Wo sind die bezahlbaren E-Autos?

New Mobility Special Volkswagen ID

Elektroautos: Preis, Leistung, Reichweite

Wo bleiben die bezahlbaren E-Autos?

Die Zahl der Elektroautos in Deutschland steigt nur langsam. Hohe Preise dürften daran nicht ganz unschuldig sein. Ein Überblick.
Opel ist froh, dass man einen schnellen Konter landen konnte. Nachdem Volkswagen seine Marketingwelle der neuen Elektrobaureihe ID. mit Rekordfahrten und imposanten Auftritten so langsam ins Rollen bringt, wollten auch die Rüsselsheimer nicht hintenanstehen. Schließlich hatten sie mit dem Ampera-e schon einmal ein überaus konkurrenzfähiges Elektroauto, das nach dem Ende der Partnerschaft mit General Motors Geschichte war. Mit PSA als neuem Opel-Inhaber soll es jetzt der in enger Verwandtschaft zum 208 entwickelte Corsa richten, der im Frühjahr 2020 auch als Elektroversion auf den Markt kommt.

Auch der Opel Corsa-e wird leider eher hochpreisig

Ein Volkselektroauto? Bei einem Startpreis von rund 30.000 Euro ist das eine sportliche Ansage.

Der 4,06 Meter lange Kleinwagen wird von einem Elektromotor mit 136 PS und 260 Nm angetrieben und soll bis zu 330 Kilometer weit kommen. Aus Opel-Sicht endlich ein Elektroauto, das sich alle leisten können. Das dürften die potenziellen Kunden anders sehen, denn der Preis ist happig: Opel berechnet den Corsa-e mit mindestens 29.900 Euro – rund doppelt so viel wie für das Basismodell mit Verbrenner fällig werden. Selbst wenn die Serienausstattung besser ist und man sich den üppigen Preis mit den 4000 Euro Umweltprämie etwas schönrechnen kann, ist das sehr viel Geld für einen Kleinwagen. Für 30.000 Euro bekommt man bei Opel schon einen ordentlich ausgestatteten Insignia als Familienlimousine oder einen Grandland X mit vielen Extras. Damit wird der Corsa-e zu kämpfen haben. Opel-Chef Michael Lohscheller hält den Wagen trotzdem für Massenmarkt-tauglich: "Der neue Corsa ist elektrisch. Wir haben ein Volks-Elektroauto versprochen – hier ist es!"
Auch der technisch identische Peugeot e-208 kämpft mit dem Kostenproblem. Der elektrifizierte Franzose hat nicht nur weitestgehend die gleichen Leistungsdaten wie sein deutscher Bruder, er ist auch genauso teuer und hat ebenfalls starke konventionelle Konkurrenz im eigenen Haus: zum Beispiel den 308, den 2008 oder sogar die Mittelklasselimousine 508, die bei knapp 32.000 Euro startet und gegen den elektrischen 208 wie eine Luxuslimousine wirkt. 

Volkswagen rührt die ganz große Marketingtrommel

VW macht für den neuen ID. 3 bereits jetzt ordentlich Werbung – billig ist der Wagen leider nicht.

Bei Volkswagen sieht es übrigens nicht besser aus. Der VW ID.3 ist kaum größer als der Opel Corsa, wirkt optisch aber deutlich moderner und wird von der Marketingabteilung der Wolfsburger wie der Start in ein neues Auto-Zeitalter verkauft. Die Leistungsdaten sind mit 150 bis 204 PS etwas höher als bei Opel Corsa-e oder Peugeot e-208, der Preis aber ganz ähnlich. Auch der VW ID.3 startet bei knapp unter 30.000 Euro. Zumindest mit dem kleinen Akkupaket, was ebenfalls für bis zu 330 Kilometer reichen soll. Von den Dimensionen ordnet sich der elektrische VW ID.3 zwischen Polo und Golf ein, die aber schon zu Preisen ab 15.000 und rund 21.000 Euro zu haben sind. Und für rund 30.000 Euro gibt es bei VW schon erfolgreiche SUV-Modelle wie Tiguan oder T-Roc.
Die hohen Preise machen Autofahrern den Umstieg auf die Elektromobilität auch bei Marken wie BMW, Tesla, Jaguar, Nissan, Audi, Mercedes oder Renault schwer. Der BMW i3, einer der Pioniere auf dem Gebiet, kostet mindestens 38.000 Euro; mit etwas gehobenerer Ausstattung sind es schnell 45.000 Euro oder mehr. Zum gleichen Preis gibt es bereits den brandneuen BMW 3er. Ähnlich sieht es beim Nissan Leaf aus. Die zweite Generation ist deutlich erwachsener, fährt besser und schafft ebenfalls rund 400 Kilometer ohne Stecker. Doch 36.800 Euro für ein Kompaktklassemodell sind ein stolzer Preis, für den man im Hause Nissan auch das siebensitzige Mittelklasse-SUV X-Trail in Topausstattung mit 163 PS bekommt.
Wie es besser geht, zeigt Renault: Der Zoe, Europas meistverkauftes Elektroauto, kostet im Basispaket an sich faire 21.900 Euro, monatlich kommen dann aber noch 69 Euro Batteriemiete hinzu. In der gleichen Preisliga, jedoch deutlich kleiner, spielt der Smart Fortwo EQ ab 21.940 Euro. Zum Vergleich: Der kurz vor dem Aus stehende Verbrenner mit vergleichbaren Leistungsdaten beginnt bei 11.165 Euro.

Autor: Stefan Grundhoff

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