VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

VW-Abgasskandal: News und Hintergründe – UPDATE

— 07.12.2016

Südkorea verhängt Rekordstrafe

Südkorea verhängt gegen VW ein Rekord-Bußgeld von fast 30 Millionen Euro. Die EU leitet ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Alle News zum Abgasskandal!

• Südkorea verhängt Bußgeld

• Leasing-Geschäft in Deutschland floriert

Kräftiges Absatzplus in den USA

• Neustart in den USA ohne Dieselfahrzeuge

• Konzern will 30.000 Stellen abbauen, die meisten in Deutschland

• VW erzielt Einigung für 3,0-Liter Motoren

Im August 2016 wurde der Verkauf von sämtlichen VW-Modellen in Südkorea gestoppt.

(dpa/Reuters/mas/cj/brü/cr) In der VW-Abgasaffäre verhängt Südkorea gegen den deutschen Autobauer ein Rekord-Bußgeld von umgerechnet fast 30 Millionen Euro. Die Kommission warf VW vor, die Verbraucher mit "falscher und übertriebener Werbung" getäuscht zu haben, indem der Autobauer manipulierte Autos als "umweltfreundlich" anpries. Die Strafe in Höhe von 37,3 Milliarden Won sei das höchste Bußgeld, das die Kommission bisher bei Werbebetrug verhängt habe. Außerdem solle die Staatsanwaltschaft gebeten werden, Ermittlungen gegen die VW-Zentrale, die örtliche Niederlassung sowie fünf frühere und jetzige Manager aufzunehmen. Südkoreas Behörden hatten VW im Zuge der Ermittlungen in der Abgasaffäre beschuldigt, Unterlagen über Emissionswerte und Lärmtests geschönt zu haben. Der Verkauf fast aller VW-Modelle in Südkorea war im August gestoppt worden.

Chronologie des VW-Skandals

7. Dezember 2016: Südkorea verhängt gegen den deutschen Autobauer ein Rekord-Bußgeld von umgerechnet fast 30 Millionen Euro wegen "irreführender" Werbung.

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Laut Gieseke soll auch gegen sechs weitere Mitgliedsstaaten ein Verfahren wegen Verletzung europäischen Rechts eingeleitet werden. Hintergrund sind die sogenannten Abschalteinrichtungen für den Motor, mit denen Autobauer Abgaswerte manipuliert haben sollen. Volkswagen hatte eingeräumt, mit dieser speziellen Software Abgaswerte von Millionen Diesel-Wagen geschönt zu haben. Solche Einrichtungen sind laut einer EU-Verordnung von 2007 verboten, allerdings ist nach Ansicht von Kritikern umstritten, wie genau Abschalteinrichtungen dort definiert sind. Verwendet sie ein Unternehmen, muss das laut Verordnung sanktioniert werden. Die Kommission kritisiere, dass Deutschland und die weiteren Staaten ein solches Sanktionssystem nicht umgesetzt und damit gegen EU-Recht verstoßen hätten, berichtete die "NOZ".

Kräftiges Absatzplus in den USA

Nichtsdestotrotz gab es aus Übersee gute Neuigkeiten für VW: Nach langer Durststrecke im Zuge der Dieselaffäre gelang Volkswagen ein kräftiges Verkaufsplus in den USA. Der Neuwagenabsatz der Kernmarke VW kletterte im November 2016 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 24,2 Prozent auf 29.672 Autos. Hauptgrund dafür war die Rabattschlacht vor Weihnachten. Vor allem beim Passat und bei Golf-Modellen wie dem neuen Sportgeländewagen Alltrack legten die Verkäufe kräftig zu. Das für den US-Markt wichtigste Modell Jetta machte hingegen ein Minus von 7,3 Prozent.

Diess: US-Neuanfang ohne Diesel

Verschwindet von US-Straßen: VW wird den Verkauf von Diesel-Modellen in den USA wohl einstellen.

Zwei Wochen zuvor war bekannt geworden, dass Volkswagen nach dem Abgasskandal in den USA offenbar einen radikalen Neuanfang plant – ohne Selbstzünder: "Wir gehen derzeit davon aus, dass wir in den USA keine neuen Dieselfahrzeuge mehr anbieten", sagte VW-Markenchef Herbert Diess dem "Handelsblatt" (23. November 2016). Grund seien die strengen gesetzlichen Rahmenbedingungen. In den USA sind die Grenzwerte bei den durch "Dieselgate" auch hierzulande stärker ins Bewusstsein gerückten Stickoxiden schärfer als in Europa. VW hatte diese Hürde zu umgehen versucht, um in den USA mit den Selbstzündern aus der Nische zu kommen. Im Herbst 2015 musste der Konzern auf Druck der US-Umweltbehörden zugeben, die Abgaswerte mit einer speziellen Software manipuliert zu haben und den Verkauf von Dieselautos, die zeitweise ein Viertel zum US-Absatz beitrugen, einstellen. Die Verkaufszahlen sind seither auf Talfahrt. 

VW-Neuheiten bis 2025

VW CUVe Illustration VW Tiguan Coupé Illustration VW Golf VIII Illustration

Atlas soll US-Absatz anschieben

Video: VW Atlas (2017) Vorstellung

Fettes SUV für die USA

Ein Neustart in den USA ist (neben der Sanierung des Geschäfts in Südamerika und Einsparungen in Europa) wäre wichtig, um die Milliarden freizuschaufeln, die VW für den geplanten Schwenk in die Elektro-Mobilität benötigt. Künftig wollen die Niedersachsen in den USA deshalb mit großen SUVs und Limousinen punkten. Den Anfang macht das Siebensitzer-SUV VW Atlas, das Volkswagen jüngst auf der Automesse in Los Angeles präsentierte. Später sollen Elektroautos auf den Markt kommen, ab 2021 lokal produziert. In den kommenden Jahren werde Volkswagen dort erheblich in die Elektro-Infrastruktur investieren. Diess: "Volkswagen muss sich in Nordamerika von einem Nischenanbieter zu einem relevanten und profitablen Volumenhersteller entwickeln." Ab 2020 wolle man in Nordamerika zumindest wieder schwarze Zahlen schreiben, "und das dauerhaft". Bis VW in den USA den Anschluss an die Platzhirsche wie General Motors, Ford oder Toyota hat, dürften allerdings wohl zehn Jahre vergehen.

In Deutschland werden 23.000 Arbeitsplätze gestrichen

Volkswagen hat sich mit dem Betriebsrat auf den Abbau von 23.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis 2020 geeinigt. Das bestätigten beide Seiten am Freitag (18. November 2016) in Wolfsburg. Der Stellenabbau werde "über Fluktuation und Altersteilzeit" und "ausdrücklich ohne betriebsbedingte Kündigungen" vollzogen, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung. Das hatte der Betriebsrat in langen Verhandlungen über den sogenannten Zukunftspakt erreicht, über dessen Ergebnisse zuerst das "Handelsblatt" (kostenpflichtig) berichtet hatte. Weltweit sollen übereinstimmenden Agenturmeldungen zufolge bis zu 30.000 Jobs wegfallen. Damit soll die angeschlagene Kernmarke VW wieder flott gemacht werden. Mit der Stellenstreichung will der Konzern die Kosten bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro pro Jahr drücken. Der gesamte Volkswagen-Konzern beschäftigt weltweit mehr als 624.000 Menschen, 282.000 davon in Deutschland.

Chronologie des VW-Skandals

7. Dezember 2016: Südkorea verhängt gegen den deutschen Autobauer ein Rekord-Bußgeld von umgerechnet fast 30 Millionen Euro wegen "irreführender" Werbung.

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9000 neue Stellen in Zukunftsbranchen

Der rein elektrische VW e-Golf ist einer der Hoffnungsträger für den angeschlagenen Konzern.

Volkswagen hat an vielen Stellen zu kämpfen. Zum einen zwingt der Abgasskandal den Autobauer zum Sparen, zum anderen muss der Konzern viel Geld in zentrale neue Trends der Branche stecken: Digitalisierung und Vernetzung sowie alternative Antriebe. Hier sollen im Gegenzug 9000 neue Arbeitsplätze entstehen und in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden Euro investiert werden. Zudem hat die Pkw-Kernmarke seit langem ein Renditeproblem. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten Euro nur rund 1,60 Euro als Gewinn, wovon dann noch Zinsen und Steuern abgingen. Der Abschluss des "Zukunftspakts" war die Voraussetzung für den Investitionsplan des Autobauers bis 2021, bei dem es um die Verwendung von rund 100 Milliarden Euro geht.

Einigung in den USA für Dreiliter-Fahrzeuge

Nach monatelangen Verhandlungen hatte Volkswagen zuvor in den USA eine weitere Hürde zur Überwindung des Abgasskandals genommen. Der Konzern habe eine Einigung über die Reparatur und den Rückkauf von rund 80.000 Diesel-Fahrzeugen mit 3,0-Liter-Motoren der Tochter Audi erzielt, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Der Kompromiss mit den US-Behörden beinhalte das Angebot zum Rückkauf von etwa 20.000 älteren Fahrzeugen und die Nachbesserung von rund 60.000 Wagen. Über einen Schadenersatz für Fahrzeugbesitzer wegen überhöhter Emissionen werde noch mit den Anwälten verhandelt. Volkswagen lehnte einen Kommentar ab und verwies auf eine Auflage des Bezirksgerichts in San Francisco, sich in dem Fall nicht zu äußern. Für Ende November ist eine Anhörung angesetzt. Der zuständige Richter Charles Breyer sei optimistisch, dass bis Anfang Dezember eine Einigung erzielt werden könne.

EPA lässt VW-Techniker und Audi-Ingenieure antreten

Die US-Umweltbehörde EPA hat laut einem Zeitungsbericht nach dem Entdecken einer neuen Schummelsoftware ein Verfahren gegen die VW-Konzerntochter Audi eingeleitet. In der kommenden Woche müssten hochrangige VW-Techniker bei der EPA antreten, berichtete die "BILD am Sonntag" am 13. November. Auch das US-Justizministerium habe mehrere Audi-Ingenieure vorgeladen. Die Zeitung hatte vor einer Woche über eine Software berichtet, die auch in Fahrzeugen in Europa eingesetzt werde und CO2-Werte manipuliere. Dabei geht es um eine Lenkwinkel-Erkennung, die in einigen Audi-Modellen erkenne, ob das Fahrzeug auf einem Prüfstand stehe.

Illegale Abschaltvorrichtung bei Benzinmotoren?

Laut Reuters prüfe die US-Regierung, ob es sich bei Software um eine illegale Abschalteinrichtung bei Benzinmotoren handelt. Das US-Justizministerium und die EPA lehnten eine Stellungnahme ab. VW könne sich aufgrund der laufenden Gespräche mit den Behörden nicht zur Situation in den USA äußern, sagte ein Unternehmenssprecher. Gegenüber dem deutschen Kraftfahrtbundesamt habe Audi die technischen Hintergründe erläutert und Informationen zur Verfügung gestellt. Grundsätzlich gelte für adaptive Schaltprogramme für Europa, dass diese lernenden Systeme im normalen Fahrbetrieb den Fahrer unterstützten, indem sie die Schaltpunkte an die jeweilige Fahrsituation optimal anpassten. Bei Prüfstandmessungen könnten adaptive Schaltprogramme aber zu verfälschten und nicht reproduzierbaren Ergebnissen führen. Darauf sei im Prüfbetrieb bei allen Herstellern zu achten.

Sammelklage in den USA

Zuletzt bekam Audi wegen der neuen Vorwürfe noch mehr rechtlichen Ärger in den USA. Eine Anwaltskanzlei aus Seattle reichte die erste Sammelklage im Namen von Autobesitzern wegen angeblicher Manipulation von Emissionswerten bei Benzinern mit 3,0-Liter-Motoren ein, teilten die Anwälte am Mittwoch (8. November 2016) mit. Betroffen seien die Modelle A6, A8, Q5 sowie wahrscheinlich auch Q7 und möglicherweise noch weitere Audi mit Automatikgetriebe. Zuvor hatte bereits die kalifornische Umweltbehörde CARB der Volkswagen-Tochter weitere Strafen wegen Abgasbetruges angedroht.

Neue Problematik mit dem Klimagas CO2

Anders als beim Abgas-Skandal von VW steht diesmal nicht der Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid im Fokus, sondern angebliche Täuschungen beim schädlichen Klimagas CO2. Nicht nur Dieselwagen sollen betroffen sein, sondern auch Benziner. Die CARB wollte die laufende Untersuchung nicht kommentieren. Die Behörde betonte aber, dass sie auch Verstöße gegen CO2-Vorschriften ernst nehme - sowohl bei Dieselwagen als auch bei Benzinern. In den Vereinigten Staaten steht Audi wegen mehr als 80.000 Dieselautos mit illegaler Abgastechnik ohnehin schon unter Druck. Die betroffenen Fahrzeuge sind laut US-Behörden mit einer speziellen Software zur Manipulation von Stickoxidwerten ausgestattet. Sollte keine Möglichkeit gefunden werden, diese nach US-Recht verbotenen Programme zu beseitigen, drohen teure Rückkäufe der betroffenen Fahrzeuge. Es geht um hochpreisige Wagen wie Porsche Cayenne, VW Touareg und Audi-Luxusmodelle. Bei rund 475.000 kleineren Dieselwagen mit manipulierten Stickoxidwerten hat sich VW mit Zivilklägern in den USA bereits auf einen Vergleich von insgesamt rund 16,5 Milliarden Dollar geeinigt.

Winterkorn soll vor Gericht aussagen

Ex-VW-Chef Winterkorn soll im Abgasskandal als Zeuge vor Gericht aussagen.

Volkswagen hat wegen des Abgasskandals viele juristische Baustellen. So laufen zahlreiche Prozesse von Autobesitzern. Ein Fall könnte nun besonders spannend werden: Das Landgericht Paderborn lud in einem Schadenersatzprozess den ehemaligen VW-Konzernchef Martin Winterkorn als Zeugen. Das Gericht erhofft sich von ihm Erkenntnisse über die Affäre um manipulierte Schadstoff-Messungen, sagte eine Sprecherin des Gerichts am 8. November. Offen sei jedoch, ob Winterkorn möglicherweise die Aussage verweigern könne und gar nicht erst erscheinen müsse. Geladen sei er bislang für den 2. Dezember. In dem Prozess verlangt ein VW-Kunde Schadenersatz von dem Autokonzern.

Staatsanwalt ermittelt gegen VW-Aufsichtsratschef Pötsch

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach Angaben des VW-Konzerns auch gegen Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch wegen des Verdachts der Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Abgasskandal. VW sei weiter der Auffassung, dass der Vorstand den Kapitalmarkt ordnungsgemäß informiert habe, teilte das Unternehmen am 6. November mit. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig war zunächst nicht zu erreichen. Wegen möglicher Marktmanipulation ermittelt die Staatsanwaltschaft  bereits gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess. Gegen die Manager liegt ein Anfangsverdacht vor, die Finanzwelt zu spät über den aufgeflogenen Abgas-Skandal informiert zu haben und so wichtige Informationen für Anleger unterdrückt zu haben. Bei Pötsch beziehe sich das Ermittlungsverfahren auf die Zeit, als er Finanzvorstand des Konzerns war, hieß es bei VW. Pötsch und der Konzern wollten die Ermittler "in vollem Umfang unterstützen.”

VW bestreitet Abgasbetrug in Europa

Im VW-Polo steckt der kleinste vom VW-Skandal betroffene Dieselmotor. In Europa verneint VW jeden Betrug.

Offenbar aus Sorge vor einer milliardenteuren Klagewelle geht Volkswagen auf Konfrontationskurs zu Politik, Gerichten und Behörden in Europa. Der Konzern teilte Anfang November mit, die eingebaute Software stelle nach Ansicht des Konzerns "keine unzulässige Abschalteinrichtung nach europäischem Recht dar". Das Bundesverkehrsministerium widersprach der Darstellung. "Wir teilen die Auffassung von VW nicht“, sagte ein Sprecher des Ministeriums der Tageszeitung "WELT" vom 5. November. Die Äußerung von VW widerspricht auch dem Rückrufbescheid des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA), wonach die manipulierten Fahrzeuge auch in Deutschland zurück in die Werkstätten müssen.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

KBA erteilt Freigabe für Umrüstung von 1,6-l-Motoren

Am Freitag, 4. November, gab es eine gute Nachricht für VW: Europas größter Autobauer erhielt die Freigabe für weitere 2,6 Millionen Fahrzeuge vom KBA, teilte das Unternehmen mit. Konkret geht es um die Diesel-Motoren mit 1,6-Liter Hubraum aus der Baureihe EA 189. Damit kann die Umrüstung der Autos in den Werkstätten beginnen. Dazu ist ein Softwareupdate der Motorsteuerung nötig, zudem wird ein sogenannter Strömungsgleichrichter eingebaut. Die Umrüstung soll weniger als eine Stunde in Anspruch nehmen, Fahrzeughalter werden den Angaben zufolge in den kommenden Wochen nach und nach benachrichtigt.

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VW-Absatz in den USA bricht weiter ein

Zuletzt musste Volkswagen bei seiner Kernmarke VW Pkw auf dem von der Diesel-Affäre besonders betroffenen US-Markt erneut einen herben Rückschlag hinnehmen. Der Absatz im Oktober 2016 ging im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 18,5 Prozent auf 24.779 Autos zurück, teilte das Unternehmen am 2. November mit. Seit Jahresbeginn sanken die Auslieferungen um 13 Prozent auf nur noch 256.000 Fahrzeuge. Das einst erklärte Ziel des Konzerns, auf dem US-Markt an Boden zu gewinnen, scheint nun in noch weitere Ferne gerückt. Zum Vergleich: Im Finanzjahr 2016 hat Toyota 2,8 Millionen Fahrzeuge in den USA abgesetzt. Allerdings mussten auch die Japaner im Oktober 2016 Einbußen hinnehmen: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent. Die VW-Oberklasse-Töchter Audi und Porsche meldeten dagegen Absatzanstiege von 0,1 und 10,7 Prozent.

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US-Gericht stimmt Milliarden-Vergleich zu

Zumindest vergangene Woche gab es gute Nachrichten aus den USA für VW: Volkswagen kann den dicksten Brocken seiner "Dieselgate"-Rechtslasten aus dem Weg räumen. Der für Hunderte Zivilklagen zuständige Richter Charles Breyer gab am 25. Oktober seine endgültige Zustimmung zu einem mit amerikanischen Behörden, Dieselbesitzern und Autohändlern ausgehandelten Vergleich, der den Konzern bis zu 16,5 Milliarden Dollar (15,2 Milliarden Euro) kosten könnte. Der Kompromiss sei "fair, angemessen und adäquat", teilte Breyers Gericht mit. Er gilt für rund 475.000 VW-Dieselwagen mit 2,0-Liter-Motoren, die mit einer Software zum Austricksen von Abgastests ausgerüstet sind. Der Vergleich ist bei den US-Kunden auf breite Zustimmung gestoßen. Bei zusätzlichen etwa 85.000 Fahrzeugen mit größeren, 3,0-Liter-Motoren ringt der Konzern allerdings weiter um eine Lösung mit den US-Behörden. In dieser Angelegenheit will Richter Breyer bis zum 3. November detaillierte Vorschläge sehen.

Rückruf soll im Jahresverlauf 2017 abgeschlossen sein

Ins Stocken war der Rückruf bereits im Frühjahr 2016 geraten, als das Kraftfahrtbundesamt (KBA) die Freigabe für den Passat-Rückruf verweigerte – angeblich, weil nach der Umrüstung der Spritverbrauch gestiegen sei. Manfred Bort, Volkswagenbeauftragter "für die Dieselthematik in Europa", zeigte sich Mitte September im VW-Mitarbeitermagazin "inside" dennoch zuversichtlich: "Wir setzen alles daran, bis November die Freigaben für alle Software-Varianten zu erhalten. Bis Jahresende wollen wir alle betroffenen Kunden in Deutschland informieren, dass die technische Lösung für ihr Auto verfügbar ist. Ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des nächsten Jahres den Rückrufprozess abgeschlossen haben werden", so Bort im "inside".

Das ist VW-Chef Matthias Müller

"Freiwilliger" Rückruf stockt

Im Schneckentempo geht unterdes auch der "freiwillige" Rückruf von mehr als 600.000 Fahrzeugen diverser Hersteller voran, deren Autos bei den durch den Abgasskandal ausgelösten Nachmessungen durch das KBA auffällig waren. "Mit Ausnahme des Porsche Macan, für den eine Freigabe erteilt worden ist, dauern die Prüfungen noch an", teilte das Bundesverkehrsministerium laut "Handelsblatt" mit.

Die größten NOx-Sünder

In den USA bietet VW den Dieselbesitzern je nach Modelltyp und Baujahr zwischen 5100 und 10.000 Dollar pro Fahrzeug als Wiedergutmachung. Zudem muss der Konzern Rückkauf oder Umrüstung der Dieselwagen in einen gesetzeskonformen Zustand anbieten. In Deutschland und anderen Ländern sträubt sich VW bislang gegen vergleichbare Angebote.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Audi-Ingenieur: "Ohne Bescheißen geht es nicht"

Im Abgasskandal rückt die Rolle von Audi immer mehr in den Mittelpunkt. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass bereits 2007 ein Ingenieur einem größeren Kreis von Managern des Autoherstellers in einer E-Mail geschrieben habe, dass man es "ganz ohne Bescheißen" nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten "Süddeutsche Zeitung", NDR und WDR am Mittwoch (21. September) unter Berufung auf Erkenntnisse der Anwaltskanzlei Jones Day, die im Auftrag des VW-Aufsichtsrats die Dieselaffäre aufklären soll. Audi gelte mittlerweile im VW-Konzern als die "Mutter des Betrugs", schreibt die "SZ". Die Ingolstädter hatten zwar eingeräumt, eine unter US-Recht illegale Software zur Abgaskontrolle eingesetzt zu haben. Eine gezielte Täuschung stritt Audi bislang stets ab.

Insgesamt sechs Generationen der Betrugssoftware

Die Entwicklung der Software soll bereits 1999 bei Audi erfolgt sein. Die sogenannte "Akustikfunktion"  soll dann von 2004 bis 2008 in den 3,0-Liter-V6-Motoren in Europa eingebaut worden sein. Als die VW-Ingenieure Ende 2006 keine (preisgünstige) Lösung fanden, die scharfen US-Umweltrichtlinien zu erfüllen, sollen sie laut der von BILD zitierten Anklageschrift beim damals neuen EA189-Motor diese "Akustikfunktion" von Audi kopiert haben. Und zwar "laut Klage mit Wissen und Genehmigung der VW-Manager", so die Tageszeitung weiter. Insgesamt solle Volkswagen sechs Generationen der Schummel-Software entwickelt haben. Volkswagen bezeichnet die Vorwürfe als "im Wesentlichen nicht neu" und wies die Anschuldigungen gegen Matthias Müller als "unbegründet" zurück.

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