Spontan fühle ich mich wie in einem großen, ferngesteuerten Spielzeugauto. Ich höre den Wind, die Reifen, irgendwie sogar die Elektrizität. Plötzlich der Gedanke: In meinem Nacken sitzen 6831 Akkus, von denen es heißt, sie seien leicht entzündlich und würden gern auch mal explodieren. Der Tacho zeigt 100 Meilen, 160 km/h. Und die Bedenken verfliegen mit der faszinierenden Vorstellung, gerade in einer automobilen Revolution zu sitzen. Falls Sie sich jetzt ein wenig wundern – geschrieben habe ich diese Sätze vor genau 14 Jahren, im April 2007. Nach meiner ersten Fahrt im Tesla Roadster durch das Silicon Valley in Kalifornien. Nun ist es April 2021, und ich lenke wieder einen der Ur-Roadster, diesmal durch Hamburg.

Die Laufleistung des Tesla Roadsters ist ganz ordentlich

Tesla Roadster 2.0 (2009)
Frisch wie am ersten Tag: Seine 108.000 Kilometer merkt man dem Roadster überhaupt nicht an.

Es ist viel passiert in der Zwischenzeit. Während ich mich wundere, wie sich dieser Elektro-Youngtimer heute anfühlt und anhört, wenn ich beschleunige, lenke, bremse, erklärt mir Anne Effenberger vom Beifahrersitz aus ihren Wagen. Zu viel habe ich in all den Jahren vergessen, in denen E-Autos erst Leaf, dann Zoe und i3, später Model S, X, 3, dann ID.3 oder Taycan hießen. Die Hamburger Geschäftsfrau und ihr Mann Thomas besitzen nicht einen dieser damals auf 2500 Stück limitierten Roadster – sondern zwei. Einen roten zum täglichen Pendeln in die City. Und einen weißen, 2.5 Sport, limitierte Signature-Edition, der eher selten aus der Garage geholt wird. Der Alltags-Roadster aber ist schon mehr als 108.000 Kilometer gelaufen. Ich merke es ihm nicht an. Der Akku ist immer noch der erste, lediglich der Lüfter musste zweimal gewechselt werden.

Mit seinen Fahrleistungen überzeugt der Roadster auch heute

Tesla Roadster 2.0 (2009)
Immer noch beeindruckend: Den Sprint auf Tempo erledigt der kleine Tesla in schlanken 3,9 Sekunden.
Klar, vieles ist in diesem alten Roadster anders als in aktuellen E-Autos. Das fängt mit Starten an: Schlüssel mit Bart! Dann die gewöhnliche Handbremse. Und erst die Lenkung: Servo? Gibt's nicht. Die Rundinstrumente sind analog, die Verbrauchsanzeige eher vage, der Touchscreen für die Lade-Infos ein sechs mal acht Zentimeter kleines Mäusekino. Willkommen zurück in den Nullerjahren. Aber an seiner Faszination, der Beschleunigung, hat der Roadster auch nach 14 Jahren nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Da wir an diesem sonnigen Frühlingstag offen fahren, höre ich den Sound des E-Fahrens im Tesla Roadster viel deutlicher als in modernen E-SUVs. Ich wandere mit meinen Gedanken zurück auf Anfang und beginne, mich zu erinnern: Das ist das, was ich damals meinte, als ich schrieb, irgendwie könnte ich "die Elektrizität hören". "Hat es seit dem Roadster ja auch nie wieder gegeben, ein offenes, sportliches E-Auto", klagt Anne Effenberger, die Cabriofahren liebt.

Und der Tesla Roadster ist in Wahrheit ja auch eine verlängerte Lotus Elise. Das merke ich auch beim ruppig-harten Fahren. Hinterm Lenkrad erinnert nichts außer der "Tesla Motors"-Logos ans US-Start-up. Auch die Alpine-Rückfahrkamera ist Lotus-Zubehör. Aber der Antrieb, der ist Tesla total. "Burn rubber, not gasoline", lautete einst das Motto des Start-ups. In unter vier Sekunden beschleunigte der Roadster schon damals auf 100 km/h. Die nächste Generation soll in weniger als zwei Sekunden auf Tempo 100 sein – wenn es die Reifen tatsächlich aushalten.

Fahrspaß wird im Tesla immer noch großgeschrieben

Tesla Roadster 2.0 (2009)
Angenehm puristisch: Der mühelose Antrieb und das knackige Fahrverhalten machen richtig Spaß.
Was Fahrspaß betrifft, reicht der Ur-Roadster völlig. Er verbindet perfekt das Arbeiten in einem analogen Sportwagen mit der Unangestrengtheit des elektrischen Antriebs. Als ich Annes Roadster ausrollen lasse, fällt auf, dass kein künstlicher Sound einsetzt, um Fußgänger zu warnen. Nur das Knirschen der Räder ist zu hören. Und ein junger Mann, der nähertritt und fragt, ob dies der neue Roadster von Tesla sei, von dem er gehört habe. "Nein, der alte", sagt Frau Effenberger und lächelt. Die Frage höre sie oft. Wie sie ihren Tesla lädt? Wie in den Anfangszeiten der automobilen Revolution: "Fast immer nachts an einer Haushaltssteckdose." Gleichstrom, Ladekurve, Temperaturmanagement – war 2007 alles noch kein Thema. So wie Elon Musk. Der war damals nur Investor im Hintergrund. Tesla-Boss war ein Mann namens Martin Eberhard. Der sagte mir vor 14 Jahren: "Wir sind die, die das Autofahren verändern werden." Und dann bat er mich: "Gib uns Zeit. Wir können die Welt nicht an einem Tag erobern." Sie brauchten ein Jahrzehnt. (Zu Hause laden: 900 Euro Zuschuss für Wallboxen)

Das Fazit: Nur wenige Modelle der Automobil-Historie verdienen die Bezeichnung "Meilenstein". Der Tesla Roadster gehört dazu. Ihn heute zu fahren, ist wie eine Zeitreise. Zurück zu den Anfängen eines unternehmerischen Wunders – und zum Start der modernen Elektromobilität.
Technische Daten Tesla Roadster 2.0 (2009) • Motor: E-Heckmittelmotor • Leistung: 215 kW (292 PS) • max. Drehmoment: 380 Nm • Antrieb: Eingang-Hinterradantrieb • Akku: 53 kWh, Lithium-Ionen • max. Reichweite: 393 km • Länge/Breite/Höhe: 3946/1873/1127 mm • Leergewicht: 1237 kg • 0-100 km/h: 3,9 s • Vmax: 201 km/h • Verbrauch: ca. 28 kWh/100 km • Neupreis (2009) 109.000 US-Dollar

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Tesla Roadster 2.0 (2009)
Tesla Roadster 2.0 (2009)
Tesla Roadster 2.0 (2009)
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Fahrbericht Tesla Roadster
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