Spritpreis-Rekord

Autofahren mit Gas

Gas spart Geld

Alle reden vom Elektro-Auto, doch die Stromer sind noch immer ziemlich teuer. Mit Erd- und Flüssiggas steht allerdings schon lange eine bezahlbare Antriebsalternative bereit, die Umwelt und Geldbeutel schont.
Der Gasantrieb fürs Auto ist nicht neu, doch so richtig in Fahrt gekommen sind Erd- und Flüssiggas nie. Seit einiger Zeit rückt die günstige Treibstoff-Alternative aber wieder in den Fokus und Hersteller bieten mehr und mehr Autos ab Werk mit Gasantrieb an. Kein Wunder, LPG und CNG sind günstiger als Benzin und verbrennen fast rückstandslos. Auch Stickoxid- und CO2-Ausstoß sind geringer als bei vergleichbaren Verbrennern – ein großer Vorteil bei den hierzulande immer strenger werdenden Abgasnormen.

Was ist der Unterschied zwischen Auto- und Erdgas?

Autogas oder auch LPG (Liquified Petroleum Gas) ist ein Gemisch aus Propan und Butan – einem Nebenprodukt aus der Raffinerie –, das bei einem Druck von fünf bis zehn Bar flüssig in relativ kleinen Tanks gespeichert wird. Erdgas oder CNG (Compressed Natural Gas) zählt zu den fossilen Brennstoffen. Allerdings kann hier ein gewisser Teil Biogas oder synthetisch hergestelltes Gas beigemischt werden. Dadurch verbessert sich die Ökobilanz. CNG wird unter sehr hohem Druck (rund 200 Bar) gasförmig gespeichert. Deshalb müssen die Tanks stabiler und größer sein als für LPG. Einen großen Unterschied gibt es auch im Tankstellennetz: Während Erdgas nur an gut 900 Verkaufsstellen zu haben ist, gibt es in Deutschland inzwischen über 7000 Flüssiggas-Tankstellen. Allerdings laufen die meisten Gasmotoren auch mit Benzin und können auf den Benzinbetrieb umgestellt werden, wenn keine Tankstelle in der Nähe ist. Wo Sie Gas tanken können, erfahren Sie z.B. auf www.autogastanken.de, www.gas-tankstellen.de oder www.autogas-boerse.de.

Welche Gasart ist günstiger?

Zwar gibt es deutlich mehr LPG-Tankstellen und auch der Preis ist mit rund 55 Cent pro Liter augenscheinlich nur halb so hoch wie der von einem Kilogramm CNG. Allerdings hat ein Kilogramm Erdgas einen gut doppelt so hohen Energiegehalt wie ein Liter LPG. Sprich: Man kommt damit mindestens zwei Mal so weit wie mit Autogas und gut 50 Prozent weiter als mit einem Liter Benzin. Außerdem läuft die Steuervergünstigung für Flüssiggas nur bis 2022, schon seit Anfang 2019 werden die Subventionen sukzessive reduziert. LPG wird also mit der Zeit teurer werden – um insgesamt 12,4 Cent pro Liter ab 2023. Für CNG garantiert der Gesetzgeber dagegen Subventionen bis 2026. Diese Vergünstigungen sind es, die den Gastreibstsoff billiger machen als Benzin oder Diesel. Das wichtigste aber: Da LPG vor allem im Zuge der Erdölförderung gewonnen wird, wirkt es sich nicht auf die Schonung der Ölvorräte aus.

Kann man jedes Auto auf Gasbetrieb umrüsten?

Prinzipiell ja, allerdings lohnt sich die Umrüstung in der Regel nur bei Benzinern – konkret bei Benzinern ohne Direkteinspritzung. Zwar können auch Direkteinspritzer umgerüstet werden, sie benötigen aber oft aufwendigere Kühlsysteme oder einen Umbau der gesamten Einspritzanlage. Ähnliches gilt für Dieselmotoren. Selbstzünder auf Gas umzustellen ist rein technisch gesehen machbar, aber ebenfalls viel zu aufwendig, da für den Gasbetrieb eine Zündanlage eingebaut werden müsste.

Wie funktioniert die Umrüstung?

Obwohl Erdgas die günstigere und umweltschonendere Antriebsart ist, werden die meisten Autos auf Flüssiggas umgerüstet. Der Grund: Die Tanks sind kleiner und lassen sich oft problemlos in der Reserveradmulde unterbringen; statt des Ersatzrades muss dann lediglich ein Reifenreparatur-Set ins Auto. Mit dem zusätzlichen Tank bekommt das Auto auch einen eigenen Einfüllstutzen, ein paar zusätzliche Leitungen und (bei nicht direkteinspritzenden Otto-Motoren) ein Gas-Einblassystem. Die Erdgas-Umrüstung ist etwas aufwendiger, da das Gas unter hohem Druck gespeichert wird. Außerdem nimmt der Tank deutlich mehr Platz in Anspruch, als bei LPG. Der Motor selbst muss für die Umrüstung übrigens nicht verändert werden und kann danach auch weiterhin mit Benzin genutzt werden. Wichtig: Den Einbau sollte man auf jeden Fall in einer Fachwerkstatt machen lassen, für Bastler ist er viel zu komplex. In jedem Fall muss das Auto nach einem Einbau beim TÜV vorgeführt werden. Kosten: ca. zwölf Euro.

Was kostet eine Umrüstung?

Der Einbau einer Autogas-Anlage ist nicht ganz billig, rund 1.700 bis 3.000 Euro muss man für die LPG-Umrüstung einkalkulieren. Der Umbau auf Erdgas ist nochmal rund 1.500 Euro teurer. Bei Direkteinspritzern kostet die Umrüstung aufgrund des höheren Aufwands noch mehr. AUTO BILD hat den Test mit einem alten Volvo 740 Kombi mit Turbomotor (99 kW/135 PS) gemacht. Der Komplettpreis für die Umstellung auf Autogas lag bei 2.450 Euro.

Wann lohnt sich der Gasbetrieb?

So macht Tanken noch Spaß: Gasautos schonen die Umwelt und den Geldbeutel.

Umrüstung: Für die Umwelt lohnt sich eine Umrüstung auf Gasbetrieb ab dem ersten Kilometer, schließlich stößt Flüssiggas rund 20 Prozent weniger Stickoxide als Benzin aus und rund 15 Prozent weniger Kohlendioxid; beim Erdgas ist die Umweltbelastung sogar noch geringer. Finanziell rechnet sich der Umbau allerdings oft erst nach vielen Kilometern. In der Regel geht man davon aus, dass das Auto mit Flüssiggas rund 20 Prozent mehr Sprit verbraucht als im Benzinbetrieb. Zwar kostet ein Liter Autogas nur ein Drittel bis die Hälfte des Ottokraftstoffs, bis allerdings die hohen Umbaukosten amortisiert werden, dauert es. Bei den meisten Modellen setzt der eigentliche Spareffekt erst nach rund 40.000 bis 60.000 Kilometern ein; etwas höher ist das Sparpotential bei Erdgas, der noch teurere Umbau verhindert aber, dass sich die Umrüstung schneller lohnt.
Ab Werk: Auch wer sich für den Gasantrieb ab Werk entscheidet, zahlt erst einmal drauf. Denn ein Gasauto ist in der Anschaffung erst einmal teurer, als ein vergleichbarer Benziner oder Diesel. Die Kosten dafür amortisieren sich aber mit der Zeit. Ähnlich wie bei der Umrüstung kann man ab 40.000 bis 60.000 Kilometern mit einem Spareffekt rechnen. Einige Hersteller geben beim Kauf jedoch Umweltprämien. Auch Versicherer bieten besonders günstige Tarife für Erdgas-Autos an. Dementsprechend kann sich die Anschaffung schon deutlich früher lohnen – von der maßgeblich verbesserten Ökobilanz mal abgesehen.

Fahren mit Gas

Egal ob das Auto umgerüstet wurde oder ab Werk mit Gasantrieb vorfährt: Fast alle LPG- und CNG-Fahrzeuge haben zwei Tanks an Bord, den fürs Gas und zusätzlich den Benzintank. Denn: Der Wagen braucht zum Starten immer noch etwas Benzin, spätestens nach zwei Minuten schaltet er dann aber unmerklich auf Gasbetrieb um. Der Vorteil für den Fahrer: Die Reichweite steigt durch die zwei Tanks deutlich an. Nachteile gibt es nur wenige, mitunter nehmen die Tanks ein wenig Platz im Kofferraum weg. In Sachen Fahrverhalten ändert sich für den Fahrer in der Regel nichts. Allerdings laufen einige Motoren im Gasbetrieb etwas rauer. Allgemein kursiert die Annahme, ein Auto mit Gasantrieb vertrage keine hohen Drehzahlen. Das ist jedoch vom Einzelfall abhängig. Ein gasfester Motor verträgt auch höhere Drehzahlen (z.B. bei Autobahnfahrten). Allerdings kann es sein, dass der Verschleiß einiger Bauteile dann etwas höher ausfällt, als bei Benzinbetrieb. Manche Gasantriebe sind so programmiert, dass sie ab einer bestimmten Drehzahl automatisch in den Benzinbetrieb schalten, um den Verschleiß gering zu halten.

Autoren: Michael Gebhardt,

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