VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Abgasskandal: News und Hintergründe – UPDATE

— 30.06.2016

Zuversicht und weitere Baustellen für VW

VW ist zuversichtlich, auch den Streit über die Dreiliter-Diesel in den USA bald beilegen zu können. Derweil warten an anderen Stellen weitere juristische Baustellen. News-Überblick!

• Zuversicht bei den 3,0-Liter-Motoren in Übersee
• Einigung in den USA doch teurer als erwartet
• Kampf an weiteren juristischen Fronten
• VW-Manager in Südkorea festgenommen
• Niedersachsen verweigert Vorstand Entlastung
• Rückruf: KBA-Freigabe für eine weitere Million Kfz
• VW-Vorstand muss sich den Aktionären stellen
• Bafin zeigt VW-Vorstand an
• Müller Müller stellt Diesel infrage
• Staatsanwalt ermittelt gegen Winterkorn und Diess
• Rabatte für Golf und Passat fressen Gewinn
• Startschuss für Musterverfahren in Deutschland

• Händler muss Seat Ibiza zurücknehmen
Volkswagen will Elektro-Vorreiter werden
• Betrugssoftware stammt offenbar von Audi

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'Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?'

(dpa/Reuters) Volkswagen ist zuversichtlich, einen weiteren Streit mit den US-Behörden beilegen zu können. Der Konzern könne die 85.000 Dieselfahrzeuge mit 3,0 Liter-Motoren reparieren, sagte ein VW-Anwalt bei einer Gerichtsanhörung am 30. Juni 2016 in den USA. Bei den großen Dieseln war eine in den USA beanstandete Softwarefunktion nicht ausreichend bei den Behörden angemeldet worden. Sie sind in mehreren Audi sowie beim VW Touareg und dem Porsche Cayenne eingebaut. Ein Vertreter des Justizministeriums sagte, Verhandlungen und Tests dauerten an. Es könne Monate dauern, bis eine Einigung erzielt werde. Bezirksrichter Charles Breyer sagte in San Francisco, er wolle sich erst bei der nächsten Anhörung am 26. Juli den Einigungsvorschlägen widmen.

Einigung doch teurer als erwartet

Am 28. Juni war bekannt geworden, dass die Aufarbeitung des Skandals in den USA für Volkswagen doch deutlich teurer wird als bisher erwartet. Die Gesamtsumme eines anstehenden Vergleichs mit privaten Klägern und Behörden beläuft sich auf bis zu 14,7 Milliarden US-Dollar (knapp 13,3 Milliarden Euro) und damit fast fünf Milliarden Dollar mehr als zuletzt erwartet. Die Wolfsburger verpflichten sich laut eigener Mitteilung, insgesamt 475.000 betroffene Diesel mit 2.0-TDI-Motor von VW (460.000) und Audi (15.000) in den USA zurückzukaufen oder umzurüsten. Dafür werde ein Fonds in Höhe von maximal 10,033 Milliarden Dollar eingerichtet. Diese Summe basiere auf einer Teilnahmequote von 100 Prozent sowie der Annahme, dass sich sämtliche Kunden für einen Rückkauf oder eine vorzeitige Leasingrücknahme entscheiden. Zudem steckt Volkswagen 2,7 Milliarden Dollar in die Förderung von Umweltprojekten sowie zwei Milliarden Dollar in die Infrastruktur zur Reduzierung von Emissionen. Hinzu kommen 603 Millionen Dollar, die an 44 klagende US-Bundesstaaten, den District of Columbia und Puerto Rico zur Beilegung von Verbraucherschutzklagen fließen.

Weitere juristische Baustellen warten

Auf VW warten weitere juristische Baustellen in der Aufarbeitung des Abgasskandals.

Während VW in den USA auf einem guten Weg scheint, warten auf den Konzern anderswo noch weitere Baustellen wegen des Abgasskandals: • Klagen einzelner Autobesitzer: Weltweit wollen enttäuschte VW-Fahrer auf zivilrechtlichem Wege Schadenersatz einklagen. In Deutschland wurden erste Urteile bereits zugunsten von VW gefällt. Entscheidend ist unter anderem die Frage, ob die Fälschungs-Software ein Mangel oder ein schwerer Mangel ist und ob Kunden deswegen vom Kauf zurücktreten können. In der EU gelten dafür Vorgaben, die dem Hersteller unter anderem das Recht einräumen, einen Mangel erst einmal zu beseitigen. Die Zahl der Verfahren hierzulande bewegten sich laut VW zuletzt im zweistelligen Bereich – bei allein 2,5 Millionen betroffenen Autos in Deutschland.

Klagen von Aktionären: Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Affäre im September 2015 ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert. Beim Landgericht Braunschweig deutet sich ein Musterverfahren an, das sich jedoch über Jahre hinziehen könnte. VW ist der Überzeugung, alle Regeln für die Information der Kapitalmärkte eingehalten zu haben. • Strafrechtliche Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in insgesamt 16 Verfahren gegen Verantwortliche und frühere Mitarbeiter des VW-Konzerns wegen einer mutmaßlichen Beteiligung am Abgasskandal in verschiedener Hinsicht. Die Ermittler gehen außerdem dem Verdacht nach, Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und der amtierende VW-Markenchef Herbert Diess hätten die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Skandal ins Bild gesetzt. Wann und ob es überhaupt zu Anklagen kommen wird, ist noch völlig offen.
KBA-Check zum Abgasskandal: 30 Sünder entlarvt

Der Vergleich ist noch nicht rechtskräftig. Zunächst muss US-Richter Charles Breyer dem Entwurf zustimmen. Bei ihm sind Klagen in den USA gebündelt. Seine endgültige Entscheidung wird für Ende Juli erwartet. Danach haben Kläger die Möglichkeit, das Vergleichsangebot anzunehmen. Für Deutschland und Europa werde die Einigung in den USA keine Konsequenzen haben, hatte VW zuletzt betont, obwohl Verbraucherschützer wiederholt eine Ungleichbehandlung beklagten. Insgesamt haben die Wolfsburger gut 16 Milliarden Euro (aktuell 17,6 Milliarden US-Dollar) für die Folgekosten der Abgas-Manipulationen zurückgelegt – dabei geht es aber nicht nur um die Probleme in den USA. Weltweit sind elf Millionen Wagen betroffen.

VW-Manager in Südkorea festgenommen

Im Zuge der Ermittlungen zum VW-Abgasskandal ist in Südkorea ein Manager der örtlichen Niederlassung des Autobauers verhaftet worden. Die Ermittler werfen dem Manager von Audi Volkswagen Korea vor, unter anderem Dokumente zu Emissionswerten gefälscht zu haben, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag, den 24. Juni 2016 berichtete. Das Bezirksgericht in Seoul habe Haftbefehl erlassen. Das Unternehmen soll Dokumente über Emissionsdaten, Kraftstoffverbrauch und Lärmtests geschönt haben, um so die Zulassung von Importautos zu erlangen.

Denkzettel von Großaktionär Niedersachsen

Auf der VW-Hauptversammlung in Hannover herrschte dicke Luft.

Der zweitgrößte Volkswagen-Aktionär Niedersachsen hat dem Konzernvorstand einen Denkzettel verpasst. Das Land verweigerte der Führungsriege des Autobauers wegen offener Fragen in der Aufarbeitung der Abgas-Affäre eine komplette Entlastung für 2015. Das VW-Heimatland hatte sich bei der Abstimmung auf der Hauptversammlung seiner Stimmen bei einem amtierenden und einem früheren Manager enthalten. Damit verweigerte Niedersachsen mit seinem 20-Prozent-Anteil an Europas größtem Autohersteller dem zurückgetretenen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und dem aktuellen VW-Markenchef Herbert Diess den sonst üblichen Vertrauensbeweis.

Keine direkten juristischen Konsequenzen

Wenn ein Vorstand auf einer Hauptversammlung nicht entlastet wird, hat das zwar keine direkten juristischen Konsequenzen. Es wird aber in der Regel als ein Zeichen für fehlendes Vertrauen gewertet. Niedersachsens Enthaltungen traten im Ergebnis deutlich zutage, auch wenn die Zustimmung in der Summe bei Winterkorn und Diess zur Entlastung reichte. Die Entlastungen galten im Endergebnis schon vorher als sicher, weil die Porsche-Holding PSE als größter Aktionär ein positives Votum angekündigte hatte. Die PSE hält gut 50 Prozent der Stimmrechte bei VW und legt den Kurs bei einfachen Mehrheiten allein fest. Hinter ihr steht die Familie Porsche/Piëch. Der Rest der Abstimmungen war am 22. Juni 2016 ohne Überraschungen verlaufen – darunter der Beschluss für eine Mini-Dividende. Auch Anträge auf eine Sonderprüfung von unabhängiger Seite konnten sich wie erwartet nicht durchsetzen. Es wird jedoch erwartet, dass die Antragsteller ihr Anliegen nun vor Gericht durchboxen wollen.

Positive Nachrichten vom Rückruf

Währenddessen kommt der Diesel-Rückruf des VW-Konzerns voran. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe die Freigabe für europaweit rund eine Million zusätzliche Fahrzeuge erteilt, sagte VW-Konzernchef Matthias Müller bei der Hauptversammlung des Unternehmens. Damit hätten auf dem Heimatkontinent mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Diesel grünes Licht für die Nachbesserungen. Wie zuvor geht es dabei zunächst nur um die 2,0 Liter großen Varianten des Skandalmotors EA189. Die kleineren Maschinen mit 1,2 und 1,6 Litern Hubraum sollen später im Jahr an die Reihe kommen.

Chronologie des VW-Skandals

28. Juni 2016: VW reicht vor Gericht in den USA einen Vorschlag zur Einigung mit Klägern und Behörden ein. Mit der Rekordzahlung von rund 15 Milliarden Dollar (ca. 13,5 Mrd. Euro) für Entschädigungen, Umweltschutz und Strukturmaßnahmen will sich VW von seiner Schuld in Übersee befreien.

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Fast die Hälfte der betroffenen Autos in Europa zurückgerufen

Der Autobauer nähert sich bei dem Rückruf zusehends der Marke der 50 Prozent, denn in Europa sind insgesamt etwa 8,5 Millionen Wagen betroffen. Die Halter der Wagen mit Freigabe werden in den nächsten Tagen angeschrieben und können in die VW-Vertragswerkstätten fahren. Für Deutschland, wo rund 2,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge für die Nachbesserungen zum Rückruf müssen, gilt die Faustformel, dass etwa ein Drittel der bisherigen europaweiten Freigaben auf den Heimatmarkt entfällt. Damit sind hierzulande inzwischen rund 1,2 Millionen Wagen erfasst. VW will den Rückruf bis Ende des Jahres abgearbeitet haben. Es handelt sich in Europa um den bisher größten Rückruf in der Auto-Geschichte. VW hat dafür Milliardensummen zurückgestellt.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

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Heftige Kritik bei der Hauptversammlung

Auf seiner Hauptversammlung warb der VW-Konzern mit einer Mischung aus Demut und Reformwillen bei seinen Aktionären um Rückhalt für den Weg aus der Abgas-Affäre. "Volkswagen ist mehr als diese Krise. Unser Konzern verfügt über Qualitäten, die nicht über Nacht verloren gegangen sind", sagte Konzernchef Matthias Müller vor den Anteilseignern bei der VW-Hauptversammlung in Hannover. Die Führungsspitze des Konzerns musste sich auf dem Aktionärstreffen auf harte Kritik einstellen – es lagen 40 Wortmeldungen vor, die Redezeit der Aktionäre wurde deshalb auf jeweils fünf Minuten begrenzt. Vor allem VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wurde schon vor der Versammlung scharf attackiert. Die Anteilseigner monieren einen angeblichen Interessenkonflikt – Pötsch war in der Abgas-Krise vom Posten des Finanzchefs direkt an die Spitze der Kontrolleure gewechselt. Mehrere Aktionäre beantragten daher die Abwahl von Pötsch als Leiter der Hauptversammlung.

Offenbar Ermittlungen gegen den gesamten Ex-Vorstand

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Ex-VW-Chef Winterkorn wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Die Finanzaufsicht Bafin hat nach ihren Untersuchungen zum VW-Dieselskandal nach Informationen von einer mit dem Vorgang vertrauten Person den gesamten Vorstand von Volkswagen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der Vorstand sei nach Auffassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) insgesamt verantwortlich für die mutmaßliche Marktmanipulation, sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag (21. Juni 2016). Die Ermittler könnten daher den Personenkreis noch ausweiten. Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren.

Staatsanwalt ermittelt gegen Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab am Montag bekannt, gegen zwei damalige Vorstandsmitglieder zu ermitteln: Den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und einen anderen nicht genannten Manager. Dabei handelt es sich um den derzeitigen VW-Markenchef Herbert Diess, wie mehrere Personen aus dem Umfeld des Konzerns bestätigten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, es sei nicht auszuschließen, dass gegen weitere Personen ermittelt würde: "Das ist ein fließender Vorgang". Die Zahl der Beschuldigten sei nicht in Stein gemeißelt. Sie könne sich erhöhen – oder verringern. Bei den Ermittlungen geht es um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt womöglich zu spät über die Affäre informiert habe. Dem Konzernvorstand gehörten im September vor dem Rücktritt Winterkorns im Zuge der Abgasaffäre zehn Männer an, darunter der jetzige Vorstandschef Matthias Müller und der jetzige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, damals noch Finanzvorstand.
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VW-Chef Müller zweifelt am Diesel

VW-Chef Matthias Müller stellt die Zukunft des Diesels bei VW infrage.

VW-Chef Matthias Müller stellt nach dem Abgas-Skandal die Zukunft des Dieselmotors infrage. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte Müller dem "Handelsblatt" kurz vor der VW-Hauptversammlung am Mittwoch, 22. Juni. VW hatte bei Millionen von Dieselfahrzeugen mit einer Software Abgastests manipuliert. In den USA hat VW alle Dieselmodelle vom Markt genommen.
Ob Volkswagen jemals wieder Dieselmotoren in Amerika anbieten wird, bleibt unklar. "Das ist derzeit schwierig zu beantworten", sagte Müller. Die Abgasreinigung beim Diesel werde "enorm aufwendig und teuer". Gleichzeitig werde die Elektromobilität preiswerter. Die Steuervorteile des Diesels sind in Deutschland auf Dauer ebenfalls nicht gesichert. "Im Dialog mit der Politik müssen wir sehen, wie das alles weitergeht", sagte der Volkswagen-Chef. Bisher hat VW insgesamt einen hohen Dieselanteil bei seinen Fahrzeugen. Der Diesel sei bei Kunden in Deutschland und in Europa unverändert sehr beliebt, sagte Müller. In Deutschland liegt der Dieselanteil bei den Pkw-Neuzulassungen aktuell bei 46 Prozent. Auf die Frage, ob der Abschied vom Verbrennungsmotor an die Energiewende bei Eon und RWE erinnere - mit dem Aus für die Nukleartechnik und der Schrumpfung bei Gas und Kohle - sagte Müller: "Ein durchaus passender Vergleich."

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Müller präsentiert Strategieplan 2025

Vergangene Woche hatte VW-Chef Müller das neue Konzernprogramm "Together – Strategie 2025" vorgestellt und einen massiven Umbau des Autobauers angekündigt. Er sprach dabei von einem "epochalen Wandel". Volkswagen will künftig die Elektromobilität massiv ausbauen und Milliarden in neue Mobilitätsdienstleistungen investieren. Europas größter Autobauer will sich grundlegend neu aufstellen und bis 2025 eine Renditesteigerung von sieben bis acht Prozent realisieren. Von den mehr als 30 neuen Elektromodellen bis 2025 wollen die Wolfsburger pro Jahr zwei bis drei Millionen Stück verkaufen. Die Kosten für Vertrieb und Verwaltung sollen auf unter zwölf Prozent vom Umsatz sinken, das Komponentengeschäft wird neu ausgerichtet. Um Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich stemmen zu können, sind konzernweite Einsparungen sowie Portfoliobereinigungen geplant.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Seit Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst hieß es, hieß es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gab das zu.

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Keine Verbrauchsänderung

Wie zuvor schon bei Passat, CC und Eos bestätigte das KBA auch beim Caddy und Tiguan, dass sich weder Verbrauch noch Leistung oder Geräuschemission durch die Umrüstung veränderten, teilte Volkswagen kürzlich mit. Auch bei der Tochter Audi sei der Rückruf angelaufen. Dort habe das KBA die Freigabe für die Modelle A4, A5, A6 sowie für den Geländewagen Q5 mit Zwei-Liter-Motor erteilt. Die Umrüstung des Exeo von Seat mit dem gleichen Motortyp (EA 189) laufe bereits.

FAQ: Was VW-Fahrer wissen müssen

Umrüstung der 1.6-Liter-Modelle bis Ende 2016

Auch der VW Golf VI 2.0 TDI Blue Motion kann umgerüstet werden.

VW hatte zuletzt mitgeteilt, dass sich der für das zweite Quartal geplante Rückruf der Modelle mit 1,2-Liter-Motor verzögere. Bis Jahresende wollen die Wolfsburger auch die 1,6-Liter-Wagen umrüsten. Bei diesen muss neben einer neuen Software auch ein Teil eingebaut werden. Die Besitzer der Dieselautos, deren Umrüstung jetzt freigegeben wurde, werden nacheinander angeschrieben und erhalten einen Termin von ihrer Werkstatt. Die Reparatur wird von der Flensburger Behörde nach Typen zugelassen, weil je nach Bauart eine andere Software nötig ist. Sie soll die illegale Abschalteinrichtung ersetzen, die dafür sorgt, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße. Aufgeflogen war der Dieselskandal in den USA, wo noch über eine Lösung für insgesamt fast 600.000 Fahrzeuge verhandelt wird. Weltweit muss Volkswagen rund elf Millionen Dieselfahrzeuge in die Werkstätten rufen oder zurücknehmen. Der größte Teil entfällt mit 8,5 Millionen auf Europa.

Rabatte für Golf und Passat fressen Gewinn

Die Abgas-Affäre und ihre Folge haben den VW-Gewinn um ein Fünftel einbrechen lassen. Im ersten Quartal 2016 verdiente der Volkswagen-Konzern 2,3 Milliarden Euro, teilte VW am 31. Mai 2016 mit. Das sind rund 20 Prozent weniger als vor Jahresfrist und so viel wie vor zwei Jahren. Der Grund liegt in hohen Rabatten, die VW Kunden nach Bekanntwerden des "Dieselgate" einräumte. Währungseffekte ließen den Gewinn vor Zinsen und Steuern allerdings leicht steigen. Andererseits zeigt die Rückstellung für Anwaltskosten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Dafür legte Volkswagen im ersten Quartal 200 Millionen Euro mehr zurück. Damit zahlt VW einmal mehr für die Sünden der Vergangenheit.

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Weichen für Musterverfahren gestellt

Um die Abgas-Affäre juristisch zu bereinigen, stellte das Landgericht Braunschweig vor Kurzem die Weichen für ein Musterverfahren, mit dem zentrale Fragen gebündelt geklärt werden. Auf diese Weise wollen sowohl VW-Investoren als auch der Konzern selbst wichtige Klage-Aspekte in nächsthöherer Instanz klären. Wann genau der Startschuss dafür fällt, ist noch unklar. Das Musterverfahren ähnelt anderen Prozessen, wie sie beispielweise gegen die Deutsche Telekom oder die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) angestrengt wurden.

Kunde darf manipulierten Seat zurückgeben

Erstmals im Abgasskandal verpflichtete ein Gericht einen Autohändler dazu, ein Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten. Das Urteil des Landgerichts München erging laut "Stern TV" am 17. Mai 2016. Es handele sich um einen Seat Ibiza mit 1,6-Liter-Diesel-Motor vom Typ EA 189, der mit der Betrugssoftware ausgestattet sei. Geklagt habe ein Ehepaar aus München. Volkswagen bestätigte das Urteil. Der Händler werde in Absprache mit dem Konzern Berufung einlegen, hieß es. Entscheidungen anderer Gerichte legten nahe, dass es für die Besitzer der Autos zumutbar sei, die Umrüstung abzuwarten. Die Fahrzeuge könnten bis dahin ohne Einschränkungen im Straßenverkehr genutzt werden. Laut Volkswagen sind deutschlandweit bislang neun Urteile zur Thematik ergangen. Acht unterschiedliche Landgerichte hätten die Klagen der Autobesitzer abgewiesen. Nur das Landgericht München habe in erster Instanz der Klage gegen einen Händler stattgegeben.

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Größter Verlust in der Konzerngeschichte

Trotz der wiedergewonnenen Spitzenposition muss Volkswagen angesichts der immensen Kosten für den Abgas-Skandal den größten Verlust seiner Geschichte verkraften. 2015 lag das Ergebnis unterm Strich mit minus 1,6 Milliarden Euro massiv in den roten Zahlen. Das teilte VW am 22. April 2016 in Wolfsburg nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. 2014 stand noch ein Gewinn von knapp 11 Milliarden Euro in den Büchern. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro (2014) auf minus 4,1 Milliarden. Ohne die Kosten für die Abgas-Affäre wäre es leicht gestiegen. Der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf gut 213 Milliarden Euro. Der Skandal lässt auch die Dividende einbrechen.

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Betrugssoftware schon 1999 bei Audi entwickelt

Das ist VW-Chef Matthias Müller

Die Anfänge des Abgasskandals bei Volkswagen gehen einem Medienbericht zufolge auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den zunehmend schärferen Grenzwerten begegnen könne, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchen- und Konzernkreise. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Weder Volkswagen noch Audi wollten sich dazu äußern.Dem Bericht zufolge hatten Audi-Techniker zunächst in die Motorsteuerung eingegriffen, um beim Dieselmotor das Klopfen zu verringern und seinen Komfort zu erhöhen. Da dadurch die Stickoxid-Werte gestiegen seien, habe man die sogenannte Akustikfunktion mit Blick auf verschärfte Abgasnormen in Europa im Jahr 2001 auf dem Prüfstand abgeschaltet. Allerdings wurde der Einsatz eines "defeat device" als illegal eingestuft und daher verworfen. Somit drohe Audi vermutlich keine juristischen Konsequenzen, schreibt das "Handelsblatt". Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden. Entsprechende Hinweise sollen auch die Ermittler der US-Kanzlei Jones Day erhalten haben.

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