VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Abgasskandal: News und Hintergründe – UPDATE

— 22.09.2016

"Ohne Bescheißen geht's nicht"

Audi gerät im VW-Abgasskandal weiter unter Druck. Nach Vorwürfen gegen Markenchef Stadler sorgt nun eine E-Mail aus dem Jahr 2007 für Brisanz. News-Überblick!

• E-Mail mit Brisanz in Audi-Kreisen
• Medienbericht: Zeugen belasten Audi-Chef Stadler
• Erst 500.000 von 8,5 Millionen Autos in Europa umgerüstet
• Auch Hessen verklagt VW
• Juristische Baustellen, Verluste, Ermittlungsstand
Audi-Händler muss zwei manipulierte Wagen zurücknehmen
• Müller sieht Gefahr für VW gebannt
• VW-Mitarbeiter in den USA bekennt sich schuldig
• Freigabe für Rückruf vom 1,2-Liter-Diesel
• Umrüstaktion aller manipulierter Autos noch 2016
Freigabe für 800.000 Zweiliter-Diesel mit 168 PS

Zeugen belasten Audi-Chef Rupert Stadler im Abgasskandal, meldet "Spiegel online".

(dpa/Reuters) VW-Tochter Audi gerät wegen ihrer Rolle im Abgasskandal weiter unter Druck. Bereits 2007 habe ein Ingenieur einem größeren Kreis von Managern des Autoherstellers in einer E-Mail geschrieben, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR am Mittwoch (21. September) unter Berufung auf Erkenntnisse der Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die Dieselaffäre aufklären soll. Audi gelte mittlerweile im VW-Konzern als die "Mutter des Betrugs", schreibt die "SZ". Die Ingolstädter hatten zwar eingeräumt, eine unter US-Recht illegale Software zur Abgaskontrolle eingesetzt zu haben. Eine gezielte Täuschung stritt Audi bislang stets ab.

Zeugen belasten Audi-Chef Stadler

Im Abgasskandal belasten Zeugen Audi-Chef Rupert Stadler. Das berichtet "Spiegel Online" am 20. September 2016 und beruft sich dabei auf interne Ermittlungen. Denen zufolge gaben die Zeugen an, der Audi-Chef habe bereits im Jahr 2010 von den Manipulationen Kenntnis bekommen. Die vom VW-Aufsichtsrat mit der internen Aufklärung des Abgasskandals beauftragten Spezialisten der US-Anwaltskanzlei Jones Day wollten Stadler ausführlich befragen, wann er von dem Einsatz der verbotenen Software für die Motorsteuerung erfahren hat. Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller sagte am 20. September in Hannover am Rande einer VW-Veranstaltung im Vorfeld der Messe IAA Nutzfahrzeuge: "Es ist ja interessant, dass der 'Spiegel' Informationen von Jones Day hat, die wir nicht haben." Weiter wollte er sich zu dem Bericht nicht äußern. Zuvor hatten Sprecher von Audi und des VW-Konzerns Kommentare zu dem Bericht abgelehnt.

Stadler ist seit 2007 Chef der Konzernmarke Audi. Gerade erst war Audi-Entwicklungschef Stefan Knirsch ins Visier geraten, weil er von Manipulationen gewusst haben soll. Im Gegensatz zu Volkswagen hat sich die VW-Tochter Audi noch nicht mit den US-Behörden darauf geeinigt, wie die von der Betrugssoftware betroffenen Audi-Motoren umgerüstet werden können. Dies betrifft 85.000 Dreiliter-Motoren, die in Audi-, Volkswagen- und Porsche-Modellen eingebaut sind.

Chronologie des VW-Skandals

21. September 2016: Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der US-Anwaltskanzlei Jones Day.

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Erst 500.000 Autos umgerüstet

Volkswagen hat von den 8,5 Millionen Fahrzeugen in Europa erst bei 500.000 Exemplaren die Manipulations-Software entfernt. Manfred Bort, zuständiger Manager des Abgas-Skandals für den europäischen Markt, erklärte im Mitarbeiter-Magazin "Inside", dass im Laufe des Jahres 2017 der Rückruf in Europa abgeschlossen ist. "Von den Kunden, die vor zwei oder drei Monaten einen Brief erhalten haben, waren bereits mehr als 60 Prozent in den Werkstätten und sind zufrieden wieder nach Hause gefahren." Bei den Fahrzeugen, die im Frühjahr den Auftakt des Rückrufes bildeten, liege die Quote "sogar bei über 80 Prozent". Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat bisher 60 Prozent der technischen Umrüst-Genehmigungen zugelassen und VW hofft auf die restlichen Zulassungen bis November 2016. Davon seien gut 10 Prozent erfolgreich umgerüstet. Ursprünglich sollte die Umrüstung bereits Ende des Jahres 2016 abgeschlossen sein, doch beim 2,0 TDI-Motor (140 PS) kam es aufgrund der vielen Varianten (Ausstattung, Gewicht und Getriebetyp) bereits zum Jahresbeginn zu Verzögerungen.

Auch Hessen will Schadenersatz

Nach Bayern wird nun auch Hessen eine Klage gegen VW einreichen. 

Wegen des Abgasskandals will nach Bayern nun auch das Bundesland Hessen Volkswagen auf Schadenersatz verklagen. Das Land habe durch den Wertverlust der Volkswagen-Aktie rund 3,9 Millionen Euro verloren, sagte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) am 16. September 2016. Die Klage solle in den kommenden Tagen beim Landgericht Braunschweig eingereicht werden. "Wer sein Geld in Aktien anlegt, muss auch Verluste hinnehmen. Nicht hinnehmen müssen wir jedoch, wenn Verluste dadurch entstehen, dass eine Aktiengesellschaft gegen Mitteilungspflichten verstoßen hat. VW hat dies getan", sagte Schäfer. Auch Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt prüfen juristische Schritte.

Weltweite Klagen von Aktionären und Verbrauchern

Die Klage der Bundesländer ist nur eine von zahllosen juristischen Baustellen, mit denen der Konzern seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen vor einem Jahr am 18. September 2015 zu kämpfen hat. VW muss sich wegen des Diesel-Skandals weltweit vor Gericht verantworten. Der Schwerpunkt liegt in den USA, wo der Betrug aufflog. In vielen anderen Ländern drohen aber ebenfalls Konsequenzen. Die größten Baustellen sind:

 Aktionärsklagen: Viele Anleger wollen sich ihre Verluste bei Aktien und Anleihen vom Konzern erstatten lassen. Derzeit liegt das Gesamt-Schadenvolumen eingereichter Anlegerklagen bei rund vier Milliarden Euro. 

• Zivilklagen: Viele VW-Autobesitzer wollen Schadenersatz einklagen. In den USA erreichten Konzern, Kläger und Behörden für rund 480.000 betroffene Diesel einen vorläufigen Vergleich. Dieser könnte VW bis zu 15,3 Milliarden Dollar kosten. Bis Ende August registrierten sich laut den Klägeranwälten 200.000 Dieselfahrer für das Angebot. In Deutschland ist die Zahl der Verfahren bislang übersichtlich: Am Landgericht Braunschweig sind derzeit knapp 70 Klagen von Käufern anhängig, darüber hinaus noch einige an anderen Gerichten.

• Strafrechtliche Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Verantwortliche und Ex-Mitarbeiter des VW-Konzerns. Es laufen Verfahren gegen 30 mutmaßlich Beteiligte – bei 21 wegen der Software-Manipulation. Gegen sechs wird im Zusammenhang mit falschen CO2- und Verbrauchsangaben ermittelt. Hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zum Löschen von Daten aufgerufen haben soll. Die Ermittler gehen daneben dem Verdacht nach, Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und der amtierende VW-Markenchef Herbert Diess hätten die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Skandal ins Bild gesetzt.

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Riesige Verluste an Geld und Image

Doch die juristischen Folgen von "Dieselgate" sind nur die Spitze des Eisbergs, die den Erfolgsdampfer Volkswagen und mit ihm die gesamte Branche rammte. Die bisherige Bilanz ist katastrophal. Der einst so stolze Autobauer ist in den Grundfesten erschüttert, Manager stürzten, wichtige Zulieferer bangen, der Diesel scheint zumindest außerhalb Europas keine Zukunft zu haben. Rückrufe von Millionen Wagen bei VW, Audi, Skoda und Seat mit älteren Antrieben laufen nur schleppend an, sollen aber planmäßig noch 2016 abgeschlossen werden. Eine Lösung für den Dreiliter-Diesel steht in den USA noch aus, eine Frist läuft.

Chronologie des VW-Skandals

21. September 2016: Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der US-Anwaltskanzlei Jones Day.

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Mit minus 1,6 Milliarden Euro steht 2015 für den größten Verlust in der VW-Geschichte. Zweistellige Milliardensummen dürfte die Krise am Ende kosten, Genaues ist unklar. Analysten halten bis zu 35 Milliarden Euro für realistisch. Das wäre ein Mehrfaches der jüngsten Jahresgewinne. Längst trifft die Krise zudem den Normalbürger an den VW-Standorten, wo die Gewerbesteuern einbrechen. Vieles wird teurer – Kindergärten, Schwimmbäder, Kultureinrichtungen, die Grabpflege.

Auch andere Hersteller unter Verdacht

Der Abgasskandal erschütterte nicht nur den Volkswagen-Konzern, sondern stellte die gesamte Branche unter Generalverdacht. Nachmessungen von Behörden in unterschiedlichen Ländern ergaben deutlich erhöhte Stickoxid-Ausstöße bei Modellen diverser anderer Hersteller. Eine Manipulation in dem Ausmaß wie bei Volkswagen konnte bislang aber keinem Autobauer nachgewiesen werden. Mitsubishi gab mittlerweile zu, seit 1991 in Japan Abgaswerte beschönigt zu haben.

Bestätigt: Mitsubishi manipulierte seit 1991

Dobrindt wirft Fiat Manipulation vor

Bei Nachmessungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) im Zuge des VW-Abgasskandals im Frühjahr 2016 waren 22 von 53 Modelle auffällig gewesen, die Hersteller sagten daraufhin freiwillig Nachbesserungen bei 630.000 Fahrzeugen zu. Diese "Serviceaktionen", die nun mit dem Porsche Macan begonnen haben, finden unabhängig von dem vom KBA angeordneten Rückruf für 2,4 Millionen manipulierte Diesel-Kfz des Volkswagenkonzerns statt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt bezichtigte Fiat aufgrund der Testergebnisse offiziell der Manipulation: Die Abgasreinigung schalte nach 22 Minuten ab, das lasse sich nicht mit Motorenschutz begründen. 

Erhöhte Werte, aber keine Beweise

Ähnlich wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gingen die Behörden vieler anderer Länder vor. Die Regierung in Paris beispielsweise stellte bei eigenen Nachmessungen an 86 Modellen deutliche Abweichungen und Normverstöße fest. Weitere Betrugssoftware konnte die eingerichtete Kommission allerdings nicht nachweisen - auch wenn sie mangels ausreichender Informationen mancher Anbieter nicht ausschließen wollte, dass es sie gibt. Auch das britische Verkehrsministerium fand bei der Nachmessung von knapp 40 verschiedenen Automodellen keine Hinweise auf betrügerische Manipulationen wie bei VW. Jedoch lagen die Stickoxid-Werte im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches über den Prüfstandswerten. Untersuchungen in zahlreichen weiteren Ländern brachten ähnliche Ergebnisse.

Urteil: Händler muss Audis zurücknehmen

Im VW-Abgasskandal hat das Krefelder Landgericht einen städtischen Autohändler verurteilt, zwei Audis mit Schummel-Software zurückzunehmen. Bei den Abgas-Manipulationen handele es sich um einen erheblichen Mangel. Außerdem sei eine Nachbesserung durch Software-Update für die Käufer nicht zumutbar. Das entschied das Gericht am 14. September 2016 (Aktenzeichen.: 2 O 72/16 und 2 O 83/16). Auch nach einer Nachrüstung durch VW bleibe nämlich ein "berechtigter Mangelverdacht", so das Gericht. Es geht um einen Audi A6 von Anfang 2014 und einen Kleinwagen A1 vom Frühjahr 2015.

Gericht zweifelt erfolgreiche Nachrüstung an

Der Zweifel an einer erfolgreichen Nachrüstung gründe unter anderem darauf, dass günstige Stickoxidwerte bekanntermaßen technisch in einem "Zielkonflikt" mit geringen Kohlendioxidwerten stünden, erklärte das Gericht. Kunden müssten nicht hinnehmen, wenn Verbesserungen der Stickoxidwerte möglicherweise durch andere Mängel wie höhere CO2-Werte erkauft werden. Zwar habe das Gericht keine konkreten technischen Gutachten dazu eingeholt, erläuterte ein Gerichtssprecher. Ein "berechtigter Verdacht" reiche aber für die Unzumutbarkeit bereits aus. Das Gericht argumentierte, dass zum Zeitpunkt des Rücktritts der beiden Kunden vom Kaufvertrag Anfang 2016 noch nicht klar gewesen sei, ob und wann das Kraftfahrt-Bundesamt die Nachrüstungs-Software für die entsprechenden Wagen freigeben würde. Käufer müssten es nicht hinnehmen, dass mit den VW-Konzernen ausgerechnet diejenigen, die die "arglistige Täuschung" begangen haben, den Mangel beseitigen wollten.

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Müller sieht Gefahr für VW gebannt

Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals sieht VW-Chef Matthias Müller die Gefahr einer existenziellen Bedrohung für den Konzern gebannt. "VW hat die Kunden enttäuscht und zahlt dafür am Ende einen hohen Preis. Aber das Unternehmen wird weiter bestehen, auch wenn die Belastung extrem ist", sagte Müller der "BILD am SONNTAG". Dem Traditionskonzern hat der 63-Jährige eine neue Führungskultur verordnet, hat Manager an Schlüsselpositionen ausgetauscht und die Macht der Konzernzentrale beschnitten. Er will den Wolfsburger Tanker mit seinen zwölf Marken umkrempeln, ihn fit für die neuen Mobilitätsdienste machen und in der Elektromobilität ganz vorne mitspielen. Dort werde der Konzern schon bald aufholen. "2020 kommt VW geballt mit einer völlig neuen Plattform. Dann werden wir 30 elektrisch betriebene Modelle anbieten und reden über Reichweiten von 500 bis 600 Kilometer." Im Juni hatte der VW-Chef das Konzernprogramm "Together – Strategie 2025" vorgestellt und einen massiven Umbau des Autobauers angekündigt

VW-Mitarbeiter bekennt sich in den USA schuldig

In den USA hat sich erstmals ein führender VW-Ingenieur im Abgasskandal schuldig bekannt.

In den USA hat sich im Abgasskandal nach einer ersten Strafanzeige ein VW-Mitarbeiter schuldig bekannt. Das teilte das US-Justizministerium Anfang September mit. Der 62-Jährige aus Kalifornien gab nach Angaben des Justizministeriums zu, Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein. Ziel sei es gewesen, durch die Entwicklung spezieller Betrugs-Software zur Manipulation von Emissionstests US-Behörden und Kunden hinters Licht zu führen. Eine Sprecherin von VW teilte mit, dass das Unternehmen weiterhin mit dem US-Justizministerium kooperiere. Darüber hinaus könne man sich zu dem Fall nicht äußern.

Leiter der Diesel-Abteilung aus Kalifornien

Der Mann sei von 1983 bis Mai 2008 bei der Volkswagen AG in Wolfsburg angestellt gewesen. Danach sei der Ingenieur in die Vereinigten Staaten gezogen, um bei der Einführung der "Clean Diesel" genannten Marktoffensive mitzuarbeiten. Im VW-Testlabor in Oxnard, Kalifornien, habe er bis zur Anklage einen gehobenen Posten ("Leader of Diesel Competence") bekleidet. Die Strafanzeige datiert bereits vom 1. Juni, wurde aber erst jetzt im Zuge der Einigung mit den Behörden öffentlich gemacht. Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

Klage auch in Australien

Volkswagen muss sich im Abgas-Skandal nun auch mit einer Klage in Australien auseinandersetzen. Die Verbraucherschutzbehörde ACCC kündigte am 1. September 2016 rechtliche Schritte wegen Betrugs an. In den vergangenen fünf Jahren habe Europas größter Autobauer in Australien mehr als 57.000 Fahrzeuge mit der Behauptung verkauft, sie seien umweltfreundlich und verursachten nur niedrige Emissionen. "Das war unter normalen Fahrbedingungen nicht der Fall", teilte die ACCC mit.

US-Richter setzt Frist für große Motoren

US-Richter Charles Breyer will bis 24. Oktober einen brauchbaren Einigungsvorschlag für die Dreiliter-Motoren haben.

Im US-Rechtsstreit um manipulierte Abgaswerte ringt Volkswagen weiter nach einer Lösung bei Zehntausenden größeren Dieselautos. Der zuständige Richter Charles Breyer, bei dem Hunderte Zivilklagen gebündelt sind, erhöhte am 25. August 2016 den Zeitdruck in den Verhandlungen mit den US-Behörden. Bis zum 24. Oktober müsse VW die nötigen Unterlagen zur Klärung des Falls beim US-Umweltamt EPA einreichen, ordnete der Richter an. Es geht um etwa 85.000 Dieselwagen mit größeren 3,0-Liter-Motoren, die mit in den USA verbotener Software zur Abgaskontrolle ausgestattet sind.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

Breyer machte klar, dass die Zeit in der Dreiliter-Frage drängt, da die Autos nicht den US-Vorschriften entsprächen und somit illegal auf den Straßen unterwegs seien. Für den 3. November setzte der Richter eine weitere Anhörung an.

US-Kunden nehmen VW-Angebot gut an

Es gibt aber auch gute Nachrichten für VW in Übersee: So trifft der mit US-Klägern ausgehandelte Milliarden-Vergleich bei den kleineren Motoren bei den geschädigten Kunden auf breite Zustimmung. Über 200.000 Dieselbesitzer hätten sich bereits registriert, um das Angebot anzunehmen, teilten Klägeranwälte mit. Tausende weitere registrierten sich täglich. Der hohe Zuspruch in so kurzer Zeit sei ein starkes Zeichen, dass die außergerichtliche Einigung gelinge. VW bietet den Dieselbesitzern in den USA je nach Modelltyp und Baujahr zwischen 5100 und 10.000 Dollar pro Fahrzeug als Entschädigung. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. Richter Breyer will am 18. Oktober verkünden, ob er dem Milliarden-Vergleich endgültig zustimmt.

Freigabe für Rückruf vom 1,2-Liter-Diesel

Der kleinste vom VW-Skandal betroffene Dieselmotor mit 1,2 Litern Hubraum steckt unter anderem im Polo.

Volkswagen darf 460.000 weitere Fahrzeuge mit manipulierten Dieselmotoren technisch umrüsten. Das Kraftfahrtbundesamt habe die Nachbesserungslösungen freigegeben, teilte VW in Wolfsburg mit. Damit können Halter von Autos mit dem kleinen 1,2-Liter-Motor, wie er etwa im Volkswagen Polo und Seat Ibiza steckt, demnächst mit einer Umrüstung rechnen. Die Halter würden aufgefordert, sich mit einer Werkstatt in Verbindung zu setzen. Nach dem Umbau erfüllen die Fahrzeuge alle gesetzlichen Anforderungen, betonte VW. Noch 2016 will der Konzern die Umrüstung aller manipulierten Dieselmodelle in Europa auf den Weg bringen. Ob es aber klappt, die Aktion wie geplant auch 2016 abzuschließen, ist ungewiss. Im ersten Halbjahr hatte es Verzögerungen gegeben unter anderem beim Modell Passat. Zuletzt hatte das KBA die technischen Lösungen für europaweit rund 800.000 weitere Diesel freigegeben, darunter Varianten des Passat, Passat-Kombi, CC, Alltrack sowie Touran, Audi, Skoda und Golf-GTD. Sie alle hätten Versionen des von der Software-Manipulation betroffenen Vierzylinder-Diesels EA189 mit 2,0 Liter Hubraum und 125 Kilowatt Leistung (168 PS).

FAQ: Was VW-Fahrer wissen müssen

Streitfrage: Zeitpunkt der Veröffentlichung

Die klagenden Aktionäre und Anleihegläubiger sehen im Zuge der Affäre um manipulierte Emissionswerte kapitalmarktrechtliche Informationspflichten verletzt, weil VW angeblich zu spät über die möglichen finanziellen Folgen des Skandals Auskunft gegeben hat. Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, woraufhin viele Anleger mit Verlust verkauften. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. VW ist der Überzeugung, alle Regeln für die Information der Kapitalmärkte eingehalten zu haben. Ob das tatsächlich so war, wird sich nicht schnell klären lassen.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Wertverlust der VW-Aktien

Zeugen belasten Audi-Chef Rupert Stadler im Abgasskandal, meldet "Spiegel online".

Bayern geht davon aus, dass VW zu spät über die Risiken des Abgas-Skandals informiert hat. Volkswagen hatte das bislang als unbegründet zurückgewiesen und betont, man habe alle Mitteilungspflichten ordnungsgemäß erfüllt. Zu der Ankündigung Bayerns wollte der Konzern sich nicht äußern. Baden-Württemberg hielt bei Bekanntwerden der Diesel-Affäre rund 64.600 Aktien des Autobauers. Aussagen über die Höhe des möglichen Schadens seien noch nicht möglich. Bayern hielt in seinem milliardenschweren Pensionsfonds für Landesbedienstete im September 2015 rund 58.000 VW-Vorzugsaktien. Das VW-Land Niedersachsen will keine Klage einreichen, bekräftigte ein Sprecher der Landesregierung Anfang August. Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen, das Saarland und Rheinland-Pfalz wollen ebenfalls nicht klagen, entweder, weil man keine Aktien von VW halte oder allenfalls indirekt. Sachsen-Anhalt prüfe derzeit die Zusammensetzung der eigenen Anlagen.

US-Bundesstaaten klagen trotz Vergleichs

Trotz des milliardenschweren Vergleichs im Dieselskandal hat Volkswagen weiter Ärger mit Umweltklagen von US-Bundesstaaten. Wegen der Verletzung von Luftreinheitsgesetzen verhängte der US-Bundesstaat Washington ein Bußgeld von 176 Millionen Dollar, teilte das Umweltamt Ende Juli mit. Die Behörde ahndet damit Verstöße von 21.000 Diesel-Fahrzeugen, die in Washington zugelassen sind. VW hat nun 30 Tage Zeit, Widerspruch gegen das Bußgeld einzulegen. 

So viel verbrauchen unsere Autos wirklich

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Insgesamt sechs Generationen der Betrugssoftware

Die Entwicklung der Software soll wie bereits früher berichtet bereits 1999 bei Audi erfolgt sein. Die sogenannte "Akustikfunktion"  soll dann von 2004 bis 2008 in den 3,0-Liter-V6-Motoren in Europa eingebaut worden sein. Als die VW-Ingenieure Ende 2006 keine (preisgünstige) Lösung fanden, die scharfen US-Umweltrichtlinien zu erfüllen, sollen sie laut der von BILD zitierten Anklageschrift beim damals neuen EA189-Motor diese "Akustikfunktion" von Audi kopiert haben. Und zwar "laut Klage mit Wissen und Genehmigung der VW-Manager", so die Tageszeitung weiter. Insgesamt solle Volkswagen sechs Generationen der Schummel-Software entwickelt haben. Volkswagen bezeichnet die Vorwürfe als "im Wesentlichen nicht neu" und wies die Anschuldigungen gegen Matthias Müller als "unbegründet" zurück.

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Betrugssoftware schon 1999 bei Audi entwickelt

Das ist VW-Chef Matthias Müller

Die Anfänge des Abgasskandals bei Volkswagen gehen einem Medienbericht zufolge auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den zunehmend schärferen Grenzwerten begegnen könne, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchen- und Konzernkreise. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Weder Volkswagen noch Audi wollten sich dazu äußern. Dem Bericht zufolge hatten Audi-Techniker zunächst in die Motorsteuerung eingegriffen, um beim Dieselmotor das Klopfen zu verringern und seinen Komfort zu erhöhen. Da dadurch die Stickoxid-Werte gestiegen seien, habe man die sogenannte Akustikfunktion mit Blick auf verschärfte Abgasnormen in Europa im Jahr 2001 auf dem Prüfstand abgeschaltet. Erst 2005 sei die Software dann bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden.

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