Mit Autos bin ich aufgewachsen. Und wenn ich, Julia Struck, Redakteurin bei COMPUTER BILD und 31 Jahre alt, das sage, dann meine ich: Mein Vater arbeitet in der Automobilbranche, und daher war es für mich schon früh normal, verschiedene Wagen auszuprobieren.
Selber fahre ich, seitdem ich 18 bin, einen Verbrenner-Kleinwagen mit (mehr oder weniger) Schaltgetriebe – erst Smart, dann VW Polo, dann Mini One, jetzt Mini Cooper.

Automatikwagen habe ich hin und wieder mal gesteuert, doch mit einem E-Auto bin ich noch nie so richtig in Berührung gekommen. Mir so etwas anzuschaffen, kam bislang auch noch nie wirklich infrage – zu den Gründen später mehr.
Jetzt habe ich zum ersten Mal am Steuer eines Elektrofahrzeugs gesessen und erlebte bei meiner ersten Fahrt eine Überraschung.

Kia EV6: Der Sound klingt anders

Kein brummendes Motorgeräusch, keine Schaltvorgänge: Dass das bei einem E-Auto so sein würde, war mir vorher theoretisch klar.
Was ich nicht ahnte: In unserem Testwagen Kia EV6, den AUTO BILD schon getestet hat, konnten wir unter verschiedenen Sounds ein Fahrgeräusch auswählen. Von spacig bis sportlich ist alles dabei, doch für mich waren die Klangeffekte allesamt befremdlich: Ohne Fahrsound war es mir am liebsten – und vielleicht sogar etwas angenehmer als das leise Brummen meines Minis.
Juilia Struck erste Fahrt Kia EV6
Julia Struck ist vor allem vom i-Pedal des Kia EV6 und dem entspannten Fahren im Berufsverkehr angetan.
Bild: COMPUTER BILD

E-Auto fahren und nie mehr bremsen

Das Fahrgefühl in einem E-Auto stellte ich mir wie einen Automatikwagen mit etwas rasanterer Beschleunigung und leiser vor. So war es zunächst auch, wobei sich die Reaktion des Gaspedals nach dem Modus richtet: "Normal", "Eco" und "Sport".
Das Gaspedal kann aber mehr, als ich ahnte: Als "i-Pedal" taugt es auch als Bremse, im sogenannten "One Pedal Driving"-Modus. In der Praxis heißt das: Das Auto bremst ab, wenn ich den Fuß vom Gaspedal nehme. Dafür nutzt es aber nicht die Bremsscheiben, sondern wandelt Bewegungsenergie um und lädt die Akkus. Das Fachwort lautet Rekuperation, wie mir mein COMPUTER BILD-Kollege Michael Huch verriet.
Klar funktioniert die Bremse weiterhin, aber wer mit etwas Gefühl vorausschauend fährt, braucht sie nicht zu benutzen, der rechte Fuß hat Pause – bequem und nachhaltig!

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"One Pedal Driving" war schnell gelernt

Ein Gefühl für den Ein-Pedal-Modus bekam ich schnell. Abhängig davon, wie langsam ich den Fuß vom Gas nehme, setzt die Bremswirkung ein. Im morgendlichen Stau übernimmt der Kia EV6 dann quasi selbstständig die Stop-and-go-Fahrt, wenn man gleichzeitig den Tempomaten aktiviert.
Übrigens beherrschen auch andere Elektroautos Rekuperation, wie ich gelernt habe. Nur brauchen die oft noch die Bremse, um zum Stillstand zu kommen – anders als das ausgeklügelte i-Pedal im Kia EV6.

Fazit

Das Fahrgefühl mit dem i-Pedal des Kia EV6 hat mich begeistert und mir zum ersten Mal klargemacht, dass E-Auto-Fahren nicht nur die wohl unausweichliche Zukunft ist, sondern neben dem linken auch den rechten Fuß entlasten kann. Gerade für längere Fahrten stelle ich mir das angenehm vor. Die Anschaffung eines E-Autos ist mir aber zu teuer. Und es gibt für mich zu viele Hürden, ich wüsste schlicht nicht, wo ich ein E-Auto (bequem) aufladen sollte: In der Garage meines Mietshauses gibt es keine Wallbox, öffentliche Ladeplätze sind aus meiner Sicht zu rar und oft zeitbegrenzt. Wenn die Infrastruktur nachzieht, bin ich mir sicher: Mein nächstes Auto wird ein E-Mobil – und zwar mit so einem intelligenten Gaspedal!