VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Abgasskandal: News und Hintergründe – UPDATE

— 31.05.2016

Rabattaktion frisst VW-Gewinn

In Folge des Abgasskandals hat VW Autos mit hohem Rabatt verkauft. Das frisst Teile des Gewinns. VW hängt in der Abgasschleife. News-Überblick!

• Rabatte für Golf und Passat fressen Gewinn
• Startschuss für Musterverfahren in Deutschland
• Bezirksrichter Breyer sieht Fortschritte
• Händler muss Seat Ibiza zurücknehmen
• 15.000 Golf in die Werkstatt
• Müller räumt Probleme beim Rückruf ein
Volkswagen will Elektro-Vorreiter werden
Auch Vorstand und Aufsichtsrat müssen bluten
• Dank China-Geschäft: VW überholt Toyota
• Aber größter Verlust der Konzerngeschichte
• Betrugssoftware stammt offenbar von Audi

Ein Kunde darf seinen manipulierten Seat Ibiza dem Händler zurückgeben.

(dpa/Reuters) Die Abgas-Affäre und ihre Folge lassen den Gewinn bei VW um ein Fünftel einbrechen. Im ersten Quartal 2016 verdiente der Volkswagen-Konzern 2,3 Milliarden Euro, teilte VW am 31. Mai 2016 mit. Das sind rund 20 Prozent weniger als vor Jahresfrist und soviel wie vor zwei Jahren. Der Grund liegt in hohen Rabatten, die VW Kunden nach Bekanntwerden des "Dieselgate" einräumte. Währungseffekte ließen den Gewinn vor Zinsen und Steuern allerdings leicht steigen. Andererseits zeigt die Rückstellung für Anwaltskosten, wie präsent die Abgas-Affäre in den Büchern bleibt: Dafür legte Volkswagen im ersten Quartal 200 Millionen Euro mehr zurück. Damit zahlt VW einmal mehr für die Sünden der Vergangenheit.

Chronologie des VW-Skandals

25. Mai 2016: Um die Abgas-Affäre juristisch zu bereinigen, ebnet das Landgericht Braunschweig den Weg für einen Musterprozess. Damit wollen sowohl VW-Investoren als auch der Konzern selbst wichtige Klage-Aspekte in nächsthöherer Instanz klären. Wann genau der Startschuss dafür fällt, ist noch unklar.

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Konzern gesund, Kernmarke ertragsschwach

Ein hartnäckiges Problem bleibt die Ertragsschwäche der Kernmarke mit dem VW-Logo: Auch zum Jahresstart warf das Sorgenkind mit Golf und Passat kaum Gewinn ab. Zwar arbeitete die Marke in wieder profitabel, doch brach das Ergebnis im Vergleich zum Startquartal 2015 um 86 Prozent ein. Um die Verkaufszahlen halbwegs stabil zu halten, muss VW nach dem Image-Verlust viel Geld in die Hand nehmen; Rabatte und Werbung schmälern den Gewinn der Kernmarke. Die großen Gewinnbringer bleiben die Luxusmarken Audi und Porsche. Auch die tschechische Tochter Skoda glänzte. Der Konzern-Umsatz sank um 3,4 Prozent auf knapp 51 Milliarden Euro. Die Verkaufszahlen des Konzerns schrumpften leicht um 1,2 Prozent auf knapp 2,6 Millionen Fahrzeuge.

"Neue Autowelt kostet viel Geld"

Konzernchef Matthias Müller hat die Wahrheit vor seinem Führungsteam längst offen ausgesprochen: "Der Weg in die neue Autowelt wird sehr viel Geld kosten. Finanziert werden muss er mit den Einnahmen aus der alten Welt", kündigte er vor wenigen Tagen vor seinen Top-Managern an. VW will massiv in die Elektromobilität investieren. Doch im Diesel-Schatten lauert eine Belastung, die möglicherweise in die Milliarden geht.

Weichen für Musterverfahren gestellt

Um die Abgas-Affäre juristisch zu bereinigen, stellte das Landgericht Braunschweig vor Kurzem die Weichen für ein Musterverfahren, mit dem zentrale Fragen gebündelt geklärt werden. Auf diese Weise wollen sowohl VW-Investoren als auch der Konzern selbst wichtige Klage-Aspekte in nächsthöherer Instanz klären. Wann genau der Startschuss dafür fällt, ist noch unklar. Das Musterverfahren ähnelt anderen Prozessen, wie sie beispielweise gegen die Deutsche Telekom oder die Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) angestrengt wurden.

VW nähert sich Lösung in den USA

Der wichtige Bezirksrichter Charles Breyer bescheinigt VW gute Fortschritte bei der Lösung des Streits.

In den USA macht Volkswagen Fortschritte bei den Verhandlungen um eine Beilegung des "Dieselgate“-Mammutverfahrens. Der Konzern sei auf einem guten Wege, fristgemäß bis zum 21. Juni einen Vergleich mit den Hunderten klagenden Autobesitzern und den US-Behörden zu präsentieren, sagte der zuständige Richter Charles Breyer bei einer Anhörung am Dienstag (24. Mai 2016) in San Francisco. Er sei "extrem dankbar" für die Anstrengungen, die alle Beteiligten unternähmen, um rechtzeitig eine Lösung zu finden. Breyer forderte erneut, dass Autos zurückgekauft oder umgerüstet werden müssten. Darüber hinaus sollen Besitzer von manipulierten Dieselwagen eine "substanzielle Entschädigung" erhalten, bekräftigte der Richter. Neue Details einer möglichen Lösung nannte er nicht. Bei Breyers Gericht in San Francisco sind fast alle wichtigen US-Klagen gegen VW gebündelt, unter anderem die der US-Behörden. Volkswagen hat im April bereits eine Grundsatzeinigung mit den Klägern erreicht, muss aber noch die Details für einen Vergleich aushandeln. Dem Konzern werden Vertragsbruch und Betrug vorgeworfen. Allein die Klage der US-Regierung gegen den Autohersteller wegen Verstößen gegen Umweltgesetze könnte eine Strafen in zweistelliger Milliardenhöhe mit sich bringen

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Seit Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst hieß es, hieß es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gab das zu.

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Kunde darf manipulierten Seat zurückgeben

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'Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?'

Erstmals im Abgasskandal verpflichtete ein Gericht einen Autohändler dazu, ein Fahrzeug zurückzunehmen und den Kaufpreis zu erstatten. Das Urteil des Landgerichts München erging laut "Stern TV" am 17. Mai 2016. Es handele sich um einen Seat Ibiza mit 1,6-Liter-Diesel-Motor vom Typ EA 189, der mit der Betrugssoftware ausgestattet sei. Geklagt habe ein Ehepaar aus München. Volkswagen bestätigte das Urteil. Der Händler werde in Absprache mit dem Konzern Berufung einlegen, hieß es. Entscheidungen anderer Gerichte legten nahe, dass es für die Besitzer der Autos zumutbar sei, die Umrüstung abzuwarten. Die Fahrzeuge könnten bis dahin ohne Einschränkungen im Straßenverkehr genutzt werden. Laut Volkswagen sind deutschlandweit bislang neun Urteile zur Thematik ergangen. Acht unterschiedliche Landgerichte hätten die Klagen der Autobesitzer abgewiesen. Nur das Landgericht München habe in erster Instanz der Klage gegen einen Händler stattgegeben.

Golf-Besitzer hoffen auf Lösung

Etwa 15.000 VW Golf VI 2.0 TDI Blue Motion werden in Europa in der Werkstatt nachgerüstet.

Nach wochenlangen Verzögerungen dürfen zumindest 15.000 Besitzer von manipulierten Golf-Diesel aus ganz Europa auf einen Rückruf hoffen. Am 3. Mai 2016 sollten die Eigentümer des Golf TDI Blue Motion mit 2,0 Liter-Motor und Schaltgetriebe per Post aus Wolfsburg über den Rückrufstart informiert werden. Dies hatten in der Woche zuvor VW-Chef Matthias Müller und Markenvorstand Herbert Diess in Wolfsburg angekündigt. Zeitgleich sollte den Werkstätten die Software zur Verfügung gestellt werden. "Grundsätzlich sind sie dann sofort in der Lage, die Aktion bei den Modellen durchzuführen", sagte ein VW-Sprecher in Hannover.

VW-Chef Müller räumt Probleme beim Rückruf ein

Die große Masse der weltweit mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeuge, davon rund 2,5 Millionen in Deutschland, muss aber weiter auf eine Freigabe warten. In den vergangenen Wochen hatte auch VW-Chef Matthias Müller erstmals offiziell Probleme beim Rückruf eingeräumt: "Wir sind damit noch nicht so weit, wie wir es gerne wären." Zahlen nannte er keine, nach dpa-Informationen bezifferte VW intern den Verzug zwischenzeitlich bereits auf rund 250.000 Fahrzeuge. Müller schloss deshalb auch nicht aus, dass der Rückruf nicht wie angekündigt im laufenden Jahr abgeschlossen werden kann. Der Wolfsburger Dax-Konzern hatte jüngst mitgeteilt, die interne Untersuchung der Vorgänge werde sich voraussichtlich bis Ende des Jahres hinziehen. Ein Bericht darüber werde erst veröffentlicht, wenn der Vergleich mit dem US-Justizministerium geschlossen sei. Bis Anfang Mai konnte VW gerade einmal den vom Diesel-Skandal ebenfalls betroffenen Pickup Amarok in die Werkstätten rufen. Laut einem Sprecher der Konzerntochter VW-Nutzfahrzeuge wurden bislang knapp 6300 der 8500 Fahrzeuge erfolgreich umgerüstet. Anfang April erteilte das KBA zudem für rund 90.000 betroffene Fahrzeuge der VW-Töchter Audi und Seat die Genehmigung für den Rückruf. Problematisch ist die Situation auch für die Vertragswerkstätten: Viele hatten sich eigens für die Rückrufe personell verstärkt. Infolge der fehlenden Freigaben fehlten in den vergangenen Wochen aber die Aufträge.

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Keine Entschädigung wie in den USA

VW-Chef Müller schloss für Deutschland und Europa Entschädigungen im gleichen Umfang wie in den USA aus. Es werde keine eins zu eins Übertragung der Lösung geben, die in den USA diskutiert werde, sagte Müller vergangene Woche in Wolfsburg. Verbraucherschützer und einige Politiker hatten genau dies gefordert. In den Vereinigten Staaten ist eine Zahlung von bis zu 5000 Euro für jeden Besitzer eines betroffenen Diesels im Gespräch.

Die größten NOx-Sünder

VW will Elektro-Vorreiter werden

Der durch den Dieselskandal schwer belastete Konzern will sich der Elektromobilität verschreiben. Das gab das Unternehmen bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2015 bekannt. Man habe den Anspruch, eine führende Rolle in diesem Bereich zu spielen, sagte Vorstandschef Müller. Aus diesem Grund will VW bis 2020 mehr als 20 zusätzliche Modelle auf den Markt bringen. Sie sollen alle auf einer eigenen Architektur beruhen, die zurzeit entwickelt wird: dem Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB). Neben Elektromobilität setzt der Konzern nach eigenen Angaben auch auf die weiteren großen Zukunftsthemen Digitalisierung, Vernetzung und Mobilitätsdienste. Dafür wolle man sich stärkern für neue Partnerschaften öffnen. Im Juli soll die Strategie für einen Konzernumbau bis 2025 vorgestellt werden.

Auch Vorstand und Aufsichtsrat müssen bluten

Die Vergütung für die Aufsichtsräte des VW-Konzerns ist wegen des Dieselskandals eingebrochen. Nach mehr als zwölf Millionen Euro für 2014 sank der Gesamtbetrag für die Kontrolleure 2015 auf 697.000 Euro – ein Rückgang um etwa 94 Prozent. Hintergrund ist die Mini-Dividende, die Volkswagen für 2015 zahlen will. An der Höhe der Ausschüttung an die Aktionäre hängt das Aufsichtsratssalär. Auch der zurückgetretene frühere VW-Chef Martin Winterkorn verliert infolge der Turbulenzen beim größten europäischen Autobauer Millionen. Hatte er für 2014 noch fast 16 Millionen Euro kassiert, sind es für 2015 noch 7,3 Millionen Euro. Das liegt vor allem an der gesunkenen mehrjährigen variablen Vergütung, die ein Teil des Vorstandssalärs ist. Neuer Spitzenverdiener im VW-Vorstand ist nun Nutzfahrzeug-Chef Andreas Renschler mit fast 15 Millionen Euro.

FAQ: Was VW-Fahrer wissen müssen

Dank China-Geschäft: VW überholt Toyota

In China läuft das Geschäft. VW hat Toyota deshalb wieder überholt und ist weltgrößter Autobauer.

Inmitten der Abgas-Affäre hat Volkswagen dank eines starken China-Geschäfts den Rivalen Toyota beim Absatz wieder überholt. Der Wolfsburger Konzern war damit im ersten Quartal 2016 der weltgrößte Fahrzeughersteller. Bei Toyota ging der Absatz in den ersten drei Monaten unter anderem wegen eines Produktionsstopps in einigen heimischen Fabriken nach einer Explosion um 2,3 Prozent auf 2,46 Millionen Stück zurück, teilten die Japaner am 26. April 2016 in Tokio mit. Wachstumstreiber für VW war vor allem ein starkes China-Geschäft. W war bereits in der ersten Hälfte 2015 an den Japanern vorbeigezogen, musste die Spitzenposition infolge des Diesel-Skandals aber wieder abgeben. Die Japaner waren 2015 mit 10,15 Millionen verkauften Fahrzeugen zum vierten Mal in Folge der weltweit größte Autohersteller. Nummer zwei war VW mit einem Absatz von 9,93 Millionen Autos.

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Größter Verlust in der Konzerngeschichte

Trotz der wiedergewonnenen Spitzenposition muss Volkswagen angesichts der immensen Kosten für den Abgas-Skandal den größten Verlust seiner Geschichte verkraften. 2015 lag das Ergebnis unterm Strich mit minus 1,6 Milliarden Euro massiv in den roten Zahlen. Das teilte VW am 22. April 2016 in Wolfsburg nach einer Sitzung des Aufsichtsrats mit. 2014 stand noch ein Gewinn von knapp 11 Milliarden Euro in den Büchern. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro (2014) auf minus 4,1 Milliarden. Ohne die Kosten für die Abgas-Affäre wäre es leicht gestiegen. Der Umsatz stieg um 5,4 Prozent auf gut 213 Milliarden Euro. Der Skandal lässt auch die Dividende einbrechen.

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Betrugssoftware schon 1999 bei Audi entwickelt

Das ist VW-Chef Matthias Müller

Die Anfänge des Abgasskandals bei Volkswagen gehen einem Medienbericht zufolge auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den zunehmend schärferen Grenzwerten begegnen könne, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Branchen- und Konzernkreise. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Weder Volkswagen noch Audi wollten sich dazu äußern.Dem Bericht zufolge hatten Audi-Techniker zunächst in die Motorsteuerung eingegriffen, um beim Dieselmotor das Klopfen zu verringern und seinen Komfort zu erhöhen. Da dadurch die Stickoxid-Werte gestiegen seien, habe man die sogenannte Akustikfunktion mit Blick auf verschärfte Abgasnormen in Europa im Jahr 2001 auf dem Prüfstand abgeschaltet. Allerdings wurde der Einsatz eines "defeat device" als illegal eingestuft und daher verworfen. Somit drohe Audi vermutlich keine juristischen Konsequenzen, schreibt das "Handelsblatt". Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden. Entsprechende Hinweise sollen auch die Ermittler der US-Kanzlei Jones Day erhalten haben.

Chronologie des VW-Skandals

25. Mai 2016: Um die Abgas-Affäre juristisch zu bereinigen, ebnet das Landgericht Braunschweig den Weg für einen Musterprozess. Damit wollen sowohl VW-Investoren als auch der Konzern selbst wichtige Klage-Aspekte in nächsthöherer Instanz klären. Wann genau der Startschuss dafür fällt, ist noch unklar.

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NOx-Luftverschmutzung: Wirbel um blaue Umwelt-Plakette

KBA-Freigabe für A4, A5, A6, Q5 und Exeo

Auch der Audi A4 2.0 d hat nach wochenlangen Test grünes Licht vom KBA für eine Nachrüstung bekommen.

Am 7. April hatte das KBA für einige Modelle aus der zweiten Rückrufwelle grünes Licht gegeben. Konkret umfasste die Freigabe Varianten der vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie des Seat Exeo. Alle Fahrzeuge sind mit der von VW entwickelten 2,0-Liter-Variante des Skandal-Motors EA 189 ausgestattet. Wie Passat-Fahrer müssen sich auch Halter des Skoda Superb weiter gedulden. Von dem Modell sollten zunächst 19.000 Autos mit einer legalen Software ausgerüstet werden.

Die größten NOx-Sünder

Bei diesen 2016er-Modellen weichen die CO2-Angaben ab

Offenbar geplanter Umbau: Strategiebeirat für VW

Zu Ostern wurden Pläne bekannt, wonach einflussreiche Kontrolleure im VW-Aufsichtsrat den Umbau bei Volkswagen-Pkw mit einem neuen Strategie-Gremium vorantreiben wollen. Die Kernmarke um Golf und Passat soll nach dpa-Informationen einen Beirat erhalten, der strategische Weichenstellungen bei Zukunftsfragen wie Elektromobilität und Digitalisierung begleitet. Aber auch heiße Eisen wie Stellenabbau oder Arbeitsschwerpunkte einzelner Fabriken könnten in dem Gremium debattiert werden, bevor sie zur finalen Abstimmung im 20-köpfigen Aufsichtsrat des VW-Konzerns landen. Anders als die Schwestermarken Audi und Porsche hat VW-Pkw keinen eigenen Aufsichtsrat. Den könnte es auch nicht geben, weil Marke und Konzern formal nicht genug getrennt sind. Zunächst müsste also der juristische Rahmen des Beirates geklärt werden: Was darf er? Was soll er leisten, und mit wie vielen Mitgliedern? Das Unternehmen wollte sich zu Details nicht äußern. Aus Konzernkreisen hieß es, spruchreif sei noch nichts. Die Pkw-Kernmarke mit Modellen vom Kleinstwagen Up bis zum Dickschiff Phaeton steht für fast die Hälfte vom Absatz und Umsatz des gesamten Konzerns. Sie kämpft seit Jahren mit Renditeschwächen. Schon Ex-Chef Martin Winterkorn hatte einen Milliardensparkurs verordnet.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

Neuer Chef, neue Konzernstruktur: Matthias Müller soll es richten

Noch zum Jahreswechsel 2015 neue Manipulationen?

Volkswagen hat in den USA möglicherweise noch Manipulationen an Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vorgenommen, als die kalifornische Umweltbehörde CARB das Unternehmen im Abgasskandal schon im Visier hatte. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" haben VW-Entwickler anscheinend noch zum Jahreswechsel 2014/15 die illegale Abschaltvorrichtung unbemerkt durch ein Software-Update erweitert. Die Motorsteuerung konnte fortan durch Erkennung des Lenkradwinkels noch klarer unterscheiden, ob das Auto auf einem Prüfstand getestet wurde oder auf der Straße fuhr. So konnte demnach die Abgasreinigung reduziert und der Verschleiß von Partikelfiltern vermindert werden. Der VW-Vorstand wusste dem Bericht zufolge davon nichts.

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Möglicherweise, schreibt die "Süddeutsche", haben sich die VW-Techniker allerdings selbst ausgetrickst. So könnte die Behörde ausgerechnet dadurch auf die illegale Abschaltvorrichtung gestoßen sein. Die CARB hatte ihre Ermittlungen ausgeweitet, nachdem der Schadstoffausstoß bei den VW-Dieseln auch nach einer Rückrufaktion Ende 2014 zu hoch war. In der Autobranche wird allerdings auch eine andere, harmlose Erklärung für möglich gehalten, warum die Software erweitert wurde. Wegen der zunehmenden Zahl von Fahrzeugen mit Allrad-Antrieb sei das notwendig gewesen, damit solch ein Auto "nicht aus Versehen vom Prüfstand" hüpfe. VW drohen nun höhere Strafzahlungen in den USA. Der Konzern wollte sich unter Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht zum Thema äußern.

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Mitarbeiter-Bonus trotz schwieriger Lage

VW zahlt seinen 120.000 Mitarbeitern im Haustarif trotz der milliardenschweren Belastungen aus der Abgasaffäre auch für 2015 einen Bonus. Vorstandschef Müller und Betriebsratsboss Osterloh einigten sich auf eine "Anerkennungsprämie", deren genaue Summe jedoch noch nicht feststeht. Für 2014 hatte es pro Kopf 5900 Euro Erfolgsbeteiligung gegeben. Osterloh und Müller begründen die Prämie mit einer herausragenden Leistung voll Mehrarbeit und Sonderschichten, aber auch mit dem Einstehen der Belegschaft für ihren Arbeitgeber in schwierigen Zeiten.

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