Ranking: Soviel Ruß stoßen Benziner aus

EU-Norm: Auch neue Benziner mit Rußpartikelfilter

Partikelfilter für Benziner

Im September kommt die Euronorm 6c. Weil mehreren Benziner-Baureihen wie 7er und X1 der Partikelfilter fehlt, unterbricht BMW den Verkauf der betroffenen Modelle. Infos zum Ottopartikelfilter!
BMW muss den Verkauf diverser Benzin-Modelle für einige Zeit unterbrechen. Der BMW 7er mit Ottomotor soll in Europa für neun Monate vom Markt genommen werden, lediglich der Plug-in-Hybrid und die Diesel-Varianten sind dann bestellbar. Das bestätigte ein BMW-Sprecher gegenüber AUTO BILD. Der Grund für die Angebotsunterbrechung: ein fehlender Partikelfilter für die Direkteinspritzer. Ab 1. September 2018 wird die neue Euronorm 6c mitsamt dem neuen WLTC-Prüfzyklus Pflicht für alle Neuwagen – Benziner mit Direkteinspritzung dürfen dann nur noch ein Zehntel der bislang geduldeten Rußpartikel ausstoßen. Neben BMW 740i, 750i (inkl. Li und xDrive) sowie 760Li xDrive sind X1 20i/25i, X2 20i, 225i xDrive Active Tourer, M3 und M550i xDrive vorübergehend nicht im Angebot.
Während BMW den Verkauf der Benzin-7er bis März 2019 unterbechen will, ist die Länge der Auszeit bei den übrigen Modellen nicht bekannt. Für den aktuellen M3 bedeutet die neue Euronorm aber wohl das Aus. Die Produktion läuft im Mai 2018 aus – und damit etwas früher als geplant. BMW arbeitet schon am Nachfolger, der 2020 kommen soll.

Nur nach und nach bekommen die Autos OPFs

Fein raus: Der neue X3 erhielt als erster BMW den Ottopartikelfilter. Kein Produktionsstopp!

Auch andere Hersteller bereiten sich auf die realistischeren Abgasmessungen und die neuen Grenzwerte vor. Noch ist das Angebot an Modellen aber überschaubar: Volvo (XC40, XC60, S/V/XC90 seit Produktionswoche 46/2017) nannte auf Nachfrage von AUTO BILD lieferbare Modelle, dazu kommen der VW Tiguan 1.4 TSI sowie Peugeot mit dem überarbeiteten 308. Seat dagegen will den Filter erst zum Modelljahr 2019 einführen, Opel beginnt im März 2018 beim Astra. Fiat Chrysler, Ford und Porsche wollen die Rußfilter für Benziner nach und nach einführen. Honda bestätigt nicht einmal, dass der Filter überhaupt kommt. Viele Hersteller betonen, dennoch würden die jeweils geltenden Abgasvorschriften eingehalten. 
Genau das ist das Problem: Gesetzlich vorgeschrieben ist der Filter nicht. Laut einem Audi-Sprecher sei die Erfüllung der aktuellen Abgasnorm Euro 6d, bei der der Partikelausstoß direkt einspritzender Benzinmotoren mit Tests nicht nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße ermittelt wird, bei "vielen Modellen" auch ohne Filter möglich. Ob das stimmt, wird sich zeigen – bislang bieten die Ingolstädter als einzige Modell-Motor-Kombination überhaupt das A5 Coupé mit 2.0-TFSI-Motor mit Rußbremse an. Fraglos aber sind die Abgase mit Filter sauberer als ohne. Diese Aussage spiegelt darum auch die Einstellung der Hersteller wider: Die Autos sind nur so sauber, wie sie eben sein müssen. Aber nicht, wie sie sein könnten. Wettbewerb in der Umwelttechnik? Fehlanzeige.

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Wie funktioniert das Partikelfiltersystem?

Die Funktionsweise entspricht der beim Diesel eingesetzten Technik. Dabei wird der Abgasstrom in ein Partikelfiltersystem geleitet. VW setzt auf dabei auf ein neues Bauteil im Abgassystem. "Neben den bekannten 3-Wege-Katalysatoren werden in Zukunft zusätzliche OPF beziehungsweise 4-Wege-Katalysatoren, also OPF mit Dreiwegebeschichtung zum Einsatz kommen", sagte ein VW-Sprecher gegenüber AUTO BILD. Dazu wird es sowohl Systeme mit Katalysator und zusätzlichem Ottopartikelfilter als auch 4-Wege-Katalysatoren geben. BMW setzt auf Filter aus Keramik: "Die Technik ist aus dem Diesel-Partikelfilter bekannt und wird für den Ottomotor adaptiert", sagte ein Unternehmensprecher. 

Wissenschaftler halten Rußpartikel für gefährlich

Je kleiner, desto gefährlicher, bestätigen Wissenschaftler: Ultrafeinstpartikel im Nanometerbereich (nm; 1 nm = ein Millionstel Millimeter) sind nicht nur lungengängig, sondern können Zellmembranen im Körper direkt durchwandern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen. Der Münchner Epidemiologe Erich Wichmann weist auf die Gefahren von Rußpartikeln hin: "Umweltepidemiologische Studien zeigen, dass Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Sterblichkeit mit steigender Belastung durch Feinstpartikel zunehmen." Rußpartikel seien deutlich gefährlicher als Stickoxide.

AUTO BILD Test: viele Benziner mit Feinstaub-Problem

Der Mercedes S 500 ist trotz reichlich PS sehr sauber, weil er auch als Benziner einen Partikelfilter hat.

Daimler rüstet den Mercedes S 500 schon seit 2014 mit einem serienmäßigen Rußpartikelfilter aus. Ohne Filter hätte der 4,6-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit 455 PS offenbar schon unter Euro 6b ein Partikelproblem. Die S-Klasse ist damit ein Feldversuch in Kleinserie. Im Test prüfte AUTO BILD, was der Filter in der S-Klasse taugt und hat nachgemessen, wie viele Rußpartikel ungefilterte Benziner ausstoßen.
Dazu überprüfte AUTO BILD neun Benziner und einen Diesel. Das Ergebnis: Der Filter des S 500 funktionierte einwandfrei, aber viele Benziner haben ein Feinstaubproblem. Denn während die allermeisten Diesel heute mit Dieselpartikelfilter (DPF) und anderer Reinigungstechnik ausgestattet sind, macht die Direkteinspritzung (DI) beim Benziner Probleme. Nahezu alle Hersteller nutzen heute diese Technik, bei der der Sprit in den Brennraum injiziert wird. Der Vorteil: Sie spart zwischen 15 und 25 Prozent Kraftstoff. Das ist wichtig in Zeiten von gesetzlich reguliertem Spritverbrauch. Doch die Spartechnik bringt ein Rußproblem mit sich. Verfahrensbedingt verteilt sich das Kraftstoff-Luft-Gemisch beim Direkteinspritzer nicht so gleichmäßig wie bei Saugrohreinspritzungen. Ein inhomogenes Kraftstoff-Luft-Gemisch führt nahezu zwangsläufig zu Rußbildung. Und je höher die Einspritzdrücke steigen (Stand der Technik beim Benziner sind heute Werte um 200 Bar), desto kleiner sind die entstehenden Partikel.

Deutlich weniger Rußpartikel im Diesel-Abgas

Der Citroën Cactus stößt kaum Ruß aus. Er zeigt, wie wirksam Dieselpartikelfilter heute arbeiten.

Im ADAC- EcoTest hat der Club gemessen, wieviel Ruß Benziner ausstoßen. Dabei kam zuletzt heraus, dass alle den Euro-6b-Grenzwert einhalten. Der zehnmal niedrigere Euro-6c-Wert macht jedoch zumindest den meisten Direkteinspritzern Schwierigkeiten. Im AUTO BILD-Test wurde nicht der Rußausstoß pro Kilometer wie für die Euro-6-Norm gemessen, sondern die Partikelkonzentration je Kubikzentimeter Luft im Abgas. "Für das Vorhaben durchaus zweckmäßig", bescheinigte ADAC-Ingenieur Axel Knöfel dieser Methode.

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So spiegelte sich der zurzeit noch laxe Partikelgrenzwert für Benziner auch in unseren Messdaten wider: Selbst der sauberste Kandidat, der gefilterte Mercedes S 500, wies im Abgas eine deutlich höhere Partikelkonzentration auf als der Vergleichsdiesel, ein Citroën Cactus BlueHDI. Dessen aufwendige Reinigungstechnik filterte so gut, dass in seinen Abgasen nur ein Bruchteil der Partikelbelastung der Umgebungsluft wiederzufinden war. Die betrug am Messtag: 5500 Partikel pro Kubikzentimeter, das Abgas des Cactus enthielt nur fünf Partikel! Zugespitzt könnte man sagen: Der Citroën würde in Bezug auf Partikel als Luftfilter für Großstädte wie Stuttgart oder Berlin taugen.

Ranking: Soviel Ruß stoßen Benziner aus

Negativ auffällig: Golf und Mondeo

Erwartbar niedrige Werte maß AUTO BILD auch beim Hyundai i10 mit 1,2-Liter-Saugrohreinspritzer. Nur zwei Autos fielen negativ auf: der VW Golf und der Ford Mondeo. Der Golf 6 aus dem AUTO BILD-Dauertest-Fuhrpark ist bereits über 250.000 Kilometer gelaufen. Möglicherweise sind die Partikel hier auf beginnenden Motorverschleiß zurückzuführen. Das wirft die Frage auf, wie es um die Dauerhaltbarkeit von Benzin-Partikelfiltern bestellt ist. Spitzenreiter im negativen Sinne war der Ford Mondeo mit durchschnittlich fast 1,8 Millionen Partikeln pro Kubikzentimeter. Laut ADAC können schlechte Werte zum Beispiel an der Wahl der Einspritzdüsen liegen – aufwendigere Technik ergäbe also saubereres Abgas.

Das sagen die Autohersteller zu den Messungen
Ford: Wir entwickeln kontinuierlich Lösungen
"Ford arbeitet kontinuierlich an der Entwicklung von Lösungen, die die Partikelemissionen von Dieselmotoren und von Benzinmotoren mit Direkteinspritzung (also unserer mehrfach preisgekrönten Ford-EcoBoost-Motorenfamilie) optimieren. In diesem Zusammenhang geht es natürlich auch um das Thema Partikelfilter. In Abhängigkeit von der Baureihe werden wir voraussichtlich ab Ende 2017 Partikelfilter für unsere Benzinmotoren mit Direkteinspritzung einführen."
Mazda: Optimierung des Verbrennungsprozesses
"Der Mazda MX-5 Skyactiv-G 131 erfüllt die derzeit gültige Euro-6-Norm, selbstverständlich auch in Bezug auf die zulässigen Partikelemissionen. Die Fahrzeuge von Mazda werden darüber hinaus den zukünftigen Anforderungen bei den Partikelemissionen von Benzinmotoren ebenso selbstverständlich entsprechen. Grundsätzlich strebt Mazda eine Optimierung des innermotorischen Verbrennungsprozesses an, die bereits bei der heutigen Skyactiv-Motorengeneration zu verbesserten Wirkungsgraden und auch niedrigeren Schadstoffemissionen geführt hat. Inwiefern zur Einhaltung zukünftiger Grenzwerte der Partikelemission von Benzinmotoren der zusätzliche Einsatz eines Partikelfilters erforderlich sein wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht kommunizieren."
VW: Unbekanntes System
"Bitte haben Sie Verständnis, dass wir eine solche Messung mit einem uns unbekannten System, welches keine relevanten streckenbasierten Daten liefert, aus der Ferne nicht kommentieren können. Ohne eine Analyse des Fahrzeugs und Kenntnis über die Mess- und Betriebsparameter ist dies seriös nicht möglich. Wir möchten in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass unseren TSI-Motoren von unabhängigen Verbraucherorganisationen hervorragende Emissionswerte bescheinigt werden."

Drohen Benzinern Fahrverbote und Wertverlust?

Das Rußproblem der Benziner könnte der Diskussion um eine blaue Umweltplakette eine neue Dynamik verleihen. Experten des Umweltbundesamts fordern, dass von 2018 an nur noch rußfreie Benziner in die Städte dürfen. Folglich lautet die wichtigste Frage für den Autokäufer: Ist ein Benziner ohne Filter heute noch zukunftssicher? Oder muss ich damit rechnen, in einigen Jahren aus den Innenstädten ausgesperrt zu werden? Letzteres ist durchaus denkbar. Hinzu kommt der Wertverlust: Ungefilterte Diesel lassen sich seit 2010 im Bereich der deutschen Umweltzonen nur noch mit Preisabschlägen verkaufen.

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