Brubaker Box und die vielen Gesichter des Käfer

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VW-Käfer-Umbau: Brubaker Box

— 19.02.2015

Der coolste Käfer-Klon der Welt

Der Käfer-Klon Brubaker Box sieht aus, als käme er aus der Zukunft, und ist doch schon 40 Jahre alt. Wir zeigen ihn – und weitere schöne Verwandte des Wolfsburger Krabblers.

Video: Brubaker Box

Der erste Minivan

Der coolste Käfer der Welt hat nur eine Tür. Eine Schiebetür. Auf der Beifahrerseite. "Mit beiden Händen", erklärt DJ Greyboy. "Kräftig. Trau dich. Gut so." Die Tür schwingt auf, Greyboy krabbelt rüber auf den Fahrersitz. Gurte? "Sorry, Mann." Dann schmeißt er den Motor an. Ein Käfer, unverkennbar. Dieser Sound im Heck. DJ Greyboy würgt den ersten Gang rein, und der Brubaker Box rollt langsam durch San Diego. Die Nadeln der vier Rundinstrumente, gut einen Meter hinter dem Holzlenkrad am Horizont zu erahnen, zittern. Greyboy gibt Gas, der 1600er dreht lautstark auf. Alles, was geht, Tempo 100 auf dem Highway. Andere Autofahrer bremsen ab, gucken, winken, staunen über den ersten Minivan der Welt: "What the ...?" DJ Greyboy, tagsüber Andreas Stevens, 45 Jahre, Sohn griechischer Einwanderer, Discjockey und Musikproduzent, schreit: "Kenn ich schon. Mein Box erregt mehr Aufsehen als ein verdammter Ferrari."
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600 Abeitsstunden investiert

600 Stunden Arbeit hat Andreas Stevens alias DJ Greyboy in seinen Box investiert.

Kein Wunder: Vom Brubaker Box fahren weltweit ja auch nur noch 13 Stück. Zwischen 30 und 50 Exemplare – die Angaben schwanken – wurden in den 70er-Jahren gebaut. Greyboy hat im vergangenen Jahr einen davon in New Jersey gekauft. Baujahr 1974. Glatte 5.000 Dollar. Hat noch mal 15.000 Dollar reingesteckt, denn: "Mann, ich sag dir, alle Teile aus Metall waren echt am Arsch." 600 Arbeitsstunden hat er in seinen Brubaker Box investiert. Mit Kater an seinem Kasten-Käfer geschraubt, nach langen Nächten hinter den Plattenspielern in den vielen Musikclubs und Bars von Südkalifornien. Nur die Box aus Fiberglas war noch zu gebrauchen. Gemeinsam mit einem Freund machte Greyboy den Motor flott, den einzigen Turbo-Boxer in einem Brubaker Box. Und den Innenraum, minimalistisch wie in keinem anderen Auto. Hat aus dem Fond eine Lounge werden lassen, goldfarbener Stoff an den Wänden. Hat die markanten Stoßstangen nachgebaut, Stahl mit Holzfolie. Und den Glitzerlack aufgetragen, der seinen Brubaker wie einen Goldbarren aussehen lässt.
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Eine neue Art Crossover

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AUTO BILD TV - Das Magazin

"Dieser Curtis Brubaker war ein verdammtes Genie", schreit Greyboy durch den Motorenlärm und schüttelt den Kopf. Der junge Kalifornier Brubaker ging Anfang der 60er-Jahre als Designer zu GM nach Detroit, kehrte aber schnell wieder heim. Im eigenen Designstudio arbeitete er für Ford, Volvo, GM und verschiedene Japaner. Dann sah er eines Tages eine Gruppe Surfer aus einem VW Bus steigen. Dazu wollte er einen coolen Gegenentwurf bauen, eine "neue Art Crossover", wie er später sagt. Einen Van für jeden. Familien, Surfer, ganz egal. Auf Käfer-Plattform, keine ganz neue Idee. Mit einem "one box"-Design. Und nur 1,40 Meter hoch. Er baute ein Modell des Brubaker Box und sammelte daraufhin von begeisterten Investoren 160.000 Dollar ein. Mit 31 Jahren hatte er die Idee, sein Modell als Kit Car zu verkaufen. Doch Volkswagen weigerte sich, ihn mit Käfer-Chassis zu beliefern. Also musste Brubaker komplette Käfer kaufen und die Teile, die er nicht brauchte, weiterverkaufen. Er mietete 1972 eine Halle in Los Angeles an, wollte pro Monat fünf Autos zum Preis von 3.995 Dollar auf die Straße bringen. Und ab Ende 1972 rund 400 im Monat. Das war sein Plan.
Technische Daten: Brubaker Box
Motor Vierzylinder-Boxer, Turbo, hinten längs
Hubraum 1584 ccm
Leistung ca. 66 kw (90 PS)
Antrieb Heck/Viergang-Schaltgetriebe
Leergewicht 840 kg
Länge/Breite/Höhe 4013/1753/1397 mm
Bauzeitraum 1972-1979
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Das Auto ist eine Skulptur

Seine Zulassung bekommt der Box nur dank dieser Dachluke. Dem Klima im Auto ist sie dazu nicht abträglich.

Er verbaute Windschutzscheiben vom AMC Javelin, Heckscheiben vom Chevy El Camino, Rücklichter vom Datsun-Pick-up und viele Teile vom Ford Pinto. Doch nach nur drei Autos sprangen die Investoren ab. Am Ende baute die Firma Automecca noch ein paar Dutzend Brubaker Box und verkaufte sie unter dem Namen "Sports Van". "Eine traurige Geschichte", sagt Greyboy und arbeitet sich durch das Vierganggetriebe. "Das Auto ist eine Skulptur. Allein die Idee mit nur einer Tür." Sie macht das Auto – nicht nur von der Fahrerseite aus betrachtet – zu einem einmaligen Designstück. Falls der Wagen nach einem Unfall auf der Beifahrerseite liegen bleibt, kann man den Box durch eine Luke im Dach verlassen. Nur deshalb ist das Auto, das wie ein Mondmobil aussieht, überhaupt zugelassen.
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Ein Toyota Prius für die täglichen Fahrten

Technisch (und offiziell) ist der Box ein Volkswagen.

Greyboy fährt eh nur oben offen. Weil die Käfer-Pedale nach vorn und oben versetzt wurden, sitzt der DJ in seinem Box entspannt zurückgelehnt. Er sucht einen Musiksender im Radio, das da eingebaut ist, wo sich in normalen Autos die Fahrertür befindet. "So kann mir keiner an den Knöpfen rumfummeln", ruft Greyboy und fingert mit der linken Hand an den Reglern. Doch viel von Musik ist bei dem Lärm eh nicht zu hören. Greyboy war bislang keine 800 Kilometer mit seinem Goldstück unterwegs. Für die täglichen Fahrten benutzt er seinen Toyota Prius. Der sei das genaue Gegenteil: total uncool, aber voll vernünftig. Ausfahrten im Brubaker sind für ihn Feiertage. Am Ziel der Fahrt, dem Fiesta Island Park vor San Diego, steigt ein Mann vom Fahrrad und fragt DJ Greyboy, was das denn für ein cooler Van sei. "Siehst du", sagt Andreas Stevens, "die Leute erkennen ihn sofort als das, was er sein soll. Als einen Van." Hört sich an wie ein VW, sagt der Biker. "Ist aber ein Brubaker Box", antwortet Greyboy. Der Mann zuckt mit den  Schultern. "Nie gehört." Offiziell zugelassen ist dieses unglaubliche Stück Auto allerdings in der Tat als ein Volkswagen. Als der coolste Volkswagen der Welt.

Nicht der Einzige

Der coolste, aber nicht der einzige. Außergewöhnliche Vehikel, die auf dem Käfer aufbauen, gibt es einige, vom Karmann Ghia über den Fiberfab Bonito bis zum Rometsch Beeskow Cabrio. Fahrzeuge aus dem VW-Konzern und darüber hinaus, in denen ein Käfer drin steckt, auch. Und Käfer, die unter dem Blech eigentlich gar keine Käfer mehr sind, außerdem. Wir haben uns umgesehen und in der Galerie die schönsten, skurrilsten und seltensten Exemplare für Sie zusammengestellt. Viel Spaß beim Klicken!

Brubaker Box und die 1000 Käfer-Gesichter

Brubaker Box VW Ghia Aigle Fiberfab Bonito

Autor: Hauke Schrieber

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