Audi-Werk, Ingolstadt, Tor 9, kurz vor acht Uhr morgens. Ich fahre ins Besucherparkhaus – und steige aus der alten Welt aus. Konkret: Aus unserem Dauertest-BMW, 3er Touring, Diesel, vorne links ein klassischer Arbeitsplatz. Hier hab ich auf den rund 700 Kilometern von Hamburg nach Oberbayern Dienst getan. Ein paar Schritte sind es, vorbei am Werksschutz, hinüber zu dem Gebäude mit der großen Glasfassade. Dort wartet die neue Welt auf mich. Oder besser gesagt der, der sie – zumindest bei Audi – zu großen Teilen mitverantwortet: Marc Lichte.

Der Audi-Chefdesigner höchstpersönlich zeigt seine Schätze

Audi Grand Sphere Studie
Bestmöglicher Guide: Chefdesigner Lichte zeigt und erklärt Redakteur Gebhardt einige Audi-Studien.
Seit 2014 verantwortet der Sauerländer das Audi-Design, seit 2017 ist er Hausherr im neuen Designzentrum; gut 37.000 Quadratmeter, die deutlich schicker verpackt sind als die sonstige Einheitsarchitektur auf dem Werksgelände. Dass er stolz auf seinen von ihm mitgestalteten Arbeitsplatz ist, merkt man schnell, wenn Lichte das Konzept erklärt. Aber: Wir wollen uns nicht mit Architektur aufhalten, nicht über Sichtbeton, offene, lichtdurchflutete Räume reden. Wir wollen rein. Dorthin, wo nur selten Gäste hindürfen. Ins Herz des Audi-Designs. Marc hat sich extra den Vormittag freigeschaufelt, gibt den Guide, mit auf Tour gehen Norbert Weber, verantwortlich für das Interieur-Design und Philipp Römers, sein Exterior-Pendant. Wir passieren zahlreiche schwere Türen, die alle nur mit der All-Access-Chip-Karte aufgehen. Und plötzlich stehen wir in einer 110 Meter langen Halle, umringt von zahlreichen Autos.

Bei der IAA-Studie Grandsphere gibt es ein neues Design-Konzept

Audi Grand Sphere Studie
Neues Konzept: Der Grandsphere wurde von innen nach außen entworfen – vom Interieur zum Exterieur.
Genauer gesagt: Ton-Modellen. Was sie alle eint: Sie verstecken sich unter einem Tuch. Denn genau hier entsteht sie, die neue Welt, die Zukunft. Dürfen wir freilich noch nicht anschauen. Doch Marc sprüht vor Begeisterung, eilt von Auto zu Auto, erzählt, erklärt – und hebt hin und wieder doch mal ein Tuch ein wenig an. Nur ein Blick durchs Schlüsselloch sozusagen, aber ein vielversprechender. Wer heute sagt, die neuen Autos sähen alle gleich aus, darf sich auf morgen freuen. Oder auf übermorgen. Denn hier liegt auch die Wiege der neuen IAA-Studie Grandsphere, die einen Vorgeschmack auf den für 2025 erwarteten A8-Nachfolger gibt. 
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Drei Concept Cars hat Marc Lichte vor Kurzem angekündigt, eins soll schon im August 2021 in Pebble Beach seine Premiere feiern, eines erst 2022. Auf der Münchner IAA dürfte mit der Neuinterpretation des Flaggschiffs aber das vielleicht wichtigste Modell der Ingolstädter seinen Einstand geben. Selten war der Begriff Neuauflage so treffend. "Wir haben das Auto komplett neu gedacht", erklärt Marc Lichte, "und zwar von innen nach außen." Heißt: Zunächst hat Norbert Weber das Interieur gestaltet, dann hat Philipp Römers die Karosserie drum herum geschneidert. Üblicherweise werden Autos andersherum gebaut. Dass es auch so funktioniert, beweist die Studie – die wir heute noch nicht gänzlich enthüllen dürfen – eindrucksvoll. Von außen: eine schlanke Figur, ein fließendes Heck.

Durch den Wegfall eines Verbrenners entsteht viel Platz

Audi Grand Sphere Studie
Eindrucksvoll: Der Innenraum ist sehr luftig, am besten sitzt man im Grandsphere vorne links.
Was ist das? Ein eleganter Kombi? Ein sportlicher Van? Ein cooler Crossover? Oder am Ende doch ein GT? Auf jeden Fall: ein geniales Auto, hinreißend aus jedem Blickwinkel. Vor allem von hinten rechts, dann sieht es aus, als ob die Motorhaube zwei Meter lang wäre. Ist sie aber nicht, ist nicht nötig. Vorn steckt kein Verbrenner drin, der Grandsphere fährt elektrisch. Wenn er 2025 in Serie geht, sind Benziner und Diesel bei Audi längst ein Auslaufmodell. Genug geschwärmt, jetzt wollen wir wissen, wie der Grandsphere innen aussieht. Webers Team hat die neuen Freiheiten – vor allem das Mehr an Platz, weil großvolumiger Motor, Getriebe und Abgasanlage wegfallen – eindrucksvoll genutzt. Und sie haben die Plätze getauscht. Sie erinnern sich: vorne links Arbeitsplatz. Wer in der Luxusklasse entspannt reisen wollte, saß bislang hinten rechts. Doch jetzt ist Vorne das neue Hinten. Hier ist Platz ohne Ende, das Armaturenbrett wird auf ein großflächiges Display von A-Säule zu A-Säule reduziert, und das rutscht richtig weit nach vorne.

Einen Fahrer braucht es nur noch zur Überwachung der Systeme

Audi Grand Sphere Studie
Überflüssig: Das Lenkrad klappt weg, wenn es nicht gebraucht wird – die Studie kann autonom fahren.
An Schalter, Tasten oder Touchscreens muss man nicht mehr rankommen, es reicht, die gewünschten Bedienfelder anzuschauen, dann versteht der Audi, was man von ihm will. Stichwort: Eye-Tracking. Wer doch noch drehen und drücken will, kann das in der Armauflage in den Türen tun; dort hat Weber einen Controller untergebracht. Ansonsten: Lounge-Atmosphäre, große Fenster, Bar in der Mittelkonsole, Grünpflanze, kein Leder – und Lümmelsessel, die sich um 60 Grad nach hinten klappen lassen. Denn: Selber lenken muss im Serien-Grandsphere keiner mehr – wenn er nicht will. Das Lenkrad klappt weg, wenn es nicht gebraucht wird, der A8-Nachfolger fährt autonom nach Level 4 (der "Fahrer" muss an Bord sein, aber nichts tun). Inzwischen ist es Mittag, kurz vor eins. Meine Reise in die neue Welt endet, wo sie angefangen hat, an Tor 9. Ich steige wieder in den BMW. Wieder 700 Kilometer liegen vor mir. Und ich wünsche mir Liegesitze.

Bildergalerie

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Von

Michael Gebhardt