Gebraucht- statt Neuwagen: So viel Förderung gibt's in Frankreich
Frankreich fördert den Kauf gebrauchter E-Autos

In Deutschland bekommen Neuwagenkäufer maximal 6000 Euro Zuschuss für ein Elektroauto. Unser Nachbar Frankreich geht einen anderen Weg: Der Staat greift Gebrauchtwagenkäufern unter die Arme. AUTO BILD hat die wichtigsten Infos!
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
- Raphael Schuderer
In Deutschland hat die seit dem 1. Januar 2026 existierende neue E-Auto-Förderung den Absatz stark angekurbelt: Aktuell (Stand August 2026) entscheiden sich laut den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) bereits 32,4 Prozent beim Neuwagenkauf für ein reines Elektrofahrzeug, im Jahresschnitt sind es gut 26 Prozent der Autokäufer. Das Problem: Es werden hierzulande bislang nur Neuwagen gefördert.
Unser Nachbar Frankreich schlägt einen anderen Weg ein: Seit dem 1. September 2026 wird dort der Kauf eines gebrauchten E-Autos subventioniert. AUTO BILD fasst die wichtigsten Details des alternativen Förderansatzes zusammen!
So funktioniert die französische Elektro-Gebrauchtwagen-Förderung:
▶ Die Förderung ist komplett einkommensunabhängig. Gefördert werden nur rein elektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride bleiben in Frankreich im Gegensatz zum deutschen Ansatz von der Förderung ausgenommen.
▶ Der zeitliche Rahmen für die geförderten Gebrauchtwagen ist eingegrenzt: Das E-Auto muss erstmals (als Neuwagen) in Frankreich zugelassen worden sein. Der Zeitpunkt dieser Zulassung muss zwischen dem 1. Januar 2017 und dem 31. Dezember 2023 liegen. Ein Fahrzeug mit Erstzulassung im Ausland ist nicht förderfähig.
▶ Das E-Auto muss von einem autorisierten Kfz-Händler in Frankreich gekauft oder geleast werden.
▶ Die Hochvolt-Batterie des E-Autos muss noch über mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität (SoH) verfügen. Liegt der Wert darunter, muss die verbleibende Reichweite des Fahrzeugs für eine Förderung mindestens 200 Kilometer oder mindestens 80 Prozent der ursprünglichen Neuwagen-Reichweite betragen.
▶ Um die Förderung zu bekommen, muss sich der Fahrzeughalter außerdem verpflichten, das Auto mindestens drei Jahre lang zu behalten. Beim Leasing muss die Vertragslaufzeit mindestens drei Jahre betragen.
Wer bezahlt die Förderung?
Im Gegensatz zum deutschen Staat, der die Subvention aus dem Staatshaushalt bezahlt, werden in Frankreich Energie- und Kraftstoffanbieter im Rahmen eines Programms zu Energiesparzertifikaten (CEE) in Anspruch genommen. Das 2005 eingeführte System der Energiesparzertifikate (CEE) verpflichtet Energie- und Kraftstofflieferanten, Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs zu finanzieren. Gemäß dem Verursacherprinzip haben diese Unternehmen die Pflicht, ihre Emissionen durch die Förderung des Übergangs zu kohlenstoffärmeren Verkehrsmitteln zu kompensieren.
Berechnet die voraussichtliche Förderung anhand bekannter Regeln
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Kinder im Haushalt
Rechner basiert auf Informationen aus dem Bundesumweltministerium (BMUKN)
Wie hoch fällt die Förderung aus?
Für die Förderung ist kein konkreter Betrag festgelegt, sie ergibt sich aus dem Handel mit den CEE‑Zertifikaten. Aktuell sprechen verschiedene Quellen von einer Höhe des Zuschusses von 337 Euro. Der Wert variiere allerdings je nach Marktlage und könne sich auch unter den einzelnen CEE-Anbietern unterscheiden.
Das System erinnert ein wenig an die deutsche THG-Quote, bei der sich E-Autofahrer einen ähnlich hohen Betrag (aktuell maximal 420 Euro) auszahlen lassen können – dies ist hierzulande allerdings jährlich möglich.
Gebrauchtfahrzeuge mit den oben genannten Voraussetzungen für die Förderung sind auf dem Markt ab ca. 8000 Euro erhältlich, können aber auch deutlich teurer sein. Angesichts der Fahrzeugpreise sind 337 Euro Zuschuss beim Kauf eines elektrischen Gebrauchtwagens kein allzu großer Kaufanreiz.
Die Höhe der Förderung stößt daher bereits auf Kritik: Romain Ryon, Präsident von Mobilee, einem Unternehmen, das sich auf CEE-Zertifikate im Verkehrssektor spezialisiert hat, bezeichnete den Betrag laut electrive als "ziemlich gering". Man solle sich keinen Illusionen über die Wirksamkeit dieser Förderung zur Marktveränderung machen.
Zusatzförderung für soziale Tätigkeiten
Etwas besser sieht es für Autokäufer aus, die sich beruflich sozial engagieren. Für ambulante Pflegekräfte und vergleichbare Tätigkeiten (etwa Betreuung älterer Menschen, Menschen mit Behinderungen) wird die Subvention unter gewissen Umständen um rund 2000 Euro erhöht.
Dazu muss das E-Auto folgende Zusatzvoraussetzungen erfüllen: Der Gebrauchtwagenpreis darf maximal 25.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer betragen, und das Gewicht des Fahrzeugs muss unter 1800 Kilogramm liegen. Dazu gilt der Pflegekräfte-Bonus nur für Kauf- oder Mietvorgänge, die vor dem 1. Januar 2027 eingeleitet und vor dem 1. Juli 2027 abgeschlossen werden.
Sozialleasing für Neuwagen
Neben der neuen Förderung für Gebrauchtwagen gab es in Frankreich auch das Modell des sogenannten "Sozialleasing". Dabei beteiligte sich der Staat mit einer Förderung von bis zu 7000 Euro beim Leasing eines Fahrzeugs, die Laufzeit des Leasingvertrags musste mindestens drei Jahre betragen. Das Sozialleasing wurde bereits 2024 und 2025 angeboten. Ob das Programm ein drittes Mal aufgelegt wird, wird aktuell noch verhandelt.
Warum gibt es das nicht in Deutschland?
Bei der Neuauflage der Elektroautoförderung ab Januar 2026 wurde anfangs auch eine Gebrauchtwagen-Förderung in Deutschland diskutiert, schlussendlich aber nicht umgesetzt. Vom Tisch ist die Idee allerdings noch nicht: Der Verband der Automobilhändler Deutschlands (VAD) forderte kürzlich, "auch junge gebrauchte Elektroautos bis zu einem Alter von bis zu 14 Monaten in die Förderung einzubeziehen". Die Förderung würde damit "stärker jene Privatkunden erreichen, für die der Preis beim Umstieg auf ein Elektroauto die entscheidende Hürde darstellt". Privatkunden kauften überwiegend Gebrauchtwagen, während rund zwei von drei Neuwagen in Deutschland gewerblich zugelassen würden.
"Wenn die Förderung vor allem Menschen mit kleineren und mittleren Einkommen den Umstieg auf ein Elektroauto erleichtern soll, darf sie den Gebrauchtwagenmarkt nicht ausblenden", sagt VAD-Präsident Burkhard Weller. "Dort kaufen die meisten Privatkunden ihre Autos. Gerade junge gebrauchte Elektrofahrzeuge bieten die Chance, moderne Technik zu deutlich niedrigeren Preisen verfügbar zu machen."
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