Teilautonomes Fahren: Mercedes-Pläne für deutsche Städte
Mercedes bringt hochautomatisiertes Fahren nach Deutschland

Mercedes bringt noch 2026 das hochautomatisierte Fahren nach Deutschland: Damit kann man von Punkt zu Punkt fahren – überwacht, aber ohne Hände am Steuer. Alle Infos!
Bild: Mercedes-Benz
Auf dem Weg zum autonomen Fahren hat Mercedes den nächsten Schritt angekündigt: Der Hersteller will bis Ende 2026 in einigen deutschen Städten das hochautomatisierte Fahren "von Punkt zu Punkt" anbieten. Das kündigte Mercedes-Entwicklungsvorstand Jörg Burzer auf dem Profi-Netzwerk LinkedIn an. Und ab 2027 soll dieser teilautomatisierte Fahrmodus bundesweit verfügbar sein.
Damit würde Mercedes in Deutschland erstmals überwachtes Fahren nach SAE-Level 2 anbieten. Dabei handelt es sich um die zweite von insgesamt fünf Automatisierungsstufen der Society of Automotive Engineers (SAE). Dabei kann der Fahrer die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber jederzeit bereit sein, die Kontrolle zu übernehmen. Die Haftung für das Fahrgeschehen hat weiter der Fahrer. Mercedes selber nennt diese Stufe "Level 2++". Rechtlich gesehen ist es noch kein autonomes Fahren, sondern ein Fahrassistent.
Bereits in China und den USA bietet der Hersteller diese Form des hochautomatisierten Fahrens an. In Europa hat Tesla bislang in den Niederlanden und in Litauen die behördliche Freigabe für das sehr ähnliche überwachte, selbstständige Fahren von A nach B bekommen (hier ein Bericht zur ersten Fahrt in Amsterdam). Bei Tesla heißt der Modus "Full Self Driving" (überwacht), kurz FSD-Assistent.
Mercedes steht für die Zulassung in Deutschland in engem Austausch mit den Behörden: Der Hersteller treibe das "assistierte und automatisierte Fahren in enger Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium" voran, teilte Mercedes auf AUTO BILD-Anfrage mit. Dazu gehört auch die Abstimmung mit dem Kraftfahrzeugbundesamt als Aufsichtsbehörde, die die bundesweite Zulassung erteilt.
Automatisiertes Fahren in 5 Stufen
(Level 0: keine Automatisierung)
Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- und Querführung aus. Kein eingreifendes Fahrzeugsystem aktiv. Heißt: Der Fahrer macht alles alleine. Er fährt, lenkt, bremst, gibt Gas und achtet auf seine Umgebung. Das Fahrzeug unternimmt keinerlei Eingriffe bzw. hat dafür keine technischen Voraussetzungen.
Level 1: assistiertes Fahren
Definition: Fahrer führt dauerhaft Längs- ODER Querführung aus, System übernimmt jeweils andere Funktion. Heißt: Beim assistierten Fahren unterstützt das System den Fahrer mit bestimmten Assistenzsystemen, zum Beispiel mit einem Totwinkelwarner, einem Spurhaltewarner oder einer Berganfahrhilfe.
Level 2: teilautomatisiertes Fahren
Definition: Fahrer muss das System dauerhaft überwachen. System übernimmt Längs- UND Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Heißt: Beim teilautomatisierten Fahren kann Auto einzelne Aufgaben für den Fahrer übernehmen. In diesem Stadium befinden sich die meisten Hersteller aktuell. Automatisches Einparken oder eine Spurhaltefunktion gehören zu den gängigsten Systemen. Der Stauassistent kann ohne Eingriff des Fahrers im Stau beschleunigen, bremsen und dem vorausfahrenden Fahrzeug folgen.
Level 3: hochautomatisiertes Fahren
Definition: Fahrer muss das System nicht mehr dauerhaft überwachen, muss aber potenziell in der Lage sein, zu übernehmen. System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Erkennt Systemgrenzen und fordert Fahrer zur Übernahme mit ausreichender Zeitreserve auf. Heißt: Level drei wird als hochautomatisiertes Fahren bezeichnet. Der Wagen setzt beispielsweise eigenständig den Blinker, wechselt die Spur oder passt seine Geschwindigkeit dem fließenden Verkehr an. Der Fahrer hat dabei nicht mehr die Verantwortung für das Fahrzeug und kann seine Aufmerksamkeit für längere Zeit vom Verkehrsgeschehen abwenden. Der Autopilot kann den Fahrer aber immer auffordern, das Steuer wieder zu übernehmen, um den Wagen eigenhändig zu steuern.
Level 4: vollautomatisiertes Fahren
Definition: Kein Fahrer erforderlich im spezifischen Anwendungsfall. System kann im spezifischen Anwendungsfall alle Situationen automatisch bewältigen. Heißt: Level vier definiert die Vollautomatisierung. Der Wagen übernimmt alle Funktionen und gibt sie nur dann wieder ab, wenn eine Situation für das System nicht zu bewältigen ist.
Level 5: fahrerloses oder autonomes Fahren
Definition: System kann während der ganzen Fahrt alle Situationen automatisch bewältigen. Kein Fahrer erforderlich. (Quelle jeweils: VDA/Bundesamt für Straßenwesen) Heißt: Der Mensch und das Lenkrad werden im Prinzip überflüssig. Der Wagen und das System brauchen lediglich eine Zieleingabe und die Freigabe zum Start. Dann steuert das Fahrzeug eigenständig das Ziel an. Das autonome oder fahrerlose Fahren ist erreicht.
Diese Form des hochautomatisierten Fahrens bei Mercedes konnten AUTO BILD-Kollegen bereits in Shanghai und San Francisco testen. Es gilt weiterhin als überwachter Modus, weil der Fahrer die volle Verantwortung behält und jederzeit bereit sein muss, einzugreifen. Mercedes nennt diesen Modus "Punkt-zu-Punkt-Navigation". Die Elektronik übernimmt dabei sämtliche Fahrfunktionen – vom Anfahren über Spurwechsel bis zum Erreichen des Ziels. Grundlage dafür sind Kameras, Lidar- und Ultraschallsensoren sowie GPS und hochauflösende Karten.

Hochautomatisiertes Fahren: Mercedes war mit dem Drive Pilot bereits bei Testfahrten im Stadtverkehr unterwegs.
Bild: Mercedes-Benz
Das Ziel beschreibt Mercedes so: Fahrer sollen in komplexen Verkehrssituationen – etwa an Ampeln, im dichten Stadtverkehr oder bei Spurwechseln – bestmöglich unterstützt werden. Zu welchem Preis die Technik verfügbar sein wird, ist bislang offen.
Bereits heute bietet Mercedes auf deutschen Autobahnen mit dem "Drive Pilot" für S-Klasse und den EQS automatisiertes Fahren auf Level 3 an, wobei der Fahrer bis Tempo 95 zeitweise die Verantwortung dem Auto übergeben kann. Ähnlich auch BMW: Der Personal Pilot L3 ist im 7er-Modellen bis 60 km/h verfügbar.
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