VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Abgasskandal: News und Hintergründe – UPDATE

— 27.07.2016

US-Gericht genehmigt Milliardenvergleich

Volkswagen bekommt im Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte vorerst grünes Licht für einen Milliarden-Vergleich mit US-Klägern. News-Überblick zum Abgasskandal!

• US-Richter genehmigt Vergleich
Freigabe für 800.000 Zweiliter-Diesel mit 168 PS
• US-Anklage: Betrug wurde von höchster Ebene geplant
• Auch VW-Chef Müller soll von der Manipulation gewusst haben
• Ex-Chef Martin Winterkorn wusste angeblich auch Bescheid
• Weitere Milliardenstrafen drohen
• Kalifornische Behörde lehnt Dreiliter-Rückrufplan ab
Ermittler wollen VW-Dieselgewinne per Bußgeldverfahren abschöpfen
• VW zahlt 86 Millionen Strafe in den USA
Müller warnt vor Konsequenzen bei Entschädigungszahlungen
• VW-Manager in Südkorea festgenommen
• Rückruf: KBA-Freigabe für eine weitere Million Kfz
• VW-Vorstand muss sich den Aktionären stellen
• Müller stellt Diesel infrage

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'Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?'

(dpa/Reuters) Volkswagen hat im Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte vorerst grünes Licht vom zuständigen Gericht für einen Milliarden-Vergleich mit US-Klägern erhalten. Richter Charles Breyer, bei dem Hunderte US-Zivilklagen gebündelt sind, gab seine vorläufige Zustimmung zu dem geplanten Kompromiss. Es handele sich um eine faire Lösung, befand Breyer bei einer Gerichtsanhörung in San Francisco. Mit Kunden und US-Behörden hatte sich der Wolfsburger Autobauer auf einen Vergleich von bis zu 14,7 Milliarden Dollar (derzeit 13,4 Mrd. Euro) geeinigt. Mit der Zahlung sollen die Zivilklagen in den USA beigelegt werden, ohne dass es zum Prozess kommt. Richter Breyer zeigte sich zufrieden nach der fast zweistündigen Anhörung, bei der die Parteien die geplante Einigung im Detail erläutern mussten. Es seien "enorme Anstrengungen" unternommen worden, um eine Lösung zu finden. VW erklärt sich bereit, geschädigten Kunden als Wiedergutmachung 5100 und bis zu knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug zu zahlen – je nach Modelltyp und Baujahr. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. Insgesamt will VW gut zehn Milliarden Dollar für Entschädigungen aufwenden. Weitere 4,7 Milliarden Dollar werden für einen Umweltfonds und die Förderung emissionsfreier Autos fällig. "Volkswagen weiß das konstruktive Bemühen aller Parteien unter der Leitung von Richter Breyer [...] sehr zu schätzen", teilte der Konzern mit. Man sei davon überzeugt, dass das angestrebte Vergleichsprogramm eine faire, verantwortungsbewusste und angemessene Lösung für die betroffenen Kunden darstelle.

Meilenstein in der Aufarbeitung von Diesel-Gate

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil äußerte sich erleichtert. Mit der vorläufigen Zustimmung von Richter Breyer sei "ein weiterer Meilenstein in der Aufarbeitung von Diesel-Gate erreicht", sagte der SPD-Politiker und VW-Aufsichtsrat in Hannover. Bis Entschädigungszahlungen fließen, wird es allerdings noch etwas dauern. Zunächst haben die Kunden 45 Tage Zeit, um zu entscheiden, ob sie das Vergleichsangebot annehmen. Eine Anhörung, in der über die finale Zustimmung des Gerichts befunden wird, setzte Breyer für den 18. Oktober an. Bei rund 85.000 Fahrzeugen mit mehr als zwei Litern Hubraum steht eine Einigung noch aus. Beim nächsten Gerichtstermin am 25. August erwartet Richter Breyer mehr Details zur Frage, ob und wie die größeren Dieselwagen zur Abgaskontrolle umgerüstet werden können. VW-Anwalt Robert Giuffra zeigte sich zuversichtlich, dass bis dahin eine Lösung gefunden wird. Auch Sicht des Konzerns befinde man sich "auf Kurs".
Bei diesen 2016er-Modellen weichen die CO2-Angaben ab

In Deutschland weitere Verdächtige im Visier

Derweil nehmen Ermittler in Deutschland weitere Verdächtige im Diesel-Skandal ins Visier. In der Untersuchung der Braunschweiger Staatsanwaltschaft gibt es Verdachtsmomente gegen vier weitere Personen. Außerdem führt die Staatsanwaltschaft München Vorermittlungen wegen möglicherweise illegaler Software in Audi-Dieselmotoren. Damit weiten sich die Aktivitäten der Anklagebehörden in der Abgas-Affäre abermals aus. "Die Zahl der Beschuldigten im "Diesel-Verfahren" hat sich zwischenzeitlich von 17 auf 21 erhöht. Es befinden sich nach wie vor keine Vorstandsmitglieder in diesem Kreis", sagte der Braunschweiger Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der VW-Konzern hatte sich in der Vergangenheit zu den Vorgängen im Detail nicht äußern wollen und auf eigens beauftragte Ermittlungen durch die Kanzlei Jones Day verwiesen.

Rückruf kommt voran

Bei den Genehmigungen für die millionenfachen Rückrufe der manipulierten Dieselfahrzeuge kommt VW weiter voran. Am 22. Juli 2016 habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die technischen Lösungen für europaweit rund 800.000 weitere Diesel freigegeben, sagte ein Sprecher am gleichen Tag in Wolfsburg. Darunter befänden sich Varianten des Passat, Passat-Kombi, CC, Alltrack sowie Touran, Audi, Skoda und Golf-GTD. Sie alle hätten Versionen des von der Software-Manipulation betroffenen Vierzylinder-Diesels EA189 mit 2,0 Liter Hubraum und 125 Kilowatt Leistung (168 PS). Insgesamt habe der VW-Konzern nunmehr Freigaben für rund 4,6 Millionen Wagen. Damit steuert der Autobauer die Halbzeit-Marke der weltweit 11 Millionen betroffenen Diesel an. Wie viel von den 800.000 freigegeben Wagen auf Deutschland entfallen, war nicht genau bezifferbar. Als Faustformel für eine Annäherung gilt ein knappes Drittel,  also etwa 240.000 Fahrzeuge. Die Halter, deren Autos unter den Varianten sind, werden angeschrieben. Sie müssen dann für ein Software-Update in die Vertrags-Werkstatt. Da die Freigabe aber versionenspezifisch läuft und etwa an Getriebevarianten hängt, bilden sich immer nur Teilmengen der insgesamt betroffenen Modelle. Alle Golf mit EA189-Motor zum Beispiel kommen nicht im Block dran.

Vorwürfe gegen Top-Management

Zuvor gab es neues Ungemach für VW in der Abgasaffäre: Ungeachtet eines bereits ausgehandelten Milliarden-Vergleichs kündigten mehrere US-Bundesstaaten Klagen gegen VW an und erhoben erhebliche Vorwürfe auch gegen das Top-Management. Die Manipulation mit einer speziellen Software sei auf höchster Ebene geplant und genehmigt gewesen, auch der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn sei beteiligt gewesen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Generalstaatsanwälte von New York, Maryland und Massachusetts, Eric Schneiderman, Brian Frosh und Maura Healey, vom 20. Juli 2015. Ein Sprecher des New Yorker Generalstaatsanwalts sagte, allein im Staat New York seien der neuen Klage zufolge Strafen für VW in Höhe von 500 Millionen US-Dollar möglich.

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Seit Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst hieß es, hieß es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gab das zu.

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BILD nennt Details aus der Anklageschrift

VW-Chef Matthias Müller soll laut der Anklageschrift schon 2006 von der Abgasproblematik gewusst haben.

Laut BILD sagt Staatsanwalt Schneiderman: "Es ist schockierend, was wir bei unseren Ermittlungen herausgefunden haben. Hier wurde wissentlich und willentlich, gerissen und zynisch betrogen." Die 90-seitige Anklageschrift, deren Grundlage nach BILD-Informationen die Ermittlungsergebnisse des US-Justizministeriums enthält und die BILD vorliegt, enthält schwere Anklagen, auch gegen den aktuellen VW-Chef Müller und seinen Vorgänger Winterkorn: "Schon 2006 soll Müller – damals noch Chef des Projektmanagements bei Audi – in einer Mail davon erfahren habe, dass die Harnstofftanks in Amerika größer sein müssten als in Europa, um die Abgaswerte einzuhalten. Auch der ehemaige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn – damals Audi-Chef – soll kurz zuvor von dem Problem informiert worden sein", heißt es bei BILD. Namentlich genannt würden in der Anklageschrift zudem unter anderem Frank Tuch (2010-2015 Chef Qualitätsmanagement, hat direkt an Martin Winterkorn berichtet), Bernd Gottweis (2007-2014 Chef der Produktsicherheit), Heinz-Jakob Neusser (2011-2013) und Friedrich Eichler (2013-2015).
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Insgesamt sechs Generationen der Betrugssoftware

Die Entwicklung der Software soll wie bereits früher berichtet bereits 1999 bei Audi erfolgt sein. Die sogenannte "Akustikfunktion"  soll dann von 2004 bis 2008 in den 3,0-Liter-V6-Motoren in Europa eingebaut worden sein. Als die VW-Ingenieure Ende 2006 keine (preisgünstige) Lösung fanden, die scharfen US-Umweltrichtlinien zu erfüllen, sollen sie laut der von BILD zitierten Anklageschrift beim damals neuen EA189-Motor diese "Akustikfunktion" von Audi kopiert haben. Und zwar "laut Klage mit Wissen und Genehmigung der VW-Manager", so die Tageszeitung weiter. Insgesamt solle Volkswagen sechs Generationen der Schummel-Software entwickelt haben. Volkswagen bezeichnet die Vorwürfe als "im Wesentlichen nicht neu" und wies die Anschuldigungen gegen Matthias Müller als "unbegründet" zurück.

Chronologie des VW-Skandals

26. Juli 2016: US-Richter Charles Breyer stimmt dem von VW vorgelegten Vergleichsentwurf zum Umgang mit vom Dieselskandal betroffenen Zweiliter-Modellen vorläufig zu. Die endgültige Entscheidung wird im Oktober 2016 erwartet.

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VW weist die Vorwürfe zurück

"Es ist bedauerlich, dass ein paar Staaten entschieden haben, jetzt Umweltschutzklagen zu erheben, ungeachtet ihrer früheren Unterstützung des laufenden gemeinschaftlichen Verfahrens der Staaten", sagte der Volkswagen-Sprecher. Die Klagen richten sich gegen die Volkswagen AG, die Audi AG und die Porsche AG sowie die jeweiligen US-Ableger der Firmen. Einer der Vorwürfe lautet auch auf die Zerstörung wichtiger Beweismittel. Mehrere VW-Mitarbeiter hätten einem Tipp von einem Hausjuristen folgend die Beweise geschreddert.

In Spanien wurde eine große Sammelklage eingereicht

Neben den USA droht VW weitere Ungemach aus Spanien. Der spanische Verbraucherschutzorganisation OCU hat wegen des Abgasskandals eine Sammelklage gegen den deutschen Autobauer eingereicht. Die Klage sei beim Handelsgericht in Madrid eingegangen, teilte OCU am Dienstag, 20. Juli 2016, mit. Rund 4000 vom Skandal betroffene Personen hätten sich bereits der Schadenersatzforderung angeschlossen.

US-Umweltbehörde lehnt Rückrufplan für Dreiliter-Diesel ab

Die kalifornische Umweltbehörde Carb hat den von Volkswagen vorgelegten Rückruf-Plan zur Beilegung des Abgasskandals abgelehnt. Die Vorlagen zur Reparatur von VW-, Audi- und Porsche-Dieselfahrzeugen mit 3,0-Liter-Motoren seien "unvollständig, erheblich unzureichend" und blieben hinter den gesetzlichen Anforderungen zurück, erklärte die Carb in einem veröffentlichten Brief. Eine Volkswagen-Sprecherin sagte, der Konzern arbeite mit den Behörden weiter zusammen, um die Genehmigung für eine technische Lösung zu erreichen. Landesweit geht es um 85.000 Fahrzeuge, in Kalifornien sind 16.000 betroffen, darunter der VW Touareg, der Porsche Cayenne und der Audi A8. Sollten die Wolfsburger gezwungen werden, auch diese größeren, teureren Autos zurückzukaufen, würde das weitere Milliarden verschlingen.

Ermittler leiten Bußgeldverfahren ein

Durch ein Bußgeldverfahren der Braunschweiger Staatsanwaltschaft könnten noch höhere Folgekosten auf den VW-Konzern zukommen als bisher kalkuliert. Ziel der Ermittler ist es, den möglicherweise unrechtmäßig erlangten Gewinn aus dem Verkauf der weltweit rund elf Millionen manipulierten Dieselwagen zurückzufordern. "Wir haben ein Bußgeldverfahren gegen VW eingeleitet", sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe. Dabei gehe es um die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten – in ähnlichen Fällen bei Unternehmen war dies etwa die Verletzung von Aufsichtspflichten – sowie die "Abschöpfung des wirtschaftlichen Vorteils".

Höhe des Bußgelds steht noch nicht fest

Dem VW-Konzern droht durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig weiteres Ungemach.

Bei dem Verfahren werden Zahlungen in anderen Ländern nicht berücksichtigt. "Wir können bei der Berechnung des Bußgelds nicht darauf achten, was VW etwaig in anderen Ländern zahlen muss", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe am 11. Juli 2016. Die Höhe eines möglichen Bußgelds steht noch nicht fest. "Die Grundlagen der Gewinnberechnung müssen noch festgestellt werden", sagte Ziehe. Es würden vermutlich Schätzwerte genommen: "Wer kann den Gewinn schon rechnerisch genau bemessen, der sich durch Verkäufe von abgasmanipulierten Fahrzeugen ergeben hat?" Damit nimmt die Staatsanwaltschaft eine andere Position ein als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Sein Ministerium verzichtet darauf, Bußgelder gegen Volkswagen zu verhängen und verweist darauf, dass der Konzern die manipulierten Fahrzeuge repariere. Beim Landgericht Braunschweig lagen zuletzt 55 Klagen von VW-Kunden sowie 130 Klagen von Aktionären, darunter Forderungen mehrerer institutioneller Anleger über fast 3,2 Milliarden Euro.

Rücklagen sind fast aufgezehrt

Volkswagen bestätigte zuletzt den Eingang eines Schreibens der Staatsanwaltschaft. Darin werde dem Unternehmen mitgeteilt, dass Ermittlungen aufgenommen worden seien, sagte ein Sprecher. "Details sind uns nicht bekannt. Daher können wir uns auch zur Sache weiter nicht äußern." In den USA hatte Volkswagen jüngst mit Behörden und Privatklägern einen umgerechnet rund 13,8 Milliarden Euro teuren Vergleich ausgehandelt. Damit sind die 16,2 Milliarden Euro, die VW wegen der Abgaskrise zur Seite gelegt hat, fast aufgezehrt. Volkswagen hat mehrfach erklärt, dass derzeit keine weiteren Rückstellungen geplant seien. Der US-Vergleich betrifft lediglich die zivilrechtlichen Forderungen. Die strafrechtlichen Ermittlungen laufen weiter. Hinzu kommen Klagen von Investoren, die Schadensersatz für erlittene Kursverluste verlangen.

VW zahlt Millionenstrafe an Kalifornien

Allein an den US-Bundesstaat Kalifornien zahlt VW für die Folgen des Abgasskandal 86 Millionen Dollar Strafe (etwa 78 Millionen Euro). Das teilte der Generalstaatsanwalt von Kalifornien Kamala Harris am 7. Juli 2016 mit. Laut einem VW-Sprecher gehören die 86 Millionen zu insgesamt 603 Millionen Dollar, die VW an 44 US-Bundesstaaten zahlen will.

Großkunde plant Klage gegen VW wegen Täuschung 

Ärger kommt auf VW von der Seite eines Großkunden zu: Das Fischunternehmen Deutsche See plant eine millionenschwere Klage wegen arglistiger Täuschung. Der Mittelständler wirft dem Autobauer vor, Absprachen für gemeinsame Nachhaltigkeitsprojekte nicht eingehalten zu haben. Die Deutsche See ist VW-Großkunde und hat vor rund sechs Jahren ihren 450 Wagen starken Fuhrpark komplett auf VW umgestellt. Ein VW-Konzernsprecher teilte mit, dem Hersteller lägt die Klage nicht vor, weshalb man sich nicht äußern könne. Es geht um VW- und MAN-Nutzfahrzeuge sowie VW-Pkw und Audi. Die Vereinbarung habe auch beeinhaltet, zusammen Praxisbeispiele für umweltschonende Logistik auszuarbeiten.

Geht VW in den Kosten des Skandals unter?

VW-Chef Matthias Müller hat vor drastischen Konsequenzen gewarnt, falls der Autobauer im Abgas-Skandal die Kunden in Europa nach US-Vorbild entschädigen müsste. Volkswagen habe bislang zur Lösung der Krise 16,2 Milliarden Euro zurückgestellt und sei weiterhin finanziell solide aufgestellt. "Aber man muss kein Mathematiker sein, um zu erkennen, dass eine Entschädigungszahlung in beliebiger Höhe auch Volkswagen überfordern würde", sagte Müller der Zeitung DIE WELT.

Bedingungen je nach Markt unterschiedlich

Die Sachlage in den USA unterscheide sich, so der VW-Chef. "Die Grenzwerte sind deutlich strenger, damit wird auch die Nachrüstung komplizierter." Außerdem sei die Teilnahme an einer Rückrufaktion in den USA freiwillig – anders als in Deutschland. Zudem erwarteten die Behörden in den USA, dass möglichst viele Fahrzeugbesitzer ihre Autos umrüsten. "Mit der Prämie in den USA sollen wir unseren Kunden einen Anreiz zur Teilnahme an der Umrüstung geben." Dies 1:1 mit der Lage in Deutschland zu vergleichen, sei nicht möglich. "Und was es nicht zuletzt wirtschaftlich für unser Unternehmen bedeuten würde, wenn wir das doch tun würden, muss ich wohl nicht weiter ausführen." In den USA sind von den Abgasmanipulationen bei Dieselfahrzeugen rund 500.000 Autos betroffen – weltweit aber elf Millionen Fahrzeuge, davon 2,4 Millionen in Deutschland.

Weitere juristische Baustellen

Auf VW warten weitere juristische Baustellen in der Aufarbeitung des Abgasskandals.

Auch in vielen anderen Ländern hat VW noch weitere Baustellen wegen des Abgasskandals: • Klagen einzelner Autobesitzer: Weltweit wollen enttäuschte VW-Fahrer auf zivilrechtlichem Wege Schadenersatz einklagen. In Deutschland wurden erste Urteile bereits zugunsten von VW gefällt. Entscheidend ist unter anderem die Frage, ob die Fälschungs-Software ein Mangel oder ein schwerer Mangel ist und ob Kunden deswegen vom Kauf zurücktreten können. In der EU gelten dafür Vorgaben, die dem Hersteller unter anderem das Recht einräumen, einen Mangel erst einmal zu beseitigen. Die Zahl der Verfahren hierzulande bewegten sich laut VW zuletzt im zweistelligen Bereich – bei allein 2,5 Millionen betroffenen Autos in Deutschland.

Klagen von Aktionären: Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Affäre im September 2015 ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert. Beim Landgericht Braunschweig deutet sich ein Musterverfahren an, das sich jedoch über Jahre hinziehen könnte. VW ist der Überzeugung, alle Regeln für die Information der Kapitalmärkte eingehalten zu haben. • Strafrechtliche Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in insgesamt 16 Verfahren gegen Verantwortliche und frühere Mitarbeiter des VW-Konzerns wegen einer mutmaßlichen Beteiligung am Abgasskandal in verschiedener Hinsicht. Die Ermittler gehen außerdem dem Verdacht nach, Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und der amtierende VW-Markenchef Herbert Diess hätten die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Skandal ins Bild gesetzt. Wann und ob es überhaupt zu Anklagen kommen wird, ist noch völlig offen.
KBA-Check zum Abgasskandal: 30 Sünder entlarvt

VW-Manager in Südkorea festgenommen

Im Zuge der Ermittlungen zum VW-Abgasskandal ist in Südkorea ein Manager der örtlichen Niederlassung des Autobauers verhaftet worden. Die Ermittler werfen dem Manager von Audi Volkswagen Korea vor, unter anderem Dokumente zu Emissionswerten gefälscht zu haben, wie die nationale Nachrichtenagentur Yonhap am 24. Juni 2016 berichtete. Das Bezirksgericht in Seoul habe Haftbefehl erlassen. Das Unternehmen soll Dokumente über Emissionsdaten, Kraftstoffverbrauch und Lärmtests geschönt haben, um so die Zulassung von Importautos zu erlangen.

Denkzettel von Großaktionär Niedersachsen

Der zweitgrößte Volkswagen-Aktionär Niedersachsen hat dem Konzernvorstand einen Denkzettel verpasst. Das Land verweigerte der Führungsriege des Autobauers wegen offener Fragen in der Aufarbeitung der Abgas-Affäre eine komplette Entlastung für 2015. Niedersachsen hatte sich bei der Abstimmung auf der Hauptversammlung seiner Stimmen bei einem amtierenden und einem früheren Manager enthalten. Damit verweigerte das Land mit seinem 20-Prozent-Anteil an Europas größtem Autohersteller dem zurückgetretenen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und dem aktuellen VW-Markenchef Herbert Diess den sonst üblichen Vertrauensbeweis.

Keine direkten juristischen Konsequenzen

Das hat zwar keine juristischen Konsequenzen, wird aber als ein Zeichen für fehlendes Vertrauen gewertet. Niedersachsens Enthaltungen traten im Ergebnis deutlich zutage, auch wenn die Zustimmung in der Summe bei Winterkorn und Diess zur Entlastung reichte. Die Entlastungen galten im Endergebnis schon vorher als sicher, weil die Porsche-Holding PSE als größter Aktionär ein positives Votum angekündigte hatte. Die PSE hält gut 50 Prozent der Stimmrechte bei VW und legt den Kurs bei einfachen Mehrheiten allein fest. Hinter ihr steht die Familie Porsche/Piëch.

Positive Nachrichten vom Rückruf

Währenddessen kommt der Diesel-Rückruf des VW-Konzerns voran. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe die Freigabe für europaweit rund eine Million zusätzliche Fahrzeuge erteilt, sagte VW-Konzernchef Matthias Müller bei der Hauptversammlung des Unternehmens. Damit hätten auf dem Heimatkontinent mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Diesel grünes Licht für die Nachbesserungen. Wie zuvor geht es dabei zunächst nur um die 2,0 Liter großen Varianten des Skandalmotors EA189. Die kleineren Maschinen mit 1,2 und 1,6 Litern Hubraum sollen später im Jahr an die Reihe kommen.

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Heftige Kritik bei der Hauptversammlung

Auf seiner Hauptversammlung warb der VW-Konzern mit einer Mischung aus Demut und Reformwillen bei seinen Aktionären um Rückhalt für den Weg aus der Abgas-Affäre. "Volkswagen ist mehr als diese Krise. Unser Konzern verfügt über Qualitäten, die nicht über Nacht verloren gegangen sind", sagte Konzernchef Matthias Müller in Hannover. Die Führungsspitze des Konzerns musste sich auf dem Aktionärstreffen auf harte Kritik einstellen – es lagen 40 Wortmeldungen vor, die Redezeit der Aktionäre wurde deshalb auf jeweils fünf Minuten begrenzt. Vor allem VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wurde schon vor der Versammlung scharf attackiert. Die Anteilseigner monieren einen angeblichen Interessenkonflikt – Pötsch war in der Abgas-Krise vom Posten des Finanzchefs direkt an die Spitze der Kontrolleure gewechselt.

Offenbar Ermittlungen gegen den gesamten Ex-Vorstand

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Ex-VW-Chef Winterkorn wegen des Verdachts der Marktmanipulation.

Die Finanzaufsicht Bafin hat nach ihren Untersuchungen zum VW-Dieselskandal nach Informationen von einer mit dem Vorgang vertrauten Person den gesamten Vorstand von Volkswagen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Der Vorstand sei nach Auffassung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) insgesamt verantwortlich für die mutmaßliche Marktmanipulation, sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters am 21. Juni 2016. Die Ermittler könnten daher den Personenkreis noch ausweiten. Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass Volkswagen im September möglicherweise bewusst verspätet über die finanziellen Folgen der millionenfachen Abgasmanipulation informierte, um den Aktienkurs zu manipulieren.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Seit Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst hieß es, hieß es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gab das zu.

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Staatsanwalt ermittelt gegen Winterkorn

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab bekannt, gegen zwei damalige Vorstandsmitglieder zu ermitteln: Den früheren VW-Chef Martin Winterkorn und einen anderen nicht genannten Manager. Dabei handelt es sich um den derzeitigen VW-Markenchef Herbert Diess, wie mehrere Personen aus dem Umfeld des Konzerns bestätigten. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, es sei nicht auszuschließen, dass gegen weitere Personen ermittelt würde: "Das ist ein fließender Vorgang". Bei den Ermittlungen geht es um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt womöglich zu spät über die Affäre informiert habe. Dem Konzernvorstand gehörten im September 2015 vor dem Rücktritt Winterkorns im Zuge der Abgasaffäre zehn Männer an, darunter der jetzige Vorstandschef Matthias Müller und der jetzige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, damals noch Finanzvorstand.

VW-Chef Müller zweifelt am Diesel

Zuletzt stellte VW-Chef Müller die Zukunft des Dieselmotors infrage. "Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen", sagte Müller dem "Handelsblatt" am 22. Juni. VW hatte bei Millionen von Dieselfahrzeugen mit einer Software Abgastests manipuliert. In den USA hat VW alle Dieselmodelle vom Markt genommen. Ob Volkswagen jemals wieder Dieselmotoren in Amerika anbieten wird, bleibt unklar. "Das ist derzeit schwierig zu beantworten", sagte Müller. Die Abgasreinigung beim Diesel werde "enorm aufwendig und teuer". Gleichzeitig werde die Elektromobilität preiswerter. Die Steuervorteile des Diesels sind in Deutschland auf Dauer ebenfalls nicht gesichert. Bisher hat VW insgesamt einen hohen Dieselanteil bei seinen Fahrzeugen. Der Diesel sei bei Kunden in Deutschland und in Europa unverändert sehr beliebt, sagte Müller. In Deutschland liegt der Dieselanteil bei den Pkw-Neuzulassungen aktuell bei 46 Prozent.

VW will auf Elektroautos setzen

Im Juni hatte der VW-Chef das Konzernprogramm "Together – Strategie 2025" vorgestellt und einen massiven Umbau des Autobauers angekündigt. Er sprach dabei von einem "epochalen Wandel". Volkswagen will künftig die Elektromobilität massiv ausbauen und Milliarden in neue Mobilitätsdienstleistungen investieren. Europas größter Autobauer will sich grundlegend neu aufstellen und bis 2025 eine Renditesteigerung von sieben bis acht Prozent realisieren. Von den mehr als 30 neuen Elektromodellen bis 2025 wollen die Wolfsburger pro Jahr zwei bis drei Millionen Stück verkaufen.

FAQ: Was VW-Fahrer wissen müssen

Umrüstung der 1.6-Liter-Modelle bis Ende 2016

Auch der VW Golf VI 2.0 TDI Blue Motion kann umgerüstet werden.

VW hatte zuletzt mitgeteilt, dass sich der für das zweite Quartal geplante Rückruf der Modelle mit 1,2-Liter-Motor verzögere. Bis Jahresende wollen die Wolfsburger auch die 1,6-Liter-Wagen umrüsten. Bei diesen muss neben einer neuen Software auch ein Teil eingebaut werden. Die Reparatur wird von der Flensburger Behörde nach Typen zugelassen, weil je nach Bauart eine andere Software nötig ist. Sie soll die illegale Abschalteinrichtung ersetzen, die dafür sorgt, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße.

Rabatte für Golf und Passat fressen Gewinn

Die Abgas-Affäre und ihre Folge haben den VW-Gewinn um ein Fünftel einbrechen lassen. Im ersten Quartal 2016 verdiente der Volkswagen-Konzern 2,3 Milliarden Euro, teilte VW am 31. Mai 2016 mit. Das sind rund 20 Prozent weniger als vor Jahresfrist und so viel wie vor zwei Jahren. Der Grund liegt in hohen Rabatten, die VW Kunden nach Bekanntwerden des "Dieselgate" einräumte. Währungseffekte ließen den Gewinn vor Zinsen und Steuern allerdings leicht steigen. Andererseits zeigt die Rückstellung für Anwaltskosten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Dafür legte Volkswagen im ersten Quartal 200 Millionen Euro mehr zurück.

Die größten NOx-Sünder

Weichen für Musterverfahren gestellt

Um die Abgas-Affäre juristisch zu bereinigen, stellte das Landgericht Braunschweig vor Kurzem die Weichen für ein Musterverfahren, mit dem zentrale Fragen gebündelt geklärt werden. Auf diese Weise wollen sowohl VW-Investoren als auch der Konzern selbst wichtige Klage-Aspekte in nächsthöherer Instanz klären. Wann genau der Startschuss dafür fällt, ist noch unklar. Das Musterverfahren ähnelt anderen Prozessen, wie sie beispielweise gegen die Deutsche Telekom oder die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) angestrengt wurden.

Kunde darf manipulierten Seat zurückgeben

Erstmals im Abgasskandal verpflichtete ein Gericht einen Autohändler dazu, ein Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten. Das Urteil des Landgerichts München erging laut "Stern TV" am 17. Mai 2016. Es handele sich um einen Seat Ibiza mit 1,6-Liter-Diesel-Motor vom Typ EA 189, der mit der Betrugssoftware ausgestattet sei. Geklagt habe ein Ehepaar aus München. Volkswagen bestätigte das Urteil. Der Händler werde in Absprache mit dem Konzern Berufung einlegen, hieß es. Entscheidungen anderer Gerichte legten nahe, dass es für die Besitzer der Autos zumutbar sei, die Umrüstung abzuwarten. Die Fahrzeuge könnten bis dahin ohne Einschränkungen im Straßenverkehr genutzt werden. Laut Volkswagen sind deutschlandweit bislang neun Urteile zur Thematik ergangen. Acht unterschiedliche Landgerichte hätten die Klagen der Autobesitzer abgewiesen. Nur das Landgericht München habe in erster Instanz der Klage gegen einen Händler stattgegeben.

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

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Größter Verlust in der Konzerngeschichte

Trotz der wiedergewonnenen Spitzenposition muss Volkswagen angesichts der immensen Kosten für den Abgas-Skandal den größten Verlust seiner Geschichte verkraften. 2015 lag das Ergebnis unterm Strich mit minus 1,6 Milliarden Euro massiv in den roten Zahlen. Das teilte VW am 22. April 2016 in Wolfsburg nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. 2014 stand noch ein Gewinn von knapp 11 Milliarden Euro in den Büchern. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro (2014) auf minus 4,1 Milliarden. Ohne die Kosten für die Abgas-Affäre wäre es leicht gestiegen. Der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf gut 213 Milliarden Euro.

Die größten NOx-Sünder

Betrugssoftware schon 1999 bei Audi entwickelt

Das ist VW-Chef Matthias Müller

Die Anfänge des Abgasskandals bei Volkswagen gehen einem Medienbericht zufolge auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den zunehmend schärferen Grenzwerten begegnen könne, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchen- und Konzernkreise. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Weder Volkswagen noch Audi wollten sich dazu äußern. Dem Bericht zufolge hatten Audi-Techniker zunächst in die Motorsteuerung eingegriffen, um beim Dieselmotor das Klopfen zu verringern und seinen Komfort zu erhöhen. Da dadurch die Stickoxid-Werte gestiegen seien, habe man die sogenannte Akustikfunktion mit Blick auf verschärfte Abgasnormen in Europa im Jahr 2001 auf dem Prüfstand abgeschaltet. Allerdings wurde der Einsatz eines "defeat device" als illegal eingestuft und daher verworfen. Somit drohe Audi vermutlich keine juristischen Konsequenzen, schreibt das "Handelsblatt". Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden.

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