Wasserstoffauto von BMW
Neuer Brennstoffzellen-BMW kommt 2028 – aber aus dem Ausland

BMW verfolgt den Wasserstoff-Antrieb beharrlich weiter: In Kürze werden Prototypen mit der neuesten Brennstoffzellen-Generation ausgerüstet, die Toyota entwickelt hat. Der erste Wasserstoff-BMW ist für 2028 vorgesehen. Er wird nicht in Deutschland gebaut.
Bild: BMW
Der Wasserstoffantrieb lebt: Trotz stagnierender Zulassungszahlen und Schließung zahlreicher H2-Tankstellen in Deutschland hält BMW beharrlich an dem alternativen Antrieb fest. Jetzt haben die Münchner angekündigt, erste Prototypen mit der dritten, neuesten Brennstoffzellen-Generation auszurüsten. Die Serienfertigung des neuen Wasserstoff-Modells ist ab 2028 geplant.
Die Technik holt sich BMW über eine Allianz mit dem Technologie-Führer: Im Herbst 2024 hatte der bayerische Konzern mit Toyota eine intensive Zusammenarbeit bei der Brennstoffzellen-Entwicklung begonnen. Ihr Ziel: "Die Innovationskraft und technologische Expertise zu bündeln", wie BMW-Chef Oliver Zipse seinerzeit sagte.
Die Kooperation ist indes schon älter: Bereits 2013 integrierte BMW die erste Brennstoffzellen-Generation von Toyota in einem Mittelklasse-Modell 535i. Derzeit ist das SUV iX5 in Kleinserie von knapp 100 Exemplaren als Wasserstoff-Auto mit der 2. Generation ausgestattet.

BMW-Chef Oliver Zipse und Toyota-Vorstandsmitglied Kohi Sato (re.) besiegeln die Wasserstoff-Partnerschaft der beiden Konzerne in München mit einem Händedruck.
Bild: BMW
25 Prozent weniger Platzbedarf
Ob das neue Modell wieder die Mittelklasse-Limousine i5 oder das SUV iX5 sein wird, lässt BMW auch auf Nachfrage noch offen. Auch zu technischen Daten und Preisen ist bisher nichts bekannt. Es erscheint jedoch plausibel, dass die Bayern die Weiterentwicklung des aktuellen Modells ab 2028 zum ersten Großserien-Wasserstoff-Pkw von BMW machen wollen. Mittlere SUV sind groß genug, um die voluminösen Drucktanks zu tragen, und erfreuen sich – wie die gesamte Gattung der Freizeitfahrzeuge – nach wie vor wachsender Beliebtheit.

Im Wasserstoff-Kompetenzzentrum von BMW werden die weiterentwickelten Toyota-Brennstoffzellen derzeit getestet und in Prototypen-Fahrzeuge eingebaut.
Bild: Jonas Rattel
Fest steht: Die dritte Brennstoffzellen-Generation soll sowohl für Pkw als auch Lastwagen geeignet sein. Sie ist erheblich kompakter als die zweite und lässt sich daher in die Fahrzeug-Architektur leichter integrieren als zuvor. Auch konnte der Platzbedarf des neuen Brennstoffzellen-Systems um ein Viertel verringert werden.
Auch die Effizienz des Systems wurde "erheblich gesteigert", das sei eine "wesentliche Verbesserung". Der iX5 mit Brennstoffzelle verbrauchte im AUTO BILD-Test 1,5 Kilogramm Wasserstoff auf 100 km, was – je nach Tankstelle – derzeit zwischen 20 und 25 Euro kostet. Auch die Reichweite im Vergleich zur aktuellen Version ist laut BMW erheblich gesteigert worden.
Neuer H2-BMW aus Österreich
Die Fertigung wird im oberösterreichischen BMW-Werk Steyr erfolgen. Die Anpassung der Produktionsanlagen ist laut Hersteller bereits im Gange. Komponenten für den H2-Antrieb des neuen Modells entstehen im BMW-Werk Landshut.
Nach Darstellung des deutschen Herstellers profitieren sowohl BMW als auch Toyota von der technologischen Kooperation: Toyota, die relativ spät mit der Entwicklung vollelektrischer Modelle starteten, dürfen bei BMW spicken – und umgekehrt lernen die Bayern viel über Brennstoffzellentechnologie von den Japanern, die mit dem Mirai der zweiten Generation bereits mehrere tausend H2-Autos weltweit erfolgreich verkaufen konnten.

Vor drei Jahren stellte BMW das Brennstoffzellen-SUV iX5 Hydrogen vor, seitdem wird es in Kleinserie gebaut.
Bild: BMW
Die Variante des mittleren SUV X5 hat wie der iX5 einen Elektromotor als Antrieb, der von einer Brennstoffzelle mit Strom versorgt wird. Mithilfe der iX5-Testflotte von etwa 100 Exemplaren will BMW seinen technologischen Rückstand zumindest ein wenig vermindern. Der Elektromotor im iX5 Hydrogen leistet 401 PS, die auf die Hinterachse wirken. Die zwei H2-Drucktanks im Unterboden erlauben nach BMW-Informationen eine Reichweite von 504 km.
Mit der zweigleisigen Strategie demonstriert BMW Markt- und Technologie-Offenheit. Anders gesagt: BMW-Kunden sollen auch zukünftig wählen dürfen, ob sie ein reines E-Auto haben wollen oder eines, das größere Reichweiten bei minimaler Tankzeit anbietet. Das bietet der Brennstoffzellenantrieb.
Gleichwohl müssen bis 2028 noch Bedingungen erfüllt werden, damit das Vorhaben gelingt, sagte der BMW-Projektverantwortliche Jürgen Guldner 2024 dem Münchner Merkur: Dazu gehört ein gut ausgebautes Wasserstoff-Tankstellennetz. 2028 werde es so weit sein, glaubt der BMW-Manager.
BMW will Alternative zum E-Auto anbieten
Wer könnte ein H2-Auto von BMW kaufen? "Wir wollen all jenen Menschen ein Angebot machen, für die ein Batteriefahrzeug nicht die optimale Lösung ist." Guldner meint damit zum Beispiel Städter, die nicht an der privaten Wallbox laden können oder Langstreckenpendler, die keine Zeit für lange Ladepausen haben. Für sie könnte ein Brennstoffzellen-Auto, das den Energieträger Wasserstoff so schnell tankt wie ein Diesel oder Benziner, die attraktivere Alternative zum E-Auto sein. Guldners Ansatz: Diejenigen für alternative Antriebe zu begeistern, die sich bisher eher nicht angesprochen fühlten. "Wir wollen mit Wasserstoff jene Autofahrer für die Elektromobilität gewinnen, die wir bisher nicht erreichen."
Die ersten Brennstoffzellen-Autos in Großserie sollen nicht teurer sein als Elektroautos, so Guldner. Er verspricht sich schnelle Kostensenkung durch hohe Stückzahlen der Brennstoffzelle, da sie auch ohne große Anpassungen für andere Fahrzeugkategorien – zum Beispiel Gabelstaplern, Lkw und Bussen – nutzbar sei. Es würden auch keine teuren und seltenen Rohstoffe benötigt, anders als bei Traktionsbatterien.
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