Lohnt es sich, ein Auto mit Gasantrieb zu kaufen?
Wer Gas tankt, zahlt aktuell kaum den halben Preis!

Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
- Autogas im Preis niedrig und an vielen Tankstellen
- Dacia Duster mit LPG-Antrieb besonders günstig
- Kaum noch Neuwagen mit Autogas
- Wie umweltfreundlich ist der Kraftstoff CNG?
- Warum lohnt sich Umrüstung auf CNG nicht?
- Wie viele Gebrauchtwagen mit Gasantrieb gibt es?
- Wie groß ist das Tankstellennetz für Gas-Autos?
- Welche der Gas-Sorten ist am Ende günstiger?
- Ist jedes Auto auf Autogas umrüstbar?
- Wie funktioniert die LPG-Umrüstung?
- Was kostet der nachträgliche Umbau?
- Wie lange hält der Gas-Tank?
- Was ist mit der Explosionsgefahr bei Gasantrieb?
- Wann lohnt sich der Gasbetrieb beim Fahren?
- Welche Unterschiede bringt das Fahren mit Gas?
Totgesagte leben länger: LPG und CNG, den zwei billigen Alternativ-Kraftstoffen für Verbrenner, wurde schon mehrfach das Ende prophezeit. Doch noch sind Erdgas (CNG) und Autogas (LPG) an vielen Tankstellen vorrätig. Allerdings gibt es seit kurzer Zeit keinen Neuwagen mehr mit CNG-Antrieb – und auch nur noch eine Handvoll mit LPG-Antrieb. Lohnt es sich also, ein Auto zu kaufen, das mit CNG oder LPG fährt?
Lohnt es sich, ein Auto mit Erdgasantrieb zu kaufen?
Die Nachricht kam im Sommer 2023: Der VW-Konzern stellte sämtliche Modelle mit CNG-Antrieb ein. Auch Ford und Fiat bieten inzwischen keine Neuwagen mit Erdgasmotor mehr an. Die Umrüstung eines benzingetriebenen Autos auf Erdgas ist zwar prinzipiell möglich, aber sehr teuer und damit praktisch unwirtschaftlich. Das bedeutet mittelfristig das Todesurteil für den an sich umweltfreundlichen Energieträger.
Denn auch auf dem Gebrauchtmarkt herrscht gähnende Leere: Rund 3600 Exemplare mit CNG-Antrieb werden derzeit im AUTO BILD-Gebrauchtwagenmarkt angeboten. Und der Bestand ist ebenfalls winzig: Zum Jahreswechsel zählte das KBA insgesamt 77.421 zugelassene Erdgasautos – zehn Jahre zuvor waren es knapp 100.000.

Erdgas wird in Kilogramm verkauft – ein Kilo CNG hat eine erheblich höhere Energiedichte als ein Liter Benzin.
Bild: führerscheintest-online.de
Der dritte Grund, der gegen CNG spricht: Die steuerliche Bevorzugung von Erdgas als Autokraftstoff endet 2026, dann wird CNG so wie Super E10 besteuert. Aktuell kostet Erdgas an der Tanke ab 1,14 Euro pro Kilogramm. Es gibt Erdgas-Zapfsäulen noch an knapp 800 Tankstellen in Deutschland und etwa 4000 in ganz Europa. Da der Bestand an Erdgasautos stetig sinken wird, ist auch von einer unaufhaltsamen Schrumpfung des Versorgungsnetzes auszugehen. Daher kann vom Kauf eines Erdgasautos leider nur abgeraten werden.
So wenig LPG-Autos wurden 2023 neu zugelassen
Auch für Autogas (LPG) wird die Luft dünner: Es gibt nur noch wenige Automodelle als Neuwagen, die werksseitig auf Betrieb mit Autogas (LPG) vorbereitet sind. In der Folge sind auch die Verkaufszahlen mickrig: Im Jahr 2023 wurden knapp 13.500 Fahrzeuge mit LPG-Antrieb in Deutschland neu zugelassen.
Anders sieht es bei Gebrauchtwagen mit Autogasantrieb aus: Hier werden aktuell immerhin fast 10.000 Gebrauchtwagen angeboten. Und auch die Umrüstung eines neuen Pkw auf LPG-Antrieb ist in spezialisierten Werkstätten eine Routineaufgabe. Diese Arbeit kostet inklusive Material zwischen 2000 und 4000 Euro (je nach Zylinderzahl des Motors) – eine Umrüstung auf LPG muss also über die Jahre "abgefahren" werden. Wer nur sehr wenig fährt, für den lohnt sich die Umrüstung folglich kaum.
Ein Aspekt macht Autogas interessant: Der Kraftstoffpreis ist nach wie vor niedrig und relativ stabil. So kostet LPG, das verflüssigte Butan- oder Propangas (Liquefied Petroleum Gas) pro Liter vielerorts weniger als 90 Cent pro Kilogramm – beinahe die Hälfte von Super E10. Bemerkenswert ist auch, dass sich der Preis in den vergangenen Jahren kaum geändert hat.
Auch die Versorgung ist vorläufig gut: Bei derzeit 313.000 zugelassenen Pkw mit Autogas in Deutschland ist die Nachfrage hoch genug, dass derzeit rund 7000 Tankstellen den Kraftstoff anbieten. In Europa sind es mehr als 30.000 Stationen. Damit ist eine flächendeckende Infrastruktur vorhanden. Überdies sind LPG-Fahrzeuge fast immer bivalent ausgelegt, können also im Notfall auch mit Superbenzin betrieben werden. LPG scheint also eine sichere Bank angesichts stetig steigender Spritpreise.
Wer demnächst zum Tanken fährt, sollte einen Seitenblick auf die Preisschilder von LPG riskieren. Ein Literpreis von teilweise unter 0,90 Euro macht zweifellos Appetit. Vor allem für Pendler, die lange Strecken bewältigen müssen, und Liebhaber PS-starker Youngtimer, z.B. US-Cars, klingt LPG-Antrieb daher verführerisch. Doch natürlich kommen noch weitere Kosten auf Autofahrer zu, daher sollte ein Umstieg gut überdacht werden.
Flüssiggas-Antrieb ist in Deutschland nie so richtig in Fahrt gekommen. Warum? Das hat verschiedene Gründe. Der wichtigste ist die Anfangsinvestition: So kosteten LPG-Versionen zumeist mehrere tausend Euro mehr als die Benziner. Der Kleinwagen Renault Clio mit Autogas-Antrieb ist zum Beispiel 1800 Euro teurer als der günstigste Clio mit Benzinmotor. Und der Dacia-Kleinwagen Sandero Eco-G 100 mit LPG-Antrieb ist 1750 Euro teurer als sein Benzin-Pendant SCe 65.
Bemerkenswert allerdings ist die Preispolitik von Dacia beim Kompakt-SUV Duster und dem Van Jogger: Der Duster ist als LPG-Modell 3200 Euro billiger als der günstigste Benziner (der allerdings eine bessere Ausstattung hat). Der Jogger ist mit LPG-Antrieb immerhin 400 Euro günstiger. Wer viel fährt, für den sind diese beiden Angebote von Dacia schon ein starker Kaufanreiz.
Autogas oder auch LPG (Liquified Petroleum Gas) ist ein Gemisch aus Propan und Butan – einem Nebenprodukt aus der Raffinerie –, das bei einem Druck von sechs bis acht Bar flüssig in relativ kleinen Tanks gespeichert wird. Es gibt nur eine Handvoll Neuwagen, die auf LPG-Antrieb umgerüstet sind. Dabei handelt es sich um den Renault-Kleinwagen Clio sowie die drei Dacia-Modelle Sandero (Kleinwagen), das Kompakt-SUV Duster und den Kombivan Jogger.

LPG ist ein Nebenprodukt der Erdöl-Verarbeitung und wird seit 2023 nicht mehr steuerlich bevorzugt. Dennoch blieb sein Preis günstig.
Bild: führerscheintest-online.de
Allerdings bieten viele spezialisierte Autowerkstätten die Nachrüstung auf LPG-Antrieb am. Je nach Zylinderzahl und Qualität der Anlage kostet eine solche Umrüstung zwischen 2000 und 4000 Euro. Die Gasanlage muss außerdem alle 20.000 Kilometern gewartet werden, das kostet bis zu 150 Euro. Früher mussten die Zusatztanks für Autogas nach zehn Jahren ersetzt werden, das ist nun nicht mehr zwingend so. Da LPG-Tanks zumeist in der Reserveradmulde eingebaut sind, ist die Rostgefahr gering.
Erdgas oder CNG (Compressed Natural Gas) zählt zu den fossilen Brennstoffen. Allerdings kann hier ein gewisser Teil Biogas oder synthetisch hergestelltes Gas beigemischt sein. Es gibt aktuell sogar 700 Tankstellen in Deutschland, die garantiert 100 Prozent Biogas anbieten – das sind nach Angaben vom "CNG-Club Deutschland" rund 96 Prozent aller CNG-Tankstellen. Folglich tanken Sie an der überwiegenden Zahl der Erdgastankstellen klimaneutral!

Da Gas flüchtig ist, muss es unter hohem Druck verwahrt werden. Gas einfüllen ist aber an der Tankstelle so einfach wie Sprit tanken.
Bild: Hans-Joachim Mau / AUTO BILD
Allerdings muss CNG unter sehr hohem Druck (rund 200 Bar) gasförmig gespeichert werden. Deshalb sind die Tanks stabiler und größer als diejenigen für LPG. Erdgas-Druckbehälter müssen ab Baujahr 2006 nach jeweils 15 Betriebsjahren ausgebaut und getauscht werden. Gebrauchtwagenkäufer sollten gründlich prüfen, wann dieser Wechsel fällig ist, da er bis zu 5000 Euro kosten kann!
Leider gibt es keine Neuwagen mit CNG-Vorbereitung mehr: Als letzter hat im vergangenen Jahr der VW-Konzern aufgegeben, solche Fahrzeuge anzubieten. Daher gibt es weder von Audi, Seat, Skoda oder Volkswagen noch Modelle mit Autogasantrieb.
Einen Gebrauchtwagen nachträglich auf Erdgasantrieb umzurüsten, ist zumeist unwirtschaftlich. Die Kosten liegen bei mindestens 5000 Euro. Überdies ist die Haltbarkeit des Motors reduziert, da Erdgas wesentlich heißer verbrennt als Benzin. Bei werksseitig umgerüsteten Autos sind Kolben und Zylinderbahn daher gehärtet. Im Nachhinein müsste dafür der Motor zerlegt und behandelt werden, was sehr hohe Kosten verursacht und de facto nicht passiert.

Bild: AUTO BILD - Bader
Ein weiteres Hindernis sind die Erdgas-Tanks: Sie sind aufgrund der Druckstufe sehr großräumig und werden bei werksseitig angebotenen Erdgasfahrzeugen unterflur montiert. Das ist nachträglich ohne umfangreiche Zerlegung bzw. Umbauten kaum möglich, sodass zumeist nur der Kofferraum bleibt. Der ist dann voll Erdgas-Druckflaschen, was die Nutzbarkeit des Fahrzeugs allgemein stark einschränkt.
Die Auswahl an Gebrauchtwagen mit LPG- oder CNG-Antrieb ist nicht riesig, aber es gibt durchaus ein Angebot. Aktuell sind z. B. bei mobile.de rund 10.000 LPG-Autos vorhanden. Wer nach Autos mit Erdgas-Antrieb sucht, stößt auf knapp 3600 Fahrzeuge.
Besondere Kriterien beim Kauf gebrauchter Gas-Fahrzeuge gibt es nicht. Allerdings sollte die Gasanlage regelmäßig einer Prüfung unterzogen werden. Die CNG-Tanks sind ab 2006 alle 15 Jahre (bei manchen Typen auch früher) zu erneuern. Bei Fahrzeugen vor Baujahr 2006 ist diese Frist erheblich kürzer, was den Kauf zum Fiasko werden lassen kann. Prüfen Sie also unbedingt die Unterlagen vor dem Kauf!
Im Preis sind Gebrauchtwagen mit Gasantrieb etwas wertbeständiger. Eine Stichprobe ergab: Einen Golf VII TGI Baujahr ab 2015 gibt es ab ungefähr 10.000 Euro, Kompakte dieses Typs mit etwa gleich starkem Benziner finden sich ab etwa tausend Euro weniger. Allerdings ist die Auswahl bei Gas-Autos um den Faktor 20 geringer.
Einen großen Unterschied zwischen LPG und CNG gibt es auch im Tankstellennetz: Während Erdgas nur an gut 800 Verkaufsstellen zu haben ist, gibt es in Deutschland knapp 6000 Flüssiggas-Tankstellen (es waren einmal über 8000). Das Netz ist allerdings noch flächendeckend.

LPG- und CNG-Autos sind "bivalent" – das bedeutet, sie können auch mit normalem Benzin betankt werden.
Bild: Toni Bader
Zudem laufen fast alle Gasmotoren auch mit Benzin, sind also bivalent ausgelegt. Moderne Systeme stellen auch automatisch auf Benzinbetrieb um, sobald der Drucktank für den Gasvorrat leer ist. Wo Sie Gas tanken können, erfahren Sie z. B. auf www.dvfg.de (LPG) oder www.gibgas.de (CNG). Auch die Navis von Gasautos sind inzwischen so optimiert, dass sie automatisch die nächstliegende Gastankstelle suchen.
Wer über die Grenze fährt, findet auf www.gibgas.de die entsprechenden Tankstellen für CNG im europäischen Ausland. Auf dieser Navi-Website lässt sich übrigens auch ein Filter aktivieren, um ausschließlich Biogas, also klimaneutral zu tanken.
Zwar gibt es deutlich mehr LPG-Tankstellen und auch der Preis ist mit aktuell um die 90 Cent pro Liter weit niedriger als der von einem Kilogramm CNG. Allerdings hat ein Kilogramm Erdgas einen gut doppelt so hohen Energiegehalt wie ein Liter LPG. Sprich: Man kommt damit mindestens zwei Mal so weit wie mit Autogas und gut 50 Prozent weiter als mit einem Liter Benzin.
Außerdem hat Flüssiggas (LPG) eine geringere Energiedichte als Superkraftstoff. Man muss also beim Betrieb mit einem Mehrverbrauch von 15 bis 20 Prozent rechnen. LPG hat seit 2023 keine Steuervergünstigungen mehr, dennoch ist der Preis verhältnismäßig stabil geblieben. Für CNG garantiert der Gesetzgeber dagegen Subventionen bis 2026. Ab 2024 läuft auch hier die Steuervergünstigung schrittweise aus.
Diese Vergünstigungen und die höhere Energiedichte sind es, die den Gastreibstoff billiger machen als Benzin oder Diesel. Ob sich Gas in Zukunft weniger stark verteuert wie Benzin oder Diesel, ist schwer prognostizierbar. Für Erdgas spricht allerdings ein weiterer Aspekt: Da LPG vor allem im Zuge der Erdölförderung gewonnen wird, wirkt es sich nicht auf die Schonung der Ölvorräte aus. Erdgas-Fahrer dagegen wechseln den Markt: Sie tanken zumeist bei Energieversorgern wie zum Beispiel Stadtwerken, die ihre Preise anders kalkulieren.
Prinzipiell ja, allerdings lohnt sich die Umrüstung in der Regel nur bei Benzinern – konkret bei Benzinern ohne Direkteinspritzung. Zwar können auch Direkteinspritzer umgerüstet werden, sie benötigen aber oft aufwendigere Kühlsysteme oder einen Umbau der gesamten Einspritzanlage.
Ähnliches gilt für Dieselmotoren. Selbstzünder auf Gas umzustellen ist rein technisch gesehen machbar, aber ebenfalls viel zu aufwendig, da für den Gasbetrieb eine Zündanlage eingebaut werden müsste.
Obwohl Erdgas die günstigere und umweltschonendere Antriebsart ist, werden nahezu alle Umrüstungen auf Flüssiggas vorgenommen. Der Grund: Die Tanks sind kleiner und lassen sich oft problemlos in der Reserveradmulde unterbringen; statt des Ersatzrades muss dann lediglich ein Reifenreparatur-Set ins Auto. Mit dem zusätzlichen Tank bekommt das Auto auch einen eigenen Einfüllstutzen, ein paar zusätzliche Leitungen und (bei nicht direkteinspritzenden Otto-Motoren) ein Gas-Einblassystem.
Eine Erdgas-Umrüstung ist deutlich aufwendiger, da das Gas unter hohem Druck gespeichert wird. Außerdem nimmt der Tank deutlich mehr Platz in Anspruch als bei LPG. Der Motor selbst muss für die Umrüstung übrigens nicht verändert werden und kann danach auch weiterhin mit Benzin genutzt werden. Daher gibt es de facto keine Umrüstungen auf Erdgasantrieb.

Bild: Ralf Timm
Wichtig: Den Einbau der Autogas-Anlage muss auf jeden Fall eine Fachwerkstatt ausführen, für Bastler ist er viel zu komplex. In jedem Fall muss das Auto nach einem Einbau beim TÜV vorgeführt und die Anlage in die Zulassungsbescheinigung eingetragen werden. Kosten: ca. zwölf Euro.
Der Einbau einer Autogas-Anlage ist nicht ganz billig, rund 2000 bis 4000 Euro muss man für die LPG-Umrüstung einkalkulieren. Die Montage- und Teile-Kosten orientieren sich vor allem an der Größe des Motors – je mehr Zylinder, desto komplexer und desto teurer wird der Umbau.
Bei Direkteinspritzern kostet die Umrüstung aufgrund des höheren Aufwands noch mehr. AUTO BILD hat den Test mit einem alten Volvo 940 Kombi mit Turbomotor (99 kW/135 PS) gemacht. Der Komplettpreis für die Umstellung auf Autogas lag 2007 bei 2450 Euro. Anschließend verbrauchte der alte Schwede 22 Prozent mehr, aber tankte fast für die Hälfte.
Eine Umrüstung auf Erdgas wäre möglich, läge aber bei mindestens 5000 Euro. Hinzu kommen die bereits beschriebenen Probleme durch den Tankeinbau und die eingeschränkte Haltbarkeit.
Weihnachten 2018 schockte eine Unglücksmeldung die Autowelt: Beim Tanken eines Audi A3 g-tron – also mit Erdgasantrieb – im badischen Achern platzte mit lautem Knall einer der zwei Drucktanks aus Verbundstoff, der Fahrer wurde schwer verletzt, benachbarte Fahrzeuge beschädigt. Doch ein Jahr später stellte ein Gericht fest: Den Hersteller traf keine Schuld – zwei Monate zuvor war der Audi bei einem Unfall am Heck erst stark beschädigt und dann nicht sachgemäß repariert worden. Vor allem: Eine Prüfung der Gasanlage nach der Reparatur war unterblieben.
Das zeigt: Viele Vorurteile, was die angeblich mangelnde Sicherheit von Autos mit Gasantrieb betrifft, sind nicht gerechtfertigt. Auch die Explosionsgefahr bei Brand ist sehr gering: Moderne CNG- und LPG-Tanks sind mit einem Sicherheitsventil ausgestattet, das bei Feuer den Inhalt des Tanks kontrolliert abbläst. So kann es nicht zu einem Überdruck im Tankinnern kommen.
Aber das Unglück von Achern verdeutlicht auch, dass Fahrzeuge mit CNG-Antrieb etwas mehr Aufmerksamkeit verlangen. LPG-Tanks müssen nur einem Druck von 6 bis 8 bar standhalten, CNG-Tanks hingegen 200 bar. Alle zwei Jahre erfolgt eine Außenprüfung für Stahltanks, zum Beispiel im Rahmen der HU. Das kostet bis zu 30 Euro extra. Tanks aus Komposit werden, je nach Bauart, alle drei bis fünf Jahr gecheckt. Laut ADAC kosten Tankprüfungen bis zu 600 Euro, da sie ausgebaut werden müssen.
CNG-Tanks, die nach 2002 eingebaut wurden, haben eine Zulassung über 20 Jahre (ECE-Norm R110); danach müssen sie ausgetauscht werden. Meist ist ein Ablaufdatum in den Tank geprägt. Der Austausch kostet bis zu 5000 Euro (inklusive neuer Tanks) und kann damit den Restwert des Fahrzeugs übersteigen. Man sollte also die Anschaffung gründlich durchkalkulieren.

Bild: Uli Sonntag
Es war die denkbar schlechteste Werbung für CNG-Antrieb: Vor acht Jahren platzte beim Befüllen der Drucktank eines erdgasbetriebenen VW Touran an einer Tankstelle in Duderstadt. Der danebenstehende Fahrer wurde schwer verletzt. Viele Tankstellenbetreiber stellten daraufhin panisch den Verkauf von CNG ein. Doch es war gar keine Explosion gewesen: Das Erdgas im Tank hatte nicht gezündet – vielmehr war der Drucktank geborsten, weil zuvor Rostschäden auftraten.
VW rief mehr als 40.000 Modelle mit CNG-Tanks zurück und ließ sie auf Rostschäden untersuchen. Für jüngere Fahrzeuge (seit Baujahr 2015) hatte der Hersteller eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt. Moderne Tanks sind nicht aus Stahl, sondern aus einem rostfreien Kunststoff-Komposit, das überdies leichter und haltbarer ist.
Bei LPG-Anlagen ist die Explosionsgefahr nicht höher als bei konventionellen Benzinantrieben. Die Zusatztanks sind in der Reserveradmulde sicher vor einem Heckaufprall geschützt. Selbst bei einem Fahrzeugbrand ist die Explosion dieser runden Tanks quasi ausgeschlossen, weil ein Ventil den Kraftstoff unter Hitzeeinwirkung kontrolliert ausstößt.
Umrüstung: Für die Umwelt lohnt sich eine Umrüstung auf Gasbetrieb ab dem ersten Kilometer, schließlich stößt Flüssiggas rund 20 Prozent weniger Stickoxide als Benzin aus und rund 15 Prozent weniger Kohlendioxid. Finanziell rechnet sich der Umbau allerdings oft erst nach vielen Kilometern. Erdgas belastet die Umwelt sogar noch weniger – erst recht, wenn es 100 Prozent Biogas ist. Ein Umbau ist leider unwirtschaftlich.
In der Regel geht man davon aus, dass ein Auto mit Flüssiggas zwischen 15 und 20 Prozent mehr Sprit verbraucht als im Benzinbetrieb. Zwar kostet ein Liter Autogas nur etwas mehr als die Hälfte des Ottokraftstoffs. Bis allerdings die hohen Umbaukosten amortisiert werden, dauert es Zehntausende von Kilometern. Bei den meisten Modellen setzt der eigentliche Spareffekt erst nach rund 40.000 bis 60.000 Kilometern ein.
Ab Werk: Auch wer sich für den Gasantrieb ab Werk entscheidet, zahlt erst einmal kräftig drauf. Denn ein LPG-Auto ist in der Anschaffung erheblich teurer als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel. Die Kosten dafür amortisieren sich aber mit der Zeit. Ähnlich wie bei der Umrüstung kann man ab mehreren Zehntausend Kilometern mit einem Spareffekt rechnen.
Bis vor wenigen Jahren gab es zusätzliche Förderung durch Energieversorger, wenn ihre Kunden auf Erdgasautos umstiegen. Mit den aktuellen Entwicklungen am Energiemarkt sind diese Förderungen, die zumeist in Form von Tankgutscheinen erfolgten, leider sämtlich entfallen.
Egal ob das Auto umgerüstet wurde oder ab Werk mit Gasantrieb vorfährt: Fast alle LPG- und CNG-Fahrzeuge haben zwei Tanks an Bord, den fürs Gas und zusätzlich den Benzintank. Denn: Der Wagen braucht zum Starten immer noch etwas Benzin, spätestens nach zwei Minuten schaltet er dann aber unmerklich automatisch auf Gasbetrieb um. Vorteil: Die Reichweite steigt durch die zwei Tanks deutlich an. In Sachen Fahrverhalten ändert sich für den Fahrer in der Regel nichts. Allerdings laufen einige Motoren im Gasbetrieb etwas rauer.
Allgemein kursiert die Annahme, ein Auto mit Gasantrieb vertrage keine hohen Drehzahlen. Das ist jedoch vom Einzelfall abhängig. Ein gasfester Motor verträgt auch höhere Drehzahlen (z. B. bei Autobahnfahrten). Allerdings kann es sein, dass der Verschleiß einiger Bauteile dann etwas höher ausfällt, als bei Benzinbetrieb. Manche Gasantriebe sind so programmiert, dass sie ab einer bestimmten Drehzahl automatisch in den Benzinbetrieb schalten, um den Verschleiß gering zu halten.
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