
Liebe Leserinnen und Leser,
seit November 2011 darf ich für AUTO BILD arbeiten. Ich fing als Volontär an und bin seit Februar 2023 Chefredakteur. Für mich stehen die Leserinnen und Leser im Mittelpunkt. Dennoch möchte ich mich an dieser Stelle kurz vorstellen: Baujahr 1981, aufgewachsen im ländlichen Ostwestfalen, in einer Zeit, in der man seine Lieblingsautos noch aus Zeitschriften ausgeschnitten hat. Autos der 90er liegen mir am Herzen, am liebsten leicht getunt – das war meine Jugend. Letztlich geht es aber nicht darum, wer ich bin, sondern was wir hier im Team für Sie, für euch, machen – eine gute AUTO BILD!
Gurtzungen und NATO-Rallyes: Robin im Podcast
Wenn ihr mehr darüber erfahren wollen, wie der Chefredakteur "tickt", dann kann ich diese zwei Interviews in Form von Podcasts empfehlen:
1. Im März 2023 sprach Sidney Hoffmann mit mir in diesem Podcast: Wie steht es um die Elektromobilität? Welche Alternativen gibt es daneben, die nicht vernachlässigt werden dürfen? Wie können wir eine gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Mobilitätswende gewährleisten, in der keiner abgehängt wird? Und welche neuen Player sind auf dem Automobilmarkt zu erwarten?
2. Ein knappes Jahr später, im Januar 2024, besuchte mich Volker Tolksdorf (unter anderem Veranstalter der "Cars & Bytes") in der Redaktion in Hamburg. Für diese Podcast-Folge von "The Digital Drive" sprachen wir über NATO-Rallyes, die Elektromobilität und Gurtzungen.
TIPP: Wöchentlich gibt es hier auf LinkedIn mein Editorial im Video.
Was treibt mich an? Schriftliches Interview mit Robin
Wer nicht hören will, darf gerne lesen. Roland Karle führte für HORIZONT dieses Interview mit mir, das am 22.03.2023 veröffentlicht wurde.
Zahlen lügen nicht
Chefwechsel: Robin Hornig hat Anfang März das Steuer bei Auto Bild übernommen. Was treibt den neuen Chefredakteur an, was bringt er mit, wo will er hin?
Robin Hornig stammt aus Ostwestfalen, ländlicher Raum. Von A nach B zu kommen, kann dort zu einer echten Herausforderung werden. Umso mehr weiß der 41-Jährige individuelle Mobilität zu schätzen, weil sie „für mich Freiheit bedeutet“. Das Auto auf seine Kernfunktion – als Fortbewegungsmittel – reduziert, das genügte ihm lange Zeit. Als Privatmensch ist er ohnehin am liebsten Fußgänger, und für längere Fahrten bevorzugt er die Bahn. Der neue Steuermann von Auto Bild hat also ein entspanntes, zweckmäßiges Verhältnis zum Automobil. Er ist kein Typ, bei dem zu befürchten ist, dass bei einem Aderlass Benzin statt Blut aus den Venen tropft.
Seit Anfang März grüßt Robin Hornig als Chefredakteur von Auto Bild und des Kompetenzcenters Auto der Bild-Gruppe. Er folgt auf Tom Drechsler (58), der sich nach mehr als 30 Jahren bei Bild, Bild am Sonntag und Auto Bild (seit 2017) den Ruf eines Urgesteins verdient und nun, wie es immer so routiniert formuliert heißt, „im gegenseitigen Einvernehmen“ seinen Platz geräumt hat.
Mit Hornig rückt der bisherige Stellvertreter (seit 2020) auf die Position des Chefredakteurs. Vorher war er ab 2016 Vizechef von Auto Bild Digital. Seine erste Station bei Axel Springer führte ihn in die Redaktion von Welt und Welt am Sonntag, nachdem er zuvor als Zeitsoldat gedient und an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg Politikwissenschaften studiert hatte.
Mit Journalismus kam Robin Hornig früh in Berührung. „Als Jugendlicher habe ich von meiner Mutter, Zeitungs- und Radiojournalistin, den fairen Umgang bei Interviews gelernt. Ich durfte sie oft begleiten, als sie beim damaligen Kirchen-Radio des WDR arbeitete“, erzählt er. In seiner Zeit als Berufssoldat war er nebenbei für JS – Junge Soldaten, ein Magazin der evangelischen Kirche, tätig. Dadurch hat Hornig viel journalistisches Handwerk gelernt, unter anderem beigebracht von JS-Redakteurin Dorothea Siegle, die nun als Chefredakteurin von Psychologie Heute arbeitet. „Meine ersten journalistischen Schritte waren somit stark von christlichen Werten geprägt“, sagt der Journalist.
Bei Axel Springer haben ihm vor allem Kollegen wie Jörn Lauterbach, Redaktionsleiter Welt/Welt am Sonntag Hamburg, und Boris Pieritz, ehemaliger Chefredakteur von Auto Bild Digital, „Raum für die Entwicklung des Onlinejournalismus gegeben“. All diese Erfahrungen haben Hornig beruflich zu dem gemacht, was er heute ist. „Zum einen habe ich gelernt, als Journalist immer den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Zum anderen, mit den grandiosen Analyse-Tools der Digitalisierung die richtigen Themen zu finden – das ist für mich ein wertvoller Mix.“ An der digitalen Entwicklung von Auto Bild hat Robin Hornig in den vergangenen Jahren wesentlich mitgewirkt. Ein für ihn wichtiges Learning: „Digitaler Journalismus ist ein Handwerk, das man beherrschen und immer weiterentwickeln muss.“ Dazu gehöre die permanente Zusammenarbeit mit anderen Bereichen wie SEO, Produktentwicklung und Technik.
Mit der früher bei Journalisten weit verbreiteten Überzeugung, dass sie schon wissen, was ihr Publikum will, lässt sich Hornig nicht infizieren. „Zahlen lügen nicht“, betont er. Deshalb „muss die Redaktion digitale Analyse-Tools verstehen und beherrschen. Selbst einfache Tools wie Google Trends helfen, die richtigen Themen zu identifizieren.“ Mit „richtig“ meint er das, was die Leserinnen und Leser wünschen. Außerdem, so Hornig, „geben Zahlen ein schonungsloses Feedback zu Inhalten“.
Der neue Frontmann ist ehrgeizig. Mit Auto Bild will er „nicht im Windschatten der anderen fahren, sondern das Tempo vorgeben. Das gilt auch bei Technologien wie künstliche Intelligenz und Mixed Reality“, sagt Hornig und verweist auf das Goldene Lenkrad, das seit 1976 vergeben wird. Im vergangenen Jahr wurde erstmals ein Auto im virtuellen Raum vorgestellt. „Mit dem aktuell fundamentalen Wandel in der Mobilität wird sich auch Auto Bild verändern“, so Robin Hornig. Was bleiben wird: dass die Marke für das Auto, Tests, Ratgeber, Emotionen und Unterhaltung steht. Und das über alle Kanäle hinweg.
Dafür hat Hornig mit seinem Team den Weg geebnet. Wer Auto Bild über mobile Geräte nutzt, wolle typischerweise selbst über seinen Medienkonsum entscheiden, sei es durch gezielte Suchanfragen und Personalisierungen, sei es über Suchmaschinen oder bei Social Media. „Wir müssen die Kanäle und Trends kennen, die richtigen Keywords besetzen, dann finden uns die Nutzerinnen und Nutzer überall da, wo es für sie um Autos und Mobilität geht. So konnten wir auch den Anteil weiblicher Nutzerinnen im mobilen Bereich auf ein Drittel steigern“, berichtet der Chefredakteur. Social Media erzeuge über die Mobilgeräte bis zu 10 Prozent der Reichweite. Zudem haben sich die Themeninteressen verschoben. Früher waren Berichte zum neuen VW Golf und Auto-Messen die Stars unter den Beiträgen, heute seien es stärker solche Inhalte, die noch größere Zielgruppen berühren, zum Beispiel ein Ratgeber zum richtigen Gebrauch der Parkscheibe oder Artikel über steigende Kraftstoffpreise und das Verbrenner-Verbot.
Und die gedruckte Ausgabe? Der Chefredakteur mag im Heft zum Beispiel besonders die Tabellen bei den Tests. „Sie sind für mich vorteilhafter gegenüber digitalen Darstellungsweisen.“ Für alle, denen es ähnlich gehe, die auch mal nicht auf einen Bildschirm blicken wollen, „werden wir so lange wie wirtschaftlich möglich dieses Angebot liefern“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich der Einzelverkauf von Auto Bild seit 2018 mehr als halbiert und im Jahresschnitt 2022 erstmals unter 100000 gelegen hat.
Der Trend lässt sich aufhalten, hofft Robin Hornig, „indem wir den Medienshift zu Digital aktiv angehen und die Zielgruppen redaktionell mit den richtigen Themen ansprechen“. Ein Beispiel: die Elektromobilität. Die Print-Leserschaft sei am Thema und deren Entwicklung durchaus interessiert. „Zu viel davon entspricht aber nicht dem Alltag dieser Zielgruppe, in der noch überwiegend Verbrenner gefahren werden.“ Im Digitalen hingegen sei die Nachfrage nach E-Mobilität deutlich größer. Unterm Strich erreicht Auto Bild „als ganzheitliche Medienmarke heute so viele Menschen wie nie zuvor in der Geschichte der Marke“, sagt Hornig.
Fünf Fragen an Robin Hornig
1 Was fasziniert Sie am Auto und an Mobilität?
Mobilität ist für mich Freiheit. Und das Auto bietet noch immer den umfassendsten Zugang zur individuellen Mobilität.
2 Was war das erste Auto, das Sie gefahren sind?
Ein VW Polo Fox Typ 86C von 1989 in Weiß mit roter Stoffausstattung. Diesen haben mir meine Eltern 1999 zum 18. Geburtstag und meinem Führerschein geschenkt. Dafür war und bin ich noch immer sehr dankbar, weil ich damit in unserer ländlichen Region in Ostwestfalen endlich unabhängig war.
3 Welches Fahrzeug nutzen Sie persönlich am liebsten und am häufigsten?
Für den Arbeitsweg mein Auto oder die Regionalbahn/S-Bahn. Man hat die Wahl zwischen Stau und Ausfällen. Auf Langstrecken bevorzuge ich die Bahn, da kann ich die Reisezeit zum Arbeiten nutzen, auch wenn die Züge verspätet sind. Am Wochenende gehe ich am liebsten zu Fuß, das entschleunigt und man nimmt alles viel bewusster wahr.
4 Ihre Karriere als Autojournalist – eher Zufall oder Plan?
Da ich mich 2011 aktiv für den Schritt in den Journalismus entschieden hatte: kein Zufall. Plan war es aber immer vorrangig, einen Beruf zu finden, mit dem ich jeden Morgen glücklich starte und abends zufrieden nach Hause gehe. Oder fahre. Dieser Plan hat sich mit Auto Bild erfüllt. Uneingeschränkt.
5 Ihre drei wichtigsten Aufgaben als Auto-Bild-Chefredakteur?
Erstens: Das Auto, Mobilität und die Menschen in den Fokus zu stellen. Zweitens: Eine zufriedene Redaktion zu haben, die Entwicklungen und Entscheidungen versteht. Und drittens: Nicht zuletzt mich selbst immer wieder in die Rolle der Leserinnen und Leser zu versetzen.
Die Fragen stellte Roland Karle




















