Aller guten Dinge sind drei. Deshalb bringt uns Great Wall Motors nach den skurrilen Elektroautos von Ora und den piekfeinen Plug-in-Hybriden von Wey jetzt noch eine weitere Marke und zielt mit Haval auf die breite Masse.
Denn statt exotischem Design und teurer E-Technik verkauft der große Unbekannte dort vor allem gewöhnlich gezeichnete Autos mit konventioneller Technik – und das zu einem absoluten Kampfpreis.
Bestes Beispiel dafür: der Haval H6. Mit 4,70 Metern ist er deutlich größer als ein VW Tiguan und hat ein ähnlich, nun ja, unaufgeregtes Design – startet aber bei 31.999 Euro und ist damit kaum teurer als ein entsprechender Dacia Bigster, der zudem zehn Zentimeter kleiner ist.
Havel H6: China-SUV im Check
Unauffälliges Design, großer Auftritt: Der H6 misst 4,70 Meter.
Bild: Jan Greune
Und als wären die Preise nicht schon attraktiv genug, gibt es fürs Erste gleich noch 3000 Euro Einführungsrabatt. Dafür kann man dann schon mal das fragende Gesicht des Nachbarn ertragen und sich ein paar Erklärungen zur Herkunft des neuen Hobels abringen lassen – nur um dann hoffentlich eine gewisse Anerkennung für so viel Kalkül zu ernten. Denn Image bietet das Auto zwar wenig, dafür aber womöglich mehr Wert fürs Geld als die meisten Konkurrenten.

Haval H6: viel Platz, viel Ausstattung

Und viele Kompromisse muss man dafür nicht machen. Denn das Design mag austauschbar sein, ist aber unauffällig und stört nicht. Und drinnen gibt es neben reichlich Platz dank 2,74 Metern Radstand sogar einen Hauch von Premium: Die Materialauswahl ist vornehm, es funkelt und glitzert an allen Ecken, und die Liste der Extras und Assistenten ist fast so lang wie die Chinesische Mauer.
E-Sitze vorn und beheizte Polster sowie ein kuschelwarmer Lenkradkranz sind Standard, genau wie der smarte Zündschlüssel oder das Infotainment. Auf dem Mittendisplay läuft schon im Basismodell eine Animation, die beim Rangieren das "gläserne Auto" und alle Hindernisse zeigt.
Havel H6: China-SUV im Check
Rückfahrassistent an Bord: Der H6 merkt sich die letzten 50 Meter.
Bild: Jan Greune
Zurücksetzen kann der H6 die letzten 50 Meter automatisch, und im Top-Modell bauen die Chinesen neben Panoramadach, Sitzlüftung und klimatisierten Ladeschalen sogar ein Head-up-Display ein.

Hybrid mit ordentlich Leistung

Vor allem aber leisten sie sich einen aufwendigen Antrieb. Denn für niedrige Tankrechnungen und ein gutes CO₂-Gewissen gibt es den H6 ausschließlich als Hybriden. Dafür kombinieren sie einen 150-PS-Benziner mit einer E-Maschine von 177 PS und kommen so an der Vorderachse auf eine Systemleistung von 243 PS sowie ein vereintes Drehmomentmaximum von 530 Nm.
Havel H6: China-SUV im Check
Viel Auto fürs Geld: Der Haval H6 bietet üppige Ausstattung serienmäßig.
Bild: Thomas Geiger
Gespeist wird der Stromer aus einem Pufferakku von 1,67 kWh, der immerhin für elektrische Kurzstrecken reicht und dem Benziner zusätzlich etwas Punch gibt. Nicht umsonst schafft der große Unbekannte den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,0 Sekunden, wird allerdings bei 175 km/h schon wieder eingebremst. Dafür sinkt der Normverbrauch auf 5,9 Liter, und die Tankrechnung tut in Zeiten wie diesen gleich nicht mehr ganz so weh.

Komfort gut, Feinschliff fehlt

Das Zusammenspiel der beiden Motoren klappt ganz gut, und die Wechsel der Betriebsarten werden von einem neuen Zweistufen-Getriebe erfreulich harmonisch abgewickelt. Nur dem Fahrwerk würde noch ein bisschen Feinschliff gut zu Gesicht stehen, weil die Bremsen eher wenig Feingefühl vermitteln, die Lenkung recht lax ist und die Federung etwas unverbindlich wirkt.
Aber natürlich ist das nichts, was anspruchslose Fahrer wirklich stören wird – der H6 bringt einen gut und entspannt zum Ziel. Und wer den Power-Papi geben will, der kann ja stattdessen einen BMW X5 oder zumindest einen VW Tiguan kaufen. Nur dass man die dann eben auf dem Gebrauchtwagenmarkt suchen muss, wenn man das Haval-Budget einhalten will.