FSD-Fahren (überwacht) : Tesla präsentiert Sicherheitsdaten
"FSD (überwacht) reduziert Anzahl schwerer Unfälle"

In fünf EU-Ländern hat Tesla die Freigabe für den hochautomatisierten Assistenten FSD (überwacht). Nun steht die EU-weite Entscheidung an – im Vorfeld legt der Hersteller aktuelle Sicherheitsdaten vor. Alle Infos!
Bild: Tesla Motors
Mit einer neuen Datenanalyse hat Tesla einen Vorstoß gemacht, um auf EU-Ebene die Freigabe für FSD (überwacht) zu erhalten. Bislang ist das System in fünf EU-Ländern zugelassen und wird nach Tesla-Angaben von über 70.000 Teslafahrern genutzt.
Nach einer Bilanz von hochautomatisierten Fahrten über die Distanz von drei Mrd. Kilometern im Jahr 2025 reklamiert der E-Auto-Hersteller, das System würde die Zahl der möglichen Unfälle drastisch reduzieren. Auf Basis dieser Daten verweist Tesla darauf, dass im Vergleich zum manuellen Fahren die Zahl schwerer Unfälle reduziert würde. Im Detail: auf der Autobahn um 45 Prozent, auf Bundesstraßen um 69 Prozent, sowie im Stadtverkehr um die Hälfte. Selbst auf Nebenstraßen würden schwere Unfälle um 40 Prozent reduziert.
Als weiteres Argument für das teilautomatisierte Fahren zieht Tesla die Zahl der Verkehrstoten in Europa heran. Bezogen auf Zahlen der Organisation der europäischen Verkehrspolizeien Roadpol, wonach 2025 rund 19.400 Menschen auf den Straßen von 31 europäischen Ländern starben, argumentiert Tesla, dass der überwiegende Teil davon auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. In einem Datenblatt (englisch) erhebt Tesla den Anspruch: "Diese Todesfälle sind weitgehend vermeidbar mit der Technologie, die heute bereits verfügbar ist."
Dieser Vorstoß mit starkem Verweis auf den Sicherheitszuwachs durch das FSD-System kommt nicht von ungefähr. Denn Tesla rechnet für den 6. Oktober mit der Abstimmung über die EU-weite Genehmigung. Mit der ist nicht unbedingt sicher zu rechnen, die Einzelzulassung in Dänemark beispielsweise wurde erteilt mit Verweis auf eine mögliche, EU-Entscheidung. Die dänische Verkehrsaufsicht erteilte die vorläufige Freigabe unter Vorbehalt.
Wie steht das Kraftfahrt-Bundesland zum FSD (überwacht)?
Aktuell hat Tesla die Freigabe für das landesweite Fahren mit dem Tesla-Assistenten FSD (überwacht) für Belgien, Dänemark, die Niederlande, Litauen und Estland. In Deutschland ist das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) als nationale Aufsichtsbehörde verantwortlich für die Genehmigung. Bislang gibt es zur Freigabe noch keinen Sachstand – offen ist auch, ob die Genehmigung bereits beantragt wurde. Damit steht Tesla im Wettbewerb mit Mercedes – der Hersteller aus Stuttgart will in einigen deutschen Städten bis Ende 2026 ein ähnliches System einführen.
Was dürfen Teslas in den Ländern mit Genehmigung?
Die Freigabe in Dänemark dürfte ähnlich wie in den Niederlanden gestaltet sein, wonach Tesla-Fahrzeuge auf der Autobahn bis zum Tempolimit von 130 selbstständig fahren dürfen. Voraussetzung: Die Person am Steuer muss das Auto überwachen und jederzeit in der Lage sein, die Kontrolle zu übernehmen. FSD (Überwacht) gilt für die volle Fahrstrecke bzw. die gesamten Niederlande – und funktioniert beeindruckend zuverlässig, wie AUTO BILD bei einem Test in Amsterdam erlebte.

Bild: Matthias Brügge / AUTO BILD
Wie wird FSD (überwacht) im System des autonomen Fahrens bewertet?
Damit ist FSD (Überwacht) ein Assistent nach "Level 2", dem teilautomatisierten Fahren. In den Niederlanden kann man entsprechende vorgerüstete Tesla per Fern-Update auf den Fahrassistenten "FSD (Supervised)" freischalten (ab Plattform HW4). Unter ähnlichem Namen bieten auch andere Hersteller das hochautomatische Fahren an, bei Mercedes heißt es "Punkt-zu-Punkt"-Navigation. (Kommentar: Ist der FSD-Assistent nötig?)
FSD: Das Auto fährt, der Mensch überwacht
Full Self-Driving (Supervised) bedeutet: Die Person am Steuer bleibt verantwortlich. Es ermöglicht dem Fahrzeug, unter Überwachung selbstständige Fahrten zu absolvieren, inklusive Beschleunigen, Bremsen, Lenken, Blinken und nötige Spurwechsel. Dabei findet die Navigation durch komplexe Fahrsituationen wie Stadt- oder Autobahnfahrten eigenständig statt. Das Auto reagiert auch auf unvorhergesehene Ereignisse, wie Fußgänger, die auf die Fahrbahn laufen. Beim ersten öffentlichen Test in Amsterdam bildeten mehrere Tesla sogar eigenständig vor einem herannahenden Fahrzeug eine Rettungsgasse.

Bild: Tesla
Neue Herausforderungen in Dänemark
In Dänemark wird das System von vielen klimatischen Bedingungen herausgefordert – schlechtes Wetter, Niederschlag, schlechte Sichtverhältnisse, unterschiedlichste Straßenformen. Mit den Daten dürfte der Zentralcomputer von Tesla weitere Erfahrungen sammeln. Schon bei der Zulassung in den Niederlanden reklamiert Tesla, dass die Autos mit FSD (Überwacht) um den Faktor 3,5 geringere Zusammenstöße hatten als herkömmlich gesteuerte Autos: Berechnet auf der Basis von 16,6 Millionen gefahrenen Kilometern gab es keinen Crash.
Automatisiertes Fahren in 5 Stufen
(Level 0: keine Automatisierung)
Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- und Querführung aus. Kein Fahrzeugsystem greift aktiv ein. Heißt: Der Fahrer führt das Fahrzeug uneingeschränkt, fährt, lenkt, bremst, gibt Gas und achtet auf die Umgebung. Das Fahrzeug unternimmt keinerlei Eingriffe bzw. hat dafür keine technischen Vorkehrungen.
Level 1: assistiertes Fahren
Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- ODER Querführung aus, die jeweils andere Funktion kann ein Assistent übernehmen. Heißt: Beim assistierten Fahren unterstützt das System den Fahrer mit bestimmten Assistenzsystemen, zum Beispiel mit einem Totwinkelwarner, einem Spurhaltewarner oder einer Berganfahrhilfe.
Level 2: teilautomatisiertes Fahren
Definition: Das System übernimmt Längs- UND Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall, aber dauerhaft überwacht vom Fahrer. Heißt: Das Auto übernimmt beim teilautomatisierten Fahren einzelne Aufgaben für den Fahrer übernehmen bis hin zum kompletten Fahrbetrieb inklusive Navigation. Der Wagen setzt beispielsweise eigenständig den Blinker, wechselt die Spur oder passt seine Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr an. Automatisches Einparken oder eine Spurhaltefunktion gehören zu den gängigsten Systemen. Der Stauassistent kann ohne Eingriff des Fahrers im Stau beschleunigen, bremsen und dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen. Bei Tesla heißt das hochautomatisierte Fahren "Full Self-Driving (Überwacht), bei Mercedes "Punkt-zu-Punkt-Navigation". Die Verantwortung und Haftung bleibt beim Fahrzeugführer.
Level 3: hochautomatisiertes Fahren
Definition: Fahrer muss das System nicht mehr dauerhaft überwachen, aber potenziell in der Lage sein, zu übernehmen. Das System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Es erkennt Systemgrenzen und fordert Fahrer zur Übernahme mit ausreichender Zeitreserve auf. Heißt: Level drei ist hochautomatisiertes Fahren mit zeitweiser Übernahme der Verantwortung durch das Fahrzeug. Der Fahrer kann seine Aufmerksamkeit für längere Zeit vom Verkehrsgeschehen abwenden. Der Autopilot kann den Fahrer aber immer auffordern, das Steuer wieder zu übernehmen, um den Wagen eigenhändig zu steuern.
Level 4: vollautomatisiertes Fahren
Definition: Im spezifischen Anwendungsfall ist kein Fahrer erforderlich, das System kann alle Situationen automatisch bewältigen. Heißt: Level vier definiert die Vollautomatisierung. Der Wagen übernimmt alle Funktionen und gibt sie nur dann wieder ab, wenn eine Situation für das System nicht zu bewältigen ist.
Level 5: fahrerloses oder autonomes Fahren
Definition: Das System bewältigt während der ganzen Fahrt alle Situationen automatisch, es ist kein Fahrer erforderlich. Heißt: Der Mensch und das Lenkrad werden im Prinzip überflüssig. Der Wagen und das System brauchen lediglich eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start. Dann steuert das Fahrzeug das Ziel eigenständig an. Auf dieser Stufe ist das autonome oder fahrerlose Fahren erreicht. (Quelle jeweils: VDA/Bundesamt für Straßenwesen)
Diese Definition hat die SAE (Society of Automotive Engineers) entsprechend der Norm J3016 aus dem Jahr 2014 entwickelt. Sie ist inzwischen international anerkannt.
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