Platz eins mit 286 von 400 Punkten: VW Golf GTI. Sehr agiler und verbindlicher Kompaktsportler. Starker Motor, starkes Fahrwerk, bissige Bremsen. Toll!  
Platz zwei mit 269 von 400 Punkten: Mercedes A 250. Tempo mit Kultur – also der GT unter den GTI. Dabei absolut fahrsicher, komfortabel und sogar sparsamer.
Man(n) könnte heulen. 37.607 Euro sind inzwischen für einen Papi-Sportler – für den Familien-Spaßwagen überhaupt – fällig. So viel kostet nämlich der neue VW Golf 8 GTI . Der einfachste Golf ist für rund die Hälfte zu haben. Auch bei Mercedes steht die Stimmung in der Liga der Kraftprotze auf Halbmast. Eine A-Klasse als A 250 4Matic kostet ab 39.202 Euro. Aua, schnief, ach menno! Aber nützt ja nix. Fragt man sich in der Folge jedoch, ob es bei VW oder Mercedes mehr Auto, mehr Tempo, mehr Sport, mehr Spaß für das viele Geld gibt. Das klärt unser erster Vergleich nach knüppelharter Punktesortierung.

Bei den Fahrleistungen lassen GTI und A 250 nichts anbrennen

Mercedes A-Klasse 250
Der A 250 schafft wie der GTiI 250 km/h Spitze. Beim Sprint ist der Benz eine Zehntelsekunde langsamer.
Apropos Knüppel: Einen A 250 gibt es ausschließlich mit Automatik, bei VW kommt der handgeschaltete Golf erst 2021, somit läuft ein GTI aktuell ebenfalls als Automatik (also mit DSG) vom Band. Bei beiden Autos übernimmt ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe die Schaltarbeit. Ganz ähnlich sind die Anlagen der beiden auch in Sachen Motor und Fahrwerk. Ein Zweiliter-Turbobenziner mit vier Zylindern drückt Kraft an die Vorderräder. Beim allradgetriebenen Testwagen von Mercedes schaffen es 350 Newtonmeter Drehmoment ins Getriebe, VW lässt sogar 370 Newtonmeter aus der Kupplung sprießen. Das reicht bei beiden Kompakten für 250 km/h Vmax und Sprints von null auf 100 in knapp über sechs Sekunden. So weit die gleichstellende Theorie. In der Praxis trennt sich dann doch die Spreu vom VW-Weizen. Jedenfalls aus sportlicher Sicht.

Im Golf GTI geht es auch auf der Rennstrecke richtig rund

VW Golf 8 GTI
Tracktool: Sowohl der wache Motor als auch die Abstimmung des Fahrwerks machen richtig Laune.
In ganz brutaler Kürze: Der GTI ist das grantigere, lebendigere und treffendere Spaß- und Sportauto. Warum? Weil VW den feiner sezierenden Rundstreckenboliden auf 19-Zoll-Räder gestellt hat. Der Motor hat mehr Kraft als der 2.0 im Mercedes und dreht gleichzeitig lustvoller aus. Das maximale Drehmoment steht ab 1600 Umdrehungen pro Minute parat, beim Benz sind es etwas weniger bei knapp 200 zusätzlichen Touren. Den Vierzylinder des A 250 bringt man nur unter erbarmungslosem Auswringen über die 6000er-Marke des Drehzahlmessers, das GTI-Aggregat dagegen will gefühlt von ganz allein in Richtung 7000 marschieren. In der Folge fühlt sich die Maschine im VW viel lebendiger, wacher, ungehemmter an. Darunter liegt jedoch ein künstlich gewebter Klangteppich – dieses steife, gebrummte Nölen muss man mögen. Der Mercedes macht es stilvoller, weil authentischer und leiser. Zugleich fühlt sich der VW leichter und lockerer an.

Im Mercedes findet man eher den GT unter den GTIs

VW Golf 8 GTI        Mercedes A-Klasse 250
Klare Kiste: Auf dem Rundkurs fährt der Golf der A-Klasse davon. Längsdynamisch herrscht Gleichstand.
Wo der A 250 bereits über alle vier Räder – allerdings herrlich berechenbar – seicht über die Reifen nach außen fließt, hakt sich der Golf besser ein. Dazu kommt: Leichtes Untersteuern hat der Fahrer überraschend gut im Griff – er modelliert die Linie direkt nach dem Kurveneingang über das Gaspedal. Leichter Zug, die elektronisch simulierte Quersperre wacht auf, der Golf knabbert sich noch verbissener in den Radius. Sensationell, wie der GTI hier der Physik die Rennstreckenwelt erklärt – ein großer Spaß ist das! Perfekter GTI also? Beinahe. Uns stören Kleinigkeiten. So lassen sich die Stoßdämpfer des ohnehin grenzwertig prall abgestimmten Fahrwerks nur über den Zentralbildschirm verstellen, das ESP (grandioser Sportmodus) versteckt sich verschachtelt in Menüebenen, und dem entspannten Alltagsgebrauch stehen unentspannte Federn im Weg.

Für die Mercedes A-Klasse sprechen fehlerfreie Traktion, das unspektakuläre Ausweichverhalten, geringer Verbrauch sowie rundum geschmeidiger Fahrkomfort. Heißt: Mehr Alltag kann Mercedes, mehr Kitzel VW. Tempo? Beherrschen beide!
Das Fazit: Beide können – klar, bei 224 PS aufwärts – mächtig auf die Tube drücken. Der Golf macht das mit mehr Gift, der Fahrer hat viel mehr Spaß. Der Mercedes liefert rundum kultivierter ab. Für unsere Einordnung auf der Rennstrecke heißt das also: Unangefochtener Kompakt-König ist der GTI.

Bildergalerie

Mercedes A-Klasse VW Golf GTI
VW Golf GTI
Mercedes A-Klasse
Kamera
Zwei Kompaktsportler im Test