Leapmotor B03X: Fahrbericht
Kompakt, clever, komfortabel – neues Elektro-SUV aus China
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Mit dem B03X schickt Leapmotor ein neues Modell in den boomenden Markt der bezahlbaren Elektro-SUV. Vor allem Familien in der Stadt soll es begeistern. Ob das funktioniert, hat AUTO BILD bei einer ersten Testfahrt herausgefunden.
Bild: Leapmotor International
Der dem Stellantis-Konzern angeschlossene chinesische Hersteller Leapmotor erweitert sein Portfolio mit einem Stadt-SUV: dem B03X. Der Name sagt nicht viel aus, reiht sich mehr oder weniger in das Zahlen- und Buchstaben-Gewirr der meisten Autobauer aus dem Reich der Mitte ein.
Auch optisch wird es immer schwerer, die unterschiedlichen Hersteller auseinanderzuhalten. Hatte man früher das Gefühl, bei chinesischen Autos wird das Design europäischer Hersteller zitiert, scheint man sich heute nur noch gegenseitig zu kopieren. Da hilft es auch nicht, dass der sogenannte Leapy, ein putziges Easter-Egg der Designer, an allen möglichen und unmöglichen Stellen hervorlugt. Wir haben in Summe fünf gezählt, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass wir den einen oder anderen stillen Reisebegleiter übersehen haben.
Aber weder das Aussehen noch die kleinen Design-Späße sind in erster Linie ausschlaggebend für die Kaufentscheidung. Vielmehr guckt die Kundschaft auf den Preis – und der macht den Leapmotor B03X für ein breiteres Publikum interessanter als manch anderen Mitbewerber. 24.900 Euro werden für das Modell mit der 39,8 kWh großen LFP-Batterie aufgerufen. Die soll das 4,27 Meter lange SUV mit einem 177 PS leistenden Synchronmotor nach WLTP immerhin 292 Kilometer weit bringen.

Mit dem Leapmotor B03X tritt sicher kein neuer Kurvenräuber auf den Plan, wohl aber ein günstiges Elektro-SUV für kleine Familien.
Bild: Leapmotor International
Wem das zu wenig ist, dem offeriert Leapmotor den B03 Promax mit einem 53 kWh starken LFP-Akku und 197 PS, der nach WLTP mit 392 Kilometer (WLTP) Reichweite aufwartet. Geladen werden beide Leistungsvarianten an der entsprechenden DC-Station mit bis zu 133 kW. Von 10 bis 80 Prozent Akkufüllung braucht es für den kleinen Akku 21 Minuten. Wie viel Zeit bei der großen Batterie benötigt wird, ließ Leapmotor offen. Bekannt ist aber, was die stärkere Variante kosten soll. Mindestens 29.400 Euro werden hier fällig.
Der Fokus liegt ganz klar auf Komfort
Auch mit den Fahrdaten muss Leapmotor nicht hinter dem Berg halten. In beiden Fällen braucht es 8,6 Sekunden, um auf Landstraßentempo zu beschleunigen, und in der Spitze sind laut Tacho 160 km/h bezeugt. Da die Zielgruppe für einen B03X aber nicht der sportlich orientierte Fahrer ist, sondern die Familie mit Platzbedarf, verabschieden wir uns von den schnöden Zahlen. Und weisen an dieser Stelle noch darauf hin, dass die Lenkung sehr leichtgängig ist, was dem Rangieren im urbanen Parkplatzdschungel entgegenkommt, einem sportlichen Strich durch die Kurve aber spürbar entgegensteht.

Redakteur Holger Preiss attestiert dem Leapmotor B03X eine insgesamt auf Komfort bedachte Abstimmung.
Bild: Leapmotor International
Ja, es gibt drei verschiedene Fahrmodi (Comfort, Normal, Sport), deren Spreizung aber eher im marginalen Bereich liegt. Zu empfehlen ist Sport, weil hier das Lenkgefühl über die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung noch am dichtesten an der Straße ist.

Auch im Leapmotor B03X dominieren Digitaldisplays und Touchbedienung – für den Hersteller günstig, aber nicht immer selbsterklärend.
Bild: Leapmotor International
Wenig zu hadern gibt es beim Fahrwerk für diejenigen, die auf Komfort setzen. Der B03X geht sanft, bei manchen Bodenwellen etwas arg wippend über die Schlechtigkeiten der Straßen hinweg. Bösartige Schläge und Stöße bleiben hier weitgehend außen vor.
Die Bedienung des Leapmotor B03X ist wenig intuitiv
Wirklich unangenehm ist auch hier das Gezupfe des Spurhalteassistenten am Lenkrad und der Mangel, ihn nachhaltig deaktivieren zu können. Hat man es per Fummelei im 14,6 Zoll messenden Zentraldisplay endlich so weit gebracht, reicht ein kurzer Schlenker über die Straßenmarkierung, um das System wieder scharf zu schalten.
Auch sonst bleibt die Bedienung gewöhnungsbedürftig. Wie in anderen Modellen der Marke erfolgt das Einstellen der Seitenspiegel über Lenkradtasten, die ohnehin doppelt belegt sind. Mechanische Tasten vermisst man schmerzlich, die Fensterheber öffnen und schließen entgegen der gewohnten Schalterrichtung, und der Knopf für den Warnblinker befindet sich im Dachhimmel.
Magic Seats wie bei Honda
Abseits dieses sicher erlernbaren Ungemachs zeigt sich der B03X aber als das, was er sein will: ein geräumiges, wuseliges Stadt-SUV mit sehr viel Platz und ein paar pfiffigen Ideen. Dazu gehören auch die Magic Seats. Die Magie der hier gemeinten Rücksitzbank besteht darin, dass sich die Sitzfläche in Richtung Lehne aufstellen lässt, sodass im Fußraum entsprechend mehr Platz entsteht. Ein Feature, das man von Honda kennt.

Die wie bei einem Kinositz an die Lehne hochklappbare Sitzfläche im Fond macht den Leapmotor B03X besonders variabel.
Bild: Leapmotor International
Wer also den großen Blumentopf transportieren muss oder das Fahrrad nicht bei umgeklappter Rückenlehne ins Heck fädeln möchte, findet hier eine Alternative. Allerdings muss bei einer Fahrzeuginnenbreite von 1,52 Meter bei vielen Zweirädern das Vorderrad ausgebaut werden.
Auch der Kofferraum bietet mit einem Stauraum von 475 Litern reichlich Platz. Hinzu kommt unter dem doppelten Ladeboden eine Wanne, die tief in den Unterboden ragt und nach Angaben des Herstellers weitere 150 Liter bereitstellt. Belädt man das Gepäckabteil bei umgelegter Rückbanklehne bis unters Dach, sollen sogar 1385 Liter hinter der Heckklappe verschwinden.

Für den Fahrer bietet der Leapmotor B03X ordentliche Platzverhältnisse, der Verstellbereich des Lenkrads dürfte aber gern größer sein.
Bild: Leapmotor International
Was dem B03X ebenfalls bescheinigt werden kann, ist seine gute Verarbeitung. Die im Innenraum verwendeten Materialien machen vielleicht nicht den hochwertigsten Eindruck, aber dafür verzichtet man zu großen Teilen auf hartes Plastik, was die Gesamtanmutung im Vergleich mit anderen Herstellern deutlich hebt.
Warum allerdings der Beifahrersitz sich gar nicht in der Höhe verstellen lässt, ist nicht zu verstehen. Hier fühlt sich der Copilot immer etwas zu hoch platziert und muss, um sich Raum zu verschaffen, den Sitz nach hinten schieben. Der Fahrer selbst ist auf einem elektrisch verstellbaren Sitz platziert, der sich natürlich auch in der Höhe verstellen lässt. Hier dürfte sich der eine oder andere Fahrer allerdings wünschen, dass man dem Lenkrad einen größeren Verstellbereich in Längsrichtung gegönnt hätte.
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