Da kommt einiges aus Südkorea auf die europäischen Autobauer zu. Kia und die Konzernmutter Hyundai greifen die europäischen Konzerne Volkswagen, Stellantis oder Renault-Nissan nicht allein in den Volumensegmenten an. Rund eineinhalb Stunden außerhalb von Seoul gibt es die große Kia-Show. CEO Ho Sung Song tritt auf die Showbühne und enthüllt zusammen mit seinem Topmanagement jenes neue elektrische Dreigestirn, das die Autowelt nicht allein auf dem Heimatmarkt in Wallung bringen soll.
In der Bühnenmitte parkt der neue Kia EV5, 4,62 Meter lang und dem großen Bruder EV9, der am Bühnenrand parkt, wie aus dem Gesicht geschnitten. Das Design der umtriebigen Südkoreaner verantwortet Karim Habib, der nach Stationen bei Marken wie BMW und Mercedes seine kreative Heimat bei Kia gefunden zu haben scheint und dem von Peter Schreyer eingeführten Tigerstyling den überfälligen neuen Dreh gibt.
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Eine Plattform für viele koreanische E-Fahrzeuge

Technisch ist das Elektro-SUV EV5 auf der gleichen Platzform unterwegs, die auch den meisten anderen Elektromodellen von Kia, Hyundai und Edelableger Genesis eine Heimat gibt.
Kia: Elektro-Offensive
Kia hat den EV5 kantig und selbstbewusst gestaltet.
Bild: Stefan Grundhoff/press inform

Das Mittelklasse-SUV ist kantig und selbstbewusst wie sein großer Bruder gezeichnet und der Kunde hat je nach Markt die Wahl aus einem Motorenportfolio zwischen 150 kW / 204 PS und 230 kW / 313 PS, zwischen Front- und Allradantrieb sowie Reichweiten von 720 und 650 Kilometern.
Unterschiedliche Akkuzulieferer für die Fertigungen in China und im koreanischen Stammwerk bedeuten auch unterschiedliche Kapazitäten von 64 / 88 kWh sowie 58 und 81 kWh. Eine Fertigung des Kia EV5 in den USA oder Europa ist nicht geplant; der Welt-SUV soll aus Südkorea in alle Welt exportiert werden.

Kia hält sich bedeckt, was die Antriebe angeht

Kia ist ebenso wie Hyundai kein Lautsprecher, wenn es um den oftmals offen ausgetragenen Wettbewerb der Antriebsarten geht. Auch an diesem Tag kein Wort über einen endgültigen Ausstieg aus der Welt der Verbrenner oder das Verbannen von Altmodellen. "Auf den sogenannten Emerging Markets wird es mit der Elektromobilität nicht so schnell wie auf den anderen Märkten gehen", erläutert Kia-CEO Ho Sung Song.

Die E-Zukunft der Marke Kia ist klar

Doch die Ziele sind klar. Bis zum Jahre 2026 soll jeder vierte neu verkaufte Kia ein Elektromodell sein. Bis 2030 dürften es knapp 40 Prozent oder 1,6 Millionen Fahrzeuge sein. "Kia ist sehr darauf bedacht, Lösungen für die Bedenken zu finden, die nach wie vor zum Zögern beim Kauf eines Autos führen", unterstreicht Ho Sung Song, "wir werden die Erwartungen der Kunden erfüllen, indem wir eine vollständige Palette von E-Fahrzeugen zu verschiedenen Preispunkten anbieten und die Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur verbessern."
Nach und nach will Kia eine komplette Elektrofamilie anbieten und der Kunde soll somit zwangläufig ganz von selbst auf den Elektrogeschmack kommen. Mit der sportlichen Limousine des EV6 GT hatte Kia in Sachen Design, Fahrleistungen und 800-Volt-Ladetechnik für viel Aufsehen gesorgt und jetzt warten viele auf den EV9; einen Oberklasse-SUV, der lautstark an die Tür zur Premiumliga klopft.
Kia: Elektro-Offensive
Der Kia EV4 ordnet sich in der Mittelklasse ein.
Bild: Stefan Grundhoff/press inform

Sein kleinerer Bruder EV5 startet 2025 und damit ist noch lange nicht Schluss, denn bei der Vorstellung zeigt der südkoreanische Autobauer gleich noch seriennahe Studien vom Crossover EV3 und der polarisierend gestylten Mittelklasselimousine EV4. Bei der Technik tritt Kia etwas überraschend einen Schritt zurück, denn alle drei neuen Modelle verzichten auf die 800-Volt-Ladetechnik von EV6 und EV9.
Kia: Elektro-Offensive
Die seriennahe Studie EV3 nennt Kia Crossover.
Bild: Stefan Grundhoff/press inform

Das SUV Kia EV2 soll vor allem in Europa ankommen

Kia EV3 und EV4 werden ebenso elektrisch angetrieben wie der Kia EV2, der als Kompakt-SUV der Vier-Meter-Klasse ab 2026 insbesondere den europäischen Kompaktklassemarkt in Wallung bringen und im slowakischen Standort produziert werden soll. Der Preis: wenn möglich knapp unter 30.000 Euro.
"Unser Elektroportfolio soll in den kommenden Jahren ein breites Spektrum zwischen 30.000 und 80.000 Euro abbilden", erläutert Kias oberster Produktplaner Spencer Cho. Das neue Dreierpack aus EV3, EV4 und EV5 soll gegen die Konkurrenz aus China, Europa und den USA in einer Preisspanne zwischen 35.000 sowie 50.000 Euro antreten und trotz ambitionierter Preise ordentliche Renditen generieren.
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Konzernmutter Hyundai hat ihre eigenen Pläne

Auch bei der großen Schwester Hyundai gibt es große Pläne. Hier sind die Elektromodelle Ioniq 5 und Ioniq 6 mit ebenso unterschiedlichem wie mutigen Design gut im Markt platziert, doch es fehlt noch an den großen Stückzahlen, die in den kommenden Jahren ebenfalls kostengünstigere Modelle mit Stecker bringen sollen.
Keine leichte Aufgabe für ein Modell wie den neuen Hyundai Kona, denn dessen Design dürfte gerade bei traditionellen SUV-Kunden nur wenig Anklang finden. Jedoch hat es der Hyundai-Konzern geschafft, die Modelle der unterschiedlichen Marken mit und ohne Stecker trotz weitgehend vergleichbarer Technik selbstbewusst voneinander abzugrenzen.
Kia: Elektro-Offensive
Karim Habib hat dem von Peter Schreyer erfunden Tiger-Design einen neuen optischen Spin verpasst.
Bild: Stefan Grundhoff/press inform

Mit gleichen Plattformen werden die Kosten gesenkt

Gleiche Plattformen und aufeinander abgestimmte Entwicklungen sorgen dafür, dass Kosten und damit auch die Wertschöpfungen stimmen. Entwicklungs-Extravaganzen, die sich gerade einige deutsche Marken auf dem Weg in die Elektromobilität gönnen, gibt es in Südkorea nur in seltenen Fällen.
Auch das hilft, gegen die immer stärker werdende Konkurrenz gerade aus China zu bestehen, denn längst haben die Koreaner nicht nur die europäischen Marken im Blick, sondern kämpfen auf den unterschiedlichsten Märkten gegen Fahrzeuge von Geely, Great Wall, BYD oder SAIC.
Kia: Elektro-Offensive
Laut Spencer Cho wird das E-Portfolio von Kia im Bereich zwischen 30.000 und 80.000 Euro breit gefächert sein.
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Ein eigenes Ladenetzwerk steht nicht auf dem Zettel

Ein eigenes Ladenetzwerk, wie es einige andere Anbieter mittlerweile anbieten, steht weder bei Kia noch der Konzernmutter Hyundai zur Diskussion. Stattdessen wollen sich die Koreaner verstärkt in die regionalen Ladenetzwerke einbringen.
In Europa steht das Ionity-Ladenetz im Vordergrund, die 2025 7.000 Schnellladepunkte anbieten wollen. In Nordamerika ist Kia zusammen mit Hyundai in einer groß angelegten Netzwerk-Kooperation, an der auch Konzerne wie Stellantis, BMW, General Motors, Mercedes und Honda beteiligt sind. Bis 2030 sollen in Nordamerika mehr als 30.000 Schnellladepunkte entstehen.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem heimatlichen koreanischen Ladenetzwerk Epit, das auf 3500 Stationen wachsen soll.