spaß machen. Der Luxus aus dem Fond ist auch auf den vorderen Sitzen zu spüren: Hier findet sich dasselbe Leder wie hinten. Kontrolle behält der Fahrer mit einem für einen Pkw sehr großen Lenkrad. Es steht sehr aufrecht und ist dank des feinen Leders ein Handschmeichler. Die großen, dreigeteilten Armaturen sind auf LCD-Monitoren dargestellt, die Technik hierzu stammt aus dem BMW 7er – die Grafik wurde aber Rolls-Royce-konform überarbeitet. Die Bedienung des Infotainments ist ähnlich wie im Fond, auch hier findet sich ein auf Rolls-Royce zugeschnittener iDrive-Controller. Etwas schade: Der Drehknopf für die Lautstärkenregelung erinnert vom Einrastverhalten an BMW. Fahrer- und Beifahrertür lassen sich auch per Knopfdruck schließen. Das Sitzgefühl ist erhaben, die Sitze lassen sich stufenlos verstellen. Auch der Fahrer hat Kontrolle über den Dachhimmel, er kann die Sterne funkeln lassen oder abschalten. Getränkehalter und Ablagefächer sind verborgen und lassen sich per Druck auf das jeweilige Fach öffnen. Das von Rolls-Royce "The Gallery" getaufte Armaturenbrett-Design zeigt ein Kunstwerk hinter einer Glasscheibe – welcher Künstler und welches Motiv, das entscheidet der Käufer.

Fahren: 571 PS machen 2,6 Tonnen zum Spielball

Einen Rolls-Royce Phantom zu bewegen, ist ein spezielles Erlebnis. Schließlich ist das Flaggschiff des britischen Luxusherstellers seit 92 Jahren der Inbegriff des Luxusautos. Was sofort auffällt: Es gibt keine Fahrprogramme. "Das Auto muss alles perfekt können", sagen die Briten. Das Lenkrad hat einen dünnen Kranz, anstelle eines Drehzahlmessers gibt es traditionell eine Kraftreserveanzeige, und ein 6,75 Liter großes V12-Monster wuchtet am anderen Ende des Gaspedals 571 PS sowie brachiale 900 Newtonmeter auf die Hinterräder. So werden selbst rund 2,6 Tonnen zu einem leichten Spielball des mächtigen Biturbo-Triebwerks. Dabei geht es nicht nur geradeaus geschmeidig voran, dank Hinterachslenkung tänzelt der 5,76 Meter lange Rolls-Royce fast schon behände um die Ecken. Doch in einem Phantom fährt man nicht, sondern man wird gefahren. Wer sich einen Phantom leisten kann, hat in der Regel auch einen Chauffeur, der im Alltag die Lenkarbeit verrichtet. Dass der Steuermann auf ein BMW-Navigationssystem mit dem dazugehörigen Bediensystem blickt, stört nur am Rande. Immerhin lässt sich der Drehknopf mit einem Klappmechanismus in der Mittelkonsole verstauen.

Mitfahren: Im Phantom leise dem Alltag entrücken

Also Platzwechsel nach hinten rechts. Erst schließt sich die gegenläufige Tür des neuen Luxusliners. Massiv und natürlich elektrisch auf Knopfdruck. Und dann ist da: fast nichts! Kein V12-Grummeln stört die Sinne der Passagiere, keine lauten Abrollgeräusche der 22-Zoll-Reifen, und auch der Wind hält sich vornehm zurück. Selbst bei 140 Km/h. Unglaublich, wie leise das neue Luxus-Flaggschiff von BMWs Luxustochter dahingleitet. Innen ist man von der Außenwelt entrückt. Die mächtigen Wangen des Massagesitzes hinten rechts umschließen den Passagier wie ein perfekter Kokon. Der Kopf ruht in einer anschmiegsamen Stütze, gegen die sich Daunenkissen wie ein hartes Holzbrett anfühlt. Die Beine liegen gemütlich auf einer Auflage, der Schampus perlt in den Gläsern, die in der Mittelkonsole stecken und auf den Zwölfzoll-Monitoren des Infotainmentsystems, das Teil der elektrisch ausfahrbaren Picknicktische ist, duellieren sich gerade James Bond und Auric Goldfinger. Im neuen Phantom schwebt man förmlich über den Asphalt, mächtige Luftfedern, die sich in Kombination mit einer Kamera frühzeitig auf Bodenunebenheiten einstellen, bügeln alle Hindernisse locker weg.

Ausstattung: Die Luxuslimousine soll noch komfortabler sein

Die speziell entwickelten Seal-Reifen haben eine extra Schaumstoffschicht im Hohlraum. Das soll die Abrollgeräusche verringern.

Alle Serien- und Sonderausstattungen des neuen Phantom aufzulisten, sprengt jeden Rahmen, deshalb beschränkt sich AUTO BILD auf die Ausstattungs-Highlights. Für die achte Generation des Phantom haben die Ingenieure ein völlig neues Komfortfahrwerk mit Luftfederung entwickelt. Bei den Aufhängungen handelt es sich um eine Doppelquerlenker-Vorderachse und eine Fünflenker-Hinterachse. All diese Neuerungen sollen für ein noch komfortableres Fahrgefühl sorgen, verspricht Rolls-Royce. Zusätzlich scannt das sogenannte "Magic Carpet Ride" die Straße bis 100 km/h und passt das Fahrwerk blitzschnell an die Fahrbahn-Beschaffenheit an. Dieses System kennen wir bereits von Mercedes (Magic Body Control).

"Coach Doors" öffnen automatisch

Für zusätzliche Sicherheit sorgt das neue Laserlicht, das bis zu 600 Meter weit strahlen soll. Für einen stilsicherem Auftritt hat Rolls-Royce seine gegenläufig öffnenden "Coach Doors" um eine automatische Schließfunktion erweitert. Dazu muss einfach nur ein Sensor berührt werden, und die Türen schließen von alleine. Diese Funktion gibt es aktuell bereits in den zweitürigen Derivaten Wraith und Dawn. Im Phantom gibt es diese Funktion allerdings für alle vier Türen. Weitere Highlights des neuen Phantom: 22-Zoll-Felgen mit Seal-Funktion, ein extragroßer Sternenhimmel und die sogenannte Rolls-Royce Gallery. Hierbei bieten die Briten ihren Kunden im Armaturenbrett Platz für ein individuelles Kunstwerk, beispielsweise ein Ölgemälde, eine Porzellanrose oder eine Skulptur aus Seide.

Connectivity: Hightech dezent verpackt

Wie es sich für eine Luxuslimousine für Superreiche gehört, hat der neue Phantom jede Menge Hightech an Bord. Die dezente Integration dieser Systeme ist für viele Kunden allerdings genauso wichtig. Daher lässt sich das 12,3-Zoll-Display hinter einer Abdeckung verstecken, und die Bildschirme für die hinteren Passagiere fahren bei Nichtbenutzung in die Rücklehnen der Vordersitze. Auch ein WLAN-Hotspot und jede Menge Assistenzsysteme sind beim Phantom an Bord. Für die achte Generation stehen der Aufmerksamkeits-, ein Nachtsicht- und der Spurassistent in der Preisliste.

Motor: V12-Biturbo mit 900 Nm im Phantom

Der 6,75-Liter-V12 ist eine komplette Neuentwicklung und schafft ein maximales Drehmoment von 900 Nm.

Das Flaggschiff der Briten wird standesgemäß von einem Zwölfzylinder angetrieben. Der 6,75-Liter-Motor ist allerdings eine Neuentwicklung. Denn statt des V12-Saugers arbeitet im neuen Phantom ein 6,75 Liter großer V12-Biturbo. Die Leistung steigt von 460 PS und 720 Nm auf 571 PS und 900 Nm. Das maximale Drehmoment liegt schon bei niedrigen 1700 Umdrehungen an. Gekoppelt ist der mächtige Motor immer an eine Achtgangautomatik von ZF. Wer jetzt denkt, dass Wraith und Dawn mit 632 PS stärker motorisiert sind als das neue Topmodell, der hat nur bedingt recht: Coupé und Cabrio leisten zwar 61 PS mehr, haben aber gleichzeitig 30 Nm weniger maximales Drehmoment.

Rolls-Royce Phantom (2018): Fahrbericht

Autoren: Jan Götze, Andreas Huber, Wolfgang Gomoll

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